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27. 09. 2016
Schroeter, Johann Hieronymus - Astronom, zu seinem 200. Todestag
Geschrieben von Detlef Tonn   
29. 08. 2016
Mitbegründer der wissenschaftlichen Selenographie

* 30. August 1745 in Erfurt
† 29. August 1816 in Lilienthal bei Bremen

Portraet J.H.Schroeter
Porträt J.H.Schroeter

Vor 200 Jahren verstarb am 29. August 1816, einen Tag vor seinem 71. Geburtstag, der bedeutende Astronom und gewesene Ober-Amtmann zu Lilienthal an seinem Wirkungsort.

Johann Hieronymus Schroeter wurde als Nachkömmling und jüngstes von insgesamt drei Kindern einer alteingesessenen Erfurter Anwaltsfamilie in ihrem neu erbauten Haus bei der Neuen Mühle in der Neuen Straße geboren. Eine Gedenktafel erinnert uns heute daran. Aufgrund seiner schwachen Konstitution wurde er am darauffolgenden Tag frühmorgens durch Pastor Lozzen von der Predigergemeinde im elterlichen Hause getauft. Taufpate war der berühmte Erfurter Mediziner und Botaniker, der Professor und spätere Universitätsrektor Johann Hieronymus Kniphof (1704-63), von dem er traditionsgemäß seine Vornamen erhielt (Dieter Gerdes: „Die Lilienthaler Sternwarte 1781 – 1818“).

Leider verlor Hieronymus den Vater bereits in früher Kindheit. Dem Knaben war eine besonders wacher Geist in die Wiege gelegt  worden. Er war universell begabt, ließ frühzeitig sein Interesse in naturwissenschaftlicher wie auch musischer Richtung erkennen. Speziell die Astronomie zog ihn in ihren Bann. Im Turm der Schottenkirche war eine behelfsmäßige Sternwarte, finanziert vom kurmainzischen Statthalter Karl Theodor von Dalberg , mit einem Fernrohr eingerichtet worden. Hier führte er mit Freunden Himmelsbeobachtungen durch.
Nach dem Besuch der Schule und des Erfurter Ratsgymnasiums (1758-61), begann er zunächst ein Studium der Theologie an der hiesigen Universität, um schon bald darauf an der Universität Göttingen ein Jurastudium aufzunehmen. Dort hörte er auch Physik und Astronomie und unternahm regelmäßig Beobachtungen an der Sternwarte.

1777 begann seine Beamtenlaufbahn mit der Versetzung nach Hannover. Über den aus seinen musikalischen Interessen entstandenen Kontakt mit der Familie Herschel, bekam Schroeter neue Anregung zur intensiveren Beschäftigung mit der Astronomie.
1782 trat er seine Lebensstellung als Ober-Amtmann in dem Dorf Lilienthal bei Bremen an, das mit dem astronomischen Wirken Schroeters in den folgenden Jahrzehnten zu einer größeren Bekanntheit zumindest in Wissenschaftskreisen gelangen sollte. Seine Stellung ließ ihm zudem genügend Zeit, sich stärker mit der Astronomie zu beschäftigen. Unterstützung erhielt er auch durch seinen obersten Dienstherren, König Georg III (1738-1820),  zugleich Kurfürst von Hannover, das damals zur britischen Krone gehörte und der wissenschaftlichen Forschungen aufgeschlossen gegenüber stand.

Mit dem ihm eigenen Ehrgeiz und großer Zielstrebigkeit baute Schroeter im Garten des Amtshauses eine private Sternwarte auf, die er immer weiter vervollkommnete. Dies galt auch für das eingesetzte astronomische Instrumentarium. Ihm wurde eine ausgezeichnete Sehschärfe bescheinigt, die es ihm erlaubte, die Leistungsfähigkeit der Teleskope weiter zu entwickeln.
Ein 1794 selbst fertiggestelltes „Riesenteleskop“, ein 25-füßiger (!) Newton-Reflektor,  markierte dabei einen Höhepunkt in der Entwicklung und machte Schroeter und seine Privatsternwarte weithin berühmt. Neben dem Observatorium von Friedrich Wilhelm Herschel (1738-1822) in England avancierte die Sternwarte Schroeters zur bedeutendsten astronomischen Beobachtungsstation in Europa. Für Astronomen und astronomisch Interessierte gehörte es bald zu einem „Muss“, nach Lilienthal zu gehen, um mittels neuester technischer Entwicklungen sich weiter zu vervollkommnen. Hinzu kam Schroeter's Persönlichkeit und Ausstrahlung bei der Vermittlung seiner Erkenntnisse, die seinen Ruf in der Wissenschaftszene begleitete.

Schroeter beschäftigte Assistenten, die Inspektoren, die auch eigene Forschungen betrieben. Berühmtheit erlangten die Astronomen Karl Ludwig Harding (1765-1834) – in Lilienthal 1796-1805, entdeckte dort 1804 den Planetoiden Juno – sowie Friedrich Wilhelm Bessel (1784-1846) – in Lilienthal 1806-10.
Mit der „Himmelspolizey“ organisierten er und seine Mitstreiter Franz Xaver von Zach (1754-1832) und Heinrich Wilhelm Olbers (1758-1840) in der 1800 in Lilienthal gegründeten „Vereinigten Astronomischen Gesellschaft“ ein - in heutiger Sprache - Netzwerk, das der Herstellung präziser Sternkarten und der gezielten Suche nach einem vermuteten Planeten zwischen Mars- und Jupiterbahn diente.

Im Mittelpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeit standen bei Schroeter die topografische Erforschung der Planetenoberflächen, hier besonders die präsize Wiedergabe der Krater und Erhebungen des Erdmondes, sowie die physikalischen Untersuchungen zum Rotationsumlauf des Merkur. Auch wenn viele seiner Erkenntnisse bald durch seine Nachfolger präsiziert werden konnten, so ist Schroeter durch sein Wirken als Forscher und Vermittler ein bleibender Platz in der Wissenschaftsgeschichte der Astronomie, als einer der bedeutendsten und innovativsten Vertreter auf seinem Forschungsgebiet gesichert.

In seinem Privatleben entsprach Hieronymus Schroeter sicherlich nicht den damals vorherrschenden Konventionen. Nicht ungewöhnlich war noch, das ihm seine 13 Jahre ältere Schwester Elisabeth schon von Erfurt her den Haushalt führte, woraus ein besonders inniges Verhältnis spricht. Sie wird ihm den Freiraum geschaffen haben, der für die umfangreichen astronomischen Aktivitäten notwendig war. Zu unbekannter Zeit entwickelte sich eine Lebenspartnerschaft ohne Trauschein mit der Bauerntochter Ahlke Lankenau, aus der als einziges gemeinsames Kind, Sohn Johann Friedrich am 11. Juni 1786 in Lilienthal hervorging. Dieser wurde bald vom Vater adoptiert, erhielt dessen Namen und eine vorzügliche Ausbildung. Von den Talenten und Neigungen des Vaters hatte er überdies reichlich in die Wiege gelegt bekommen. So schlug er ebenfalls eine juristische Laufbahn ein, setzte in fünfter Generation die Familientradition fort, folgte dem Vater im Verwaltungsamt und teilte dessen Leidenschaft für die Astronomie. Nach dem Tod des Vaters gingen die verbliebenen Instrumente an ihn über und wurden in der Familie bewahrt (Heimatverein Lilienthal).

Gedenktafel J.H.Schroeter in Erfurt
Gedenktafel am Geburtshaus von Joh. Hieronymus Schroeter in Erfurt
Schlösserstraße 25 von 1992, eine Spende der Lilienthaler Bürger!Foto: D.Tonn, 28. August 2016

Schroeter zeigte sich zeitlebens mit seiner Heimatstadt Erfurt verbunden, obgleich er diese bereits in jungen Jahren mit dem Studium in Göttingen 1764 verlassen hatte. Dies bezeugt die Vielzahl seiner Abhandlungen, die er zwischen 1787 und 1802 bei der 1754 gegründeten, damals international renommierten Erfurter Akademie gemeinnütziger Wissenschaften einreichte. Nach der ersten Einreichung einer Arbeit über Jupiter- und Uranusbeobachtungen, die ihm sofort die Aufnahme in die Akademie eintrug, fanden auch seine weiteren Beiträge dort reges Interesse, wurden in den Sitzungen verlesen und in drei Fällen sogar in der Acta Academiae publiziert.

Im Zuge der napoleonischen Kriege wurde ab 1810 selbst das kleine Lilienthal heimgesucht. Der Ort wurde unter französische Protektion gestellt, Schroeter selbst zwangspensioniert; er blieb mehrere Jahre ohne Bezüge. Den schwersten Schlag musste er jedoch 1813 verkraften, als französische Truppen Lilienthal branntschatzten. Das Amtshaus und seine darin aufbewahrten wissenschaftlichen Aufzeichnungen wurden ein Opfer der Flammen, die Sternwarte wurde geplündert, verwüstet und unbenutzbar gemacht. Trotz dieses großen Verlustes an seinem Lebenswerk, setzte sich Schroeter, nachdem er Ende 1813 wieder in sein Amt eingesetzt worden war, mit all seiner verbliebenen Kraft für den Wiederaufbau seines zerstörten Heimatdorfes ein. Viel Lebenszeit ließen ihm jedoch seine inzwischen angegriffene Gesundheit und Psyche nicht mehr.

Einrichtungen
  • Lilienthal, Heimatmuseum mit Johann Hieronymus-Schroeter-Archiv samt einem Modell der berühmten Sternwarte des bekannten Astronomen sowie historische astronomische Instrumente.
  • Lilienthal, Amtmann-Schroeter-Haus,  1791 von Schroeter als Wohnhaus für Lebensgefährtin Lankenau und Sohn Joh. Friedrich erworben. Schroeter selbst zog erst 1813 nach Brandvernichtung seiner Wohnstatt im Amtshaus ein. Haus im ursprünglichen Zustand erhalten, restauriert, Verlorenes denkmalgerecht rekonstruiert.
  • Lilienthal, Grundschule Schroeterschule , Konventshof 3
  • Lilienthal, Historische Sternwarte, Rekonstruktion 2015

 

Ehrungen
  • 1787 Mitglied Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt
  • 1792 Ehrendoktorwürde anlässlich der 400-Jahr-Feier der Erfurter Universität (1392 gegr.)
  • 1793 Mitglied Leopoldina
  • Zwei Krater auf Mond bzw. Mars sowie ein Mondtal (Vallis Schröter) und ein Asteroid (Schroeteria) erhielten seinen Namen.
Gedenktafeln
  • Erfurt, Schlösserstrasse 25, ehemals Neue Strasse, am Geburtshaus von Schroeter, anlässlich des 600. Jahrestages der Gründung der Universitaet Erfurt (1392) und des 200. Jahrestages der Verleihung der Doktorwürde der Universität an Johann Hieronymus Schroeter enthüllt (19. September 1992). Die Bronze-Tafel ist eine Spende der Lilienthaler Bürger!
  • Göttingen, Rote Straße 17, anlässlich der Jahrestagung der Gauß-Gesellschaft enthüllt (14. Oktober 1988)
  • Lilienthal, Amtmann-Schroeter-Haus, Hauptstr. 63, rechts vom Eingang
  • Lilienthal, Westeingang der Klosterkirche Lilienthal (1995)
Straßenbenennungen
  • Erfurt, Andreasvorstadt: Hieronymus-Schröter-Straße
  • Lilienthal, Wohnsiedlung Butendiek: Amtmann-Schroeter-Straße
  • Dresden-Reick: Schroeterstraße im “Astronomenviertel” um die Keplerstraße
Quellen / Verweise
Letzte Aktualisierung ( 31. 08. 2016 )
 
Sonderausstellung Herzogliches Museum Gotha: Balthasar van der Ast
Geschrieben von Detlef Tonn   
28. 07. 2016
Sonderausstellung in der ersten Etage des Herzoglichen Museums Gotha vom 2. Juli bis 3. Oktober 2016 
Schöner als die Wirklichkeit - Die Stillleben des Balthasar van der Ast (1593/94 – 1657)
Sillleben Tulpe mit Schmetterling und Fliege
Balthasar van der Ast: Tulpe Sommerschön, 1625
Privatsammlung© www.medien.aachen.de

In Middelburg geboren, wirkte Balthasar van der Ast als Maler im Goldenen Zeitalter (der Niederlande) überwiegend in Utrecht und danach bis zu seinem Tode in Delft.

Die erste Personalausstellung dieses originellen und innovativen niederländischen Stilllebenmalers überhaupt stellt ein beachtenswertes kulturelles Ereignis für Gotha und Thüringen dar. Auch neben der diesjährig im Mittelpunkt stehenden Landesausstellung zu den Ernestinern. Und warum sollte der Besuch beider Ausstellungshöhepunkte nicht kombiniert werden?

Für alle Kunstfreunde, die bereits das Glück hatten, die im Januar 2016 zu Ende gegangene Jubiläumsausstellung im Angermuseum Erfurt zum 300. Geburtstag des Erfurter Malers Jakob Samuel Beck zu sehen, bietet sich die reizvolle einmalige Gelegenheit, einen der prägenden niederländischen Vorläufer (ein Jahrhundert vor Beck) im Silllebengenre Blumenstücke zu studieren.

Die gemeinsam konzipierte Ausstellung mit dem Suermondt-Ludwig-Museum Aachen, war zunächst dort zu sehen und kam nun nach Gotha. Genannte und ungenannte europäische Leihgeber von Museen und Galerien sowie privater Hand ermöglichten die Zusammenstellung. Einer monografischen Schau des niederländischen Stilllebenmalers van der Ast stand bislang wohl auch erschwerend entgegen, dass seine Bilder  überwiegend auf Holz und Kupfer (selten und erst spät auf Leinwand) gemalt sind und aus diesem Grund nur sehr restriktiv ausgeliehen werden.

Die kleine feine Auswahl von 40 Gemälden und einigen Papierarbeiten vereint die wichtigsten Gemälde Balthasar van den Asts aus 50 Jahren seiner verschiedenen Schaffensperioden. Die Eigenständigkeit seiner Werke wird auch im Vergleich mit einigen seiner Lehrmeister, wie Ambrosius Bosschaert und Roelant Savery, gezeigt. So werde die Entwicklung des Stilllebens in den nördlichen Niederlanden in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts deutlich. Bei Van der Ast fasziniert die malerische Brillanz seiner Blumenstücke und Früchtearrangements, die er mit damals noch ungewöhnlichen exotischen Gegenständen kombiniert wie Schneckenhäusern, Muscheln, Eidechsen oder auch kostbarem chinesischem Porzellan. Seine Werke lassen das Bemühen um die (detail-)getreue Wiedergabe der Natur erkennen.

Vergleichbar dem Bürgerstolz, der sich in der Wiedergabe von Erfurter Gemüsezüchtungen bei Beck zeigt, so sind es die Mitbringsel aus überseeischen Handelsbeziehungen der Niederländer bei van der Ast.

Als Bereicherung der Gothaer Schau wurden aus der naturkundlichen Sammlung der Stiftung Schloss Friedenstein entsprechende präparierte Originalstücke hinzugefügt, die unmittelbar an den Gemälden platziert sind.

Besondere Aufmerksamkeit dürfte das seit Mitte der 1980er Jahre in der Kunstwelt als verschollen gegoltene Meisterwerk, das auf 1625 datierte unter "Tulp Zomerschoon" (Tulpe Sommerschön) bekannte Stillleben mit Tulpe, Schmetterling und Fliege, auf sich vereinen. Erst 2015 wurde es durch Christian-Frederik Plötz und Susanne Steiger in Bonn zufällig wiederentdeckt.

Die "Zomerschoon" war van der Asts Lieblingsmotiv. Von den Sorten mit denen im 17. Jahrhundert  gehandelt  wurde, ist sie die einzige heute noch erhaltene. Die dargestellte Sorte  zeichnet sich durch rot-geflammte Blütenblättern aus. Für sie und andere Tulpen mit einem bizarren Farbenspiel in einer Zeichnung aus verlaufenden Linien, Flecken oder Federn („gebrochen“), kam die alte, heute kaum noch verwendete Bezeichnung „Rembrandt-Tulpen“ auf, mit der sie besonders hervorgehoben wurden. Die Tulpen sind nach dem berühmten Maler benannt worden, was seiner Zeit als ganz besonders galt. Der berühmte Maler selbst soll jedoch keine Tulpen gemalt haben.
Diese in der Zeit des Tulpenfiebers am häufigsten gefragten und teuersten Tulpen mit  fantastischen, lodernden Flammen ähnelnden Farbverläufen sollen durch Viren verursacht worden sein, das bedeutet, die Pflanzen waren krank. Das wussten damals ihre Käufer aber nicht, denn es wurde erst 1928 entdeckt. Danach bewirkt das Virus, dass sich der Pflanzenfarbstoff Anthozyan, der eigentlich im gesamten Blütenblatt gleichmäßig verteilt ist, nur noch in begrenzten Bereichen sammelt. Die Folge sind Streifen oder Flecken und Farbverläufe, die auch innerhalb einer Sorte stark variieren konnten. Werden Rembrandt-Tulpen neben einfarbigen Tulpen im Garten gepflanzt und kommt es zu Wurzelkontakt, so kann sich das Virus verbreiten. Vorher einfarbige Tulpen können dann auch eine Flammenfärbung bekommen. Viele der Rembrandt-Tulpen, die es heute im Handel gibt und die Assoziationen an die alten Blumengemälde aus dem Goldenen Zeitalter wecken, sind aber dank züchterischer Leistung völlig gesund.
Tulpen waren damals in Holland ein Statuszeichen und Spekulationsobjekt von astronomischen Wert. So musste ein wohlhabender Bürger nur einen Bruchteil an Gulden aufwenden, sich die begehrten Blumen von Künstlern malen zu lassen, als sie zu kaufen. Daraus erklärt sich die große Zahl Blumenstücke mit Tulpenmotiv.

Das Bild ist kein üppiges Blumenarrangement, vielmehr das elegante Porträt einer weiß-roten  Tulpe in einer filigranen Glaskaraffe mit Schmetterling und Fliege, Symbolen der Vergänglichkeit. Tulpen waren damals in Holland ein Statuszeichen und Spekulationsobjekt von astronomischen Wert. Das Bild gilt auch deshalb als einzigartig, weil vom Künstler kein weiteres Gemälde mit nur einer Tulpe bekannt ist, es ist somit das einzige unter sonst mehrblumigen Stillleben in der Ausstellung.
An einem Bild dieser Art habe ein Meister wie van der Ast mehrere Wochen gearbeitet. Laut Plötz mussten die einzelnen Schichten in minuziöser Feinstarbeit und kleinsten Schritten trocken aufgetragen werden. Die Tulpe wird der Maler an ihrem Wuchsort studiert haben, sind sich die Kunstexperten sicher, denn ein damals so kostbares Stück wäre niemals für ein Gemälde abgeschnitten worden. Das Glas und die Spiegelung des Fensters in der Vase seien in der Kunstgeschichte regelrecht revolutionär, weil diese Details das Bild öffneten und plastisch machten.

Kunstexperten messen dem Bild heute sogar eine prophetische Dimension bei. Klar dürfte der Symbolgehalt sein, der sich auf die Vergänglichkeit alles Natürlichen bezieht und die auf alle Bildelemente gleichermaßen zutrifft, sei es eine gewöhnliche Fliege, ein schöner Schmetterling oder eine damals unvorstellbar kostbare Tulpe.

Ein Katalog "Die Stillleben des Balthasar van der Ast" ist im Museum erhältlich.

Letzte Aktualisierung ( 29. 07. 2016 )
 
Sonderausstellung Museum der Natur Gotha: Tiere des Jahres 2016
Geschrieben von Detlef Tonn   
11. 04. 2016
Sonderausstellung im Museum der Natur Gotha, Schlotheim-Kabinett vom 17. 4. 2016 bis 28. 8. 2016
Basstölpel
Seevogel 2016: BasstölpelFoto: Ronald Bellstedt
Tiere des Jahres 2016

Seit 1971 wählen Naturschutz- und Umweltverbände alljährlich Tiere, Pflanzen und Lebensräume des Jahres, um auf deren besondere Gefährdung hinzuweisen.

Im Rahmen dieser Sonderausstellung stellt das Museum der Natur Gotha folgende 11 Tiere des Jahres 2016 vor:

  • Vogel: Stieglitz, auch Distelfink genannt. Der farbenprächtiger Singvogel, zwar in Thüringen mit etwa 40.000 Brutpaaren noch weit verbreitet und relativ häufig, doch der langjährige Bestandstrend dieser Art ist negativ! Eine Ursache liegt darin, dass die  Nahrungsquellen - blütenreiche Acker- und Gewässersäume sowie Wegränder mit samenreichen Wildkräutern und Stauden - in unserer intensiv genutzte Kulturlandschaft  immer seltener werden.
  • Wildtier: Feldhamster
  • Lurch: Feuersalamander
  • Fisch: Hecht
  • Insekt: Dunkelbrauner Kugelspringer. Das winzige, auch nicht seltene Urinsekt bewirkt die Verbesserung der Waldböden und steht daher symbolisch für die Gesundheit des Bodens. Sein Name bezieht sich auf eine Sprunggabel am Körperende, die bei Gefahr für ein schnelles Entkommen sorgt.
  • Libelle: Gemeine Binsenjungfer
  • Schmetterling: Stachelbeerspanner
  • Wildbiene: Waldhummel
  • Weichtier: Große Erbsenmuschel
  • Höhlentier: Höhlenlangbein. Es gehört zu den Weberknechten und steht für eine große Zahl an Tierarten, die auf geschützte und frostfreie Rückzugsorte unter Tage angewiesen sind (Stichwort Fledermäuse).
  • Seevogel: Basstölpel (siehe Ausstellungsflyer)

Gotha, Museum der Natur

Letzte Aktualisierung ( 28. 07. 2016 )
 
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