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21. 09. 2017
Linne, Otto - Garten- und Landschaftsarchitekt PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Martin Schoder   
17. 11. 2007
Bedeutender Gartenreformer des frühen 20. Jahrhunderts wirkte ein Jahrzehnt in Erfurt

* 2. Dezember 1869 in Bremen
† 4. Juni 1937 in Hamburg

Porträt Otto Linne
Quelle: Hamburger Friedhöfe
Gartendirektoren in Erfurt 1899 – 1933

1. Otto Linne

1899 - 1908

2. Max Bromme

1908 - 1912

3. Hermann Braband

1912 - 1933

 

Für viele steht der Name Otto Linne als erster Garten- und Friedhofsdirektor von Hamburg, der er von 1914 bis 1933 war. Auch gilt er als "Anwalt des sozialen Grüns". Nur selten kann man erfahren, dass Linne vor seinem Wirken in seiner Heimatstadt Hamburg u. a. auch in Erfurt Bedeutendes leistete.

Im Zuge der Entfestigung und der fortschreitenden Beseitigung der ehemaligen Befestigungsanlagen und der damit einhergehenden Stadterweiterung stand auch eine planmäßige, koordinierte städtische Grünplanung auf der Tagesordnung. Zwar hatte der Magistrat auf Drängen des Verschönerungsvereins 1869 einen fachmännisch gebildeten Stadtgärtner eingestellt, der aber den weiter wachsenden Anforderungen nicht gewachsen war. So kam es, dass 1899 der dreißigjährige Obergärtner Otto Linne aus Magdeburg zum ersten städtischen Gartendirektor berufen wurde.

Er hatte nach einer fundierten gärtnerischen Ausbildung und einem zweijährigen Studium an der Königlichen Gärtner-Lehranstalt am Wildpark bei Potsdam als Schüler von Fritz Encke, des späteren in der Fachwelt weithin bekannten Gartendirektors von Köln, in verschiedenen städtischen Gartenverwaltungen gearbeitet. Vor allem in Magdeburg konnte er so wertvolle Erfahrungen im öffentlichen Dienst sammeln. Hier war er von 1894 bis 1899 als Stadtobergärtner tätig, fühlte sich aber beruflich unterfordert, weshalb er sich für die ausgeschriebene Stelle des Stadt-Gartendirektors in Erfurt beworben hatte.

Mit der Berufung Linnes war die Einrichtung einer bis dahin nicht bestehenden Gartenverwaltung verbunden. Linne musste also zunächst seinen eigenen Verwaltungsapparat aufbauen, dem 1905 auch die Verwaltung der Friedhöfe zugeordnet wurde.

Otto Linne hatte in Erfurt eine Reihe großer Aufgaben zu bewältigen, denn es galt die im Zusammenhang mit der Entfestigung frei werdenden Flächen sinnvoll und weiträumig für die Erweiterung des Stadtgrüns zu nutzen und so innerstädtische Grünverbindungen zu schaffen oder zu vervollständigen, die allen Kreisen der Bevölkerung Raum für die Betätigung im Freien bieten sollte.

Grüne Ringe, so wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts gefordert, müssten die Städte umschließen, damit die Bewohner nur kurze Wege hätten, um diese zu erreichen. Solchen Forderungen konnte man in Erfurt durchaus nachkommen, da die Entfestigung nicht nur den äußeren Befestigungsring im Verlauf des heutigen Flutgrabens, sondern auch den inneren Ring im Bereich des Flusslaufs der Wilden Gera umfasste.

Die Wilde Gera wurde nach 1898 verfüllt und es entstand eine Ringstraße, die am damaligen Reichartplatz begann. Dieser Platz wurde durch die Verfüllung vergrößert und sollte 1900 zum Kaiserplatz umgestaltet werden. Die Planungen für die Umgestaltung des Platzes lagen in den Händen Otto Linnes.

Ebenso setzte er sich ein Jahr später mit seinem "Entwurf für die gärtnerische Ausgestaltung des Karthäuser-Ufers" durch, wodurch die Anlage des Ententeichs begründet wurde.

Mit der Neugestaltung des Kaiserplatzes, der Gestaltung des Kartäuserrings und eines Promenadenwegs zwischen Löberstraße und Bahnhofstraße sowie den seit 1871 aufgelassenen Friedhöfen hatte Linne zwischen Kaiserplatz und der Johannesstraße einen geschlossenen innerstädtischen grünen Ring geschaffen, der die mittelalterliche Altstadt umgab.

Eine wesentlich umfangreichere, städtebaulich nicht minder bedeutungsvolle Aufgabe stand ihm aber noch bevor, eine zusammenhängende Grünverbindung, die das gesamte damalige Stadtgebiet von der Cyriaksburg bis zum Zusammenfluss der Wilden Gera mit dem Flutgraben umfasste. Dieser Grünring begann 1900 mit der Gestaltung der so genannten Steinbrückinsel. "Der Gedanke, hier den Bürgern der Stadt eine Stätte der Erholung zu schaffen ist vom gartenkünstlerischen Standpunkt als ein äußerst glücklicher zu bezeichnen", schrieb er am 12. Januar 1900 in seinem Erläuterungsbericht zur Planung der später als Luisenpark bezeichneten Grünanlage.

Über einen Promenadenweg stellte er die Verbindung zu einer bereits vorhandenen kleinen Grünanlage an der heutigen Straße des Friedens und den ebenfalls bestehenden Anlagen am Pförtchen her, die aber nicht seinen gartenkünstlerischen Ansprüchen entsprachen. Die nach seinen Entwürfen erfolgten Veränderungen fanden in der Erfurter Presse entsprechende Würdigungen.

Seine Planungen zum Gothaer Brückenkopf wurden wegen fehlender Finanzierungsmöglichkeiten nicht ausgeführt. Auch seine Vorschläge zur Gestaltung des Stadtparks auf der ehemaligen Daberstedter Schanze wurden nur teilweise realisiert.

1903 entwarf er die Außengestaltung der Kunstgewerbeschule am Hügel. Der Erfurter Baurat und Architekt, Paul Peters hatte den Entwurf der Schule gefertigt, der Architekt Max Brockert hatte die Bauleitung übernommen.

1904 schaltete sich Linne in die Planung der beabsichtigten Stadterweiterung im Norden Erfurts ein. In einem Schreiben vom 1. März 1904 an den Magistrat bezieht er sich auf eine prinzipielle Zustimmung der Grundbesitz- und Fluchtlinienkommission, im Andreasfeld zwischen Nordhäuser Straße und der Gera Flächen für einen Stadtpark zu reservieren. Linne hielt es für zwingend erforderlich, für dieses Gebiet einen Bebauungsplan aufzustellen, zu dem er entsprechende Vorschläge unterbreitete. Seine Absicht war es, auf einer Fläche von rund 11 Hektar einen "Volkspark" zu schaffen, der aber kein "Zierpark" sein sollte. Er wollte ihn vielmehr als "Naturpark" mit großen Wiesenflächen für "Volksspiele" ausstatten. Darin sah er die Hauptaufgabe dieser künftigen Anlage. Seine Ideen wurden mit der Anlegung des Nordparks weitgehend umgesetzt und sind noch heute erkennbar.

Linne hat sich aber auch mit der Gestaltung anderer Anlagen im Stadtgebiet beschäftigt. Auch der Erhalt, die Pflege und die Neupflanzung von Straßenbäumen waren ihm nicht weniger wichtig.

Während seiner Amtszeit in Erfurt hat Linne nicht nur eine eigenständige Gartenverwaltung aufgebaut, die, wenn man so will, noch heute besteht, sondern städtebaulich wichtige Grünverbindungen geschaffen, die nicht nur der gartenkünstlerischen Auffassung der Zeit entsprachen. Sie waren Schmuck- und Repräsentationsräume innerhalb der Stadt Erfurt und sie boten in zunehmenden Maße Raum für Spiel, Sport und beschaulichen Spaziergang zur Naherholung.

1908 beendete Otto Linne seine Tätigkeit als Gartendirektor in Erfurt, nachdem er eine Berufung als städtischer Gartendirektor der Stadt Essen angenommen hatte. Sein Nachfolger wurde Max Bromme.

Auch in seiner Zeit von 1908 bis 1913 als Gartendirektor in Essen baute Linne für das Gartenwesen in kurzer Zeit einen eigenständigen Verwaltungsapparat nach seinen Vorstellungen auf. Intensiv befasste er sich mit Friedhofsplanung und entwickelte Gestaltungsgrundsätze, die er später auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg im großen Stil verwirklichen konnte. In den wenigen Essener Jahren schuf er im Zusammenwirken mit dem Beigeordneten der Stadt, Robert Schmidt, die Bausteine einer grünen Stadt, auf die sein Nachfolger im Amt mit Erfolg bauen konnte.

Linne war von 1914 bis 1933 der erste Garten- und Friehofsdirektor Hamburgs und galt dort als "Anwalt des sozialen Grüns". Auf ihn geht die Idee der kleinen Parks in den Stadtteilen zurück, gemeint ist ein Netzwerk von Parks in den damaligen Arbeiterwohnvierteln, die sich von der Ausstattung her an den Bedürfnissen der Bevölkerung orientierten, Sportplätze, Gärten für ältere Bürger, Planschbecken und Spielgeräte.

Ab 1918 war er für die Gestaltung des Hamburger Stadtparks zuständig. Auch die Anlage des Hammer Parks sowie die weitere Gestaltung des Friedhofs Ohlsdorf lag in seinen Händen. Dabei setzte er eine Reform der Grabgestaltung durch, die eine wesentlich bessere Nutzung der vorhandenen Fläche zuließ. Im Friedhofswesen setzte er eine bahnbrechende Reform der Grabmalkultur durch, die sich weit über die Grenzen Hamburgs hinaus auswirkte.

Linne wurde 1933 pensioniert. Er starb am 04.06.1937 in Hamburg.

 

Wirken in Erfurt

Park an der Kunstgewerbeschule (Hügel), Entwurf, nach 1900
Gesamtprojekt Ringförmige öffentliche Parkanlage („Grüner Ring“) mit den Teilprojekten:

  • Grünanlagen am Talknoten mit Rosengarten in Form des Erfurter Rades, Entwurf, nach 1900
  • Umgestaltung der Glacisanlagen (heute rudimentärer Grünstreifen an Stauffenbergallee)
  • Grünanlage am Ententeich (Umgestaltung am Verlauf der Wilden Gera, heute am südl. Juri-Gagarin-Ring), 1901
  • Wallanlagen am Flutgraben zwischen Löberwallgraben und Luisenpark mit Pförtchenanlage und Espachpromenade
  • Parkanlage Tettaustraße , Entwurf, noch weitgehend original erhalten
  • Stadtpark (Umgestaltung der Wallanlagen „Hohe Batterie“ oder „Daberstedter Schanze“), Entwurf, bis 1908
Straßenbenennung

Otto-Linne-Straße in Marbach (Erfurt)
Von der Linne-Straße gelangt man bald zur Braband- und Bromme-Straße, so dass die benannten Straßen symbolhaft wie das Wirken der drei Gartenplaner während ihrer Erfurter Zeit miteinander verbunden sind.

Quelle

www.erfurt-web.de

mehr ...:

Pressemitteilung vom 30.11.2007

In: Stadt und Geschichte - Zeitschrift für Erfurt (Heftnummer):
Thimm, Dr.-Ing. Günther:
Otto Linne und Max Bromme. Zwei bedeutende Gartendirektoren der Stadt Erfurt (20)

Letzte Aktualisierung ( 05. 04. 2016 )
 
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