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27. 07. 2017
Gera/Flutgraben, Teil 2 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Klaus Fischer   
20. 06. 2008

Exkursion „Thüringer Naturbrief” Gera/Flutgraben, Teil 2 - 29. Mai 2008

 

Nach Erfurt, oder aus Erfurt kommt man nicht ohne Wasser zu überqueren”, dieser Spruch ist auch heute noch zutreffend und über die heute vorhandenen 142 Brücken ist das auch gut möglich.
Der Verlauf der Gera unter ihren unterschiedlichen Namen auf dem Weg durch das Stadtgebiet ist teilweise recht verwirrend, wenn auch im Laufe der Jahrhunderte viele Wasserarme ihre ursprüngliche Bedeutung verloren haben, stillgelegt oder kanalisiert wurden.
Zum Glück aber, fließt sie als Gera in die Stadt und verläßt sie auch mit gleichem Namen... abgesehen von der Schmalen Gera.

Der Ausgangspunkt der Tour führt in den Dreienbrunnenpark an das Papierwehr.
Hier wird die Gera zum ersten Mal geteilt, in den 1898 angelegten Flutgraben, der die Stadt seitdem vor den verheerenden Überschwemmungen bewahrt und in den Bergstrom, der vor dem Papierwehr durch die Bergstromschleuse abgeleitet wird.

 

Papierwehr

Papierwehr

 Bergstromschleuse

Bergstromschleuse

         

Der Name Papierwehr rührt von der hier ehemals existierenden Papiermühle, die 1715 letztmalig urkundlich erwähnt wurde. Aber bereits im Jahr 1133 gab es hier bereits eine Mahlmühle, wohl eine der ältesten der Stadt. Heute steht hier das idyllische Dreienbrunnenbad, das 1903 als erstes Erfurter Frauenbad eröffnet wurde.

 

 

Papierwehr und Dreienbrunnenbad

Papierwehr und Dreienbrunnenbad

 Bergstrom

Bergstrom

 

Schon im früheren Mittelalter wurde die Gera, neben ihren natürlichen Nebenarmen, in mehrere künstliche Nebenarme, Kanäle und Klingen geleitet und diente der Füllung der Wallgräben, der Löschwasser-versorgung, dem Antrieb von bis zu 47 Wassermühlen der Stadt und wurde auch für Brau- und Badehäuser, Gärten und Handwerksbetriebe, wie Gerber oder Färber genutzt.

 

Vorbei an der hölzernen „Vogelsbrücke”, deren
„ Ursprungsmodell” in etwas größerer Ausführung
bis 1899 vor der Neuwerkskirche über den inneren
Wallgraben in Vogels Garten führte. Historische Fotografie von der originalen Brücke in Gera/Flutgraben, Teil 1

 

 

Vogelsbrücke

nachempfundene „Vogelsbrücke“

 

Nase  An der „Nase” zweigt der Walk- (links im Bild) vom Bergstrom ab.
 

Der Bergstrom hat seinen Namen vermutlich deshalb, weil er in seinem Verlauf unterhalb verschiedener „Berge” verläuft, wie Cyriaks-, Peters- oder Domberg.
Er verläßt den Luisenpark und wird zwischen den Grundstücken immer mal wieder sichtbar, wie beispielsweise an der Bergstrombrücke oder am Gothaer Platz.

 

Bergstrom          Bergstrom

 

Neu eingefasst fließt er durchs neu bebaute Brühl, über dessen Architektur sich trefflich streiten läßt (Neue Oper, Hotel, Spielbank, Büros...). Aber jede Zeit benötigt scheinbar auch ihre Bausünden.

 

Bergstrom an der Oper, im Hintergrund die Türme von St. Severi          Bergstrom mit Schilfbereich an der neuen Oper im Brühl

 

Nach der Unterquerung der Stiftsgasse und den Graden, erreicht er die Lange Brücke mit der Sackpfeifenmühle und den Nonnensteg, um vor der Meister-Eckehart-Brücke den Walkstrom wieder aufzunehmen.

 

Von der Stiftsgasse

Blick von der Stiftsgassenbrücke

 Vom Nonnensteg

Blick vom Nonnensteg

 

 

Blick auf die Sackpfeifenmühle
Blick auf die Sackpfeifenmühle

 „Zusammenfluß”

Zusammenfluß”

 

Der an der Nase im Luisenpark vom Bergstrom abgezweigte Walkstrom erhielt seinen Namen von den ansässigen Gerbern, die das Wasser und die Wasserkraft zum Weichmachen/Walken des Leders nutzten.
Er wendet sich in östlicher Richtung, vorbei am Espachteich, der ehemaligen Schutzturmschleuse und der Karthäusermühle. Hier wurde bereits 1291 eine Mühle erwähnt. Im Jahre 1434 übernahmen die Mönche des benachbarten Karthäuserklosters die Mühle.

 

 

Espachteich

Espachteich

 

Schutzturmschleuse
Schutzturmschleuse

 

Der Walkstrom unterquert die Walkmühlstraße, fließt durch das Gelände der ehemaligen Frauenklinik zum Brühler Garten. Hier unterquert er die alte Stadtmauer und passiert Hermannsbad und -platz. Nach der Roßbrücke (Baujahr 1750! Instandsetzung 1994/95) führt sein Weg parallel zum Fischersand in Richtung Lange Brücke, um sich dann vor der Meister-Eckehart-Brücke dem Bergstrom wieder anzuschließen.

 

Am Hermannsbad

Auf der Roßbrücke am Hermannsbad

 Neue Mühle an der Schlösserbrücke

Neue Mühle an der Schlösserbrücke

 

Die „Wiedervereinigung“ von Bergstrom und Walkstrom bringt dann den Breitstrom hervor, der nach der Schlösserbrücke (Baujahr 1736! Instandsetzung 1949, 1965 die Krämerbrücke unterquert und das Areal „Venedig” erreicht.
Die 1325 in Stein errichtete Krämerbrücke, am Schnittpunkt bedeutender europäischer Handelsstraßen und die größte, mit Häusern bebaute Brücke Europas, ist Anziehungspunkt für viele Erfurter und ihre Gäste.

 

Blick zur Krämerbrücke

Blick zur Krämerbrücke

 Blick von der Krämerbrücke

Blick von der Krämerbrücke

Ob mit dem Namen „Venedig” ein Bezug zur italienischen Lagunenstadt herzustellen ist, oder er sich aus dem althochdeutschen „veen” (Sumpf, moorige Niederung) und dem mittelhochdeutschen „dige” (Wachsen, Gedeihen, Aufquellen) zusammensetzt, ist noch nicht endgültig geklärt.
Geklärt ist jedoch, dass im 12. Jahrhundert zugewanderte Flamen und Friesen das Gebiet kultivierten und Handwerker, wie Müller (zeitweise befanden sich hier 9 Wassermühlen), Gerber und Färber das wasserreiche Stadtgebiet nutzten. Gleichzeitig bot das fruchtbare Schlemmland die Grundlage für ertragreiche Gärten.

 

Studentenburse

Studentenburse

 Am Kronenburgwehr

Am Kronenburgwehr

 

Ausgangs des Venediggebietes teilt sich der Breitstrom erneut und die Flußarme heißen jetzt Wilde Gera und Schmale Gera.
Die
Wilde Gera vereinigt sich nach der Unterquerung der Talbrücke am Nettelbeckufer mit dem Flutgraben und setzt nun ihren Weg durch das Stadtgebiet wieder unter dem Namen Gera fort, um später bei Gebesee in die Unstrut zu münden.
Der kleinere Arm, die
Schmale Gera, fließt nach Norden, trifft an der Schlüterstraße auf den Flutgraben und unterquert ihn in einem Dünker, um im weiteren Verlauf bei Wundersleben ebenfalls in die Unstrut zu fließen.

Der weitere Verlauf der Gera im Stadtgebiet von Erfurt, vom Talknoten/Schlüterbrücke ist im Bericht über die Exkursion Gera/Flutgraben, Teil 3, geschildert.

 

Impressionen :

Am Venedig Am Venedig

 

Am Venedig Fußgängerbrücke Hütergasse (Baujahr 1880)

 

Text : Klaus Fischer

Fotos : Klaus Fischer, Ralf Kuke

 

Weitere Informationen unter:

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www.erfurt-web.de/StadtundGeschichte

 

Quellen: Hermann Kowarzik, Das Venedig und seine Ehemaligen Mühlen, Stadt und Geschichte 11/06
Dr. Rüdiger Kirsten, Erfurt-Parkanlage Venedig, Garten und Friedhofsamt Erfurt, 2005

Letzte Aktualisierung ( 11. 03. 2016 )
 
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