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26. 07. 2017
Geschichte Thüringens PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Klaus Fischer   
11. 03. 2008
Beitragsinhalt
Geschichtlicher Abriss
Chronologische Gliederung
350.000 v.Chr.-Zeitenwende
Zeitenwende-4.Jh. n. Chr.
4.-6.Jh.
6.-9.Jh.
919-1024
1024-1125
1130-1247
1247-1485
1486-1547
1548-1775
1775-1871
1871-1918
1918-1933
1933-1945
1945-1949
1949-1990
1990-
Quellen
1775 – 1871
Der Klassizismus in Thüringen und die Herausbildung der modernen bürgerlichen Gesellschaft

1775 – 1828

Regierungszeit von Herzog/Großherzog Carl August.

1776

In Meiningen wird das erste Lehrerseminar in Thüringen eröffnet.

1778

Nach dem Vorbild des Wörlitzer Parks beginnt die Gestaltung des Weimaer Schloßparks als englischer Garten (beiderseits der Ilm bis Oberweimar). Goethe, seit 1776 Besitzer des Gartenhauses im Schloßpark, nimmt an der Ausgestaltung des Parks regen Anteil.

1779

In den Apoldaer Strumpfmanufakturen arbeiten 780 mechanische Wirkerstühle (1700 waren es 10).

1784

Christian Gotthilf Salzmann kann mit Unterstützung Herzog Ernsts II. von Sachsen-Gotha-Altenburg in Schnepfenthal (heute zu Waltershausen) ein Landerziehungsheim gründen. Er versucht hier sein Ideal einer freien, auf Vertrauen basierenden Erziehung umzusetzen, wobei die Ausbildung in den überlieferten Fächern, in Handfertigkeiten und die Leibeserziehung (der Turnpädagoge Johann Christoph GuthsMuths war hier Lehrer) gleichberechtigt nebeneinander stehen.

1785

Der Verleger Justus Perthes gründet in Gotha einen Verlag, der nach 1800 mit geographischen Verlagserzeugnissen (Landkarten, Atlanten, geographische Mitteilungen) europäischen Ruf erlangt. Gotha entwickelt sich zu einem Zentrum der Karthographie in Deutschland.

1787

Der Weimaer Erzieher und Gymnasialprofessor Johann Karl August Musäus verstirbt. Als Schriftsteller und Literaturkritiker hatte er sich einen Namen gemacht. Mit der Sammlung der „Volksmärchen der Deutschen” (1782/86) leistet er Bedeutendes als Vorläufer der Brüder Grimm.

1788

Am 7.September kommt es im Hause der Familie Lengefeld in Rudolstadt zur ersten Begegnung von Goethe und Schiller.

1790

Altenburger Bauern beschweren sich bei Herzog Ernst II.von Sachsen-Gotha-Altenburg über belastende Fronen. Diese werden, auch angesichts der Bauernunruhen im benachbarten Sachsen, eingeschränkt.

1791

Herzog Georg I. von Sachsen-Meiningen veröffendlicht ein Reformprogramm, das im Sinne des aufgeklärten Absolutismus auf die Hebung der Landwirtschaft und damit der Volkswohlfahrt zielt: Vorschläge zur Sumpf- und Ödlandkultivierung, Abschaffung der Brache, Wiesenverbesserung und Einführung der Stallfütterung.

1795

Johann Heinrich Cotta, Mitbegründer der Forstwissenschaft, gründet in Zillbach (bei Schmalkalden) eine Forstlehranstalt. Sie wird 1811/12 nach Tharandt (bei Dresden) verlegt.

1796

Im Gefolge des Baseler Friedens zwischen Frankreich und Preußen schließen Frankreich und der Obersächsische Reichskreis, dem die Mehrheit der thüringischen Staaten angehört, unter preußischer Vermittlung einen Waffenstillstand.

1798

In Gotha findet der erste Astronomenkongreß auf deutschen Boden statt.

1801

Friede von Lunéville: Entschädigung deutscher Fürsten durch Verlust linksrheinischer Gebiete.

1801

In Dreißigacker bei Meiningen entsteht eine Forstlehranstalt (1803 zur „Forstakademie” erhoben). Zum Leiter wird johann Matthäus Bechstein berufen.

1801

Georg Wilhelm Friedrich Hegel läßt sich als Privatdozent in Jena nieder.
Ab 1805 arbeitet er als außerordentlicher Professor für Philosophie an der Universität.

1802/1813

Preußen sichert sich in einem Sondervertrag mit Frankreich für den Verlust linksrheinischer Gebiete u.a. Die Territorien des Kurfürstentums Mainz in Thüringen (Erfurt, Eichsfeld) und die Reichsstädte Mühlhausen und Nordhausen.
Erfurt wird preußisch. Bildung von zunächst zwei „Zivilgouvernements“ (Provinzen zwischen Weser und Elbe bzw.Sachsen).
Heiligenstadt wird Sitz des preußischen Regierungspräsidenten.
Das Eichsfeld wird in einen Oberkreis (Heiligenstadt) und einen Unterkreis (Duderstadt) eingeteilt. Die Bestätigung erfolgt 1803 vom Reichsdeputationshauptschluß.

1803

Das altehrwürdige Peterskloster in Erfurt wird von der preußischen Regierung aufgehoben.

1804

Erbprinz Carl Friedrich von Sachsen-Weimar-Eisenach wird mit der russischen Zarentochter Maria Pawlowa verheiratet.

1805

Am 9. Mai verstirbt Friedrich Schiller in Weimar.

1806

Am 6.August erfogt die Niederlegung der römischen Kaiserkrone durch Franz II. und damit auch das damit formal vollzogene Ende des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation bedeutet für die zahlreichen thüringischen Staaten vollständige Selbstständigkeit – sie führt eine tiefgreifende Existenzkrise herbei.

1806

In der Schlacht bei Jena und Auerstedt fügen die Franzosen der preußischen Armee eine vernichtende Niederlage zu.

1806

Am 15.Oktober kapituliert der preußische General von Wartenlieben, Oberkommantierender der Festung Erfurt, vor den Franzosen und übergibt Stadt und Festung kampflos.

1807/13

Mühlhausen und Nordhausen und das Eichsfeld werden Teil des Königreichs Westphalen. Heiligenstadt ist Sitz des Harzdepartements.

1808

Beim „Erfurter Fürstenkongreß” (27.9.-14.10.) treffen Napoleon, der russische Zar Alexander und die meisten deutschen Rheinbundfürsten aufeinander. Erfurt, seit 1806 bis Kriegsende aufgrund seiner günstigen strategischen Lage als „Fürstentum Erfurt” unmittelbar der Herrschaft Napoleons unterstellt, erlebt Tage äußeren Glanzes.
Der zwischen Frankreich und Russland getroffene geheime Bündnisvertrag wurde in der Folge nicht eingehalten.

1808

Am 2.Oktober empfängt Napoleon in der Stadthalterei am Hirschgarten Goethe zu einem Gespräch und begrüßt ihn mit den Worten „Vous etes un homme - Sie sind ein großer Mann”.

1813

Am 19.Juli kommt es in Erfurt zu einem Bürgeraufruhr gegen die Bedrückung durch die französische Besatzung, der mit Waffengewalt niedergeschlagen wird. Die Stadt, in der die Franzosen unter Ney ihr Haupquartier aufgeschlagen haben, hat schwer zu leiden. Streifzüge preußischer Truppenteile, Widerstandsaktionen der Bevölkerung sowie Racheakte der Franzosen (angedrohte Zerstörung Jenas) versetzen Thüringen in Unruhe.

1813

Nach Napoleons Niederlage bei Leipzig (19.10.) verlassen alle thüringischen Staaten den Rheinbund und treten der antinapolionischen Koalition bei.

1813/1814

Nach dem Napoleon am 25.Oktober Erfurt verlassen hat belagern Truppen der antinapolionischen Koalitionsarmee vergeblich Erfurt (6./7.11.).
Peterskirche, Dom und Severi-Kirche sowie der gesamte Domplatz (Niederlegung der Häuser) erleiden schwere Beschädigungen. Die Franzosen geben am 6. Januar 1814 Erfurt auf, behalten aber den Petersberg und den Cyriaksberg besetzt. Erst am 5.Mai kapitulieren sie (Bekanntwerden der Abdankung Napoleons am 13.April !), ziehen dann mit allen militärischen Ehren und in voller Bewaffnung ab.

1813

Das Eichsfeld wird wieder preußisch.
Erneute Zugehörigkeit von Mühlhausen und Nordhausen zu Preußen.

1815

Wiener Kongress. Preußen erhält (erneut) die Städte Erfurt, Mühlhausen, Nordhausen, das Obereichsfeld sowie das gesamte albertinisch-sächsische Nordthüringen (1485, 1547).
Die Gründung der preußischen Provinz Sachsen erfolgt am 30.04.1815, der Regierungsbezirk Erfurt wird 1816 gebildet.

1815

Mit der Unterzeichnung der „Deutschen Bundesakte” (8.6.) entsteht der „Deutsche Bund” als lockerer Staatenbund. Ihm gehören die zu diesem Zeitpunkt 12 thüringischen Staaten an.

1815

Die Mehrzahl der Jenaer Studenten, zumeist Teilnehmer an den Befreiungskriegen, beteiligen sich in Jena an der Gründung der „Urburschenschaften” (12.Juni).

1816

Das nördliche Untereichsfeld kommt zum Königreich Hannover, das Obereichsfeld bleibt preußisch.

1816

Am 24.September wird die Erfurter Universität, einer der ältesten deutschen Hohen Schulen, durch die preußische Regierung geschlossen.

1817

Wartburgfest der deutschen Studenten. Auf Initiative der Jenaer Burschenschaften kommen etwa 500 Vertreter deutscher Burschenschaften zusammen. Zu den erhobenen politischen Forderungen zählen staatliche Einheit, konstitutionelle Monarchie und liberale Grundfreiheiten.

1818

Sachsen-Hildburghausen erhält eine, eng an die Weimarer Konstitution angelehnte, Landesvefassung.

1821

Ernst Wilhelm Arnoldi gründet in Gotha eine Feuerversicherungsbank.
Mit der ebenfalls von Arnoldi an gleicher Stelle (1827) ins Leben gerufenen Lebensversicherungsbank auf Gegenseitigkeit entwickelt sich die Stadt zu einem Zentrum des deutschen Versicherungswesen.

1825

In Zeulenroda entsteht nach dem Rathausbrand von 1790 ein Rathausneubau in klassizistischem Stil nach Entwürfen des einheimischen Strumpffabrikanten Heinrich Schopper.

1826

Die Gebiete der gothaischen Ernestiner werden völlig neu verteilt:
An Sachsen-Meiningen wird ganz Sachsen-Hildburghausen und der Saalfelder Teil von Sachsen-Coburg-Saalfeld abgetreten. Der Hildburghäuser Herzog erhält dafür Sachsen-Altenburg, der Coburger Herzog erhält Sachsen-Gotha. Es existieren nun die drei Herzogtümer Sachsen-Meiningen, Sachsen-Altenburg und Sachsen-Coburg-Gotha, außerdem das Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach.

1828

Carl Joseph Meyer verlegt sein „Bibliographisches Institut” von Gotha (gegründet 1826) nach Hildburghausen. Von volksbildnerischen Bestrebungen ist das 1839 in Angriff genommene, 1852 im 46.Band abgeschlossene „Große Konversationslexikon” getragen.

1829

Am 2. Februar wird Alfred Edmund Brehm, Zoologe und Verfasser volkstümlicher Reise und Tierbücher („Brehms Tierleben”), in Renthendorf bei Stadtroda geboren. Sein Vater Christian Ludwig (1787-1864), bekannt als „Vogelpastor”, schuf wichtige Grundlagen für die ornitologische Systematik.

1829

Für das vergrößerte Herzogtum Sachsen-Meiningen tritt eine neue Verfassung in Kraft. Sie ist eineder fortschrittlichsten deutschen Vormärzverfassungen, vor allem auf Grund der erweiterten Rechte der Landstände (förmliche Gesetzesinitiativen) und erster Ansätze für eine Verfassungsgerichtsbarkeit.

1830

Im Gefolge der Juli-Revolution in Frankreich kommt es in verschiedenen Gebieten Thüringens zu politisch und sozial motivierten Unruhen.
Schwerpunkt ist das östliche Thüringen mit Altenburg, Gera und Schleiz.

1832

Während der Regierungszeit von Carl August werden Weimar und Jena zu den deutsch-europäischen Zentren der Klassik und idealistischen Philosophie; in Jena zudem Epoche der Frühromantiker.

1831

Wiederaufbau des Palas der hochmitelalterlichen Blankenburg („Greifenstein” als jüngerer Name). Die Burg war seit dem 16.Jh. dem Verfall preisgegeben.

1831

Der Reformpädagoge Friedrich Fröbel legt die Leitung der 1817 in Keilhau (bei Rudolstadt) gegründeten „Allgemeinen Deutschen Erziehungsanstalt” nieder. Fröbel wird vorgeworfen mit seinem Institut „demagogische Absichten” zu verfolgen.

1832

Die Gebrüder Otto und Wilhelm Ludwig Bechstein gründen in Altenburg eine Spielkartenfabrik. Sie begründen den Ruhm Altenburgs als „Skatstadt” (Skatgericht, Spielkartenmuseum).

1832

Am 22.März verstirbt Johann Wolfgang von Goethe in Weimar.

1833

Unter preußischer Vermittlung kommt der „Zoll und Handelsverein der Thüringischen Staaten” zustande. Er schließt sich am 11.Mai dem Deutschen Zollverein an. Mit dem Inkrafttreten desselben am 1.Januar 1834 gehören die thüringischen Staaten einem weitestgehend einheitlichen deutschen Zollgebiet an. Die steuerliche Belastung für die thüringer Bevölkerung erhöht sich erheblich.

1835

Der Lauschaer Glasbläser Ludwig Müller-Uri führt die Produktion von Glasaugen ein, die er in Paris kennengelernt hatte. Sie entwickelt sich zu einem Spezialzweig der Glasproduktion Weltruf.

1836

Beginn des Neubaus des neugotischen Schlosses Landsberg bei Meiningen (fertiggestellt 1840) auf den Ruinen einer mittelalterlichen Würzburger Burg.

1837

In Gera gründet der Unternehmer Louis Hirsch eine Färberei, die sich rasch zu einem der größten ostthüringischen Industrieunternehmen entwickelt.

1838

Kronprinz Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach faßt den Plan zum Wiederaufbau der stark verfallenen Wartburg. Der Wiederaufbau der wichtigsten Teilgebäude erfolgt zwischen1849 und 1877 unter Leitung des Architekten Hugo von Ritgen. Die Rekonstruktion des Gesamtbauwerkes wird 1889 abgeschlossen. Ein einmaliges romanisches Bauwerk und nationales Geschichtsmonument konnte vor dem Verfall gerettet werden.

1840

In Blankenburg eröffnet der Pädagoge Friedrich Fröbel den „Allgemeinen Deutschen Kindergarten”.

1841

Ernst Moritz Jahr gründet in Gera eine Maschinenfabrik, die zu den ersten Unternehmen ihrer Art in Thüringen zählt.

1841

Johann Nikolaus Dreyse, Erfinder des Zündnadelgewehrs, gründet in Sömmerda eine vom preußischen Staat finanziell geförderte Waffenfabrik (Gewehre).

1841

Am 26.März stürmen in Ronneburg Handweber eine Fabrik und zerstören die mechanischen Webstühle. Gegen die Rebellierenden wird Militär eingesetzt. Auch in anderen Zentren der ostthüringschen Weberei (Greiz 1836) kommt es zu Aktionen der Weber gegen die aus ihrer Sicht existenzvernichtenden Webstühle.

1841

Am 15.April promoviert Karl Marx an der Philosophischen Fakultät der Universität Jena in absentia zum Dr.phil.

1841

Am 26.November gastiert Franz Liszt in Weimar. Er wird als großherzoglicher Hofkapellmeister in außerordendlichen Diensten verpflichtet. 1848 läßt sich der Künstler in Weimar nieder.

1841

20.Dezember: Zwischen Preußen, Sachsen-Weimar-Eisenach, Sachsen Coburg, Gotha und Kurhessen wird ein Staatsvertrag über den Bau einer Eisenbahnstrecke durch Thüringen unterzeichnet. Er kommt nach längeren Verhandlungen mit Preußen zustande, das ursprünglich eine Linienführung durch Nodthüringen über Halle-Nordhausen-Kassel vorgesehen hatte.
Ausschlaggebend für eine mittelthüringische Linienführung Weißenfels-Apolda-Weimar-Erfurt-Gotha-Eisenach-Bebra werden die wirtschaftlichen Interessen Erfurts. Der Bau der Strecke wird der privaten, staatlich geförderten „Thüringischen Eisenbahngesellschaft” übertragen.

1842

19.September: Die Eisenbahnstecke Leipzig-Altenburg wird eröffnet.
Sie ist Bestandteil der Sächsisch-Bayerischen Bahn (Lepzig-Hof-Nürnberg), die durch altenburgisches und reußisches Gebiet führt. Damit berührt erstmals eine Eisenbahnstrecke thüringisches Territorium.

1845

Beginn der Neugestaltung des Parks um Schloß Ettersburg bei Weimar nach Plänen Hermann Fürst von Pückler-Muskau.

1846

Carl Zeiss gründet in Jena sein mechanisches Atelier. Einen Förderer findet er in dem Professor für Botanik und Mitbegründer der Zellenlehre, Matthias Schleiden. In Zusammenarbeit mit diesem entwickelt Zeiß den Mikroskopbau weiter.

1846

19.Dezember: Mit der Strecke Weißenfels-Weimar wird der erste Teilabschnitt der durch Thüringen führenden Eisensenbahnlinie Halle-Gerstungen eröffnet. Bis Juni 1847 erfolgt die Fertigstellung der Strecke bis Eisenach, bis zum September 1949 wird der Anschluß an das hessische Eisenbahnnetz hergestellt.

1848

März/April: Auf der Grundlage lang aufgestauter politischer und sozialer Probleme (Mißernten und ”Hungerjahre” 1845-47) kommt es durch die Initialzündung der Februar-Revolution in Frankreich in allen thüringischen Staaten und im Preußischen Thüringen zu Aktionen gegen das herrschende politische System. Volksversammlungen und Demonstrationen finden in allen größeren Städten statt. Die Unruhen ergreifen schnell die ländlichen Gegenden, wobei sich in den Notgebieten (Thüringer Wald, Rhön) im März/April die Spannungen gefährlich zuspitzen.
Haupforderungen der 48er Revolution sind: der Erlaß von Verfassungen in den bisher altständisch organisierten Staaten, die Demokratisierung vorhandener Verfassungen, Einführung des allgemeinen Wahlrechts, Rede-, Presse- und Versammlungsfreiheit, Aufhebung der feudalen Lasten für die Landbevölkerung, Änderung der Forst- und Jagtgesetze, Überführung der Dömänen (landerherrlicher Grundbesitz) in Staatseigentum, Entlassung besonders verhaßter Beamter. Fürsten und Regierungen gaben in den meisten Fällen nach. In einigen Fällen (Weimar) rücken führende Angehörige der Opposition in höchste Regierungsämter auf.
Die Landtage verabschieden neue Landeswahlgesetze, die mit der ständischen Struktur der Parlamente brechen und allgemeinem und gleichem Wahlrecht nachkommen. Im kleinstaatlichen Thüringen entwickelt sich ein zumeist demokratisch orientiertes Pressewesen (ca.80 Zeitungen).

1848

18.Mai: Unter den in der Frankfurter Paulskirche zusammentretenden Abgeordneten der Nationalversammlung befinden sich 23 in Thüringens gewählte Parlamentarier (14 in den Kleinstaaten, 9 im preußischen Thüringen).

1848

12.-14. Juni: Auf der Wartburg treffen sich auf Anregung der Universität Jena rund 1200 detsche Studenten („2.Wartburgtreffen”). Im Mittelpunkt der Beratungen steht eine Reform des Hochschulstudiums.

1848

Juni-September: Die Revolution radikalisiert sich in weiten Teilen Thüringens. Schwerpunkte sind das Thüringer Waldgebiet Sachsen-Meiningens und Schwarzburg-Rudolstadt mit den Städten Hildburghausen Sonneberg und Saalfeld als Zentren sowie die reußischen (Gera, Schleiz) und altenburgischen Gebiete und Jena in Ostthüringen. In dieser Situation wenden sich die Regierungen Weimars, Meiningens und Altenburgs an die Frankfurter Reichsregierung mit der Bitte um militärisches Eingreifen.

1848

Ab 2. Oktober rücken im Auftrag der Reichsregierung sächsische und bayerische Truppen in Thüringen ein, besetzen Städte und befrieden die Unruheherde ohne Blutvergießen.

1848

In Erfurt kommt es am 24.November zu einem Bürgeraufstand, der sich an der Einberufung zur Landwehr entzündet. Er wird blutig unterdrückt (27 Tote auf beiden Seiten, sieben standrechtliche Erschießungen).Der Belagerungszustand über die Stadt bleibt bis Ende 1849 bestehen. Dem Erfurter Aufstand waren im Sommer/Herbst schwere Unruhen im gesamten Regierungsbezirk Erfurt vorausgegangen. Auch sie werden im November/Dezember militärisch niedergeschlagen.

1849

Verfassungskämpfe, Reformen, Einheitsbestrebungen in Thüringen für ein „Gesamt-Thüringen“.

1850

Im ehemaligen Erfurter Augustinerkloster tagt das „Unionsparlament”.
Es berät und verabschiedet eine Vefassung für eine „kleindeutsche” Staatenunion unter preußischer Führung.

1850

In Weimar wird unter der Leitung Franz Liszts Richard Wagners Oper „Lohengrin” uraufgeführt. Der Komponist wird zu diesem Zeitpunkt wegen seiner Beteiligung am Dresdener Aufstand in Sachsen noch steckbrieflich verfolgt.

1851

Der Bundestag des Deutschen Bundes setzt die „Grundrechte des Deutsche Volkes” außer Kraft.

1852

Für die Herzogtümer Coburg und Gotha wird ein gemeinsames Staatsgrundgesetz erlassen. Es übernimmt weitesgehend die Formulierungen der „Grundrechte des deutschen Volkes”.

1853

Nach dem Tode Großherzog Carl Friedrichs von Sachsen-Weimar-Eisenach übernimmt dessen Sohn Carl Alexander die Regierung. Weimar erlebt seine „nachklassische” Blütezeit.

1854

Der Germanist und Lyriker Heinrich Hoffmann von Fallerleben wird mit dem Ziel nach Weimar berufen, eine Akademie für deutsche Geschichte und Literatur aufzubauen. Nachdem der Großherzog das Projekt aus finanziellen Gründen fallen läßt, verläßt 1860 Hoffmann Weimar.

1856

Der Dichter Theodor Storm wird Kreisrichter in Heiligenstadt (bis 1864).

1857

In Weimar und anderen thüringischen Staaten finden Gewerbeausstellungen statt, die den fortgeschrittenen Stand der Industrialisierung der Region verdeutlichen.

1857

Am 4.September wird in Weimar das Goethe-Schiller-Denkmal, ein Werk des Dresdner Bildhauers Erndt Rietschel, aufgestellt.

1858

Bei Meuselwitz nimmt die erste Braunkohlengrube die Förderung auf.

1858

In Gotha tagt der Kongreß deutscher Volswirte. Er fordert für den gesamten Deutschen Bund die Einführung der Gewerbefreiheit.

1858

2. November: Die Werra-Bahn von Eisenach über Meiningen und Coburg nach Sonneberg wird eröffnet.

1859

In Eisenach fordern führende Liberale die deutsche Einigung unter Preußischer Führung. Im September gründen sie in Frankfurt am Main den „Deutschen Nationalverein”, der seinen Sitz in Coburg hat.

1860

Der Fabrikant Adolf Knoch gründet in Saalfeld eine Nähmaschinenfabrik und legt damit den Grundstein für die spätere bedeutende Nähmaschinenindustrie.

1860

14.Mai: Ludwig Bechstein, 1801 in Weimar geborener Schriftsteller und Märchensammler, verstirbt in Meiningen. Er tritt 1831 in herzoglich-meiningische Dienste, wo er als Bibliothekar und Leiter des hennebergischen Gesamtarchivs wirkt. Als Geschichtsforscher (Gründer des „Henneberischen altertumsforschenden Vereins” 1832) und als Sammler thüringischer Sagen (1835/38 vier Bände „Der Sagenschatz und die Sagenkreise des Thüringerlandes”) trägt Bechstein zur Stärkung eines wiedererwachten thüringischen Landesbewußtsein bei.

1861

In einer mit Preußen geschlossenen Militärkonvention tritt Sachsen-Coburg und Gotha und Sachsen-Altenburg de facto seine Militärhoheit an Preußen ab.

1862

Christian und Georg Thiel gründen in Ruhla die Firma „Gebrüder Thiel”.
Zunächst mit der Produktion von Metallware (Pfeifenbeschlägen) und später mit Taschenuhren entwickelt sie sich zu einem der größten Unternehmen Westthüringens.

1863

Die Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins in Leipzig führt auch in Thüringen zu einem Aufschwung von Organisationsbestrebungen der Arbeiterschaft.Schwerpunkte sind die Industriegegenden des Ostens (Altenburg, Greiz, Zeulenroda) sowie Erfurt und Nordhausen.

1864

Unter dem Protektorat der Großherzogin Sophie entsteht in Weimar die Shakespeare-Gesellschaft.

1866

Nach Ausbruch des preußisch-österreichichen Krieges fordert Bismarck die thüringischen Staaten ultimativ auf, auf preußische Seite zu treten.
Die thüringischen Staaten, außer Sachsen-Meiningen und Reuß ä.L., stellen ein formales Bündnis her.
Das Eichsfeld gehört zu zwei preußischen Provinzen: Erfurt und Hildesheim.
Zugehörigkeit von Schmalkalden zusammen mit Kurhessen zur preußischen Provinz Hessen-Nassau.
Beitritt der thüringischen Kleinstaaten zum Norddeutschen Bund.
Schlacht bei Langensalza (Preußen-Hannover).

1867

In Greiz kommt es zu erneuten Unruhen unter den Webern, die sich gegen die Aufstellung von mechanischen Webstühlen richtet. Sie werden durch Militär unterdrückt. 1868 nimmt die erste Tuchfabrik mit 200 mechanischen Webstühlen die Produktion auf.

1867

Bei den Wahlen zum konstitutirenden Reichstag des Norddeutschen Bundes werden in Thüringen 16 Abgeordnete gewählt (12 in Kleinstaaten, vier im Regierungsbezirk Erfurt).

1867

Reuß ä.L. Erläßt als letzter thüringischer Staat eine moderne Verfassung.

1867

Die Verfassung des Norddeuschen Bundes tritt in Kraft. Danach verlieren die Einzelstaaten zahlreich Souveränitätsrechte an den Bund bzw.an Preußen. Neben dem Militärwesen betrifft dies den Gesamtbereich der Außenpolitik, die Post, weite Teile der Wirtschaft und des Verkehrwesens, die Münz-, Maß- und Gewichtsordnung, größere Bereiche der Rechtsordnung und des Gerichtswesens, das Gesundheitswesen und die Presse.

1867

Mit der Uraufführung des Oratoriums „Die Legende von der heiligen Elisabeth” von Franz Liszt unter der Leitung des Komponisten im wiederaufgebauten Festsaal des Palas wird auf der Wartburg die 800-Jahr-Feier der Burg begangen.

1867

Auf dem IV.Vereinstag des Verbandes deutscher Arbeitervereine in Gera wird der Liberal-demokratische Einfluß weiter zu Gunsten der marxistisch orientierten Kräfte zurückgedrängt (Wahl August Bebels zum Präsidenten).

1868

Das erste Violinenkonzert von Max Bruch (1867-70 Leiter der dortigen Hofkapelle) wird in Sondershausen aufgeführt.

1869

Konrad Duden, Herausgeber des „Vollständigen orthographischen Wörterbuchs der deutschen Sprache”, wird Direktor des Gymnasiums Rutheneum in Schleiz.

1869

Gründungsparteitag der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in Eisenach.

1870

Mit der Eisenbahnstrecke Gotha-Langensalza-Mühlhausen-Leinefelde und der 1869 eingeweihten Strecke Erfurt-Sondershausen-Wolkramshausen (Nordhausen) bestehen zwei wichtige Nord-Süd-Verbindungen, die im Norden Thüringens auf die 1866/67 erbaute Linie Halle-Nordhausen-Heiligenstadt treffen.

1870

19.Juli: Der Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges ruft eine Welle der nationalen Begeisterung hervor. Im Krieg verlieren etwa 2600 Thüringer ihr Leben.



Letzte Aktualisierung ( 16. 10. 2014 )
 
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