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30. 05. 2017
Sickler, Johann Volkmar - Pomologe PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Detlef Tonn   
28. 04. 2015
Pfarrer von Kleinfahner und Wegbereiter im thüringischen Obstanbau

* 19. Januar 1742 in Günthersleben  
† 31. März 1820 in Kleinfahner

Johann Volkmar Sickler
Porträt von Johann Volkmar Sickler aus den
Pomologischen Monatsheften© wikipedia

Am 19. Januar 1742 erblickte Johann Volkmar Sickler abends 10 Uhr das Licht der Welt. Sein Vater war Gastwirt und Branntweinbrenner in Günthersleben, seine Mutter stammte aus Allmenhausen. Er war das einzige Kind. Die Mutter starb 1772 mit 60 Jahren, der Vater mit 81 Jahren 1794. Unter ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, erhielt er auf Grund sehr guter schulischer Leistungen vom Herzog Friedrich III. von Sachsen-Gotha-Altenburg eine Freistelle an der Universität Jena, wo er mit noch mehr Entbehrungen Theologie studierte. Eine Anstellung war nach dem Studium nicht in Sicht, so wurde er Hofmeister beim Konsisterialrat Seebach in Altenburg. 1770, 28jährig, kam er als Pfarrergehilfe zum betagten Pfarrer Reibstein nach Kleinfahner und wurde Pfarrer, als dieser 1771 verstarb. Nun angestellt, konnte er am 1. Oktober 1771 heiraten. Es war die Tochter vom Haushofmeister des Prinzen in Gräfentonna, D. W. Adelhaid Wangemann.

Das Pfarramt hatte er bis zu seinem Tode 1820, also über 50 Jahre lang, inne.
In dieser Zeit bildete er sich von einem Laien des Obstbaues zu einem Praktiker und internationalen, von mehreren Universitäten ausgezeichneten Spezialisten.
Sicklers besonderes Interesse für Obst und Obstbau, galt dem Problem der vielen unterschiedlichen Sorten und dem damit verbundenen Wirrwarr der Bezeichnungen.
„Es gab damals tausende von Apfel- und Birnensorten und die hatten zum großen Teil auch noch Lokalnamen. Es gibt Sorten, für die sind 40–50 Synonyme nachgewiesen. Jedes Dorf in jeder Gegend hatte eigene Bezeichnungen für doch dann die gleiche Obstsorte. Die Pomologen waren bestrebt, tatsächlich wichtige, empfehlenswerte Sorten aufzuzeigen (…) wirklich wichtige Sorten zu dokumentieren.“, so Matthias Mäuser, Leiter des Naturkundemuseums im fränkischen Bamberg. Dort befindet sich das erste deutsche pomologische Kabinett, eine Sammlung von Früchtemodellen aus Wachs.

Sickler unternahm einen der ersten Versuche, System in dieses Sortenwirrwarr hineinzubringen. Er arbeitete eng mit dem Besitzer des Gutes von Kleinfahner, dem Naumburger Domprobst von Seebach zusammen. Schon bald nach Dienstantritt pflanzte er 1791 die ersten 50 Obstbäume legte eine Baumschule an, später auch eine Obstdörre,  und begründete mit den ersten 15 gepflanzten Süßkirschstämmchen den Fahnerschen Süßkirschenanbau, unabhängig davon, dass bereits 1765 in Witterda die ersten angepflanzt wurden. Sein Sohn Friedrich, der in Paris Hauslehrer war, vermittelte eine Verbindung zur dortigen Nationalbaumschule und lieferte Reiser für neue Sorten. Vorher schon, jetzt aber besonders stieß er darauf, dass eine Sorte verschiedene Namen hatte, und am Ende entwickelte er für das Obst eine Systematik, ähnlich Carl von Linné in der Botanik. Die erzielten Erkenntnisse, verbunden mit einem umfangreichen Briefwechsel, hat er in unzähligen Veröffentlichungen, Büchern, Zeitschriften von 1794 bis 1819 einem breiten Leserkreis zugänglich gemacht.

Gemeinsam mit dem Verleger Friedrich Justin Bertuch ließ Sickler von Konditormeistern, wie seinem Zeichner Ernst Heinrich Gebhard , einem ehemaligen Conditor, naturgetreue Früchtenachbildungen der Sorten anfertigen und stellte ein "Pomologisches Kabinett" zusammen. Nach ihren Begründern wird das Kabinett auch Sickler-Bertuch´sche Sammlung genannt. Die Mehrzahl der Wachsfrüchte wird im Stadtmuseum von Weimar sorgfältig verwahrt. In Bamberg sieht man nur einen Bruchteil der Sickler-Bertuch'schen Sammlung. Die Modelle stellen Größe, Farbe sowie Stiele und Blüten der Sorten dar, die in den Gärten der damaligen Zeit wuchsen.

Mit an der Spitze des Dorfes Kleinfahner, ertrug er in der schweren Zeit der französischen Besatzung und der Durchzüge in der Zeit 1806 bis 1813 die Drangsale, Plünderungen, Bedrohungen und Verwüstungen. Er war immer bemüht, seiner Gemeinde und anderen Hilfsbedürftigen beizustehen, Schäden abzuwenden und die Not zu lindern.
Erwähnenswert ist außerdem, dass er noch 1819 für seine zweite Frau eine Waschmaschine weiterentwickelte, diese bauen ließ, und in einer Veröffentlichung diese anderen Männern empfahl, um den Frauen die damals schwere Wascharbeit zu erleichtern. Seine umfangreichen Schriften zeugen von gründlichen Kenntnissen und praktischen Erfahrungen unter Einbeziehung ökonomischer Grundsätze. Dies findet noch heute Beachtung, in neu herausgegebenen Obstfachbüchern im Literaturverzeichnis wird noch heute der Name J. V. Sickler genannt.

In Anerkennung seiner Arbeiten wurde er zum auswärtigen Mitglied der Royal Horticultural Society zu London, der ökonomischen Societät zu Leipzig und zum Mitglied der Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt ernannt.

Am 31. März 1820 verstarb er in Kleinfahner. Er hinterließ drei Söhne und eine Tochter, drei Kinder waren schon früh verstorben.
Am 18. März 1894 hielt der Obstbauverein Döllstädt seine Versammlung zum Gedenken an die erste 1794 durchgeführte Süßkirschenpflanzung ab. Sie galt auch Volkmar Sickler, der mit der Einführung der rationellen Pflanzung, Behandlung, Veredlung und der Sortenlehre sich unsterbliche Verdienste machte.

Das Andenken an diesen verdienten Mann ehrten 1895 - 100 Jahre später - die Obstbauvereine mit der Stiftung einer Gedenktafel am Pfarrhaus in Kleinfahner. Um 3 Uhr nachmittags formierte sich ein Festzug, an dem auch Landrat Dietzsch von Gotha, Gutsbesitzer Rittmeister von Seebach, sowie sämtliche Ortsvorstände und Pfarrer der Nachbarorte teilnahmen. Kantor Apel von Döllstädt (der seinerzeit hervorragende Obstbaufachmann) hielt die Festrede. Darin zeigte er den Lebens- und Entwicklungsweg Sicklers auf, wie er, gemeinsam mit seinem Sohn Friedrich, Verbindungen knüpfte, Veredlungsreiser bezog und vermehrte. Für seine Korrespondenz nach allen Gegenden Deutschlands und ins Ausland verwandte er viel Zeit. Der Redner erinnerte auch an den schriftstellerischen Fleiß, wobei besonders das 22bändige Werk "Der teutsche Obstgärtner" weltweit als Fachbuch gilt.
Diese jahrelange Arbeit wurde durch die Wirren des preußisch-französischen Krieges vernichtet. Doch Sickler gab nicht auf, begann neu und setzte das Werk fort.
Die Erinnerungstafel, welche sich jetzt am Pfarrhaus befindet, ist allerdings nicht mehr diejenige von 1895. Die damalige, durch Witterungseinflüsse unleserlich geworden, wurde durch die Obstbaugemeinschaft "Fahner Obst" im Jahre 1962 ersetzt.

An seinem 250. Geburtstag  1992 gedachten die Obstbauern und Bürger der Fahnerschen Orte ganz besonders an ihn, an den rührigen, nimmermüden Forscher, Wissenschaftler, Praktiker und Schriftsteller, besonders auf dem Gebiet des Obstbaues und der Ökonomie.
Lothar HESS zum 250. Geburtstag von J. V. Sickler 1992

Die Eröffnung des Sickler ehrenden Thüringer Obstbaumuseums im Gemeinschaftshaus "Zum Rautenkranz" in Kleinfahner musste leider mehrfach verschoben werden. Im Februar 2015 hieß es von der Gemeinde, dass das Blütenfest Ende April ein schöner Anlass sein dürfte und zugleich ein sehr ehrgeiziges Ziel für die Eröffnung.  
Der Kulturverein Kleinfahner wollte sich einbringen, die noch leeren Räume des geplanten Museums einzurichten. Die Vitrinen sind bereits da. Nun muss alles geordnet und eingeräumt sowie beschriftet werden. (DT)

http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Volkmar_Sickler

Letzte Aktualisierung ( 07. 05. 2015 )
 
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