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21. 09. 2017
Ruine Kunitzburg bei Jena PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Jürgen Zerull   
28. 06. 2006

 

Nahe des östlichen Ufers der Saale bei Kunitz, einem etwa 6 km entfernten kleinen Vorort von Jena, erhebt sich auf dem ca. 350 m hohen Gleißberg eine weithin sichtbare alte Burgruine, die Kunitzburg (auch „Gleißburg“ genannt).
Vor dem Gleißberg schmiegt sich der wohl ehemals mit Linden bewachsene Spielberg (2), auf dem aus früherer Zeit Zeugnisse menschlicher Kultur freigelegt wurden (mittlere Steinzeit um 8.000 v.u.Z., in der Bronzezeit als Bestattungsplatz, vor 2.000 Jahren begruben die Germanen dort ihre Toten). Auf dem Spielberg soll auch das Haus des 1152 urkundlich erwähnten Herren von Kunitz gestanden haben.

Kunitzburg von Westen

Ruine Kunitzburg von Westen

 Spielberg
Der Spielberg

Der Ort Kunitz selbst wurde 1764 durch Feuer fast vollständig zerstört, entstand aber wieder neu.

Eine Urkunde des Bischofs Udo von Naumburg aus dem Jahre 1133 soll einen ersten Anhaltspunkt für das Bestehen der Burg liefern. Erstmalig wurde hier ein Luitoldus de Glizberc („Gleißberg“) erwähnt. Der Begriff „Glizberc“ wird auf die in der Sonne gleißend hell erscheinenden Sedimentaufschlüsse am südlichen und westlichen Berghang zurückgeführt.
Nach anderen alten Quellen (1) ist es wahrscheinlich, dass die Gleisburg / Kunitzburg bereits im 7. Jahrhundert als Grenzburg gegen die Slawen angelegt wurde.
Eine Quelle berichtet, dass der Gleisberg, ursprünglich zur Mark Zeitz gehörend, oft die Besitzer wechselte (2). Unter diesen war Heinrich von Groitzsch, dessen Ehefrau Berta von Gleisberg auch das Kloster Thalbürgel stiftete. Walter von Weimar, Dienstmann der Pfalz Allstedt, wurde mit dem Gleisberg betraut. Er baute die Burg gegen Ende des 12. Jahrhundert aus und nannte sich fortan (nach dieser Quelle erstmals 1181) „von Gleisberg“. Die Familie besaß die Burg ca. 150 Jahre.

Nach deren Aussterben kam die Burg in den Besitz der Schenken von Tautenburg.

1327 kam sie an die machtlüsternen Vögte von Weida, 1358 endgültig an die Wettiner.
Das Amt Gleißberg wurde 1445 zum Amt Dornburg geschlagen. Die Burg begann zu verfallen.
Die Burg war etwa ab dem 12. Jahrhundert, Reichsgut, Kern der Grafschaft, dann des Amtes Gleißberg.

Die Herren von Gleißberg sollen erstmals 968 urkundlich genannt werden (1).
1261 erfolgt die urkundliche Erwähnung der Burg als Sitz der Herren von Gleißberg (3).

Ab 1327, so die Tafel an der Ruine, sei sie an die Reussen übergegangen und ab 1278 an die Wettiner. Diese setzen 1450 durch den Herzog Wilhelm von Weimar die drei Brüder und Günstlinge Bosse (Busso), Apel und Burkhard Vitzthum als Räte ein (3), die fortan die Burg als ihren Sitz ausbauten.
Jedoch nutzten diese die wieder hergestellte Burg vorwiegend für ihre eigenen Zwecke und drangsalierten die umwohnenden Menschen als ihre Untertanen. Wilhelm als Landgraf brach dann in einem Winterfeldzug 1451/1452 die Macht der Vitzthums und eroberte die mit zahlreichen tschechischen Söldnern besetzte Burg zurück.
 
Darüber ist folgende Sage bekannt (1):
„Die Vitzthume hielten auf der Burg aus Eitelkeit nur weiße Rosse. Darauf bauten die Gegner ihre List. Als die Vitzthumschen wieder einmal auf den weißen Rossen auf Raub ausritten, nahmen ihnen die Landestruppen die Rosse ab und setzen eine gleich Schar Landestruppen darauf. Diese Schar sprengte, sich den Anschein der Vitzthumschen gebend, in größter Hast auf das Burgtor zu, zum Schein erfolgt von einer großen Schar Landesreiter auf anderen Pferden. Wie vorberechnet, wurde das Tor eilends geöffnet, um die Schimmelreiter, vermeintlich die eigenen Leute, einzulassen. Ihre scheinbaren Verfolger und bereitgehaltenes Fußvolk drängten sofort nach und so wurde die Burg fast kampflos genommen. Bosse Vitzthum entkam durch einen Notausgang auf unglaubhaft kühne Weise zu Pferde den steilen Berghang hinab und floh nach Böhmen. Die Burg verfiel, das Gebiet kam zum Amt Jena.“

Der Wanderweg zur Kunitzburg ist gut ausgeschildert, etwa 2 km lang und dauert im gemütlichen Wanderschritt etwa 40 min. Er führt zunächst sanft aus dem Ort Kunitz nach Norden in die Flur zum Gleißberg. Dabei verschwindet die Burgruine zunächst wieder aus dem Blickfeld des Wanderers.

Sanfter Aufstieg von Kunitz
Sanfter Aufstieg von Kunitz
 Kunitz, im Hintergrund Jena
Kunitz, im Hintergrund Jena

Bänke säumen den Weg und laden zur Rast und herrlichen Blicken in das Saaletal ein.

Nach offenem Gelände schließt sich ein Waldgebiet an, in welchem der Wanderer zwischen einem sanfteren und steileren Anstieg wählt.

 Wanderweg am Gleisberg
Wanderweg am Gleisberg
 

Unvermittelt, etwa auf halber Strecke, öffnet sich der Wald und es wird ein Wanderweg freigegeben, der faszinierende und Ruhe vermittelnde Blicke in das Saaletal möglich macht.

Blick auf Kunitz 

Weit unten bereits liegt beschaulich Kunitz, im Hintergrund sind die Türme und die Gebäude von Jena zu sehen (linkes Bild).

 Blick auf Kunitz
Herrliche Ausblicke auf Kunitz
 

Auf der anderen, nordwestlichen, Saaleseite erhebt sich ebenfalls ein Bergrücken (Galgenberg 240m, Weidenberg 337m, Plattenberg 345m) der zum großen Schlachtfeld 1806 zugezählt wird.


Bei gutem Wetter reicht der Blick gen Norden bis hin zu den Dornburger Schlössern.

Hangwanderweg 

Für Naturfreunde lohnt sich der Blick rechts und links vom Weg her, denn hier finden wir interessante Gesteinsaufschlüsse, seltene Pflanzen, u.a. auch Orchideen, und verwurzelte Stellen.

 
Wurzelwerk am Wegrand

Wurzelwerk am Wegrand

 Wanderweg am Gleisberg

Wanderweg am Gleisberg

 Seltene Blume am Wegesrand
Seltene Blume am Wegesrand
 

Etwa nach drei Viertel des Wegs ist eine kleine Aussichtsstelle mit Bank errichtet, von der aus wieder der Blick in das Saaletal gen Jena möglich ist. Von hier führt ein steiler und gefährlicher Weg bergab, der den mutigen oder waghalsigen Wanderer zurück über den Spielberg gen Kunitz gelangen lässt.

Von der Kunitzburg selbst stehen nur noch Reste, die das genaue Ausmaß der ursprünglichen Ausdehnung nur noch wenig erahnen lassen. Auch der wohl einstmals vorhandene, in den Fels gehauene Burggraben ist nur noch wenig erkennbar, da Geröll und herabfallendes Gestein der Burg und die letzten Generationen durch Anlegen von Wegen usw. die Umgebung verändert haben.

Ruine Kunitzburg Sichtbar sind noch die Südseite des Palas mit 2 Fensternischen, Teilen der Burgmauer und des Bergfriedes. Durch die Fensternischen schaut man auf Kunitz, die Mäander der Saale, und weithin ins Land bis nach Jena. Ruine Kunitzburg
Ruine Kunitzburg
Ruine Kunitzburg Auf dem Burgplateau haben Kulturfreunde eine kleine Aussichtsplattform nach Westen geschaffen, von dem sich ein weiter Blick in das Saaletal von Jena bis nach Dornburg öffnet. Ruine Kunitzburg



Unter rechtzeitiger Anmeldung sollen innerhalb der Ruine kleine Feste und Feiern möglich sein. Eine regelmäßige Bewirtschaftung der Burg ist allerdings nicht vorhanden.

Blick auf Saaleaue
Blick auf die Saaleaue
 
 
 Blick zum Bad und zur Rabeninsel,im Hintergrund auf dem     Plattenberg liegt der Ort Neuengönna
Blick zum Bad und zur Rabeninsel, im
Hintergrund auf dem Plattenberg liegt
der Ort Neuengönna

 

Quellennachweis:

(1) Hermann Holl „Jena und Umgebung“, Ein Heimatbuch und Fremdenführer, Universitätsbuchdruckerei G. Neuenhahn, 1930, S. 134ff
(2) „Berge und Burgen um Jena“ Ein Wanderbuch, Deutscher Kulturbund Jena, Gutenberg Buchdruckerei und Verlagsanstalt Saalfeld, 1960, S. 31ff
(3) Informationstafel an der Burgruine


viele weitere Informationen unter:

http://www.kunitzburg.de/geschichte.htm,
http://www.dickemauern.de/gleissberg/index.htm,
http://www.tlu.uni-jena.de/contentfrs/fach_01/schutzgeb_jena/seiten/sehenswkeiten/kunitzburg.htm,


Anmeldung von kleinen Festen und Feiern an: Geschäftsstelle: Freundeskreis Kunitzburg e.V., Carl-Zeiss-Str. 8, 07743 Jena, Telefon:+49 (3641) 448803 oder 0172 791 7786
 Ansprechpartner: Frank Eulenstein
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©photos by Jürgen Zerull

Letzte Aktualisierung ( 24. 07. 2009 )
 
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