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27. 05. 2017
Olbricht, Alexander - Maler, Radierer PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Detlef Tonn   
05. 05. 2015
Die Seele der Pflanzen

* 6. Juni 1876 in Breslau
† 11. November 1942 in Weimar

Vertreter der „Weimarer Malerschule“ (1860-1900)
Lehrer: Hagen

Behmer: Alexander Olbricht
Marcus Behmer: Alexander Olbricht,
Radierung 1910© collections.lacma.org
Olbricht: Selbstporträt
Alexander Olbricht: Selbstporträt -
Halbprofil, Radierung © galerie-profil.de

Alexander Olbricht hatte seit 1894 an der Breslauer Akademie studiert.
Im Mai 1899 kam er zu Theodor Hagen (1842-1919) an die Weimarer Kunstschule und lernte als Student den drei Jahre jüngeren Marcus Behmer (1879-1958) kennen. Die Künstlerfreundschaft hielt ein Leben lang, obwohl Olbricht in Weimar blieb, während der von dort stammende Behmer in Italien wirkte und sich schließlich als Grafiker in Berlin niederließ.
„Schon im August 1899 stellte er eine Kollektion von Landschaftsradierungen aus und gewann Weihnachten den ersten Preis in einer Landschaftskonkurrenz der Schule. In diesen frühen Arbeiten, mit denen Olbricht auch sogleich in den Mappen des Weimarer Radiervereins vertreten war, ist der Zug zu dekorativer Gestaltung der Formen innerhalb der Bildfläche erkennbar, verbunden mit einer Begabung für das zeichnerische Detail. Olbricht wurde nach Abschluss seiner Ausbildung in Weimar ansässig; im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts gehörte er zu den Repräsentanten einer deutschen Grafik, die in der Umwelt von Kleinstadt, Dorf und Landschaft liebenswürdig-kauzige Details entdeckten. Als Lehrer der erneuerten Weimarer Kunsthochschule hat er in den Jahren 1922 bis 1935 mit dürerischen Liebe zur kleinsten Form die Welt der Pflanzen und Blüten zu beachten und zu zeichnen gelehrt.“ (Scheidig)

Olbricht: Taubach
Alexander Olbricht: „In Taubach“, Aquarell, Kreide und Graphit 1926© Klassik Stiftung Weimar

Das Bauhaus war die kostbarste und bunteste Blüte in Weimars Garten, aber es gab schöne zarte Pflanzen neben ihr. Während Walter Gropius 1919 sein epochemachendes Manifest für eine neue handwerklich-künstlerische Ausbildung formulierte, schuf der Wahl-Weimarer Olbricht ganz im Stillen eine Serie zeitloser, feiner PflanzendarsteIlungen: 2 x zwölf Zweige, vollendet 1920.

Wie bei Behmer so verleugnen auch etliche von Olbrichts Blättern ihre Nähe zum Jugendstil nicht, "die Assoziation mit japanischer Kunst liegt nahe", so Wolfgang Holler, Museumschef der Klassikstiftung Weimar; Olbrichts 2 x zwölf Zweige seien "ein bisschen wie Egon Schiele (1890-1918)", ergänzt Hermann Mildenberger, Ausstellungskurator und Leiter der Grafischen Sammlungen. Aber Olbrichts intimer Blick auf die Landschaften seiner Umgebung - ob in Ehringsdorf oder in der Sommerfrische in Mecklenburg - machen sein Werk einzigartig. Menschenleer seien seine Landschaften, "aber nicht seelenleer", sagte treffend Olbrichts Enkelin Ursula Czapp bei der Ausstellungseröffnung 2010.


Olbricht: Blatt aus "Der erste Schnee"
Alexander Olbricht: Blatt aus dem Zyklus "Der erste Schnee"

"Leise Superlative", so apostrophierte Marcus Behmer die Werke Alexander Olbrichts; so ist auch die Ausstellung 2010 mit Werken beider Künstler betitelt.  Der feinste Strich, die genaueste Naturbeobachtung, der liebevollste Blick auf die Weimarer Umgebung: solcher Art sind die Superlative, die Olbrichts Schaffen kennzeichnen. Nichts Spektakuläres ist daran, nichts Bahnbrechendes, ganz und gar nichts Lautes. Was Olbricht suchte, was er immer wieder in kolorierten Grafiken, in Aquarellen und Federzeichnungen festhielt, das war die bizarre Schönheit von Pflanzen; aber auch der Charakter verschiedenster Kulturlandschaften.

Wer flüchtig hinsieht, könnte OIbrichts Landschaftsstudien sämtlich als Idyllen lesen. Aber sein letzter und bedeutendster großer Zyklus, Der erste Schnee von 1939, zeigt etwas anderes: Erstarrung. 1935, nach 14 Jahren Lehrtätigkeit, war Olbricht als Professor der Weimarer Staatlichen Hochschule für bildende Kunst entlassen worden, wegen politischer Missliebigkeit.

Grabstelle Fam. Olbricht
Grabstelle Fam. Olbricht (Ausschnitt) -
Friedhof OberweimarFoto: friedhof-ansichten.de /
Thomas Haas 2014

Die 37 aquarellierten Zeichnungen der Schnee-Serie spiegeln Alexander Olbrichts Seelenzustand wider. Aber selbst diese kalte Welt voller Zäune, Schranken und Stacheldraht - sie ist immer noch schön.
Frauke Adrians (2010)

 

Ausstellungen
Atelier von Alexander Olbricht im Stadtmuseum Weimar
Vollständig originales Atelier von Alexander Olbricht im Stadtmuseum
Weimar. Sein Atelierhaus in der Merketalstraße steht heute noch. Foto: Nora Oelke
  • Weimar, Schillermuseum 2010: Leise Superlative – Alexander Olbricht und Marcus Behmer.  Die Werkschau beleuchtet das Schaffen Olbrichts und seines Künstlerfreundes Marcus Behmer.
    Die 95 Olbricht-Blätter in der Ausstellung sind ein Teil der Werke aus dem Familiennachlass, die die Klassikstiftung in den vergangenen Jahren erworben hat.
    Bei der Ausstellungseröffnung dabei waren Olbrichts Enkelin Ursula Czapp mit ihren Schwestern Katharina Olbricht und Anna Maria Servos.
    Ebenfalls neu im Bestand sind 81 bibliophile Werke Behmers, die jetzt zur Sammlung der Anna-Amalia-Bibliothek gehören.
    Behmers bekannteste Werke sind Buchillustrationen, etwa zu Oscar Wildes Salome oder zur bibliophilen Ausgabe des Märchens Vom Fischer und seiner Frau aus dem Insel-Verlag. Die rund hundert losen Drucke, Grafikserien und illustrierten Bücher, die in der Weimarer Ausstellung für Behmers Werk stehen, sind nahezu lupenreiner Jugendstil, erinnern mal an Aubrey Beardsley, mal an Heinrich Vogeler oder die Wiener Werkstätten.
    Ausstellungskatalog (s. Literatur)
  • Weimar, Galerie Profil 2010: Alexander Olbricht (1876 – 1942) – Graphische Kostbarkeiten.
Preis

Weimar, Weihnachten 1899: 1. Preis der Kunstschule für Landschaften

Straßenbenennung

Alexander-Olbricht-Straße in Weimar.

Literatur
  • Zwölf Radierungen aus Weimar. Mappe, Insel-Verlag 1910
  • Hertzsch, Walter: Alexander Olbricht Zeichnungen. 24 farbige Abbildungen. Insel-Bücherei Nr. 1085., 2.Aufl., Leipzig, Insel Verlag Anton Kippenberg 1989.
  • Olbricht, Alexander und Hertzsch, Walter: Alexander Olbricht. Zweige / Erster Schnee – 2 Folgen. Welt der Farbe, Insel-Verlag
  • Holler, Wolfgang , Mildenberger, Hermann  (Hrsg.): »Leise Superlative« – Alexander Olbricht & Marcus Behmer. Ausstellungskatalog. Weimar 2010.
Quelle

Scheidig, Walther: Die Weimarer Malerschule 1860 – 1900. Leipzig 1991.

Letzte Aktualisierung ( 02. 11. 2016 )
 
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