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20. 11. 2017
Tübbecke, Paul Wilhelm - Landschaftsmaler, Radierer PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Detlef Tonn   
26. 04. 2016
Zwischen Feinmalerei und impressionistischer Naturanschauung

* 12. Dezember 1848 in Berlin
† 30. Januar 1924 in Weimar

Vertreter der „Weimarer Malerschule“ (1860-1900)
Lehrer: Pauwels, Pauwels, Hagen (1869-78)

Eine Ausbildung, die die Geltung der Weimarer Kunstschule unter Theodor Hagen (1842-1919) kennzeichnet, ist bei dem Berliner Paul Tübbecke zu beobachten. Er war von der dortigen Akademie 1869 zu Ferdinand Pauwels (1830-1904) und Paul Thumann (1834-1908) nach Weimar gekommen und verließ nach deren erzwungener Demission aus Protest 1872 die Schule wieder. Jedoch kam er zwei Jahre später zurück, enttäuscht vom Unterricht an der Dresdner Akademie und angezogen von dem Ruf, den Hagens Atelier in Kreisen der Kunstschüler der alten Akademien gewonnen hatte. Andernorts wäre eine so flott hingestrichene Studie wie der Vorfrühling im Weimarer Park aus dem Jahre 1875 als nachlässig gemalt, als eine Pfuscherei des Studierenden abgelehnt worden. Hier in Weimar bei Hagen hatte sie Geltung und konnte wie ein Bild signiert und datiert werden. Uns drängt sich heute bei der Betrachtung der Ausdruck 'Impression' auf, jedoch ist das Bild mit der sorglichen Komposition, mit einem 'Ton' und mit farbigen Effekten in der Kleidung der Menschen eine Atelierarbeit, dabei aber der gelungene Versuch, die Frische der Naturanschauung ins Atelier zu retten.

Tübbecke: Gänsewiese am Dorfrand
Paul Tübbecke: Gänsewiese am Dorfrand. Öl Lw. 1879© Klassik Stiftung Weimar

Wirklich schöne Malerei mit einer aufgehellten Palette gab Tübbecke im dem Bildchen Gänsewiese am Dorfrand. Da ist ein blauer Himmel, wie ihn bisher noch kein Weimarer Bild gezeigt hat; eine Wiese, die farblich durch die weißen Gänse und durch grau-grüne Weidenbüsche zu verstärken gesucht ist. Der Lockung, interessante Lokalfarben in der Kleidung der Frauen anzubringen, hat Tübbecke widerstanden. Sogar die schöne räumliche Wirkung des Bildes hat er zum Teil mit malerischen Mitteln erreicht; durch die sich kreuzenden Wege und das bestimmt gemalte Haus, von dem aus die Farbkette der Bäume immer lockerer behandelt in die Tiefe führt. Mit einer Farbgrenze setzt sich der Hügel gegen den blauen Himmel ab und zeigt echte Malerei. Solche Arbeiten, die heute selbstverständlich erscheinen, waren zu ihrer Zeit selbst in Weimar außerhalb der Kunstschule umstritten. Eigentliche 'Studien' von der Arbeit vor der Natur oder vor dem Modell wurden im Ausstellungsraum der Kunstschule nur selten gezeigt. Wurden sie aber einmal ausgestellt, dann war es auch für den Maler ein besonderes Ereignis, weil sie einander nicht gern ihre Studien sehen ließen, um nicht ihre Motive oder Ideen für Gemälde zu verraten. Wie Besucher aus der Stadt auf solche Ausstellungen reagierten, verraten die Schulakten. Sie wissen zu berichten, dass im Jahre 1874 in der Ausstellung Bilder vom Publikum 'schamlos beschädigt' wurden.

Tübbecke: Markt am Jacobsplan in Weimar
Paul Tübbecke: Markt am Jacobsplan in Weimar. Öl Lw. 1877© Klassik Stiftung Weimar

So nimmt es nicht Wunder, wenn auch in Weimar die für Ausstellung und Verkauf bestimmten Bilder aus der Kunstschule konventioneller ausfielen. Zwar wurden Heimatmotiv und volkstümliche Figurenstaffage auch hier üblich, aber es wurde doch noch 'fein' gemalt und tonlich abgestimmt. Tübbeckes Markt am Jacobsplan in Weimar ist ein gutes Beispiel für diese Art und Weise, ohne ganz auf die frische Anschauung zu verzichten, die der Künstler in seinen freieren Arbeiten zeigt.

Tübbecke ist bei dieser Auffassung geblieben und hat später, ohne dass seine Kunst noch größere Wandlungen erfahren hätte, ein Gesamtwerk von erfreulichem Niveau geschaffen. Die Dörfchen um Weimar mit ihrer anspruchslosen Bauweise und bescheidenen Farbigkeit hat er, später auch in der Freiluftmalerei vor der Natur, mit gut gewählten Ausschnitten wiedergegeben, ohne dabei die Probleme der 1880er und 1890er Jahre im Kunstleben Weimars aufzugreifen." (Scheidig)

 

Werke (Auswahl)/ Verbleib

Einige Werke befinden sich im Bestand der Klassik Stiftung Weimar und weiteren Museen.

  • Erfurt, Gemäldegalerie im Angermuseum:
    (D = In der Dauerausstellung der Gemäldegalerie des Angermuseums zu sehen. Zur Orientierung: Der Galeriesaal wird durch Wandelemente gegliedert in einen mittleren Bereich – Mittelgang zwischen den sich automatisch öffnenden Türen und zwei seitlichen Bereichen mit verdunkelten Fenstern, nach N – Angerseite sowie nach S – Hofseite.)
    Christian Rohlfs malend, erworben 1957 (D, Hofseite, neben zwei Werken des Porträtierten).
Ausstellungen
  • Weimar "Permanente Ausstellung"
  • Weimar Dezember 1885, Jubiläumsausstellung der Kunstschule: Bauerngarten
  • Weimar, Druckgrafisches Museum Weimar: 2010: Hinaus in die Natur! Der Weimarer Radierverein. 18. Jahresmappe 1887, Blatt 11, Landschaft; 19. Jahresmappe 1902, Blatt 14, Unter Weiden
  • Berlin 14.September bis 31.Oktober 1957, Nationalgalerie Berlin: Ausstellung Deutsche Landschaftsmalerei 1800-1914.
  • Kunsthaus Apolda Avantgarde: Die Weimarer Malerschule und das Weimarer Land. 2011. Zum großen Teil aus dem Bestand der Klassik Stiftung Weimar
Quelle

Scheidig, Walther: Die Weimarer Malerschule 1860 - 1900, Leipzig 1991.

Letzte Aktualisierung ( 09. 02. 2017 )
 
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