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21. 09. 2017
Sonderausstellung Stadtmuseum Erfurt: Waidhandel PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Detlef Tonn   
14. 12. 2016
„Geld stinkt nicht“ - Erfurt und der Waidhandel

Stadtmuseum im „Haus zum Stockfisch“, Erfurt, Johannesstraße 169
06.12.2016 - 02.04.2017

Erfurt war die bedeutendste deutsche Waidhandelsstadt im Mittelalter. Sogar in der berühmten „Liber chronicarum“ des Hartmann Schedel (1440-1514) von 1493 wurde als Besonderheit Erfurts „ein Kraut Waidt ... zur Färbung der Tücher dienlich“ genannt.

Erfurt mit seinen umliegenden Dörfern am Südrand des Thüringer Beckens kam mit seinem fruchtbaren Lößböden dem anspruchsvollen Färberwaid (Isatis tinctoria) entgegen. So war der Anbau der Waidpflanze in den Dörfern des Thüringer Beckens sehr verbreitet. Vom 13. bis zum 16. Jh. steht der Waidanbau in den ca. 300 mittelthüringischen Dörfern in Blüte. Ein Waidregister von 1579 weist in 49 Erfurter Dörfern den Waidanbau nach.

Thüringer Waid gilt als besonders gut. Andernorts waren die Voraussetzungen für den Anbau nicht so günstig. So erklärt sich, dass seit dem 10. Jh. neben Thüringen nur noch vom Niederrhein über Waidanbau berichtet wird. Denkbar ist, dass bereits in karolingischer Zeit mit Waid gehandelt wurde. Zum großen Teil im Fernhandel, geht der Farbstoff nach Görlitz, Nürnberg, Lübeck, nach Flandern und anderen deutschen und europäischen Zentren der Tuchproduktion. Der Wunsch nach blauen Tuchen machte den Farbstoff zu einem begehrten Exportartikel, der von den Zeitgenossen als „goldenes Vlies“ oder „fürnehmste Nahrung“ der Stadt Erfurt bezeichnet wurde.

Für den Waidhandel existierte frühzeitig ein Marktzwang, der im „Erfurter Zuchtbrief“ von 1351 reglementiert wurde. Käufer und Verkäufer hatten danach ihre Geschäfte ausschließlich auf dem Waidmarkt, dem Anger, abzuwickeln. Auch die Handelszeiten waren wöchentlich vorgeschrieben von Trinitatis (Sonntag nach Pfingsten) bis Michaeli (29. September). Wie auch heute noch auf Börsen, wurde der Handel mit einem Schlag an die Waidglocke eröffnet.

Wie sehr sich das Selbstbewusstsein der Erfurter auf den Waid stützte, verdeutlicht auch die Überlieferung einer Anekdote, nach der sie im Jahr 1290 Kaiser Rudolf von Habsburg (1218-1291) bei der Zerstörung von Raubritterburgen unterstützten und anschließend Waidsamen auf die Trümmer streuten, zum Zeichen dass die „Erfurter allda gewesen“ seien.

Eine exorbitante Gewinnspanne konnten Produzenten wie Händler erzielen, nachdem das Halbprodukt in einem arbeitsreichen Prozess weiterverarbeitet wurde. So ließ man die Bällchen von Waid auf den Waidböden zerschlagen und mit Wasser sowie Urin anfeuchten. Während der sodann einsetzenden Gärung erfolgte die Aufspaltung des Indican (Wikipedia). Auf die damit einhergehende starke Geruchsbelästigung bezieht sich die Austellungslosung „Geld stinkt nicht“ - pecunia non olet. Die Redewendung geht zurück auf den römischen Kaiser Vespasian, der im alten Rom an belebten Straßen amphorenartige Latrinen aufgestellen ließ, um Urin als Mittel für die Ledergerbung und die Wäschereinigung zu sammeln, und auf diese öffentlichen Toiletten eine spezielle Latrinensteuer erhob (Wikipedia).

Letzte Aktualisierung ( 04. 01. 2017 )
 
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