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21. 11. 2017
Linck, Gottlob Eduard - Mineraloge, Geologe, Paläontologe, Kristallograph PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Detlef Tonn   
09. 03. 2017
Verfasser mehrfach aufgelegter Lehrbücher und engagierter Hochschulreformer

Gottlob Eduard Linck zählte zu den herausragendsten Persönlichkeiten, die zwischen dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts und dem Beginn des 1. Weltkrieges an der Philosophischen Fakultät der Universität Jena lehrten. Lehre und Einsatz für das Wohl seiner Studenten gingen bei ihm in besonderer Weise eine Einheit ein.

* 20. Februar 1858 Ötisheim bei Maulbronn
† 22. Dezember 1947 Jena

Porträt Gottlob Eduard Linck im Profil
Porträt Gottlob Eduard Linck im Profil© Digiporta
Porträt Gottlob Eduard Linck
Porträt Dr. Gottlob Eduard Linck, Heliogravüre nach Photo, Verlag
Adolf Eckstein in Berlin-Charlottenburg, o.J. (ca. 1900)© Antiquariat für Medizin - F.-D. Söhn - Medicusbooks.Com,
Marburg | ZVAB

Der Vater war Lehrer und späterer Schultheiß und wird seinem jüngsten Sohn bereits einiges an pädagogischer und organisatorischer Befähigung mit auf den Weg gegeben haben. Gottlob besuchte die Volksschule im Geburtsort, die 12 km entfernte Lateinschule in Vaihingen an der Enz und bis 1874 schließlich die Realschule in Heilbronn.
Während seiner Apothekerlehre verlor er mit 18 Jahren beide Eltern. Nach zwei Jahren als Apothekergehilfe nahm er 1879 ein Chemiestudium am Polytechnikum Stuttgart auf, wechselte aber noch im gleichen Jahr an die Universität Straßburg, um sich dort speziell der Mineralogie, Geologie und Paläontologie zu widmen. Dort legte Linck 1883 seine Dissertation zum Dr. phil. ab und erhielt im Jahr darauf eine Stelle als Assistent. 1888 habilitierte er zur Mineralogie und Petrographie.

Mit verliehener außerordentlicher Professur folgte Linck 1894 dem Ruf der Universität Jena und kam nach Thüringen. In der Saalestadt blieb er dann bis an sein Lebensende. Als ordentlicher Professor für Mineralogie und Geologie und Direktor des zugehörigen Instituts erwarb sich Linck bis 1930 nicht nur als Hochschullehrer und Verfasser mehrerer Lehrbücher und Fachartikel große Verdienste, sondern auch als Hochschulreformer für verbesserte Studienbedingungen. Mit seiner Berufung in Jena begann zugleich eine direkte Zusammenarbeit von Linck mit den Zeiss-Werken, die an einer Förderung der Mineralogie besonders interessiert waren. Linck bereiste im Auftrag von Zeiss bis zum 1. Weltkrieg verschiedene Länder auf der Suche nach dem Mineral Flussspat, das bei der Herstellung von Mikroskopobjektiven Verwendung fand.

Gottlob Eduard Linck
Karl Naumann: Porträt Gottlob Eduard Linck, Öl, Lw. 1931© mvt | Universität Jena, Kustodie

Er hatte verschiedenste maßgebliche Positionen der Universität als Dekan der Philosophischen Fakultät, Prorektor und Rektor (nach Pester 2014: Wintersemester 1896/97, 1912/13, 1924/25; Sommersemester 1906, 1912, 1923) inne, die er auch zur Durchsetzung seiner Reformbestrebungen nutzte. Mit seinem Namen verbinden sich die Einrichtung einer Darlehnskasse, von Studentenhilfswerk und Studentenheim (1929).
Die sich nach Ende des 1. Weltkrieges als ein internationales Problem erweisende zunehmend verschlechternde materielle Lage der Studierenden sollte durch unterstützte wirtschaftliche Selbsthilfe begegnet und das Werkstudententum besonders gefördert werden. Ziel war es, das Studium von der sozialen Herkunft und dem Elternhaus durch eigene Arbeit  wirtschaftlich unabhängig zu machen, indem der Lebensunterhalt durch eigene Arbeit selbst bestritten wird. Auf Initiative des Deutschen Hochschulbundes bildete sich Ende 1921, wie an fast allen Hochschulen, der Verein Jenaer Wirtschaftshilfe. Georg Linck, als stellvertretender Vorsitzender der universitären Fördergesellschaft und AstA-Vorsitzender, wurde in den Vorstand gewählt. In einem Aufruf an die Jenaer Bürger warben Linck und seine Mitstreiter wie Schott (Glas) und Fischer (Verlagsbuchhändler) um finanzielle Unterstützung für das Studentenheim, das günstige Verpflegung und beheizbare Studierzimmer bereitstellte.

Nach dem 1. Weltkrieg wandte sich Linck in seinen Forschungen verstärkt der Entstehung der Dolomite, der Meteoritenkunde und geophysikalischen Fragen zu. Sein Hauptinteresse galt dem Aufbau des Erdballs, zu dem er im Rahmen der akademischen Preisverleihung 1924 referierte. 1914 begründete Linck die Zeitschrift Chemie der Erde.
Er eröffnete  am 31. Oktober 1920 als amtierender Rektor der Universität das Ernst-Haeckel-Haus als Museum und Institut bzw. Archiv.
1930 emeritiert, trat Gottlob Linck im Januar 1936 nach 15jähriger Tätigkeit als Fachgutachter für Mineralogie demonstrativ zurück, da er, wie andere auch, innerhalb der neuen Führungsstrukturen übergangen wurde.

Werke / Veröffentlichungen

Naturwissenschaften.

  • [Hg. u. Mitarbeit] Handwörterbuch | der | Naturwissenschaften | Herausgegeben von | … Prof. Dr. G. Linck-Jena (Minerologie und Geologie) … | Erster Band | Abbau-Black | Mit 631 Abbildungen | Jena | Verlag von Gustav Fischer | 1912, 1163 S., Anhang: Inhalt, nach Autoren (hdschr.) 27 S. Digitalisat: BHL

Mineralogie, Petrographie

  • Tabellen zur Gesteinskunde für Geologen, Mineralogen, Bergleute, Chemiker, Landwirte und Techniker. 1. Aufl., Jena 1902, 3 Tafeln | 2. verm. u. verb. Aufl., Jena, Fischer 1906, 9 Tafeln | 3., verb. Aufl., Jena, Fischer 1909, 12 Doppels., 4 Tafeln | 4., verb. Aufl., Jena, Fischer 1918, IV, 25 S., 8 Tafeln. | 5., verb. Aufl., Jena, Fischer 1921, IV, 29 S., 8 Tafeln
  • Beobachtungen und ihre Ergebnisse an Gesteinen des mittleren Zechsteins <Hauptdolomit und grauer Salzton> in Thüringen. In: Forschungen und Fortschritte, Jg. 18, Nr. 11/12, Berlin 1942, S. 118-19.
  • Die nutzbaren Mineralien und Gesteine des Großherzogtums Sachsen. Jena, 1901
  • Die nutzbaren Mineralien und Gesteine des Großherzogtums Sachsen Neustädter Kreis. Jena, 1901, 8 S.
  • Über die Entstehung der Dolomite | Vortrag, Jena, Kämpfe 1909, 14 S.
  • Über die Bildung der Oolithe und Rogensteine. In: Jenaische Zeitschrift für Naturwissenschaft ; Bd. 45, Jena, Fischer 1909, S. 268-78
  • Geognostisch-petrographische Beschreibung | des | Grauwackengebietes | von | Weiler bei Weissenburg | von G. Linck. | Beitrag | zur | Kenntniss des Culm | in den | südlichen Vogesen | von | G. Meyer. | Strassburg, | Druck und Verlag von R. Schultz & Cie | (Berger-Levrault's Nachfolger). | 1884. [3] Bl., 102 S. In: Abhandlungen | zur | Geologischen Specialkarte | von | Elsass-Lothringen. | Band III. - Heft I. | dto. 1891. Digitalisat: e-rara
  • [mit Jung, Hermann] Grundriß der Mineralogie und Petrographie | Eine Einführung für Studierende und zum Selbstunterricht. 1. Aufl., Jena, Fischer 1935, VIII, 290 S. | 2., neubearb. Aufl. mit 393 Figuren im Text, Jena, Fischer 1954, VIII, 367 S. | 3., neubearb. Aufl., Jena, Gustav Fischer Verlag 1960, X, 415 S.
  • Goethes Verhältnis zur Mineralogie und Geognosie | Rede gehalten zur Feier der akademischen Preisverteilung am 16. Juni 1906. Jena, Fischer 1906, 48 S., [3] Bl.
  • Goethes mineralisch-geologische Grundideen. In: Forschungen und Fortschritte, Nr. 7-9, 1., 10. und 20. März 1932. - S. 92.

Kristallographie

  • Grundriss der Kry[i]stallographie für Studi[e]rende und zum Selbstunterricht
    1. Aufl., Jena, Fischer, 1896, VI, 252 S. | 2., umgearb. Aufl., Jena, Fischer 1908, VI, 254 S. | 3., verb. Aufl., Jena, Fischer 1913, VIII, 272 S. Mit 631 Orig. Fig. u. 3 Tafeln | 4., verb. Aufl. mit 486 Originalfiguren im Text und 3 farbigen lithographischen Tafeln, Jena, Fischer 1920, VIII. 285 S., III Bl. | 5., verb. Aufl. mit 521 Originalfiguren im Text und 3 farbigen lithographischen Tafeln, Jena, Fischer 1923, X, 292 S., III Bl.

Hochschulwesen

  • Gedanken zur Universitätsreform. Jena, Diederichs 1919, 15 S.
  • Über Wesen und Wert der Universität | Rede. Jena, Fischer 1920, 31 S.
  • Ernst Abbe. Rede zum Gedächtnis seines 25. Todestages am 14. Januar 1930, gehalten im Auftrag des Akademischen Senats der Landesuniversität Jena von Dr. phil. nat. et Dr. rer. pol h. c. Gottlob Linck, o. ö. Professor der Geologie und Mineralogie. In: Jenaer akademischen Reden, H. 10, Jena 1930.
Ehrungen

1895 Mitglied Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina
1931 Ehrenmitglied der Deutschen Mineralogischen Gesellschaft
Ehrenpromotion Dr. rer. pol h. c. der Universität Jena.
1933, 20. Februar Ehrenpromotion Dr. phil. nat. der Universität Tübingen
1938 Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft
nach 1991, Jena West, Otto-Devrient-Str. 4: Gedenktafel am letzten Wohnhaus.

Straßenbenennung

Ötisheim: Gottlob-Linck-Straße

Quellen / Literatur

Franke, Horst: Linck, Gottlob Eduard. In: Lebenswege in Thüringen/1. Sammlung. Zeitschrift des Vereins für Thüringische Geschichte: 2000, XXII, 234 S., [Nr. 60] *, S. 128-30.
Senatskommission zur Aufarbeitung der Jenaer Universitätsgeschichte im 20. Jahrhundert (Hg.): Traditionen - Brüche - Wandlungen | Die Universität Jena 1850-1995. Weimar 2009, XIV, 1017 S.
[minrec] LINCK, Gottlob Eduard. (1858 – 1947)
Pester, Thomas: Die Rektoren/Prorektoren und Präsidenten der Universität Jena 1548/49-2014. Onlinefassung

Letzte Aktualisierung ( 10. 03. 2017 )
 
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