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17. 11. 2017
30 Jahre Neufund von Viola kitaibeliana auf der Schwellenburg PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Detlef Tonn   
22. 05. 2017
phot. D. Tonn 21.5.2017

Einziges Vorkommen der Art in Deutschland

Viola kitaibelianaAm 28. April 1987, also vor fast genau 30 Jahren, besuchte Dr. Klaus Werner, von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Sektion Biowissenschaften (heute Naturwissenschaftliche Fakultät I – Biowissenschaften), Wissenschaftsbereich Geobotanik und Botanischer Garten im Rahmen der floristischen Kartierung das NSG Schwellenburg bei Kühnhausen, seit 1994 zur Stadt Erfurt gehörig.
Ihm fiel ein kleines Stiefmütterchen auf, das er später als Viola kitaibeliana Schultes (Syn. V. tricolor L. subsp. minima Gaudin), mit deutschem Trivialnamen Steppen-Stiefmütterchen, bestimmte. Er konnte feststellen, dass es sich dabei um einen Neufund für die DDR (Ostdeutschland) handelte, denn diese Art war dort bisher noch nicht nachgewiesen. Gleiches galt auch für die damalige BRD (Westdeutschland), wo sie „nur vorübergehend synanthrop aus den Häfen von Mannheim und Ludwigshafen“ bekannt geworden war, so dass von einem gesamtdeutschen Neufund gesprochen werden konnte. Der neue Fundort liegt weit außerhalb des bekannten Areals der Art, das sich vom Mittelmeerraum (N-Afrika, iberische Halbinsel) über Kleinasien bis S-Kaukasus erstreckt und seine n Grenze in Zentralfrankreich, der s Schweiz, der Steiermark, den drei o Bundesländern Österreichs, Südmähren, der Slowakei, Rumänien und der O-Ukraine erreicht.

Das unscheinbare und leicht zu übersehene kleine Steppen-Stiefmütterchen gilt bis heute  mit ihrem deutschlandweit einzigen Vorkommen auf der Schwellenburg als die größte Rarität und seltenste Pflanzenart in Erfurt. Ihr Bestand konnte auch im 30. Jubiläumsjahr ihres Neufundes bestätigt werden (siehe Fotos), zum Ende der Blütezeit in der dritten Maiwoche jedoch mit nur wenigen Exemplaren.

Klaus Werner hatte seinem Neufund die für die Anerkennung notwendige detaillierte Pflanzbeschreibung der Population am Fundort beigefügt. Danach wird die Pflanze 2,5-8 cm hoch, ist 1-3blütig. Der Stengel ist aufrecht, unverzweigt, dicht behaart mit rosettig genäherten Grundblättern. Die Blütezeit reicht von Ende April bis weit in den Mai hinein. Das unterste Kronblatt mit violett überlaufenem Sporn ist vom Grunde her bis fast an den Rand gelblich überlaufen, wobei eine Strichzeichnung fehlt, während die oberen Kronblätter weiß bleiben. Die beiden seitlichen Kronblätter laufen in einem Wimpernvorhang zum Grunde hin zusammen.
Abschließend vermutete Werner eine frühe Ansiedlung der Art im Gefolge des hier bis 1935 betriebenen Weinbaus. Als möglichen Grund für den späten Fund führte er die Kurzlebigkeit der Art an, die er selbst durch einen fünf Wochen späteren, zweiten Besuch der Schwellenburg durch das restlose Verschwinden feststellen konnte.

Viola kitaibelianaViola kitaibeliana

Viola kitaibelianaViola kitaibelianaViola kitaibeliana

Quellen

Werner, Klaus: Viola kitaibeliana Schultes auf der Schwellenburg bei Erfurt  ein Neufund für die DDR. In: Hercynia N.F. 25, Leipzig 1988, S. 142f.

Letzte Aktualisierung ( 22. 05. 2017 )
 
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