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25. 07. 2017
Müller-Desterro, Fritz - Biologe, Zoologe PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Martin Schoder   
14. 11. 2006
Darwinistischer "Fürst der Beobachter"

* 31. März 1822 Windischholzhausen
† 21. Mai 1897 Blumenau, Brasilien

Fritz Müller, gen. Müller-Desterro, war ein deutscher Biologe, der nach Brasilien emigrierte, wo er als Farmer, Lehrer und Naturforscher arbeitete und wesentliche Beiträge zur Naturgeschichte des Regenwaldes lieferte. Er war einer der ersten Anhänger des Darwinismus.

Die "Müllersche Mimikry" ist nach ihm benannt: Unterschiedliche Arten, häufig giftige oder ungenießbare Insekten, haben ein ähnliches Aussehen (Warntracht). Die Fressfeinde lernen dadurch schneller, Tiere mit diesem Aussehen zu meiden. 

Johann Friedrich Theodor Müller wurde am 31. März 1822 in Windischholzhausen, heute einem Stadtteil von Erfurt als Sohn eines Pfarrers geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums 1835 bis 1840 in Erfurt, dem Beginn einer Apothekerlehre, die er kurz darauf abbrach, studierte er in Berlin Mathematik und Naturwissenschaften und legte 1845 das Oberlehrerexamen ab. Aus Gewissensgründen gab er seine Lehreranstellung als Beamter eines christlichen Staates auf, da er überzeugt war, dass Naturgesetze und christlicher Wunderglaube nicht zusammenpassten und er jede Heuchelei ablehnte.

Danach nahm Müller ein Medizinstudium auf. Als Atheist weigerte er sich den Eid mit der religiösen Formel "so wahr mir Gott helfe" abzulegen und musste deshalb sein Studium ohne Abschluss beenden. Vom Ausgang der Märzrevolution 1848 war er enttäuscht. Wegen schlechter Berufsaussichten in Deutschland wanderte er 1852 frisch verheiratet mit seiner Frau, seiner ersten kleinen Tochter (fünf weitere Töchter sollten folgen) und seinem Bruder August nach der von Hermann Blumenau neu gegründeten Kolonie Blumenau im Südosten Brasiliens aus. 1852 nahm er eine Stelle als Lehrer für Naturwissenschaften in Desterro an der Atlantikküste an. 1893 wurde Desterro in Florianopolis umbenannt. Nach der Übernahme der Schule durch Jesuiten verlor er seine Stelle 1864.

1864 schrieb er auch sein einziges Buch "Für Darwin". Darin lieferte er viele Daten und begründete durch Beobachtungen an Krebsen, dass Charles Darwins Theorie der Evolution durch natürliche Selektion richtig war. Darwins Werk "The Origin of Species" war 5 Jahre zuvor veröffentlicht worden. Fritz Müller war ein eifriger Verfechter von Darwins Evolutionstheorie.

Obwohl er am Ende der Welt lebte, korrespondierte er unter anderem mit Charles Darwin, Hermann Müller (seinem Bruder, der Biologe in Lippstadt war), Alexander Agassiz, Ernst Krause und Ernst Haeckel. Müller war ein ausgezeichneter Beobachter (Darwin bezeichnete ihn als "Fürst der Beobachter"), hatte Zeichentalent um seine Beobachtungen zu Papier zu bringen und konnte 15 Sprachen lesen. Seine Forschungsgebiete waren: Krebse, Quallen, Platt- und Ringelwürmer, Blumenbestäubung, Wandelröschen, Orchideen, stachellose Bienen, Termiten, Bromelien. Er entdeckte die Symbiose zwischen Cecropia-Bäumen (Ameisenbäumen) und Ameisen. Die Tiere verteidigen die Pflanze gegen Feinde und Aufsitzer- oder Kletterpflanzen. Die Pflanze bietet ihnen dafür eine Behausung und besondere Futterkörper, die nach Fritz Müller benannten ("Müllersche Körperchen").

Er kehrte von Desterro nach Blumenau zurück und war ab 1865 als "Naturforscher der Provinz Santa Catarina" angestellt. Schicksalsschläge zwangen ihn zu einem Neuanfang: seine Lieblingstochter Rosa nahm sich in Berlin das Leben, durch ein Hochwasser wurde sein Haus überflutet und er verlor seine Einrichtung. Hilfe die ihm von Darwin angeboten wurde, damit er wieder Bücher und Mikroskop beschaffen konnte, lehnte er aus Bescheidenheit ab.

Ab 1874 bis 1891 arbeitete er als reisender Naturforscher für das brasilianische National Museum. Als er 1891 nach Rio de Janeiro übersiedeln sollte, weigerte er sich und wurde daraufhin abgesetzt. Am 21. Mai 1897 starb er in Blumenau, Brasilien.

 

Strassenschild Gedenkstein
   
Gedenktafel Gedenkstein Umfeld

Straßenbenennung

Erfurt, Windischholzhausen: Dr.-Müller-Desterro-Straße

Quellen / Literatur
http://www.biologie.de

mehr:

In: Stadt und Geschichte - Zeitschrift für Erfurt (Heftnummer):
Müller, Horst. H.:
Ein Trommsdorff-Enkel in Brasilien Der reisende Naturforscher Dr. Fritz Müller-Desterro (18)

Letzte Aktualisierung ( 14. 03. 2017 )
 
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