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21. 11. 2017
Denkmale Erfurts PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Matthias Stier   
27. 02. 2007
Beitragsinhalt
Überblick
Vor 1400
1401 - 1500
1501 - 1600
1601 - 1806
1806 - 1814
1814 - 1870
1870 - 1900
1901 - 1919
1919 - 1933
1933 - 1945
1945 - 1949
1949 - 1990
1990 - heute
Legende-Literatur

1949 - 1990

 
Geschwister-Scholl-Gedenktafel

Standort: Geschwister-Scholl-Straße, Einmündung Leipziger Platz, s Ecke Thälmannstraße
Einweihung: vermutlich 1950 mit der gleichnamigen Straße oder etwas später

Geschwister-Scholl-Gedenktafel
Geschwister-Scholl-Straße
Geschwister-Scholl-Straße

Scholl, Hans, geb. 22.09.1918 Ingersheim; Scholl, Sophie, geb. 09.05.1921 Forchtenberg, beide hingerichtet 22.02.1943 München-Stadelheim. Die Geschwister Scholl studierten an der Universität München. Dort bildeten sie mit anderen Studenten, Künstlern und Gelehrten die Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ und verfaßten Flugblätter gegen den Krieg und für den Sturz der Naziherrschaft. Am 18.02.1943 wurde das Geschwisterpaar verhaftet, am 22.02.1943 durch ein Schnellverfahren zum Tode verurteilt und wenige Stunden nach der Urteilsverkündung hingerichtet. (DT, 5)

Weitere Ehrungen für die Geschwister Scholl:
Geschwister-Scholl-Straße (1950)

 

Neubauer-Gedenktafel

Standort: Theo-Neubauer-Straße, s Ecke Einmündung in Stauffenbergallee
Einweihung: vermutlich 1950 mit der gleichnamigen Straße oder etwas später

Neubauer-Gedenktafel
Theo-Neubauer-Straße
Theo-Neubauer-Straße

Neubauer, Theodor, geb. 12.12.1890 Ermschwerdt/Hessen, gest. 05.02.1945 Zuchthaus Brandenburg; Lehrer, kommunistischer Funktionär. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Erfurt studierte Neubauer Geschichte und neuere Sprachen und erwarb 1913 die philosophische Doktorwürde. 1914 meldete er sich freiwillig an die Front. Wegen einer Gasvergiftung wurde er 1917 aus dem Heeresdienst entlassen und begann seine Lehrertätigkeit an der Königin-Luise-Schule in Erfurt. Als Mitglied des „Vereins für die Geschichte und Altertumskunde in Erfurt“ schrieb er zahlreiche Beiträge zur Lokalgeschichte von Erfurt. 1919 wurde er Mitglied der USPD, 1920 der KPD, er beteiligte sich als einziger Lehrer des Lyzeums am Streik zur Niederschlagung des Kapp-Putsches. 1921 wurde er als Abgeordneter in den Thüringer Landtag gewählt, 1923 war er Staatsrat in der Sozialdemokratisch-Kommunistischen Landesregierung. 1933 wurde er verhaftet und trat als Zeuge im Reichstagsbrandprozess auf, danach war er bis 1939 in verschiedenen KZ eingekerkert. Nach seiner Entlassung setzte er von Tabarz aus den antifaschistischen Kampf fort. 1944 erneut verhaftet, wurde er 1945 zum Tode verurteilt und hingerichtet. (DT, 5)

Weitere Ehrungen für Theodor Neubauer:
Theo-Neubauer-Straße (1950),
Opfer des Faschismus-Ehrenmal II (1984), erste Namenstafel (von links)

 

Ossietzky-Gedenktafel

Standort: Ossietzkystraße, o Ecke Einmündung in Viktor-Scheffel-Straße
Einweihung: vermutlich 1950 mit der gleichnamigen Straße oder etwas später

Ossietzky-Gedenktafel
Ossietzkystraße
Ossietzkystraße

Ossietzky, Carl von, geb. 03.10.1889 Hamburg, gest. an den Folgen der KZ-Haft 04.05.1938 Berlin; linksbürgerlicher antifaschistischer Publizist, war im I. Weltkrieg Armierungssoldat, nach dem Krieg Mitbegründer und Organisator des Aktionsausschusses „Nie wieder Krieg“ und Redakteur der gleichnamigen Zeitschrift, 1919 Sekretär der „Deutschen Friedensgesellschaft“. Als Journalist arbeitete Ossietzky u.a. für die „Berliner Volkszeitung“ und die Tageszeitschrift „Die Republik“ bevor er 1927 Chefredakteur der Wochenzeitschrift „Die Weltbühne“ wurde. In der Nacht nach dem Reichstagsbrand im Februar 1933 wurde Ossietzky verhaftet und in das KZ Sonnenburg verschleppt. Am 23.11.1936 erhielt er den Friedensnobelpreis, dafür hatten sich nicht nur neun Nobelpreisträger, zahlreiche europäische Abgeordnete, sondern auch Persönlichkeiten wie Thomas Mann und der junge Sozialist Willy Brandt, der damals im Osloer Exil lebte, eingesetzt. Aufgrund internationaler Proteste musste Ossietzky aus dem KZ entlassen werden, stand aber, obwohl schwer erkrankt, bis zu seinem Tode unter Gestapoaufsicht. (DT, 5)

Weitere Ehrungen für Carl von Ossietzky:
Ossietzkystraße (1950)

 

Steinfurth-Gedenkstein

Standort: Westbahnhof, Betriebsgelände (Unbefugten ist der Zutritt verboten!)
Einweihung: vermutlich Anfang der 1950er Jahre

Steinfurth-Gedenkstein am ehem. Erfurter Westbahnhof
Steinfurth-Gedenkstein am ehem. Erfurter WestbahnhofFotos vom Volkstrauertag 13.11.2016
Steinfurth-Gedenkstein mit Bahnsignal von der stillgelegten Strecke
Steinfurth-Gedenkstein mit Bahnsignal von der stillgelegten Strecke

Erich Steinfurth (10. August 1896 Mittenwalde - 1. Februar 1934 Berlin-Wannsee) war ein Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus und lebte in Berlin. Der gelernte Schlosser war 1918-23 im Reichsbahn-Ausbesserungswerk (RAW) tätig, dort vertrat er als Mitglied im Betriebsrat die Interessen seiner Kollegen. Aufgrund seiner Tätigkeit als „Bahner“ gedachte man ihm in der DDR besonders im Bereich der Deutschen Reichsbahn.
1920 schloss er sich der KPD an. Bereits wegen Stellungsnahme gegen den Hitler-Ludendorff-Putsch mußte Steinfurth 1924 für zwei Jahre ins Zuchthaus. Auch nach seiner Freilassung setzte er sich unbeirrt für Arbeiterinteressen und die Unterstützung politischer Gefangener und deren Familien ein, sei es ab 1925 bei der Leitung der Roten Hilfe in Berlin-Brandenburg oder von 1929-33 als Abgeordneter im Preußischen Landtag.

Steinfurth wurde am 25. März 1933 in Berlin-Plötzensee inhaftiert, dort schwer mißhandelt, danach in das KZ Sonnenburg verbracht und in der Nacht vom 1. auf 2. Februar 1934 aus Vergeltung für den Mord an einem Nazi-Spitzel zusammen mit drei anderen Genossen - darunter der KPD-Vorsitzende John Schehr - von der Gestapo am Berliner Schäferberg, auch Kilometerberg (Wannsee), auf vermutlich fingierter Flucht erschossen.

Erich Weinert (1890-1953) setzte den vier Gemeuchelten noch im gleichen Jahr in seinem Gedicht John Schehr und Genossen, das jedem Schüler in der DDR vermittelt wurde, ein bleibendes Andenken:

Es geht durch die Nacht. Die Nacht ist kalt.
Der Fahrer bremst. Sie halten im Wald.
Zehn Mann Geheime Staatspolizei.
Vier Kommunisten sitzen dabei,
John Schehr und Genossen.

Der Transportführer sagt: "Kein Mensch zu sehn."
John Schehr fragt: "Warum bleiben wir stehn?"
Der Führer flüstert: "Die Sache geht glatt!"
Nun wissen sie, was es geschlagen hat,
John Schehr und Genossen.

Sie sehn, wie die ihre Pistolen ziehn.
John Schehr fragt: "Nicht wahr, jetzt müssen wir fliehn?"
Die Kerle lachen. "Na, wird es bald?
Runter vom Wagen und rein in den Wald,
John Schehr und Genossen!"

John Schehr sagt: "So habt ihr es immer gemacht!
So habt ihr Karl Liebknecht umgebracht!"
Der Führer brüllt: "Schmeißt die Bande raus!"
Und schweigend steigen die viere aus,
John Schehr und Genossen.

Sie schleppen sie in den dunklen Wald.
Und zwölfmal knallt es und widerhallt.
Da liegen sie mit erloschenem Blick,
jeder drei Nahschüsse im Genick,
John Schehr und Genossen.

Der Wagen saust nach Berlin zurück.
Das Schauhaus quittiert: "Geliefert vier Stück."
Der Transportführer schreibt ins Lieferbuch:
"Vier Kommunistenführer, beim Fluchtversuch,
John Schehr und Genossen."

Dann begibt er sich in den Marmorsaal,
zum General, der den Mord befahl.
Er stellt ihn, mitten im brausenden ball.
"Zu Befehl, Exzellenz! Erledigt der Fall
John Schehr und Genossen."

Erledigt der Fall? Bis zu einem Tag!
Da kracht seine Türe vom Kolbenschlag.
Er springt aus dem Bett. "Was wollt ihr von mir?"
"Kommt mit, Exzellenz, die Abrechnung für
John Schehr und Genossen.

In Erfurt Krämpfervorstadt gibt es noch eine Jonny-Schehr-Straße.

Gedenkstätten
  • Mittenwalde, Burgstraße 11: Erich Steinfurth-Haus. Geburtshaus, unter Denkmalschutz. Gedenktafel.
  • ds., Yorckstraße: Gedenkstein. In den 1990er Jahren entfernt, damals im Hof einer Handels- und Transportgesellschaft eingelagert! – Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/16986234 ©2016
  • ds., Grundschule ehem. „Erich Steinfurth“: Gedenktafel. Ehrenname und Tafel entfernt!
  • Berlin-Wannsee, Königstraße: Gedenkstein der vier Ermordeten vom Februar 1934
  • Berlin, ehem. Eisenbahnwerkstätten: VVN-Gedenktafel (Goldschrift auf schwarzem Glas), Erich Steinfurth gemeinsam mit Ernst Kamieth und Fritz Schönherr. In einer kleinen Gedenkanlage im Hof hinter dem Eingangstor
  • Berlin-Kaulsdorf, Lassaner Str. (Sportplatz): Büste Erich Steinfurth. Eingeweiht 1982, um 1994 in Senatsdepot übernommen

Ehrennamen
  • Berlin: BSG Lokomotive „Erich Steinfurth“ Berlin. 05.03.1962 - 1990
  • Leipzig-Paunsdorf, Riesaer Straße 101: ehem. Erich-Steinfurth-Stadion, danach Fortuna-Stadion
  • Ostseebad Zinnowitz auf Usedom: ehem. Kindersanatorium / -kurheim „Erich Steinfurth“ auf dem Glienberg. Seit 1991 steht der weitläufige Gebäudekomplex leer und verfällt.
  • Erfurt, Gartenstr. 1: Betriebsberufsschule (BBS) "Erich Steinfurth" der Deutschen Reichsbahn - Reichsbahnamt Erfurt, geschlossen!
  • Zeesen: POS "Erich Steinfurth" (DDR)
  • Königs Wusterhausen: (Sonderschule) „Erich-Steinfurth“ (DDR)
  • Zentralschule der Politischen Verwaltung der Deutschen Reichsbahn "Erich Steinfurth" in Hainichen (DDR)
  • Walddrehna: Eisenbahnbauregiment 2 "Erich Steinfurth" (Traditionsname der NVA in der DDR), verliehen 01.03.1978
  • Trawler "Erich Steinfurth", Bj. 1967, PS Werften Wolgast
Straßenbenennungen

Jeweils Erich-Steinfurth-Straße in

  • Mittenwalde (Geburtsort), bis September 1990, danach wieder Burgstraße wie davor.
  • Berlin-Friedrichshain, direkt hinter dem Ostbahnhof (1962)
  • Chemnitz (Ebersdorf)
  • Eberswalde
  • Teltow.

 

Seelenbinder-Gedenktafel

Standort: Daberstedt, Werner-Seelenbinder-Kampfbahn, am hohen Sockel der Platzuhr des ESV Lok Erfurt
Einweihung: ca. 1950er

Seelenbinder-Gedenktafel
Werner-Seelenbinder-Kampfbahn

Seelenbinder, Werner, geb. 02.08.1904 Stettin, gest. 24.10.1944 Zuchthaus Brandenburg; einer der bekanntesten Sportler, den die deutsche Arbeitersportbewegung hervorgebracht hat. Als Mitglied der KPD wurde er 1933 fast zwei Jahre von allen Wettkämpfen ausgeschlossen. Wegen seines hervorragenden Könnens als Ringer wurde er aber trotzdem für die deutsche Olympiamannschaft 1936 nominiert. Als Mitglied der antifaschistischen Widerstandsgruppe um Robert Uhrig wurde er 1942 verhaftet, zum Tode verurteilt und hingerichtet. (DT, 5)

Weitere Ehrungen für Werner Seelenbinder:
Werner-Seelenbinder-Straße (1950)

 

Machol-Denkmal

Standort: Nordhäuser Straße
Schöpfer: Hans Walther
Einweihung: 1953

Machol1953 ehrte die Stadt den verdienstvollen Arzt Prof. Dr. med. Alfred Machol (1875-1937) mit einer von Hans Walther (1880-1961) gestalteten bronzenen Büste, die vor der einstigen Wirkungsstätte des Mediziners aufgestellt wurde. Nach seiner Ausbildung in Freiburg, München, Berlin, Heidelberg und Breslau sowie seiner Tätigkeit als Oberarzt und Stellvertretender Direktor an der Chirurgischen Klinik der Universität Bonn seit 1907 begann der 39-Jährige am 16. Juli 1914 in Erfurt seinen Dienst als Direktor der Städtischen Krankenanstalten und Oberarzt der Chirurgischen Klinik.
Er wirkte seit 1922 als Facharzt auch für Orthopädie sowie operative Frauenleiden und unterhielt ab 1924 eine Privatklinik.
Auf Machols Initiative entstand 1926/28 der Neubau der Erfurter Chirurgischen Klinik, die sich unter seiner medizinisch-technischen Anleitung zur fortschrittlichsten in ganz Deutschland entwickelte.
In der Eröffnungsrede lobte sein Freund und Weggefährte Prof. Ferdinand Sauerbruch (1875-1951): "Dies Krankenhaus ist eines der ganz wenigen Bauten mit Stil, mit künstlerischem sowohl als auch ärztlich-chirurgischem. Hier wurde hineingelegt, was kein Architekt allein vermag, die Sorgfalt, die Hingabe und was sonst noch Machols Person so auszeichnet." Machols Abschied aus dem Berufsleben geschah nicht freiwillig, sondern war nicht zuletzt antisemitischer Hetze nach der "Machtergreifung" der Nationalsozialisten zu verdanken. 1933 gekündigt und mit monatlich 475 Reichsmark Ruhegeld netto abgefunden, ging er nach Naumburg, wo er 1937 starb. (RM)

mehr:
In: Stadt und Geschichte - Zeitschrift für Erfurt (Heftnummer):

Menzel, Prof. Dr. Ruth: Denkmale in Erfurt - Denk mal darüber nach: Die Büste Prof. Dr. Alfred Machol (18)

 

Französischer Ehrenhain

Standort: Binderslebener Landstraße, Hauptfriedhof, S-Rand, Ringallee, Grabfeld 16
Steinmetzmeister Schubert, Erfurt
Einweihung: II. Weltkrieg / 1954 / 2004

Französischer Ehrenhain
Grande Armee 1813
Gedenktafel für die verstorbenen Soldaten der Grande Armee
1813 in Erfurt

Kreuz 1870-71Kreuz 1945Die kleinste Anlage auf dem Hauptfriedhof stellt der Französische Ehrenhain dar. Zunächst waren hier 103 französische Kriegsgefangene, die während des Zweiten Weltkrieges starben, beigesetzt. Am 20.02.1944 wurden 13 Gräber bei einem Bombenangriff völlig zerstört. Die verbliebenen 90 Toten wurden 1948 exhumiert und nach Frankreich in ihre Heimat überführt.
Weiterhin sind hier 13 Tote unterschiedlicher Nationalitäten bestattet:
drei Polen, ein Ungar, ein Jugoslawe, zwei Italiener, drei ausländische Kriegstote unbekannter Nationalität - namentlich aufgeführt.
Auf Wunsch einer französischen Delegation zum Buchenwaldtreffen 1954 gestaltete Steinmetzmeister Schubert aus Erfurt ein Grabmal für diese Anlage.

Am 16. Juni 2004 wurden hier die Überreste von ca.120 französischen Soldaten der Napoleonischen Armee mit militärischen Ehren beigesetzt. Die Soldaten starben wahrscheinlich kurz vor Ende der französischen Besatzung Erfurts von 1806 bis 1813 an der Ruhr. Sie wurden dann von den Bestattern eilig im Keller eines später zerstörten Hauses abgelegt und im April 2004 bei Bauarbeiten im Erfurter Brühl wiederentdeckt. (DT)
→ http://www.erfurt.de/ef/de/erleben/sehenswertes/friedhoefe/kriegsgraeber/

 

Sowjetisches Ehrenmal

Standort: Hauptfriedhof
Einweihung: 1954

Sowjetisches EhrenmalZum ehrenden Gedenken an 423 Kriegsgefangene und etwa 200 Zwangsarbeiter der damaligen Sowjetunion, die in Erfurt ums Leben kamen, wurde 1954 auf dem Hauptfriedhof ein Erinnerungsmal errichtet. Auf einer Tafel über dem Sockel des hohen Pylons aus behauenen Natursteinquadern brachte man eine Widmung in russischer Sprache an: "Hier ruhen die sterblichen Hüllen sowjetischer Bürger, die im Kampf für unsere sowjetische Heimat fielen. Schlaft liebe Brüder, Ihr werdet von unserem sowjetischen Volk nicht vergessen. 1. Mai 1948." 1954 konnte der Ehrenhain unter Leitung von Gartenbaudirektor Bien und Friedhofsdirektor Lohfeld von 600 auf 1.800 Quadratmeter erweitert und mit Birken, Nadelbäumen und Schlingrosen bepflanzt werden. Nach einer weiteren Umgestaltung im Jahre 1983 präzisierte 1990 eine neue Informationstafel den Sachverhalt mit dem Text:
"Hier ruhen 604 zivile und militärische Opfer des 2. Weltkrieges aus der ehemaligen Sowjetunion, die als Soldaten oder Fremdarbeiter den Tod fanden." 1996 konnten auf Bronzetafeln und Pultsteinen alle Namen der Opfer verzeichnet werden. (RM)

 

Luxemburg-Denkmal I

Standort: Rosa-Luxemburg-Straße, Johannesschule - Staatliche Grundschule 1, Schulhof, am Zaun zur Straße
Einweihung: 1950er
Inschrift: „Rosa / Luxemburg / [weitere zwei Zeilen]“

Luxemburg-Denkmal ILuxemburg-Denkmal I, Inschrift

Grober Steinblock, keilförmig, nach oben spitz zulaufend, Inschrift (unterhalb der Einkerbung an der linken Flanke) eingerillt und schwarz ausgezeichnet, stark verwittert und fast ausgewaschen, kaum noch lesbar. (DT)

 

Walther-Grabdenkmal

Standort: Hauptfriedhof äußerste so Ecke, Grabfeld 14L, Grabstätte 001A
Schöpfer: Hans Walther
Errichtung: 1961
Inschrift: „HANS WALTHER / BILDHAUER / 1888 - 1961“

Walther-GrabWalther-Grabinschrift

Hans Walther (1888-1961)

 

Reichspogromnacht-Gedenktafel

Standort: Meyfartstraße, Humboldt-Grundschule, Staatliche Grundschule 9
Einweihung: vermutlich 1959 (s.Text)

Reichspogromnacht-Gedenktafel
Humboldt-Grundschule
Humboldt-Grundschule

Bereits am 1.April 1933 war es in Erfurt zu einem von der NSDAP organisierten Boykott jüdischer Geschäfte, Ärzte und Rechtsanwälte gekommen. Vor allen jüdischen Geschäften waren SA-Posten aufgestellt worden, die die Bevölkerung am Betreten der Läden hindern sollten. Die sich von Jahr zu Jahr steigernden Judenpogrome erreichten in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938, der Reichspogromnacht – in der Sprache des NS-Regimes „Reichskristallnacht“, ihren ersten Kulminationspunkt. Ein Attentat auf den Beamten der deutschen Botschaft in Paris, Ernst vom Rath, bildete den Vorwand für eine großangelegte Aktion gegen Leben und Eigentum der jüdischen Bevölkerung. Dabei wurden in Erfurt jüdische Geschäfte in der Innenstadt zerstört und ausgeplündert.
Während die Synagoge in Brand gesetzt wurde, rasten mit SA- und SS-Leuten besetzte Autos durch die Stadt. Nach vorbereiteten Listen verhaftete man systematisch jüdische Männer und brachte sie in die Oberrealschule (Humboldtschule), wo sie in der Turnhalle grausam misshandelt wurden. Organisator der Pogromnacht war der Nazi-Kreisleiter Franz Theine, der sich selbst an den Folterungen beteiligte.
Die Wahl der Humboldt-Oberschule durch die Nazis als Sammelort kam nicht von ungefähr. Am 19.Mai 1933 wurde mit Artur Schöning ein ihnen ergebener Gefolgsmann als Direktor eingesetzt, der die NS-Ideologie und die Unterordnung unter das NS-Regime „ohne wenn und aber“ bei Schülern und im Lehrkörper durchsetzte, verbunden mit nationalistischem Überschwang sowie Missachtung und Diskreditierung anderer Nationen und Völker. So kann man davon ausgehen, dass die Aktionen auf dem Schulgelände  in der Pogromnacht von der Schulleitung zumindest geduldet wurden.
Die Humboldt-Oberschule, ein vormals humanistisch geprägter Hort der Erziehung junger Menschen, wurde missbraucht und durch die Folterung und Vorbereitung der Vernichtung völlig unschuldiger Menschen zu einem Ort der Barberei.
Eines der Opfer, Rechtsanwalt Karl Heilbrunn [Aus der Geschichte der Juden in Erfurt, 1978] berichtete: 'Der Lärm in der Halle war fürchterlich. Das Schreien und Toben dauerte stundenlang. Es war die Hölle. Ich habe niemals in meinem Leben etwas so Entsetzliches durchgemacht.'
197 der festgenommenen Juden wurden am Morgen des 10. November in das KZ-Buchenwald überführt, ausgenommen einige Männer, die in Folge der schweren Misshandlungen nicht transportfähig waren.“
In der Bombennacht 1945 wurde die Schulkomplex schwer getroffen, andere Teile wie der Bereich um den Sternwarteturm und der Südflügel schwer beschädigt. Es gab Verletzte und Tote zu beklagen, auch unter den Schülern (Brandwache). Nach dem Krieg wurde allein der Südflügel an der Meyfartstraße wieder aufgebaut, alle anderen Gebäudeteile abgerissen. Zum Schuljahr 1959/60 erfolgte der Umzug in den verbliebenen und wiederhergestellte stark verkleinerte neue Humboldtschule. Man kann annehmen, dass aus diesem Anlass die Gedenktafel an der Meyfartstraßenseite zwischen 4. und 5. Erdgeschossfenster von rechts angebracht wurde.
Zum Gedenken anlässlich des 50. Jahrestages der Pogromnacht versammelten sich Schüler, Lehrer und Gäste, unter ihnen der Vorsitzende der jüdischen Landesgemeinde Thüringen, Raphael Scharf-Katz (1917-), sowie Mitglieder der jüdischen Gemeinde und des Komitees antifaschistischer Widerstandskämpfer, am 1.November 1988 auf dem Hof der Humboldt-Oberschule. In einem würdigen Programm der Klassen 11/12 trug die Schülerin  Annegret John ein selbst getextetes und komponiertes Lied über das Schicksal eines jüdischen Mädchens vor. An der Gedenktafel erfolgten eine Kranzniederlegung und eine Schweigeminute.
Auch wenn die Turnhalle, wie der komplette Mittelteil des Schulkomplexes durch die Luftmine am 19.Februar 1945 zerstört wurden, so ist doch an der verbliebenen Humboldtschule als einem der wichtigsten Schauplätze des Novemberpogroms 1938, die Erinnerung und das Gedenken an die jüdischen Opfer wach gehalten worden.
2014 erschien anlässlich des Jahrestages der Reichspogromnacht eine von der Stadtverwaltung Erfurt und dem Netzwerk „Jüdisches Leben in Erfurt“ herausgegebene Publikation „Novemberpogrom 1938 in Erfurt. Aus Dokumenten und Erinnerungen“. Darin werden namentlich die jüdischen Männer genannt, die in der Nacht zum 10.November 1938 in der Turnhalle der Humboldtschule gesammelt und gepeinigt bzw. am 10./11.November in das Konzentrationslager Buchenwald verbracht worden waren. Auch erwähnt die Schrift Überlebende sowie ungeklärte Schicksale; diejenigen, die in der Shoa zu Tode kamen, werden in dem Gedenkbuch (2013) vorgestellt.
(DT, 6)

 

Rufer-Mahnmahl

Rufer TafelStandort: ega, Buchenwaldblick
Schöpfer: Fritz Cremer
Einweihung: um 1960

Rufer-MahnmahlRufer BuchenwaldblickIn Vorbereitung der »iga ´61« wurde der Bereich der ehemaligen »Grolmannshöhe« umgestaltet und Buchenwaldblick benannt. Seitdem steht hier als Mahnmal der »Rufer« von Prof. Fritz Cremer. Es handelt sich dabei um die verkleinerte Replik einer Plastik, die der Bildhauer ursprünglich für die Figurengruppe des Buchenwald-Denkmals auf dem Ettersberg geschaffen hatte.
Von Aussichtsplateau am „Rufer“ ließ sich östlich in der Ferne unter normalen Sichtverhältnissen der Glockenturm der Gedenkstätte auf dem Ettersberg erkennen. Dieser »Buchenwaldblick« wurde durch Baumbewuchs zunehmend beeinträchtigt, sodass Stadtführer Büttner 2013 eine Initiative startete, die freie Sichtachse wieder herzustellen. (DT)

 

Aufbauhelfer-Denkmal

Standort: ega-Haupteingang
Schöpfer: Fritz Cremer
Einweihung: 1961

AufbauhelferDrei Jahre nach Kriegsende beschloss die Erfurter Stadtverwaltung, die 1925 auf dem Cyriaksberg umgebauten Grünanlagen wieder herzurichten. 1950 fand dort bereits die Gartenschau "Erfurt blüht" statt. Nachdem 1953 die Flächen mit Hilfe des Nationalen Aufbauwerks (NAW) in einen Kulturpark verwandelt worden waren, gelang es 1955, die ,,1. Gartenbauausstellung und Samenexportschau der DDR" auf dem Gelände durchzuführen.
Die Tradition Erfurts als Zentrum des deutschen Gartenbaus reicht bis in das 19. Jahrhundert zurück. Eine Reihe von nationalen und internationalen Gartenschauen fanden in der thüringischen Stadt statt. Diese Tatsache und die Umbauarbeiten nach 1945 gaben schließlich den Ausschlag dafür, dort im Jahre 1961 die ,,1. Internationale Gartenbauausstellung der sozialistischen Länder" zu veranstalten. Nach Plänen und unter Leitung des Berliner Landschaftsarchitekten Reinhold Lingner (1902-1968) entwickelte sich ab 1958 der planmäßige Ausbau des Geländes als ständige Gartenbauausstellung "iga". Sie steht heute als weit über die Stadtgrenzen hinaus beliebter "egapark" unter Denkmalschutz.
Die am 29. April 1961 eröffnete Ausstellung lockte etwa 3,5 Millionen Besucher aus aller Welt auf die auf 57 Hektar erweiterte Anlage. 13 Hallen, Pavillons und jede Menge Freiland warteten auf die Besucher. Den freiwilligen Helfern beim Aufbau des ehrgeizigen Projekts, die in drei Jahren 364.000 Stunden unbezahlter Arbeit in ihrer Freizeit geleistet hatten, widmete die Stadt eine 2,55 Meter große Plastik des Berliner Bildhauers Fritz Cremer (1906-1993), deren Erstguss vor dem Berliner Rathaus steht. Dort wie hier wirkt sie als Sinnbild entschlossenen, zuversichtlichen Aufbauwillens. (RM)

mehr:
In: Stadt und Geschichte - Zeitschrift für Erfurt (Heftnummer):
Menzel, Prof. Dr. Ruth: Denkmale in Erfurt - Denk mal darüber nach: Der Aufbauhelfer (14)

 

Boock-Gedenkbüste

Boock TafelBronze-„Porträtbüste Oberbürgermeister Georg Boock“, Travertin-Sockel. Anschaffungsjahr 1965
Standort: ega, Skulpturengarten (Dauerausstellung), n Hauptweg
Schöpfer: Christian Rost (*1925)
Enthüllung: 23. Juni 1966 (5. Todestag) im Beisein seiner Witwe, auf der iga in Erfurt.

Boock-PorträtbüsteBoock-Büste auf SockelGeorg Boock (6. September 1891 Berlin - 23. Juni 1961) war OB von Erfurt in den Nachkriegs- und Aufbaujahren: 5.5. - 26.9.1946 und 7.12.1946 – 23.6.1961.
Die Büste von Georg Boock ist eine Hommage an dessen Engagement für das Entstehen der iga 1961, deren Eröffnung er aber nicht mehr erlebte. (DT)
http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Boock.

 

Neubauer-Denkmal

Standort: Nordhäuser Straße
Schöpfer: Walter Arnold
Einweihung: 1965

Neubauer1965 verlieh man der Pädagogischen Hochschule Erfurt, Vorgängereinrichtung der heutigen Universität, den Namen Theodor Neubauer. Gleichzeitig errichtete man vor der Mensa (heute Verwaltungsgebäude) des seit 1952 angelegten Campus an der Nordhäuser Straße ein Denkmal. Bildhauer Walter Arnold (1909-1979) platzierte auf einer Steinsäule die Büste Neubauers, dessen Name und Lebensdaten auf einem Steinquader zu lesen sind.
Als NS-Opfer wie auch als Pädagoge, der seine Wurzeln in Erfurt hatte, eignete sich Dr. Theodor Thilo Neubauer (1890-1945) in idealer Weise für dieses Namenspatronat. Schon als junger Lehrer engagierte er sich für die Stadtgeschichte, der er seine Jenaer Dissertation "Die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Stadt Erfurt vor der Reformation" (1913) widmete. Allerdings sorgte der "rote Doktor" nach 1918 für Unwillen, trat 1920 gar in die KPD ein. Der Lehrer für "höhere Töchter" am Lyzeum wurde nach Elternprotesten und disziplinarischen Querelen 1920 aus dem Schuldienst entlassen.
Anschließend Lehrer im benachbarten Freistaat Thüringen - Erfurt gehörte bis 1945 zu Preußen - trat er im Herbst 1923 in die SPD-KPD-“Volksfront"-Regierung ein. Nach der Reichsexekution gegen das "rote Thüringen" musste Neubauer erst einmal untertauchen. Fortan engagierte er sich als Reichstagsabgeordneter (1924-1933) und Redakteur. Mit der "Machtergreifung" der Nationalsozialisten 1933 nahm man ihn in Haft, zuletzt bis 1939 im Konzentrationslager Buchenwald. Danach widmete sich Neubauer dem kommunistischen Widerstand. Im Januar 1945 wurde er vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am 5. Februar 1945 im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet. (SR)

Straßennamen: Theo-Neubauer-Straße

 

Schmöger-Grabdenkmal

Standort: Hauptfriedhof o Teil, s OdF-Ehrenhain I, zwischen Ulmen- und Ringallee, Grabfeld 17F, Grabstätte 004
Errichtung: 1967
Inschrift: „Karl August Schmöger / Geologe - Biologe / 1.5.1890 13.9.1967

Schmoeger-GrabSchmoeger-Grabinschrift

 

 

Gefallene Revolutionäre 1848 Gedenktafel, nicht erhalten

Standort: Ehemaliger Johannisfriedhof. O Johannesstraße, n Johannesmauer (Straße), an etwa 100m langem Rest der alten inneren Stadtmauer von 1168 (Johannesmauer), etwa in der Mitte des Mauerabschnitts, o vom Sandsteinrelief (1448) Johannes der Täufer
Enthüllung: 24. November (?) 1973 (125. Jahrestag)

Gedenktafel "Für die Barrikadenkämpfer"Johannesmauer mit Gedenktafel (linker Bildrand)

Über 40 Jahre lang blieb die Gedenktafel an der Johannesmauer unangetastet. Selbst die stürmischsten Nachwendejahre, als es viele andere ebenso aus DDR-Zeit stammende Denkmale von ihren Sockeln gefegt hat, konnte sie schadlos überstehen. Sei es aufgrund des darauf verewigten historischen Datums von 1848 oder aus Unsicherheit über deren Berechtigung.
Mitte 2014 verschwand die Tafel dann doch (noch) von ihrem angestammten Platz. Nein, nicht über Nacht und auch nicht von Diebeshand, wie es zum Leidwesen mehrfach z.B. bei der Luisenbüste oder Teilen von Denkmalen geschah (etwa die Rose am Monumentalbrunnen oder die Kleinplastiken am Gustav-Adolf-Brunnen). Die Abnahme erfolgte ganz offiziell von Amts wegen nach Beschluss des Kulturausschusses, vergleichbar wie 1991 beim „Sockelsturz“ der Wilhelm-Pieck-Büste. Die Denkmalsabwicklung von 2014 bildet den vorläufigen Schlußpunkt unter die recht lange Liste verloren gegangener, nicht erhaltener Zeitzeugen, von denen einige in dieser Zusammenstellung aufgeführt sind. Darunter befindet sich auch das Fialengrabmal von 1849 für die sieben preußischen Soldaten, die wie die 13 „Barrikadenkämpfer“ bei den Straßenkämpfen des 24. November 1848 ihr Leben ließen. Es wurde in den 1950er Jahren, also kurz nach dem Ende des II. Weltkrieges, beseitigt, als derartige Ehrenmale als militaristisch belastet angesehen wurden. Nach unserem heute überwiegenden   Verständnis sollte allen Opfern beider Seiten, deren tragisches Schicksal sie einte, gleichwohl gedacht werden.
Die Entfernung der Gedenktafel 2014 kann ohne weiteres als einmalig oder beispiellos charakterisiert werden, wenn man sich die Begleitumstände und Argumentationen vor Augen führt. In diesem Zusammenhang drängen sich einige Fragen auf, die wenigstens gestellt werden sollen. Die Antworten müssen in der Regel offen bleiben, gerade wenn man sich auf dem „dünnen Eis“ von Annahme und Vermutung bewegt. Letztlich soll zum Nach- und Überdenken angeregt werden, ob die Einzelfall-Entscheidung mit dem derzeitigen Ergebnis, der in Erfurt vielbeschworenen Erinnerungskultur entspricht.

In den 40 Jahren ihrer Präsenz an der Johannesmauer wurde die Gedenktafel von zahlreichen Bürgern der Stadt sowie Besuchern wahrgenommen. Unter ihnen waren sicherlich historisch stärker Interessierte, sie sich durch die Tafel zum vertieften Studium oder Nachforschen zum Revolutionsjahr 1848 und den 24. November in Erfurt anregen ließen. Beachtliche Schülerprojekte nahmen sich des Themas an. Selten war etwas aus Publikationen und Presseartikeln über die Gedenktafel zu erfahren. Die vergleichenden Betrachtung einer kleinen hier getroffenen Auswahl von Beiträgen irritierte durch auffallend  widersprüchliche Angaben, teilweise auch Ungenauigkeiten. Fehler sind in Aufsätzen zur Geschichte nicht ungewöhnlich, sie können auch langlebig sein. Zumeist ist es der eine Fehler, der sich durch die wiederholte ungeprüfte Übernahme beständig fortpflanzt und somit in der Geschichtsschreibung verfestigt. Ungewöhnlich an dem vorliegenden Sachverhalt der Straßenkämpfe 1848 ist die Variantenvielfalt in den Angaben, die sich dabei besonders in der traurigen Bilanz des 24. November um die Grablegung der gefallenen Demokraten zeigt. Etwas unerklärlich bleibt es schon, dass sich über einen relativ langen Zeitraum, insbesondere fast 25 Jahre nach der Wende, keine historische Autorität gefunden hat, diesen Aspekt eines der bedeutenden Kapitel in der Stadtgeschichte mit Klarheit zu erfüllen.

Nun zur Tafelinschrift. Ob die als „Barrikadenkämpfer“ in der Widmung angesprochenen Gefallenen tatsächlich als solche gelten können oder einige von ihnen im offenen Straßenkampf verwickelt waren, soll nicht untersucht werden. Vielmehr ist das entscheidende Wort „HIER“ innerhalb der letzten beiden Inschriftzeilen „UND HIER / BESTATTET WURDEN“ zu beleuchten, mit dem der Ort bestimmt ist. Dazu sollen Zitate aus den bereits erwähnten Quellen verschiedener Zeiten exemplarisch die gesamte mögliche Bandbreite an Varianten im Schrifttum belegen, d.h. dass „einige“ oder „alle“ oder „keine“ gefallenen Kämpfer „hier“ bestattet sind.
Als gesichert konnte gelten,

  • dass „die gefallenen Revolutionäre, in der Stille der Erde übergeben wurden, weil die hiesige Geistlichkeit ihnen das kirchliche Begräbnis verweigerte“ (6, S.253), was für die Angehörigen der Toten je nach Glaubensbekenntnis meist eine zusätzliche schwere Belastung bedeutete und
  • dass diese Bestattungen im engsten Familienkreis stattfanden, also eine Grablegung in einem Gemeinschaftsgrab – wie bei den gefallenen Soldaten – hier nicht in Frage kam. Das hätte die Obrigkeit unter dem verhängten Belagerungszustand niemals zugelassen, da die dabei zusammenkommenden Menschen die Gefahr einer neuerlichen Aufruhr mit sich gebracht hätten.

Die Toten hatten auf dem Teil des Ringfriedhofs beigesetzt zu werden, der ihrem Wohnquartier zugeordnet war. Da nach der Überlieferung eine große Zahl an Kämpfern aus dem Augustviertel kam und in der Auguststraße die heftigsten Barrikadenkämpfe stattfanden, dann war mit entsprechenden Beisetzungen auf dem August- oder Krämpferfriedhof zu rechnen. Wie mit den drei auswärtigen Gefallenen verfahren wurde, lässt sich aus dieser Annahme nicht ableiten.

Zitat 1: „An ihr [Stadtmauer] befindet sich auch 'eine Gedenktafel für die 1848 in Erfurt gefallenen Revolutionäre'. Einige wurden auf dem einst hier gelegenen Friedhofsteil beerdigt.“ (Wiegand, Fritz et al.: TOURIST Stadtführer-Atlas Erfurt, 1978, S.128)
Durch die zeitliche Nähe von nur fünf Jahren nach der Anbringung der Gedenktafel gewinnt diese Darstellung Authentizität. Eine Beteiligung aus dem Autorenkollektiv in dem Denkmalsgremium kann man sich gut vorstellen. Demnach hat es kein Gemeinschaftsgrab der Demokraten gegeben. Man lässt durchblicken, dass die Tafel, wenn überhaupt, nur über einem Grab angebracht ist. Weit mehr spricht jedoch dafür, dass für die Tafel ein gut gewählter Platz an der historischen Stadtmauer bestimmt war, die als Sehenswürdigkeit Besucher anzieht und damit auch der Tafel eine gewisse Wahrnehmung sichert. „Hier bestattet“ bedeutet nicht unbedingt, dass damit der exakte Ort einer Grabstelle – da es noch weitere gab - bezeichnet ist, sondern vielmehr der Friedhofsteil, also der ehemalige Johannisfriedhof. Da nun aber auch auf anderen Bereichen des Ringfriedhofs gefallene Revolutionäre begraben liegen, die man von der Ehrung durch die Gedenktafel auf keinen Fall hätte ausschließen wollen, müsste dann „hier“ im erweiterten Sinne dieser betreffenden Friedhofsbereiche verstanden werden. Sicherlich hat bei der Standortwahl der Gedenktafel die 1972 begonnene Bebauung des nördlichen Juri-Gagarin-Ringes eine Rolle – vielleicht sogar die entscheidende – gespielt, mit der die zu Grünanlagen umgestalteten Friedhöfe entlang der Wallanlagen vollständig beseitigt wurden.
Zitat 2: „Die Bestattung der gefallenen Aufständischen erfolgte in aller Stille in einem Gemeinschaftsgrab, ebenfalls [wie die gefallenen Soldaten (DT)] auf dem Johannesfriedhof. (…) Nach über einhundert Jahren ließ der Rat der Stadt Erfurt über dem Grab der gefallenen Kämpfer an der Johannesmauer eine Gedenktafel anbringen.“ (Scharf, Wolfgang: Alte Erfurter Ansichten (47) in Allgemeiner Anzeiger 1998)
Deutlich abweichend zu 1978 wird in dem Artikel 20 Jahre später ausgeführt, dass die Gedenktafel an der Johannesmauer über dem Gemeinschaftsgrab der (also aller) gefallenen Revolutionäre angebracht wurde. Wie bereits oben ausgeführt, ist ein solches Gemeinschaftsgrab auszuschließen, noch dazu wo bereits das Soldatengrab für den Johannisfriedhof vorgesehen war. Gefallene Revolutionäre wird man in einem ausreichend großen Abstand zum Soldatengrab bestatten haben. Worauf sich die Angaben von 1998 stützen, ist nicht bekannt.
Zitat 3: „Bis zum 19. Jh. befand sich vor dieser Mauer [alte Stadtmauer von 1168 (DT)], im Zwinger, der Johannesfriedhof. (…)  An der Johannesmauer befindet sich auch eine Gedenktafel für die 'Opfer der Revolution am 24. November 1848 in Erfurt'.
Die Erfurter Bürger [und die drei Auswärtigen aus Hochheim, Arnstadt und Königsberg? (DT)], die auf den Barrikaden in der Stadt kämpften und ums Leben kamen, sind hier allerdings nicht bestattet. Nur die drei [irrig, richtig: sieben. Vermutlich mit den drei auswärtigen Revolutionären verwechselt. (DT)] getöteten Soldaten fanden hier auf dem Johannesfriedhof ihre letzte Ruhe.“ (Kirsten, Rüdiger: Erfurt. Historischer Rundgang durch Parkanlagen und Gärten, Broschüre 2003, S.14)
In der weitere fünf Jahre nach dem zitierten Artikel von der Stadtverwaltung herausgegebenen ansprechenden Broschüre wird die noch ausstehende Variante zum Revolutionärengrab präsentiert, wonach die gefallenen Barrikadenkämpfer hier auf dem Johannisfriedhof nicht bestattet sind. Als offizielle Publikation der Stadt und von ihrem Inhalt als bekannt im Bereich der zuständigen Behörden vorauszusetzen, sollte sie die Gewähr für die maßgeblichen, einzig zutreffenden Tatsachen in diesem Zusammenhang bieten. Allerdings fühlt sich der Leser auch hier verunsichert, denn ausgerechnet die betreffende Textpassage erscheint fehlerbehaftet. Unklar bleibt, weshalb der aufgezeigte Widerspruch in der Inschriftaussage auch in über 10 Jahren zu keinen sichtbaren Konsequenzen geführt hat - die Tafel blieb auch ohne Grab.

 

Luxemburg-Denkmal II

Luxemburg-Besser-Gueth-TafelStandort: Rosa-Luxemburg-Platz1) (Grünanlage), nw Talknoten, w Nordstraße
Schöpfer: Anke Besser-Güth
Einweihung: 1974
1) In (2) heißt es irrig: „Jüngst benannte man … den Talknoten in Rosa-Luxemburg-Platz um.“ „Talknoten“ bezeichnet, analog wie „Kaffeetrichter“ in S, umgangssprachlich einen Straßenkreuzungsbereich, ist also kein amtlicher Straßenname und kann folglich nicht (um)benannt werden.
Rosa-Luxemburg-Platz ist lt. Beschluss der Sitzung des Kulturausschusses vom 17. März 2009 die Neubenennung der durch die Nordstraße unterbrochenen Grünanlagen im Bereich nw der Kreuzung Talknoten, die am 25. April 2009 in Kraft trat. Er wird begrenzt im N durch Talstraße, im O durch Magdeburger Allee, im S durch Schlüterstraße, im W durch die Böschung zur Schmalen Gera.

Sitzende Bronzefigur Rosa LuxemburgDas bronzene Denkmal von Anke Besser-Güth (* 1940) in der Grünanlage am Talknoten erinnert an die Sozialistin Rosa Luxemburg (1871-1919). Mit der sitzenden Haltung und dem Buch in der linken Hand deutet es auf den großen Beitrag, den die aus Polen stammende Jüdin in den Auseinandersetzungen um Grundsatzfragen des internationalen Sozialismus leistete.
Die am 15. Januar 1919 in Berlin von Offizieren der Gardekavallerieschützen ermordete KPD-Mitbegründerin spielte in der DDR eine wichtige Rolle. Überall im Lande widmete man ihr die Namen von Straßen, Schulen oder Betrieben. Jedes Jahr gedachte man Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht (1871-1919) am 15. Januar als Märtyrer und Wegbereiter der Staatspartei SED.
Das Luxemburg-Denkmal gehört damit zur offiziösen Erinnerungskultur der DDR. Der ziemlich versteckte Standort - ursprünglich hatte es im Innenhof der 1972 errichteten SED-Bezirksparteischule am Südpark stehen sollen, der man aber statt "Rosa Luxemburg" den Namen "Ernst Thälmann" verlieh, deutet allerdings auf gewisse Spannungen hin. Vertrat doch die marxistische Vordenkerin Gedankengut, das mit dem "realexistierenden Sozialismus" der DDR nicht in Übereinklang zu bringen war. Insbesondere ihre Vorstellungen von einem zwar revolutionären, aber zugleich demokratischen toleranten Sozialismus bargen reichlich politischen Sprengstoff. So beriefen sich am 17. Januar 1988 bei der zentralen Gedenkveranstaltung in Ostberlin protestierende Bürgerrechtler auf das Luxemburg-Zitat "Freiheit ist immer auch die Freiheit der Andersdenkenden." (SR)

Straßennamen: Rosa-Luxemburg-Straße, Rosa-Luxemburg-Platz

mehr:
In: Stadt und Geschichte - Zeitschrift für Erfurt (Heftnummer):
Menzel, Eberhard: Denkmale in Erfurt - Denk mal darüber nach: Rosa-Luxemburg-Denkmal im Talgarten (2)

 

Dimitroff-Denkmal

Standort: Bukarester Str. 2, Sebastian-Lucius-Schule, Staatliche Berufsbildende Schule 1 Erfurt , an der Rückseite der Doppelschule (Ludwig-Erhard-Schule)
Einweihung: vermutlich 70er Jahre

Gedenktafel Georgi Dimitroff
Efeu-umrankte Gedenktafel
Denkmal auf Schulhof von Sebastian-Lucius- und Ludwig-Erhard-Schule

Georgi Dimitrow (veraltet Dimitroff) (* 18. Juni 1882 in Kowatschewzi, bei Radomir; † 2. Juli 1949 im Sanatorium Barwicha bei Moskau), war ein bulgarischer Politiker der Bulgarischen Kommunistischen Partei und Begründer der Dimitrow-These. Von 1935 bis 1943 war er Generalsekretär der Komintern, von 1946 bis 1949 bulgarischer Ministerpräsident.
Seine Popularität bezog er in großem Maß aus dem Auftreten im Reichstagsbrandprozess vor dem Reichsgericht in Leipzig, wo dem am 9. März 1933 in Berlin verhafteten eine Schlüsselrolle zugedacht war. Als glänzender Rhetoriker vermochte es Dimitrow, alle Anschuldigungen zu entkräften und seine Rolle als Angeklagter in die des Anklägers zu wandeln. Der Anklage gelang es nicht, eine Verbindung zwischen dem Geständigen van der Lubbe und ihm herzustellen. Das Gericht sprach ihn frei, für Dimitrow ein Triumpf, für die Nazis ein Debakel.
Das vermutlich in eine Kupfertafel getriebene Portrait ist auf einem Steinblock montiert und von Efeu umrankt. Es handelt sich um eines der ganz wenigen erhaltenen Denkmale von Antifaschisten und Kommunisten im Bereich von Schulen aus DDR-Zeit. (DT)

 

Foerster-Gedenkbüste

Foerster TafelBronze-Büste, Travertin-Sockel
Standort: Gothaer Platz / Gothaer, ega, O-Teil, Foerster-Staudengarten, Nähe Japan-Garten
Schöpferin: Senta Baldamus (1920-2001). Die Erfurter Foerster-Büste ist eines ihrer  wenigen heute außerhalb von Berlin bewahrten Werke.
Einweihung: 1970er Jahre

Foerster-BüsteFoerster-Büste auf SockelKarl Foerster (* 9. März 1874 in Berlin; † 27. November 1970 in Bornim) war ein deutscher Gärtner, Staudenzüchter, Garten-Schriftsteller und Garten-Philosoph.
1903 gründete Karl Foerster eine Staudengärtnerei auf dem elterlichen Grundbesitz in Berlin-Westend. 1910-11 siedelte er diese nach Bornim bei Potsdam um und verwandelte Ackergelände zu einem "Gartenreich".
Foerster züchtete insgesamt etwa 370 Sorten, insbesondere neue Sorten von Rittersporn, Astern und Gräsern. (DT)
http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Foerster

 

Pieck-Denkmal, nicht erhalten

Standort: ehem. Wilhelm-Pieck-Straße (Stauffenbergallee)
Errichtung: vermutlich 1970er Jahre
Das Denkmal (Stein) wurde am Vormittag des 16. Oktober 1992 an der (umbenannten) Stauffenbergallee gemäß einem Ratsbeschluss demontiert und zunächst in die Werkstätten des Amtes für Museen in der Lowetscher Straße verbracht. Über den Verbleib ist nichts bekannt.

Pieck, Wilhelm, geb. 3. Januar 1876 Guben, gest. 7. September 1960 Berlin, Politiker, Nach Teilnahme am Spartakusaufstand 1919 gemeinsam mit Luxemburg und Liebknecht verhaftet, konnte aber fliehen. Gründungsmitglied der KPD, Vorsitzender der KPD (nach John Schehrs Ermordung) und der SED (April 1946, mit Grotewohl), erster und einziger Präsident der DDR (Oktober 1949-1960).
Auf der Berner Parteikonferenz der KPD (30.1.-1.2.1939 südlich von Paris) erklärte Pieck in seinem Referat, dass es notwendiger denn je sei, die Aktionseinheit der deutschen Arbeiterklasse herzustellen und eine Volksfront aller Antifaschisten zum Sturz des Hitlerregimes zu schaffen und einen neuen Weltkrieg zu verhindern. Die Konferenz beschloss ein Programm für eine antiimperialistische deutsche demokratische Republik, in der die Werktätigen unter Führung der Arbeiterklasse den bestimmenden Einfluss besitzen sollten.
Nach seiner Rückkehr aus Moskau (1.7.1945) trat Pieck am 13.Oktober 1945 in Erfurt vor 10.000 Werktätigen der Stadt anlässlich einer Großkundgebung der KPD in der  Halle des „Rewe“ unter der Thematik: „Der Weg aus dem Chaos“ auf. Er legte dar, dass die bevorstehenden großen Aufgaben, insbesondere die vollständige Liquidierung des Hitlerfaschismus, der Kampf gegen Hunger, Arbeitslosigkeit und Wohnungselend sowie die Durchsetzung der demokratischen Rechte und Freiheiten für das Volk, nur durch die Einheit der antifaschistisch-demokratischen Kräfte gelöst werden könnten. Am folgenden Tag sprach Pieck in den „Reichshallen“ vor über 1000 Funktionären der KPD aus Thüringen über die weiteren Aufgaben bei der Herstellung der Einheit der Arbeiterklasse und ihrer Führung im antifaschistischen Kampf. Auf einer Feier zum 70. Geburtstag Piecks im „Kaisersaal“ würdigte man dessen Lebenswerk als Wegbereiter der Einheit der Arbeiterklasse, die nun unmittelbar bevorstand, und gab im Auftrag des Oberbürgermeisters Jahn der Versammlung bekannt, dass in Würdigung seiner Verdienste ein Straßenzug in Wilhelm-Pieck-Straße umbenannt werde.
Auf einer gemeinsamen Konferenz von KPD und SPD am 19./20.Januar 1946 im Jenaer „Volkshaus“ vor 1200 Teilnehmern, legten beide Vorsitzenden Pieck (KPD) und Grotewohl (SPD) ein Bekenntnis zum baldigen Zusammenschluss beider Parteien ab.
Am 7.April 1946 fand in der Stadthalle in Gotha der Vereinigungsparteitag der KPD und SPD Thüringens unter Teilnahme beider Vorsitzender statt. Das Erscheinen der gemeinsamen Tageszeitung „Thüringer Volk“ ab 9.April 1946 als neues Organ der SED wurde vereinbart. Pieck besuchte auch in Würdigung seiner Leistungen den schwerkranken Oberbürgermeister Jahn im städtischen Krankenhaus Erfurt. In Vorbereitung der Landtagswahlen 1946 sprach Pieck als Vorsitzender der SED am 1.Oktober in der SAG „Henry Pels“ und anschließend in den „Reichshallen“ zu den Erfurter Werktätigen. Erfurts neuer Oberbürgermeister, Georg Boock (SED), und der Vorsteher der Stadtverordnetenversammlung, Otto Krauss (LDPD), beglückwünschten Wilhelm Pieck zu seiner Wahl zum Präsidenten der DDR am 7.Oktober 1949.
1961 – 1990 trug seine Geburtsstadt Guben (eigentlich der östliche, polnische Teil Gubin) den Beinamen „Wilhelm-Pieck-Stadt“. (DT)

 

Rieth-Brunnen, nicht erhalten

Standort: Riethstraße
Schöpfer: Eberhard Heiland
Existenz: 1978-1988

Nur zehn Lebensjahre blieben einem der schönsten Erfurter Brunnen, der seit 1978 im Wohngebiet Rieth seine ungebrochene Faszination ausübte. 1968 hatte der in Weimar ansässige Maler, Grafiker und Baukeramiker Eberhard Heiland den Wettbewerb gewonnen und nach aufwändigen Experimenten mit Tonen, Glasuren und Brennverfahren 1978 sein Werk mit 14 überlebensgroßen Figuren fertig gestellt.
Ausgebildet in den Fachschulen für angewandte Kunst Erfurt und Heiligendamm sowie an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, auch versehen mit reichen Erfahrungen baugebundener Gestaltungen, bestanden beste Voraussetzungen, einen künstlerisch unverwechselbaren Brunnen organisch zwischen Kaufhalle und Bibliothek einzufügen. Heiland gelang, das hochrangige humanistische Anliegen der Völkerfreundschaft ohne agitatorische Tendenz unverkrampft locker zu formulieren. Er modellierte originelle humorvolle Fantasiegestalten mit Details nationalspezifischer Gewänder, die, im Verein mit den Wasserfontänen alle Sinne belebten, optischen und haptischen Genuss bereiteten. Heiland bildete zum anderen Kontraste zum stereotypen Fassadenraster industriell gefertigter Baukörper sowie Entsprechungen zwischen diesen und seinen variierten keramischen Grundformen Kugel, Kegel, Walze und Würfel.
Schon 1988 wurde sein Brunnen demontiert und entsorgt, weil Technologien und finanzielle Mittel fehlten, die Wasserschäden der Betonkerne zu beheben, die bröckelnden Keramikwände abzuformen und neu aufzubauen. (RM)

 

Thälmann-Denkmal in Gispersleben

Standort: Kilianipark
Einweihung: DDR-Zeit

Thälmann-ReliefThälmann, Ernst, geb. 16.04.1886 Hamburg, ermordet 18.08.1944 KZ Buchenwald; seit 1925 Vorsitzender der KPD, am 3. März verhaftet und über 11 Jahre in Einzelhaft in verschiedenen Zuchthäusern. Thälmann war in den Jahren der Weimarer Republik vier Mal in Erfurt:

  • 27.09.1925 aus Anlass einer Parteiarbeiterkonferenz des Bezirkes Großthüringen.
  • 25./26.09.1926 zum Gautreffen des Roten Frontkämpferbundes.“ „Thälmann hielt auf dem Friedrich-Wilhelm-Platz (Domplatz) eine Ansprache, in der er die Notwendigkeit der Einheitsfront gegen das kapitalistische System hervorhob und zum Kampf gegen die Auswirkungen von Rationalisierung sowie zur Abwehr der Unternehmeroffensive aufrief.“
  • „08./09.06.1930 zum I. Reichskongress der Arbeitersportler.“ „Im Vorfeld erschien in der „Roten Fahne“ ein Artikel 'Rüstet für Erfurt! Alle Kräfte angespannt für das Reichstreffen der roten Sportler!', in dem er den Zusammenhang von Sport und Gesellschaft, Körperkultur und Klassenkampf erläuterte. Er orientierte die Sportler auf die 'geistige und körperliche Stärkung der Kräfte der Arbeiterklasse im Kampf gegen den Faschismus.'
    In seiner zweiten Rede auf dem Friedrich-Wilhelm-Platz, am 8. Juni bei stahlendem Sommerwetter vor über 30.000 Teilnehmern ging es um die geleistete politische und theoretische Arbeit zur Abwehr der faschistischen Gefahr, zur Entlarvung der nationalistischen Demagogie der NSDAP und zur Herausbildung der Grundlagen des Programms zur nationalen und sozialen Befreiung des deutschen Volkes.“
  • „Wenige Wochen später, am 08.09.1930 in Vorbereitung der Reichstagswahlen, erläuterte Thälmann im 'Kaisersaal' und in der 'Harmonie' vor versammelten Arbeitern die antifaschistische Politik der KPD auf der Grundlage des zu Pfingsten vorgestellten Programms [s.o.].“

Zu einem weiteren angekündigten Rednerauftritt in Erfurt am 20.07.1932 auf einer Massenkundgebung in der Mitteldeutschen Kampfbahn (Steigerwaldstadion) vor über 40.000 Teilnehmern konnte Thälmann wegen des Staatsstreichs der Papen-Regierung am gleichen Tage nicht kommen.
Bei den Reichspräsidentenwahlen (Weimarer Republik) stimmten in Erfurt

  • 1928 von 90.720 Wahlberechtigten im 2. Wahlgang 44.315 für Paul Hindenburg (Rechtsparteien), 10.111 für Ernst Thälmann (KPD),
  • 1932 (letzte Wahlen in der Weimarer Republik) im 1. Wahlgang für Hindenburg 31.420 (35,1%), Hitler 23.555 (26,3%), Thälmann 21.243 (23,7%). Im 2. Wahlgang erhielt Thälmann noch 14.734 (17,4%).

Erfurt galt im Vergleich deutscher Städte als KPD-Hochburg.

 

Thälmann-Denkmal in Linderbach

Standort: Edmund-Schaefer-Platz (Anger)
Einweihung: DDR-Zeit

Thälmann-RelieftafelZu Thälmann siehe unter Thälmann-Denkmal in Gispersleben.

Thälmann-Denkmal in Vieselbach

Standort: Am Bahnhof (kleiner Platz n Bahnanlagen)
Einweihung: DDR-Zeit
Findling (?) mit Namensinschrift auf einem vermutlich früher geschaffenen Steinsockel mit seitlichen Kränzen. Ganz in der Nähe, Ecke Bahnhofsallee / Fasanerieweg befindet sich ein weiterer Sockel ohne Aufsatz, aber mit Einmuldung, die zu dem Findling passend erscheint, was auf einen früheren Standort des Denkmals hindeuten könnte.

Thälmann-Denkmal GesamtansichtThälmann-Denkmal Findling

Zu Thälmann siehe unter Thälmann-Denkmal in Gispersleben.

 

Trauernde-Denkmal

Bronze
Standort: Hauptfriedhof
Schöpfer: Monika Hellmuth-Claus
Einweihung: 1978

TrauerndeBildhauerin Monika Hellmuth-Claus gestaltete im Eigenauftrag eine Bronzeplastik "Große Trauernde", die 1978 vor dem Krematorium des Hauptfriedhofs aufgestellt wurde.
Ihre überlebensgroße Figur übersetzt die Erfahrung individuellen tragischen Schicksals wie die Betroffenheit beim Tod eines nahe stehenden Menschen, Gefühle des Zurückgelassenseins und der Einsamkeit ins Allgemeinmenschliche und Zeitlose. Schmerzempfindung veranschaulicht sich in der bewusst gewählten Deformierung körperlicher Proportionen. Erstarrung äußert sich in den verschobenen Schultern, dem eingedrückten Rumpf, der kaum noch zu atmen vermag, und den überlangen aneinander gepressten Beinen. Krampfhaft verschränkte Arme schirmen Augen und Ohren vor weiteren Verletzungen ab. Entrückt und selbstvergessen verharrt dieses menschliche Wesen mit entblößtem Körper schutzlos dem Erlebnis des Sterbens ausgesetzt.
Nach ihrem Studium an der Hochschule für bildende Kunst Dresden (1964/69) ließ sich die Meisterschülerin des Bildhauers Ludwig Engelhardt 1969 freischaffend in Erfurt nieder. Sie gehörte bald zu den herausragenden Künstlerpersönlichkeiten über Thüringen hinaus. (RM)

 

Völkerfreundschaft-Wandbild

Standort: Rieth
Schöpfer: Erich Enge
Einweihung: 1970er-Jahre

Völkerfreundschaft-WandbildZwischen 1969 und 1975 entstand im Norden der Stadt das Neubaugebiet Rieth mit fünf- bis elfgeschossigen Wohnbauten und einem Wohngebietszentrum. An drei Seiten eines Gebäudekomplexes, der ursprünglich ebenerdig als Kaufhalle, im oberen Geschoss als Bibliothek genutzt wurde, schuf der seit 1971 hier freischaffende Maler und Grafiker Erich Enge wenige Jahre später eine figürliche Malerei auf trockenem Putz (Secco). Von dem 102 mal sechs Meter (612 Quadratmeter) großen Bild sagt er noch heute, es sei "in dieser Art das umfangreichste Außenwandbild Europas". Ein Zitat von Pablo Neruda (1904-1973) - "Laßt uns wachen an den Türen des Hasses" - wurde das künstlerische Credo des Bilderfrieses. Seit 1971 hatte sich der Absolvent der Kunsthochschule Burg Giebichenstein Halle intensiv mit dem Schaffen des chilenischen Lyrikers und Weltfriedenspreisträgers sowie mit der mexikanischen Wandbildmalerei beschäftigt. So entstand seine "Beschwörung der Liebe gegen die Finsternis". Und auch die Erkenntnis, "die Idee wird zur materiellen Gewalt, wenn sie die Massen ergreift", begründete Struktur und Inhalt seiner dynamischen Aussage.
Mit dem Leerstand des Gebäudes und der geplanten Sanierung, Erweiterung sowie Fassadenänderung 1993 wurde das bedrohte Wandbild auf die Denkmalliste des Landes Thüringen gesetzt. Der Denkmaleintrag kennzeichnete es als "wesentliches Ausdrucksmerkmal der Zeit", als "kulturhistorisches Zeugnis jüngster Vergangenheit". Leider ging die ursprüngliche Korrespondenz zum "Brunnen der Völkerfreundschaft" von Eberhard Heiland verloren. (RM)

 

Angerbrunnen, Neuer Angerbrunnen, verändert erhalten

Standort: O-Ende des Anger
Schöpfer: Waldo Dörsch, Suhl, 1978/79
Einweihung: 1982

Neuer Angerbrunnen1999 gab es Pläne, den gesamten Angerbrunnen oder seine Basis im Zuge einer komplexen Angerumgestaltung zu beseitigen. Die überreiche "Platzmöblierung" sollte auf weite Sichten ohne Unterzonen reduziert werden. Nach einigem Hin und Her und mehreren Entwürfen einigte man sich auf einen Kompromiss: Auf Sitzbänke wurde verzichtet, das untere Becken höher gelegt, das mittlere ebenerdig abgeschlossen und damit die gewünschte Einbindung in den Platz geschaffen. So wandelte sich die geschlossene Konzeption zur offenen Bauweise, wobei die Brunnenkrone unbehelligt blieb.
Den ersten Brunnen hatte im Auftrag des Rates der Stadt der Bildhauer und Bauplastiker Waldo Dörsch (geb. 1928) von 1975 bis 1980 im Kontext der Anlage einer Fußgängerzone Anger / Bahnhofstraße gestaltet. Er stand vor der schwierigen Aufgabe, mit dem Brunnen einen Verweil- und Erholungsraum zu schaffen, der den Fußgängerverkehr nicht behindern würde. Gleichzeitig sollte mit dem neuen Angerbrunnen eine "ansehnliche Komposition" errichtet werden, die den Standort markiert und Identifikation stiftet - und dies zu allen Jahreszeiten, aus der Nähe und Ferne. Als erschwerend erwies sich, eine Form und Größe zu finden, die sich gegen die Stilvielfalt eines in sechs Jahrhunderten gewachsenen Architekturbestandes am Anger durchsetzen könnte. Zu seinem Werk bemerkte Dörsch, es verkörpere "sozialistische Lebensfreude", "dynamische Lebenskräfte" , das "Pathos vitaler Bewegung und ständiger Erneuerung der Natur." Gestiftet wurde der Brunnen von den Produktionsgenossenschaften des Handwerkes und der örtlichen Versorgungswirtschaft 1978. (RM)

mehr:
In: Stadt und Geschichte - Zeitschrift für Erfurt (Heftnummer):
Menzel, Eberhard: Denkmale in Erfurt - Denk mal darüber nach: Der neue Angerbrunnen (5)

 

Richtstätte Rabenhügel-Denkmal, Kleinplastik "Rabe" fehlt

Vierteilige Anlage  vermutlich Travertin, Bronze-Tafel
Standort: Kleiner Herrenberg, Am Rabenhügel
Einweihung: 1980er Jahre
Inschrift: „DIE IM VOLKSMUND ÜBERLIEFERTE / BEZEICHNUNG DER ANHÖHE / „KLEINER HERRENBERG“ ALS / „RABENSTEIN“, „RABENHÜGEL“, / „GALGENFLECK“ ODER „GERICHT“ / GEHT IN DIE 2. HÄLFTE DES 13. JAHRHUNDERTS ZURÜCK. / SIE ERINNERT AN EINE MITTELALTER- / LICHE HINRICHTUNGSSTÄTTE, / AN DER GERICHTE DER / KURMAINZISCHEN DÖRFER SOWIE / DER JUSTIZ DER STADT ERFURT / HINRICHTUNGEN MIT DER SCHWERT / ODER MIT DEM GALGEN / AUSFÜHREN LIESSEN.

Richtstätte Rabenhügel-DenkmalRabenhügel Tafel

Auf einem künstlich aufgeschütteten Hügel, der den erhöhten Hinrichtungsplatz nachbilden soll, sind zwei Teile der Anlage angeordnet: Eine hohe Doppestele, geteilt und in zwei Ebenen versetzt. Auf beiden Innenseiten jeder Stele ist ein Profil ausgeschnitten, dass in der Sicht beider Hälfte eine menschliche Silhouette mit Kopf ergibt, die nach unten  schmaler wird. Davor kauert ein Hockender aus einem anderen Stein. Unterhalb des Hügels befindet sich am Plattenweg die andere Zweiergruppe: Auf einem flachen Steinsockel liegt die quadratische Inschrift-Tafel und an der linken oberen Ecke ein hochstehender Quader, auf dem einst ein Rabe installiert war. Dieser ist aber schon vor Jahren davongeflogen, aber mit Glück kann man ihn dort noch lebend beobachten.
Der Flurnamen Rabenhügel in Daberstedt verweist auf eine alte Hinrichtungsstätte vor den Toren der Stadt, wie es noch weitere gab.
Eine von ihnen war der namensverwandte „Rabenstein“ in der Krämpfferflur, also vor dem Krämpffertor, an der Leipziger Landstraße. Er bestand aus einem runden, 3 m hohen und 8 m im Durchmesser großen Erdhügel, „welcher mit einem Gemäuer eingefasst war“ und ist dementsprechend in Zylinderform auf einer Umgebungskarte von Erfurt aus dem Jahre 1594 an der Landstraße eingezeichnet. Der „Rabenstein“ war Richtstätte bei Enthauptungen und gelegentlich auch beim Rädern. Der Name geht darauf zurück, dass „die Körper der Enthaupteten auf Räder gelegt und von den Raben zerhackt und zerfressen wurden“. Diese unangenehme Vorstellung wird auch auf den „Rabenhügel“ zugetroffen sein. Während besonders verhaßte Verbrecher stets in der Stadt hingerichtet wurden, lagen die Hinrichtungsstätten deutscher Städte im späten Mittelalter vor deren Toren. „Häufig wurde auf dem freien Feld eine gemauerte, erhöhte Plattform errichtet. Eine Treppe führte entweder außen oder innen empor. Hier konnte der Hinrichtungsakt, für die Zuschauer gut sichtbar und ohne von diesen behindert zu werden, vollzogen werden.“ (4)
Von der Stelle, wo sich heute der künstliche Rabenhügel befindet, hatte man einst einen herrlichen Blick auf Erfurt. In unmittelbarer Nähe stand in einem Garten eine alte, hohe Pappel, die nach allen Seiten weithin sichtbar war. (Wolfgang Scharf, DT)

 

Opfer des Faschismus-Ehrenmal II

Standort: Hauptfriedhof
Schöpfer: Harald Stieding (linke Gruppe), Eberhard Reppold (rechte Gruppe), Jürgen Ellenberg (Schrift), Metallgestalter Helmut Griese (Flammenschale aus Kupferblech in der Mitte der Anlage)
Einweihung: 1984

OdF IIIn der Nähe der Trauerhalle des Hauptfriedhofs weihte man am 9. September 1984 für die Opfer des Nationalsozialismus einen weiträumigen Ehrenhain ein. Eine 44 Meter lange und vier Meter hohe Wand aus Travertinstein grenzte den Hain von einem mit Bäumen bewachsenen Areal ab. Die Wand aus Travertin wurde mit einem Zitattext und dem Symbol für Verfolgte des Nazi-Regimes (VdN) aus rotem Quarzporphyr sowie zwei figürlichen Reliefs besetzt. Die linke Gruppe "Opfer" schuf Bildhauer Harald Stieding, die rechte "Auferstehen" Eberhard Reppold. Nach Entwürfen des Grafikers Jürgen Ellenberg entstanden bronzene Schriftzüge auf der Trennmauer und an den insgesamt acht Stelen aus Muschelkalk zu beiden Seiten des Zentrums. Eine Stele erinnert an die 850 jüdischen Bürger Erfurts, die zwischen 1933 und 1945 ermordet wurden, während die restlichen die Namen von Verfolgten des Naziterrors tragen, die vor oder nach Kriegsende starben.

Ehrenmal InschriftEhrenmal Gedenktafel

Diese zweite Gedenkstätte für die Opfer des Faschismus nach der von 1946 auf dem Hauptfriedhof entsprach den repräsentativen Gedenkritualen zu DDR-Zeiten. 1997 begann eine Umgestaltung, weil die Größe der Anlage ihrer Nutzung widersprach und dieses Denkmal wie alle übrigen dem Parkcharakter des Geländes angepasst werden sollte. So wurde unter anderem die Mauer bis zum rechten Relief zurückgebaut, die weite Bodenfläche aus Betonplatten reduziert und mit Kies besetzt. (RM)

 

Reichart-Denkmal II

Standort: Leipziger Str. 77
Schöpfer: Kerstin Stöckel
Einweihung: 1985

Reichart-Büste auf Steinsockel mit InschriftAnlässlich des 300. Geburtstages von Christian Reichart (1685-1775) stiftete der Rat der Stadt Erfurt 1985 eine Bronzebüste. Sie wurde auf dem Vorplatz der nach Reichart benannten Ingenieurschule für Gartenbau postiert, wo sie auch heute noch thront, nun aber Studenten der Fachhochschule an den historischen Begründer des Erfurter Erwerbsgartenbaus und der Brunnenkressezucht erinnert.
Jakob Samuel Beck (1715-78) hatte Reichart um 1760 als würdigen strengen Mann auf Leinwand gebannt. Nach dieser Vorlage schuf der Bildhauer Georg Friedrich Carl Kölling (1825-72) 1867 seine Statue. 1985 modellierte Kerstin Stöckel, eine junge Bildhauerin aus Kapellendorf, ihre persönliche Bildnisvariante vom hochverdienten Pionier wissenschaftlicher Methoden des Fe!d- und Gartenbaus: einen kraftvollen Kopf mit energischen Zügen, die aber auch Humor und Lebenslust erkennen lassen, mit Blickkontakt, der zum Gespräch ermuntert.
Reichart war eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Erfurter Wirtschaftsgeschichte. Er hinterließ zahlreiche Schriften, darunter den sechsbändigen "Land- und Gartenschatz". Am 4. Juli 1985 trafen sich alle 16 Erfurter Nachkommen zur Geburtstagsfeier ihres großen Ahnherrn. Inzwischen kann sich der größer gewordene Kreis der international verbreiteten Reichartfamilie, aber nicht nur dieser in Erfurt davon überzeugen, dass nicht nur drei Kunstwerke an Reichart erinnern, sondern auch eine 1886 nach ihm benannte Straße und viele Zeugnisse im neu gestalteten Gartenbaumuseum auf dem ega-Gelände. (RM)

Straßennamen: Reichartstraße

 

Gagarin-Denkmal

Standort: NO-Ecke Kreuzung Juri-Gagarin-Ring - Krämpferstraße
Schöpfer: Lew Kerbel
Einweihung: 1986

GagarinAm 12. April 1986 wurde für den sowjetischen Kosmonauten Juri Alexejewitsch Gagarin (1934-1968) an der Kreuzung des nach ihm benannten Ringes und der Krämpferstraße ein Denkmal aufgestellt. Diese Ehrung geschah anlässlich der 25. Wiederkehr seines denkwürdigen Fluges ins All, der ersten bemannten Weltraumerkundung. Manch älterer Erfurter erinnerte sich noch an den Besuch des schon 1968 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommenen Weltraum-Pioniers. Gagarin war im Oktober 1963 nach Erfurt gereist und auf dem Domplatz von tausenden begeisterten Erfurtern empfangen worden. 1964 hatte ihm die Stadt den Namen einer der wichtigsten und längsten innerstädtischen Verkehrsadern gewidmet.
Zur feierlichen Übergabe des Denkmals gegenüber dem neu erbauten Hotel "Kosmos" (heute "Radisson") erschien 1986 der russische Bildhauer Lew Kerbel (1917-2003) als Ehrengast. Die Enthüllung nahm der deutsche Fliegerkosmonaut Sigmund Jähn (geb. 1937) vor. Während Kerbel die erste Ausführung dieser Bildnisplastik für die Allee der Kosmonauten in Moskau gestaltet hatte, schenkte er den im VEB Schwermaschinenbau Lauchhammerwerk hergestellten Zweitguss der Stadt Erfurt.
Lew Jefimowitsch Kerbel gehörte zu den maßgebenden Vertretern der sowjetischen Monumentalkunst. Er hinterließ auch in anderen Städten der DDR und in der Hauptstadt Berlin heroisierende Monumentalplastiken. Sein Karl-Marx-Denkmal in Moskau von 1961 ging allerdings über den damals herrschenden Traditionalismus und Konservatismus sowjetischer Plastik hinaus. (RM)

Straßennamen: Juri-Gagarin-Ring

 

Antifaschisten-Gedenktafel

Standort: Zitadelle Petersberg
Einweihung: 9. Mai 1988
Inschrift: [die Namen von sechs Opfern] Heinz Sendhoff / Fritz Büchner / Josef Ries / Friedrich Dingelstedt / Chaim Wulf Schapiro / Fritz Noack."

Antifaschisten-GedenktafelDie Zitadelle Petersberg gehört zu den kulturhistorisch beeindruckendsten Zeugnissen Thüringens. Eine ehemalige Haftanstalt erinnert dort allerdings auch an die Terrormethoden und Gräueltaten des Nationalsozialismus und an die vielen Opfer des diktatorischen Regimes. Die aus der DDR-Zeit stammende Bronzetafel am Klinkerbau-Komplex ist diesen Opfern gewidmet.
Das 1913 erbaute Militärarrestgebäude hatte die Schutzpolizei nach dem Ersten Weltkrieg 1918 übernommen und als Haftanstalt eingerichtet. Sofort nach der "Machtergreifung" der Nationalsozialisten 1933 begann man mit der Ausweitung der Haftbefugnisse ("Schutzhaft"). Das für 60 Gefangene ausgelegte Gebäude fasste im Herbst 1933 bis zu 241 "Schutzhäftlinge". Für viele von ihnen führte der Weg direkt in die Konzentrationslager. Bis zum Bezug des Behördenhauses 1939 in der Arnstädter Straße, dem heutigen Landtags-Altbau, nutzte die Geheime Staatspolizeistelle für den preußischen Regierungsbezirk Erfurt den Bau als ihr "Hausgefängnis".
Häftlinge bzw. Opfer des NS-Staates waren insbesondere politische Gegner: Kommunisten, Sozialdemokraten, bürgerliche Demokraten.

Am 2. Mai 1933 trieb die SA im Rahmen der Zerschlagung der freien Gewerkschaften führende Gewerkschaftsfunktionäre vom „Volkshaus" in der Johannesstraße durch die Stadt auf den Petersberg. Dort wurden sie ins Polizeigefängnis gesperrt und misshandelt. (SR)

 



Letzte Aktualisierung ( 28. 08. 2017 )
 
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