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17. 10. 2017
Die Plothen-Drebaer Teichlandschaft PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Lars Vegas   
13. 06. 2006

 

Geschichte

Die Erschaffung dieser Gewässerformation wird den Mönchen der Klöster Langenschade (1073), Mildenfurth (1193) und Cronschwitz (1230) zugeschrieben. Die früheste Erwähnung von Eigentumsrechten der Mönche an Dörfern in diesem Gebiet stammt aus dem Jahre 1074, der größte Teich (Hausteich), wird 1225 erstmalig erwähnt. So lässt sich darauf schließen, das Langenschade und Mildenfurt die ersten Anlagen schufen oder anleiteten und Cronschwitz an der Erweiterung beteiligt war. Die Standgewässer sind alle künstlich angelegt und bei Bedarf ablassbar.

 

Lage im Raum

Die Teichlandschaft liegt 500 m ü. NN auf einer Hochfläche des Ostthüringer Schiefergebirges zwischen Schleiz, Neustadt/Orla und Pößneck. Zahlreiche Wasserflächen mit unterschiedlicher Größe prägen hier Landschaftsbild- und Struktur. Grünland und Äcker, Baum- und Gebüschgruppen sowie Fichtenforsten umgeben diese Teiche. Die äußere Umgrenzung erreicht das beachtliche Ausmaß von ca. 80 km². Die größte Konzentration von Wasserflächen befindet sich zwischen den Dörfern Plothen, Moßbach, Linda, Dreba, Knau, Bucha, Schöndorf und Volkmannsdorf. Kleinere Gruppen gibt es zwischen Pormitz, Dittersdorf, Plothen und Phanstangen sowie zwischen Moosbach und Auma. Einzelne Teiche, Teichgruppen und Teichketten verteilen sich dazwischen.

 

Geologische und geomorphologische Verhältnisse

Die Rumpffläche des Gebirgsteiles, auf dem sich die Teiche befinden, ist aus Grauwacken und Tonschiefern des Unterkarbon aufgebaut (=Dinant). Die Gesteine sind nur in den Taleinschnitten aufgeschlossen, im Teichgebiet sind sie zu einer wechselnd mächtigen Schicht (bis 15m) von zähem, lehmig-tonigem Schieferzersatz verwittert. Teilweise finden sich auch lößartige Sedimente. Die Gebiete Plothen-Dreba, östlich von Moßbach und nördlich von Pörmitz zeigen sich besonders tonreich und extrem Wasser stauend. Die anstehenden Bodenformen sind Berglehm-Staugley, Braun-Staugley und –Amphigley. Durch diese Böden sind die Geländeteile von Natur aus sumpfig und damit hervorragend für die Anlage von großen, flachen Teichen geeignet, wie sie hier auch vorzufinden sind. Im übrigen Gebiet sind ebenfalls Berglehme und -tone zu finden, die jedoch nicht so stark vernässt und stauwirksam sind.

 

Klimatische Verhältnisse

Das Teichgebiet liegt im Lee des Hohen Thüringer Schiefergebirges und des Frankenwaldes und zählt zum Klimabereich Mittelgebirgsvorland im Berg- und Hügellandklima. Im Bezug zur Temperatur herrscht eine Übergangsstellung zum Vorland, das Jahresmittel beträgt 7,0°C, das Januar-Mittel -1,9°C und das Juli-Mittel 16,0°C. Die Jahresabflusshöhe von 150-160 mm bezieht sich zum Großteil auf den Winter, im Sommer werden die Wasserreserven stark von der hohen Verdunstung angegriffen.
In trockenen Jahren reicht der Niederschlag nicht aus, um alle Teiche wieder zu befüllen, was zur Folge hat, dass Teiche mit geringem Einzugsgebiet mehrere Jahre trocken fallen können bzw. örtlich versumpfen. Deshalb ist das Schicksal der Tier- und Pflanzenwelt sehr eng mit den fallenden Niederschlägen verbunden. Die Notwendigkeit zum Wassersparen sorgte für die Entstehung eines Steuersystems von weit verzweigten Gräben, welche die Teiche miteinander verbinden.

 

Teichtypen im Gebiet

Die in der Plothen-Drebaer Teichlandschaft vorhandenen Gewässer nehmen einen Sonderstatus in der Typisierung von Teichen ein und sollen daher genauer beschrieben werden.

 

Hochflächenteiche

Diese Teiche liegen auf Hochflächen oder Flachhängen, sind mehrseitig abgedämmt und teilweise ausgekoffert. Sie sind stets sehr flach und zeigen eine starke Neigung zur Verlandung. Gespeist werden sie direkt durch die Niederschläge (Himmelsteiche) oder durch das schon erwähnte Zu- und Ableitungssystem.

 

Muldenteiche

Die Muldenteiche liegen in flachen Hangmulden und sind durch einen Damm abgeriegelt. Die Tiefe richtet sich hier jeweils nach der Dammhöhe, nach hinten laufen die Teiche flach aus und besitzen daher einen großen Flachwasseranteil. Diese Teichart nimmt eine große Fläche im Gebiet ein.

 

Talbodenteiche

Dies sind kleinere, am Grund eines Talbodens gelegene Teiche, die jedoch nicht dessen gesamte Breite einnehmen. Sie sind in die Talsohle eingekoffert und meist von Dämmen umgeben. Ihr Wasserhaushalt ist von einem den Talgrund durchfließenden Gewässerabzweig abhängig, ihre Tiefe beträgt maximal einen Meter. Sie sind meistens in Teichstaffeln von bis zu 25 Einzelteichen angeordnet.

 

Talteiche

Im Gegensatz zu den Talbodenteichen nimmt diese Teichart die gesamte Breite des Talgrundes ein, da deren Staudämme das ganze Tal durchqueren. Gespeist werden sie durch einen Bach, der den Talgrund durchfließt. Die Tiefe ist abhängig von der Dammhöhe, die Ufer sind meistens steil ansteigend. Zur Stauwurzel hin wird das Wasser immer flacher.
In den Konzentrationsgebieten herrscht meist eine Verknüpfung von verschiedenen Teichtypen vor, größtenteils handelt es sich um Mulden- oder Hochflächenteiche. Das gesamte Teichgebiet befindet sich im Wasserscheidengebiet zwischen Zuflüssen zur Saale und zur Weißen Elster, das verfügbare Wasser ist daher sehr knapp bemessen.
Von den zahlreichen Teichen, die bis zum 20.Jahrhundert noch eine Anzahl von ca. 1500 erreichten, sind heute noch ungefähr 500 erhalten. Durch Zusammenlegung oder Verlandung veränderte sich das Bild des Gewässergebietes erheblich. Dies ist gut beim Vergleich der historischen Karte von 1850 mit der heutigen zu erkennen.
Ein kulturlandschaftlich wertvolles Gebiet ist die Plothen-Drebaer Teichlandschaft jedoch nach wie vor. Ihre vielfältigen Biotope, die in Verbindung mit der Nutzung immer neue Sukzessionsstadien bieten, und die dort angesiedelte Flora und Fauna sind ökologisch wichtige Bestandteile. Teile davon sind als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Projekte zum Erhalt und zur Förderung des Gebietes beziehen sich z.B. auf den Biotopverbund, die Wiederherstellung von aufgegebenen Teichen und die Umwandlung der Fichten-Monokulturen in artenreiche Laubwälder. Ein Kompromiss zwischen Erholung und Naturschutz soll durch gezielte Angebote zum Kennenlernen der Natur erreicht werden, hierfür ist ein Naturlehrpfad vorhanden.
Seit 1993 existiert auch ein Naturschutzinformationszentrum, welches ornithologische Führungen, Lichtbildervorträge und Dauerausstellungen anbietet. Das Plothen-Drebaer Teichgebiet ist Teil des Naturparks „Thüringer Schiefergebirge – Obere Saale“ und bietet in seinem Umfeld eine Fülle von harmonisch in die Landschaft eingebetteten Dörfern. In dem holzreichen Gebiet um Plothen ist traditionell der Fachwerkbau verbreitet, der dem Erholungssuchenden manche schöne Ansicht bietet. Die Pflege- und Erhaltungsmaßnahmen im Gebiet werden ständig weitergeführt und sollen zu einem harmonischen Miteinander von Naturschutz und Erholung führen. Diese landschaftliche Perle Ostthüringens verdankt ihre Existenz den Klöstern der Umgebung, die uns damit ein Erbe hinterlassen haben, dessen wir uns würdig erweisen sollten. (Landschaftspflege und Naturschutz in Thüringen 1993)

 

Letzte Aktualisierung ( 11. 08. 2008 )
 
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