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25. 06. 2017
Drosselberg - Steiger PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Detlef Tonn   
07. 05. 2008

Frühlingswanderung im Süden Erfurts vom Drosselberg in den Steigerwald zum Waldhaus Rhoda

 

 Unsere Wandergruppe + Fotograf
 

Unsere Wandergruppe + Fotograf

Am Tag vor der Walpurgisnacht, also dem letzten Tag im April, traf sich ein Wanderquartett zu einem "Ritt" über die südlichen Höhenzüge der Stadt Erfurt. Vor uns lag eine kleine sehr reizvolle Strecke über etwa 6 km in Ost-West-Richtung bei idealem, sonnig bis heiterem Wanderwetter mit angenehmer Temperatur von um die 18 °C.

Als Ausgangspunkt wurde die Haltestelle "Drosselberg" der Straßenbahnlinie 3 im gleichnamigen Neubaugebiet im Süd-Osten der Stadt gewählt. Gleich zu Beginn ist etwas Kondition gefragt, denn es geht den Katzenberg, einen dem Drosselberg nördlich vorgelagerten Hügel, hinauf, teilweise über Treppenwege. Bereits hier im städtischen Siedlungsbereich schüttet der Frühling unter dem Glanz der strahlenden Sonne sein verschwenderisches Füllhorn der blühenden und grünenden Pracht über uns aus. Gepflegte Grünanlagen und überwiegend sanierte Plattenbauten in Verbindung mit der Hanglage und den vielfältigen Wandermöglichkeiten machen den Drosselberg zu einem durchaus attraktiven Wohnquartier.
Nach kurzem Anstieg gelangen wir "Am Katzenberg" zu einer sehr prägnanten Bebauung in "Hufeisenform", die gleich einer Rundlingsburg auf einer Kuppe thront. Dieser mit Schottern abgedeckte Hügel stellt eine Grundmoräne dar und dokumentiert das Vordringen des Inlandeises bis an den Steiger heran. Zu seinen Füßen und heute im westlichen Hangbereich nicht mehr erkennbar, liegt eine Folge von über 200 Schichten des Unteren Gipskeuper glazialen Ursprungs verborgen. Der Hang wurde 1999 als geologisches Naturdenkmal (ND) ausgewiesen, worauf jedoch kein Schild hinweist. Der Aufschluß ist durch Bewuchs also nicht mehr "lesbar" so wie es noch zu seiner Gestaltung während der Bauphase in den 80er Jahren war. Damals wurden kleine Trockenmauern aus Bruchsteinen gestalterisch beigefügt. Deutlich tritt der Nordwest-Abhang bei der Grund- und Regelschule durch seine Kahlheit und Erosionsrinnen hervor, die an die "Bad Lands" unterhalb der Burg Gleichen erinnern.

Wir folgen nun ein Stück Wegs dem Streckenverlauf des Hauptwanderwegs Jena-Eisenach, gekennzeichnet durch einen blauen Querbalken auf weißen Quadrat. Am Ende der Bebauung, an der Max-Steenbeck-Str. geht es direkt über einen Pfad die Drosselberg-Hangwiese weiter hinauf.

 

Am Katzenberg, oberhalb des Wohngebietes Drosselberg Ost-Blick Buchenberg / Haarberg

Am Katzenberg, oberhalb des Wohngebietes Drosselberg

 

Ost-Blick Buchenberg / Haarberg

 

Wie bereits zuvor eröffnen sich nun ungehindert reizvolle Sichten nach Norden in die Ebene bis zum Höhenzug der Finne mit der "Thüringer Pforte" und nach Osten mit dem dominierenden Ettersberg und den Höhenzügen um den Haarberg. Die nördliche Sicht kann an klaren Tagen bis zum "Kyffhäuser" reichen, der sich jedoch an diesem Tag hinter dem Dunst in der Ferne verbirgt.
Die Höhenflächen auf dem Drosselberg sind im Herbst ein beliebtes Revier zum Drachensteigen. Wir finden die Überreste anderer Zusammenkunft – am Lagerfeuer – vor, zum Leidwesen auch im vermüllten Zustand zurückgelassen. Wenn der Appell, die Natur so zu verlassen wie man sie betreten hat, doch nur die erreichen möge, die es betrifft!

 

  

Über Wiesen, auf denen sich frisches Grün zeigt, gelangen wir auf einen Sommerweg, der vom Schöntal aus den Osthang des Drosselberges hinaufkommt und einer Stromtrasse folgt. Ungewöhnlich tief auf 20 bis 30 cm hat sich am Wegrand eine Erosionsrinne trotz nur geringen Gefälles eingeschnitten, sie belegt die große Gestaltungskraft des fließenden Wassers.

   
  

 

 
Im oberen Bereich des Drosselberghanges geht es nun über Wegebefestigung mit Betonschwellen für die militärischen Belange bereits vor einiger Zeit verlegt wurden. Wir halten uns linkerhand an der Nordgrenze des Truppenübungsplatzes und folgen dem Verlauf der Warnschilder, die ein Betreten des Geländes verbieten, leider jedoch immer wieder mißachtet werden.
Rechts kommen wir an den Gartengrundstücken am Katzenberg in beneidenswerter Lage vorbei, die von einem Abrichtungsplatz für Schäferhunde abgeschlossen werden. Der betreibende Verein kann auf eine rund 100 jährige Geschichte zurückblicken.

 

Hinunter geht es auf der Egstedter Trift entlang stattlicher Bäume nach Melchendorf. Der Blick schweift über das Neubaugebiet am Wiesenhügel hinüber zum Herrenberg mit seiner Gustav-Adolf-Kirche, die neben den Wohnscheiben kleiner erscheint.

 

  

Streuobstwiese

 

Blick am Egstedter Trift über Wohngebiet Wiesenhügel zum Gr. Herrenberg

 

Ein Schild Geschützter Landschaftsbestandteil (GLB) bezeichnet seit 1996 die Hänge am Drosselberg und weist darauf hin, daß hier ausgedehnte Flächen von insgesamt ca. 24 ha unter besonderem Schutz stehen. Dazu gehören die vor uns liegende im Blütenschmuck stehende alte Streuobstwiese, mehrere Hangwiesenflächen und auch die Taleinschnitte (Trockenbäche) an der Egstedter Trift sowie im Rabental. Nach ausreichender Würdigung des Rundblicks setzen wir die Tour auf der Höhe fort, oberhalb der Obstbaumreihen.

 
  

Randstreifen (Gras, Buschwerk, Gehölz) an der Übungsplatzgrenze

Schon nach kurzer Wegstrecke verlassen wir den Hauptwanderweg, der zum Wiesenhügel hinunterführt und biegen nach links auf einen Pfad ab. Weiterhin respektieren wir die Grenzschilder des Übungsplatzes. Der Pfad verläuft oberhalb des Rabentals, zu dem die Hänge rechts abfallen.

 

Hauptwanderweg hinunter zum Wiesenhügel Blick über das Rabental zum Wiesenhügel

Hauptwanderweg hinab zum Wiesenhügel, im Hintergrund 2 der ehem. 3 Punkthochhäuser am Kl. Herrenberg

 

Blick über das Rabental zum oberen Abschluß des Wohngebietes Wiesenhügel

Langer Seitenast weist den Weg Kiefer

 

Auf der gegenüberliegenden Seite grüßen die idyllisch gelegenen Gärten der Anlagen "Auf der Melm" und "Am Waldeck", dahinter beginnt der Alte Steigerwald, unser nächstes Ziel. Bis dahin nimmt uns das Landschaftsbild gefangen, das nun fast gebirgige Züge angenommen hat. Ein letzter Blick gestattet sich nach Norden auf die Stadt. Nach einem Abschnitt mit vereinzelten Nadelbäumen und Wacholderbüschen stehen wir unvermittelt vor einem beeindruckenden Taleinschnitt, den es zu überwinden gilt. Dies kann überhaupt nur bei ausreichend abgetrocknetem Weg gelingen, was an diesem Tag gerade noch als erfüllt gelten mag, geeinetes Schuhwerk erweist sich hier als sehr vorteilhaft.

 

  

 

Jedenfalls bestehen alle Teilnehmer diese Prüfung mit Bravour ohne Ausrutscher, auch am gegenüberliegenden Anstieg und trotz kurzer Ablenkung durch einen vorbeihuschenden stattlichen Fuchs. Vor einer solchen "steigenden" Anforderung hatten wir bei unseren Erfurter Wandertouren bisher noch nicht gestanden. Der anspruchsvolle, schweißtreibende Teil ist geschafft, ab jetzt geht es auf fast gleicher Höhe weiter. Über Trockenrasen und Wiese erreichen wir den Waldrand des Alten Steigers, ein Blick zurück zeigt den Kontrast zwischen benachbarter grauer Ödfläche und saftig-grüner Grasfläche.

 Blick vom Talgrund

 

Über eine Asphaltstraße geht es hinein in den Wald. Sie mündet auf die breite Hauptstrasse, die rechts, also nach Norden, zur ehemaligen Steigerkaserne führt. Wir wählen die entgegengesetzte Richtung, biegen nach links und erreichen nach weniger als 200 Metern auf der rechten Seite eine Wegeinmündung, die für Befahrung gesperrt ist. Hier durchwandern wir das Nonnenholz, anfangs auch mit Nadelgehölz bestanden. Der auch bei Nässe gut begehbare Weg endet an der südlichen Umfriedung der Hubertus-Siedlung. Etwa 100 Meter vor Erreichen der Arnstädter Chaussee biegen wir bereits nach links, folgen parallel der Straße, bis zum südlichen Ende einer Wiesenfläche. An dessen Zaun entlang, gelangen wir an die vielbefahrene Straße. Ein Überqueren an dieser Stelle ist zwar nicht empfehlenswert, wenn man jedoch entsprechende Vorsicht walten läßt, und ein ausreichend große Lücke im Verkehrsstrom abwartet, dann kann nichts passieren.

 

von der B4 zum SühnekreuzSühnekreuzBegutachtung des Kreuzes

 

Auf der anderen Straßenseite erwartet uns das Sühnekreuz, ein Steindenkmal in außergewöhnlich guter Erhaltung. Etwa nach 50 Metern Pfad ist der nächste Hauptweg erreicht, ein Zwischenpfad parallel zur Straße ist aufgrund von Holzeinschlag für die Begehung derzeit nicht geeignet. Wir wenden uns nach links (südlich) und erreichen bald die nächste Wegekreuzung. Hier geht es rechts ab. Unmittelbar am Abzweig liegt der Teufelssumpf, ein fast vollständig mit Bewuchs überzogenes Feuchtbiotop (Naturdenkmal).

 

Teufelssumpf Teufelssumpf
 

Als nächstes kreuzt der Kiesweg, ein Hauptweg im Steiger, der am Großen Waldhausteich an der Rhodaer Chaussee seinen Anfang nimmt und parallel zur Arnstädter Chaussee verläuft. Wir könnten ihn überqueren, gehen jedoch nach rechts ein kurzes Stück zurück und biegen erst dann nach links in den Langen Sumpfweg ein. Er kommt vom Parkplatz am Hubertus und führt bis zum Steigerrand an der Hubertus-Straße. Dorthin wollen wir, den kleinen Umweg haben wir gemacht, weil der Weg besonders schön ist und uns am Ungeheuren Sumpf vorbei führt. Dieses Feuchtbiotop im Steiger wurde ebenso wie der Teufelssumpf 1996 durch Schutzverordnung als Naturdenkmal ausgewiesen, bietet aber zu dem zuvor besuchten ein gänzlich anderes Bild: viele kleine offene Wasserflächen, die auch von Enten genutzt werden können.

 


Ungeheurer Sumpf

 Käfer

 

Nach Überqueren der Hubertus-Straße geht es am Grenzweg entlang des südlichen Steigerwald-Randes, der zwei Trassen beinhaltet, zwischen denen man je nach Lust wechseln kann. Eine im Wald, die andere "davor" mit noch mehr freier Sichtmöglichkeit. Und davon gibt es entlang des Weges reichlich, über das Gebiet der Drei Gleichen bis zum Höhenzug des Thüringer Waldes in der Ferne. Bänke laden ein zur beschaulichen Rast. Unser Ziel ist nicht mehr fern, und wir haben die Rhodaer Chaussee erreicht. Gegenüber lädt das Waldhaus Rhoda ein zur belohnenden Rast. Angesichts des herrlichen Platzangebotes unter einem leichten, frisch-grünen Blätterdach eine Verlockung, der man nicht wiederstehen kann. Es ist Ruhe vor dem Sturm, die man genießen kann; am nächsten Tag, dem 1. Mai - 2008 gleichzeitig Vatertag – wird die Szenerie eine völlig andere sein.

Für den Rückweg stehen je nach Kondition und Muße zur Auswahl: die bequeme Rückfahrt per Bus, Linie 60 Hauptbahnhof – Hochheim – Stedten, der halbstündlich direkt ab Haltestelle Waldhaus verkehrt und den Busbahnhof bereits in einer Viertelstunde erreicht oder als Zugabe die Fortsetzung per pedes neben der Rhodaer Chaussee entlang auf dem bereits begangenen Hauptwanderweges, den wie hier wieder begrüßen.
So oder so, bleibt der Rückblick auf eine abwechslungsreiche, interessante Tour mit etwas Anspruch durch die geleistete Höhenmeter. An einem Frühlingstag wie diesem über den Blütenteppich der Natur zu wandeln und Weitblicke in alle Richtungen zu genießen, findet unsere kleine Wanderung - in welcher Form auch immer - als Empfehlung für Naturliebhaber hoffentlich Nachahmung.

 

Text: Detlef Tonn

Fotos: Ralf Kuke

Letzte Aktualisierung ( 12. 09. 2008 )
 
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