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24. 03. 2017
Petermann, August Heinrich - Geograph, Kartograph PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Detlef Tonn   
05. 05. 2015
Er kartografierte die letzten großen weißen Flecke auf der Landkarte

* 18. April 1822  in Bleicherode
† 25. September 1878 in Gotha (Suizid)

Prof. August Petermann
Prof. August PetermannFoto: A. Linde, Hof-Photograph, Gotha
© Tufts University | Digital Collections and Archives

Einer, der mit dem letzten Zeitalter der Entdeckungen in unmittelbarem Zusammenhang stand, ist  Prof. Dr. August Heinrich Petermann.

In seinem Geburtsort Bleicherode besuchte er die Volksschule. Er zeigte in jungen Jahren ein ausgeprägtes Interesse an Geographie, Mathematik, Planzeichnen, Kalligraphie und Gravieren. Bereits aus seiner Gymnasiumszeit in Nordhausen stammen von ihm gezeichnete Karten des Harzes und von Südamerika, die eine besondere Handschrift verraten. Der Berufswunsch des geographischen und topographischen Kupferstechers reifte heran. Mit Kenntnis der angekündigten Eröffnung einer Geographischen Kunstschule zu Potsdam zum 1. April 1839, wandte sich Petermanns Vater in einem Gesuch an die Regierung zu Erfurt und bat um Unterstützung für die dortige Aufnahme des Sohnes. Er legte als Arbeitsprobe die großartige Südamerika-Karte des 16jährigen bei und das nach Berlin weitergeleitete Gesuch wurde dann auch prompt befürwortet. Er erhielt vom König eine Ausstattungsbeihilfe i.H.v. 60 Talern und kostenlose Aufnahme in die Familie des Gründers und Direktors der Schule in spe, Dr. Heinrich Berghaus (1797-1884)!

Schon am 7. April 1839 trat Petermann seine Lehrstelle in Potsdam an. In seiner fünfjährigen Lehre in der "Geographischen Kunstschule" in Potsdam lernte er sowohl die Technik des kartographischen Zeichnens und seine Produktionsmethoden - wie Kupferstich und Lithographie - als auch die verschiedensten Arten von Vermessungen, Lotungen sowie wissenschaftlicher Berechnungen und Quellenstudien. 1845 und 1850  zeichnete August Petermann den unter der Leitung von Dr. Berghaus ausgearbeiteten Neuesten Plan von der Königlichen Residenzstadt Potsdam.
"Mit der Karte zu Humboldts ,Asie centrale' und der Mitarbeit an zwei großen physikalischen Atlanten wurde er zum praktischen Darsteller Humboldtscher Gedanken", schätzt Dr. Kurt Witthauer in seinen Studien über den Karthographen ein.
1847 zog es Petermann nach London, wo er Mitglied in der berühmten Royal Geographical Society wurde und sich bald Geographer of the Queen nennen durfte. Bereits sieben Jahre später folgte der Rastlose dem Ruf der Gebrüder Perthes nach Gotha in deren Geographische Anstalt. Mit der ihm eigenen Energie machte er die monatlichen, anfangs bescheidenen "Mitteilungen aus Justus Perthes' Geographischer Anstalt" zu einem Weltblatt und Gotha zu einem Zentrum der geographischen Forschungen. Das Interesse an den Petermannschen Mitteilungen, wie man sie schon bald bezeichnete, war riesengroß. Durch die kritische Auswertung und Verarbeitung aller zugänglichen Informationen schuf Petermann immer genauere Originalkarten.

Südamerika-Karte des 16jährigen August Petermann
Südamerika-Karte des 16jährigen August PetermannGotha, Historische Sammlung des Verlags Justus Perthes, Archiv

Mit diesen stattete er auch die Afrika- und Nordpolar-Expeditionen aus. Er stellte den Männern die konkreten Aufgaben, wies auf weiße Flecken und Fragestellungen in seinem Kartenwerk hin. Allein in die Polar-Gebiete initiierte Petermann sieben Expeditionen. Am 19. Oktober 1868 kehrte die von ihm organisierte erste deutsche Nordpolarexpedition zurück.
Triumphal soll sein Auftritt auf der Weltausstellung 1876 in Philadelphia gewesen sein, wo er mit 109 Karten die Entdeckungsgeschichte Afrikas und mit 52 die der polaren Gebiete dokumentierte.

Petermann ging 1857 auf den Vorschlag des an der Sternwarte auf dem Kleinen Seeberg wirkenden Astronomen Peter Andreas Hansen (1795-1874) ein, Mitglied der Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt zu werden. 1860 wurde er zum Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina in Halle (Saale) gewählt.

Ebenso bedeutend wie seine kartografischen Leistungen war seine Leistungen als Organisator. Er mahnte erfolgreich die Bereitstellung der nötigen Gelder für deutsche wissenschaftliche Expeditionen an, und gab dazu mehrere gezielte Anregungen.
Am 25. September 1878 setzte Dr. Petermann seinem Leben selbst ein Ende. Und doch taucht sein Name heute immer noch auf. Beispielsweise in zehn geographischen Benennungen auf unserer Erde.

Im Heimatmuseum Bleicherode erfährt der interessierte Besucher mehr über diesen großen Sohn des kleinen Städtchens im Südharz. In seinem Geburtsort wurde dem bedeutenden Geographen ein Denkmal gesetzt. Ein Naturlehrpfad, der mit 6 km Länge einen Überblick über alle charakteristischen Lebensräume von Pflanzen und Tieren in den Bleicheröder Bergen gestattet, trägt seinen Namen.
S. Reinhardt 1993

Werke / Veröffentlichungen

Zeitschrift Petermanns Geographische Mitteilungen, erstmals am 16. März 1855 bei Justus Perthes in Gotha erschienen.

Ehrungen

1868 Große Goldmedaille der Royal Geographical Society in London
Bleicherode: Gedenktafel am Geburtshaus
ebd.: Petermann-Denkmal
ebd.: Naturlehrpfad August Petermann in den Bleicheröder Bergen
Gotha, Hauptfriedhof (Fläche für „Exponierte Grabmale“): Grabmal von August Petermann
ebd., Schlosspark: Petermann-Denkmal
NW-Grönland: Petermann-Gletscher. Die etwa 70 km lange und 15 km breite im Wasser schwimmende Gletscherzunge füllt den Petermann-Fjord aus.
O-Grönland: Petermann Bjerg (deutsch auch Petermannspitze) (2970 m)
Australien: Petermann Ranges (deutsch: Petermann-Gebirge) (bis 1158 m)
Antarktis, Königin-Maud-Land: Petermannketten (Gruppe zusammenhängender Gebirgszüge)
Russland, Nord-Nowaja-Semlja / Ostchina:  Petermann-Kap
Mond: Petermann-Krater u.w.

Einrichtungen

Bleicherode: Petermannpark (mit Petermann-Denkmal)
ebd.: Staatliche Grundschule "August Petermann"
ebd.: August-Petermann Apotheke

Straßenbenennung

Bleicherode: Petermannstraße

Quellen

Anonym: August Petermann (1822-1878). In: Schriften zur Kartographie. 1972, S. 182-90, Abb.
Anonym: Petermann, August, 1822-1878. In: Jahrbuch der Akademie Gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt. 2003 (2004), 128 S.
Benl, Rudolf: [F6] ...Südamerika-Karte des 16jährigen August Petermann [mit Abb. S. 123]. In: Benl, Rudolf (Hg./Verf.) & Blaha, Walter (Verf.): Ein eigenartiges Stück deutschen Geisteslebens - 250 Jahre Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt. Eine Ausstellung des Stadtarchivs Erfurt in der Zeit vom 15. Mai bis zum 27. Juni 2004 im Kulturhof zum Güldenen Krönbacken; Katalog zur Ausstellung. Erfurt 2004, 157 S., S. 122f.
Diedrich, Hans-Joachim: Professor Dr. August Heinrich Petermann - zum 100. Todestag am 25. September 1978. In: Beiträge zur Heimatkunde aus Stadt und Kreis Nordhausen, Bd. 2/3. 1978, S. 71-82.
Engelmann, Gerhard: August Petermann als Kartographenlehrling bei Heinrich Berghaus in Potsdam | Hermann Haack zum 90. Geburtstag. In: Petermanns Geographische Mitteilungen. 22 S.
Hoffmann, Matthias [Mitverf.]: 200 Jahre geographisch-kartographische Arbeiten in Gotha/Teil 2. Die Ära Petermann. 1985, Abb., S. 685-88.
Hoffmann, Matthias / Huschmann, Rainer: August Heinrich Petermann | Eine neue Ära beginnt. In: Gothaer Geographen und Kartographen. In: Gottfried Suchy (Hg.): Beiträge zur Geschichte der Geographie und Kartografie (Geographische Beiträge 26). Gotha 1985, S. 77-84.
Kiefer, Jürgen: Zum 125. Todestag des Geographen und Kartographen August Petermann
(1822-1878). In: Jahrbuch der Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt, Jahrbuch 2003, S. 30-32.
Reinhardt, S.: Er kartografierte die letzten großen weißen Flecke auf der Landkarte. In: TA 1993.
Stolberg, August: August Petermann. In: Mitteldeutsche Lebensbilder. Hg. von der historischen Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt. Bd. 5, Magdeburg 1930, S. 395-403.
Wichmann, H., "Petermann, August" in: Allgemeine Deutsche Biographie 26 (1888), S. 795-805 [Online-Version]

Letzte Aktualisierung ( 30. 01. 2017 )
 
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