www.mamboteam.com
Startseite arrow Persönlichkeiten arrow Schmidt, Friedrich Christoph Benjamin - Gärtnerei-Unternehmer, Blumenzüchter
24. 04. 2017
Schmidt, Friedrich Christoph Benjamin - Gärtnerei-Unternehmer, Blumenzüchter PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Detlef Tonn   
07. 04. 2016
Begründer der in aller Welt unter „Blumenschmidt“ bekannten Erfurter Gärtnerei

* 2. Mai 1803 in Erfurt
† 2. Januar 1868 ebenda

Erfurt und die Firma J. C. Schmidt (Blumenschmidt) sind zwei eng verbundene Begriffe. Ein hochverdienter Vertreter dieser Familie und der eigentliche Begründer des Unternehmens war Friedrich Christoph Benjamin Schmidt (genannt Johann Christoph Schmidt).

Er wurde am 2. Mai 1803 im großväterlichen Haus, Anger 75, als Sohn von Johann Ernst Gottfried Schmidt, Betreiber einer Seifensiederei und eines Verkaufsgeschäftes auf der Langen Brücke 45, geboren. Schon seine Vorfahren betrieben am Anfang des 18. Jahrhunderts „hinter der Kaufmannskirche“, heute Anger 5, und in der angrenzenden Viehgasse eine Wachssiederei und Wachsbleiche. Die Angehörigen der Familie Schmidt waren wohlhabende und angesehene Bürger der Stadt, die des öfteren auch in der kirchlichen und der politischen Gemeinde Ehrenposten bekleideten.

Friedrich Christoph Benjamin Schmidt erlernte neben der Seifensiederei das Wachsbossieren und wusste beachtliche Figuren und Szenen aus Wachs herzustellen. Neben einer feinsinnigen künstlerischen Begabung hatte sich auf ihn vom Großvater Johann Christoph Schmidt( 1753-1829), der der Firma den Namen „J. C. Schmidt“ gegeben hat, vor allem die Liebe zu den Blumen übertragen. Nachdem Friedrich Christoph Benjamin Schmidt 1828 in das großväterliche Geschäft in der Viehgasse eingetreten war, begann er sogleich den großen Garten für Spezialkulturen anzulegen. Sein besonderes Interesse galt der Georginenzucht (Dahlien), die ihn in weiten Kreisen bekanntmachte und dazu führte, dass er neben seinem Wachswarengeschäft einen Handel mit Pflanzen und Knollen begann. 1817 war die erste Dahlie, eine einfache rote Georgine. durch C. Platz aus England nach Erfurt gekommen; für jedes Stück mussten 14 Taler gezahlt werden. Schmidt verstand es bald, neue Spielarten zu züchten. Der anfängliche Nebenbetrieb, neben welchem das Wachswarengeschäft noch 30 Jahre lang geführt wurde, entwickelte sich bald zum Hauptbetrieb. Nach kurzer Zeit wurde auch die Bukettbinderei hinzugefügt, welche die Firma zunehmend unter den Namen „Blumenschmidt" bekannt machte. Die Binderei wurde zu hoher Blüte gebracht, ebenso wie die Verwendung der immortellenartigen Blumen und Gräser, ein Betriebszweig, der später einen ganz besonderen Aufschwung nahm. Schon in den 40er Jahren hatte Schmidt auch die Rosenkultur aufgenommen, und jede Züchtungsneuheit war in Erfurt zuerst bei ihm zu sehen und wurde von ihm gepflegt. Zwecks Erweiterung seiner Kenntnisse und seines Angebotes führte er einen regen Erfahrungsaustausch mit England, welches zu dieser Zeit als das erste Land in der Blumenkultur galt. Dort erwarb er die wertvollsten englischen Muster für hohe Summen; doch auch Fuchsien, Pelargonien und Kamelien brachte er als Neuheiten mit nach Erfurt. Seinen 1837 herausgegebenen Katalog, dessen zweite Folge 1841 schon 290 Sorten enthielt, konnte er nach 1842 auf 360 Arten erweitern. Auf der Gartenbauausstellung von 1861 war J. C. Schmidt mit zahlreichen Trauben, Äpfeln, Birnen- und Gemüsesorten nebst fast 200 Blumensorten vertreten.

Es waren nicht Massenkulturen, die die J. C. Schmidtsche Blumengärtnerei berühmt gemacht haben, sondem die Züchtung besonders edler Sorten und späterhin auch die geschmackvolle Auslese der Blumenarrangements, welche die Firma jederzeit anzufertigen verstand. Sehr große Verdienste hat sich J.C. Schmidt auch bei der Gesamtentwicklung der Erfurter Gartenkultur erworben. Bereits 1838 gründete er mit 18 weiteren Gärtnern und interessierten Bürgern den Erfurter Gartenverein; er war lange die Triebfeder aller seiner Veranstaltungen und Gartenbauausstellungen. Neben Dr. Weißmantel gab J.C. Schmidt hier viele Anregungen und Hinweise für die gärtnerische Arbeit. In Anerkennung von J.C. Schmidts Leistungen und Kenntnissen übertrug man ihm 1842 die Direktion des Kulturausschusses für Blumenzucht im Deutschen Gartenbauverein.

Dank der unermüdlichen Wirksamkeit solcher Persönlichkeiten wie der „Blumenschmidts“ konnte der Erfurter Gartenbau zu deutscher und sogar europäischer Bedeutung aufsteigen und bildete eine solide Stütze des Wirtschaftslebens der Stadt.

Quelle

Zitiert aus Amtsblatt Erfurt (BF) Zitiert aus Amtsblatt Erfurt (BF)

Letzte Aktualisierung ( 01. 11. 2016 )
 
< zurück   weiter >
Nach oben
Nach oben