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30. 05. 2017
Kniphof, Johann Hieronymus - Arzt, Botaniker PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Detlef Tonn   
07. 04. 2016
 

* 24. Februar 1704 in Erfurt
† Januar 1763 ebd.

Johann Hieronymus Kniphof mit Schmuckblatt um 1761
Links - Jacob Samuel Beck: Porträt Dr. med. Joh. Hieronymus Kniphof zum Rektorblatt, Öl um 1761.
Rechts - Friedrich Wilhelm Wunder (zugeschr.): Schmuckblatt zu Kniphof, Aquarell, Tinte () um 1761. Matrikel der Erfurter UniversitätFoto: Kerstin Richter / Stadtarchiv Erfurt

Schon mit vier Jahren verlor er seinen Vater, den angesehenen Arzt Johann Melchior Kniphof. Die Mutter förderte die Ausbildung des begabten Sohnes, schickte ihn 1719 auf das Erfurter Ratsgymnasium und ließ ihn ab 1722 in Jena und anschließend in Erfurt studieren. Durch die mehrjährige schmerzhafte Behandlung eines Rippenbruches stand schon für den Knaben fest, dass er Arzt werden wollte.

1727 kehrte Kniphof nach Erfurt zurück, promovierte, avancierte zum Privatdozenten für Medizin und ließ sich als Arzt nieder. 1736 verlor er sein Haus und seine Bibliothek bei einem Brand. Zum Professor der Medizin wurde er 1737 berufen. Erst 1745 wurde Kniphof ordentlicher Professor für Anatomie, Chirurgie und Botanik, 1747 wurde er zum Dekan der Medizinischen Fakultät und 1761 zum Rektor der Universität gewählt. In seiner zweiten Amtsperiode als Rektor starb Kniphof 1763.

Ungewöhnlich für seine Zeit war Kniphofs stark praktisch orientierte Lehrtätigkeit. Unermüdlich war er mit der Anfertigung von Präparaten, Modellen und Zeichnungen beschäftigt. Seine Sezierkurse wurden nicht nur von Studenten, sondern auch von Barbier- und Badergesellen besucht. Neu war dabei die Deutung von krankhaften Veränderungen an den Leichenteilen und der Denkansatz zu einer möglichen Therapie. Nicht selten trug Kniphof persönlich die Kosten für den Transport der Leichen oder ihre Bestattung. So gelangte Kniphof bald zu einem uneingeschränkten Ansehen. Dieses allerdings beIörderte im Alter eine gewisse Intoleranz gegenüber den Ansichten der jüngeren Kollegen, z. B. Baumer und Mangold. Der Reformstreit wurde letzten Endes sogar vor dem Kurfürsten ausgetragen.

Bereits mit 29 Jahren wurde Kniphof Mitglied der Leopoldinischen Kaiserlichen Akademie der Naturforscher, der ältesten naturwissenschaftlichen Gelehrtenvereinigung in Deutschland, die sich sogar über die Jahre der Teilung als gesamtdeutsche Einrichtung bis heute erhalten hat. In der Leopoldina übernahm Kniphof verantwortungsvolle Ämter. Eine hohe Ehrerweisung erfuhr er, indem sein Abbildung und Wappen Eingang im “Tempel der Flora“ fand, in dem Dalberg das Andenken berühmter Erfurter Botaniker verewigt hat.
Vor seiner Universitätslaufbahn galt Kniphofs besonderes Interesse der Botanik. Davon zeugt sein Buch „Botanica in originali, Das ist: Lebendig Kräuterbuch“. Zusammen mit dem Universitätsbuchdrucker Funcke hatte Kniphof den Naturselbstdruck, das heißt das direkte Abdrucken von Herbarpflanzen für wissenschaftliche Zwecke, entwickelt und verfeinert. Für die Arzneipflanzen übernahm Kniphof selbst die Beschreibung, für die Darstellung der Gartenpflanzen konnte er seinen Freund Christian Reichart (1685-1775), den Begründer des wissenschaftlichen Gartenbaus, gewinnen. Die Wissenschaftliche Allgemeinbibliothek der Stadt Erfurt besitzt beide Bände dieses seltenen Buches, das Naturkundemuseum den zweiten Teil.

Es gab Bemühungen um einen Nachdruck, wenigstens von Teilen des Werkes. Bereits mehrfach wurde im Benay-Speicher zu Ehren Kniphofs Interessierten das Verfahren des Naturselbstdruckes demonstriert.

Hauptwerk
Titel von Kniphofs Botanica in Originali
Titel von Kniphofs Botanica in Originali, Erfurt 1734 HAAB Weimar

Botanica in originali, Das ist: Lebendig Kräuterbuch, 1734.

Der Versuch, die Formvollendung einer blühenden Pflanze irgendwie zu bewahren. ist schon sehr alt. Neben bildlichen Darstellungen, die später durch Holzschnitte und Kupferstiche vervielfältigt werden konnten, war das Presseri und Trocknen der Pflanzen bekannt.
Kniphof suchte nach einer Methode Pflanzen darzustellen, die sowohl eine größere Verbreitung der Abbildungen. als auch die detailgetreue Naturbelassenheit des Herbariums ermöglichte. Er stieß auf das Verfahren des Naturselbstdruckes: Dazu wurde eine meist herbarisierte Pflanze befeuchtet. auf ein Blatt Papier gelegt und mit einer Farbe aus Kienruß und Leinöl bestrichen. Mit dieser so präparierten Pflanze erfolgte der eigentliche Druck von Hand oder mit Hilfe einer Druckpresse. Der zweite oder dritte Abzug war oft der beste, weil die Farbe nun erst richtig in die filigranen Zwischenräume eingedrungen war. Kniphof und der Universitätsdrucker Funke stellten fest, daß "auch die allerzärtesten fibrae, ja ein jedes kleine Härgen und Spitzgen" auf das deutlichste zu erkennen waren. Mit dieser Technik schuf der Pflanzenliebhaber ein wunderschönes Dokument, daß jeder zeichnerischen Abbildung weit überlegen ist. Durch die Betrachtung mit der Lupe sind oft Details der Kultur- und Wildpflanzen zu erkennen, die noch heute eine systematische Einordnung ermöglichen.
Diese im Naturselbstdruck gewonnenen Raritäten wurden möglichst wirklichkeitsgetreu coloriert und in dem Buch "Botanica in Orginali" zusammengestellt. J. H. Kniphof bat den Pionier und Förderer des Erfurter Gartenbaumuseums Christian Reichart, Beschreibungen und Kulturanleitungen für die einzelnen Arten zu geben. So erschien 1734 ein Werk, das besonders auf das Gebiet um Erfurt zugeschnitten war. Die Pflanzendrucke der "Botanica in Orginali" aus der Bibliothek des Naturkundemuseums Erfurt konnten ihre Farben und Details über 250 Jahre bewahren. Regine Zebe

Zum Buch siehe auch unter Herzogin Anna Amalia Bibliothek (HAAB) Weimar, Monographien Digitalisate:
Teil 1, 1734: HAAB Weimar
Teil 2, 1734: HAAB Weimar
Tafelband, 1734: HAAB Weimar

Quellen

Sch[aldach], I[lsabe]: In: Amtsblatt Erfurt () und TA

Letzte Aktualisierung ( 17. 01. 2017 )
 
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