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22. 05. 2017
Kruspe, Heinrich – Zeichner, Maler, Bilderchronist PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Detlef Tonn   
12. 04. 2016
Bilderchronist von Erfurt mit Vorliebe für die Kunst der Gotik

* 19. Juli 1821 in Erfurt
† 23. April 1893 ebenda

Als Zeichenlehrer hat er seine Schüler und Schülerinnen, als Zeichner vieler Motive seiner Heimatstadt viele Auswärtige für Erfurt begeistert. Er besuchte in seiner Geburtsstadt ab 1838 das Lehrerseminar und wirkte zunächst als Lehrer an der katholischen Nikolaischule. Seine künstlerische Ausbildung erhielt er 1854/1855 auf der Kunstakademie zu Berlin. Er wirkte dann bis zu seinem Tode als Zeichenlehrer an der Realschule, die ab 1882 Realgymnasium war (Himmelspforte), und an der höheren Töchterschule, der späteren Königin-Luisen-Schule.

Heinrich Kruspe hat sich in der Geschichtsschreibung der Stadt, insbesondere durch die Anfertigung einer Vielzahl von Zeichnungen aus dem alten Erfurt, sehr verdient gemacht.  Seinem Wirken ist es zu verdanken, dass eine stattliche Zahl Stadtansichten, Kunstdenkmale und Ereignisse dieser Zeit mit dem Zeichenstift festgehalten wurden. Durch zahlreiche außerordentlich gewissenhafte Zeichnungen entstand eine lebensvolle Schilderung von Erfurts baulichem Zustand in den 1870er Jahren. Viele Bilder, die man heute aus Alt-Erfurt findet, gehen auf Originale von ihm zurück. Dass wir uns von den meisten der 1872 beim Brand des Evangelischen Waisenhauses zugrunde gegangenen Bilder des „Erfurter Totentanzes" noch eine Vorstellung machen können, verdanken wir seiner Hand, welche von den Bildern 1845 Zeichnungen angefertigt hat.
Auch ist Kruspe der Verfasser einer Reihe interessanter Schriften zur Stadtgeschichte. Es seien die „Erfurter Dom-Sagen", ein schmales Bändchen mit Gedichten und Zeichnungen, die „Sagen von Erfurt" (2 Bände), „Beiträge zur Erfurter Kunstgeschichte", ein noch heute nicht völlig überholter knapper Überblick, und sein bekanntestes Werk, die „Erfurter Bilder-Chronik", erwähnt, welch letztere in volkstümlicher Form bedeutsame Augenblicke und Personen der Erfurter Geschichte in Bild und Text vorführt.
Durch Vorträge gelang es Kruspe, vielen Erfurtern die Schönheit ihrer Vaterstadt und deren geschichtliche Zeugnisse nahezubringen. Seine besondere Liebe galt dabei der Kunst der Gotik. Für die alte Thomaskirche entwarf er, der Katholik, ein Glasgemälde „Thomas, der den Herrn erkennt", für die Augustinerkirche einen zwei Meter hohen Leuchter. Die Kosten für die Glasgemälde konnte die Thomasgemeinde durch die öffentliche Aufführung von lebenden Bildern „Von Bethlehem nach Golgatha", von Kruspe ins Werk gesetzt, aufbringen. Überhaupt war dieser für seine Kunst, lebende Bilder zu stellen, berühmt.

Kruspe war mit der aus Heiligenstadt gebürtigen Dorothea Witzel verheiratet. Der Ehe entsprossen zwei Söhne und zwei Töchter.

Werke / Veröffentlichungen / Verbleib

Erfurter Bilder-Chronik, 1879
Neuester Führer durch die Stadt Erfurt, 1878/1879
Erfurter Dom-Sagen [um 1888] und Sagen von Erfurt (2 Bände, 1. 1877)
Beiträge zur Erfurter Kunstgeschichte, 1889
Das Stadtarchiv Erfurt verwahrt einen von Kruspe zusammengestellten Sammelband „Erfurts Kunst-Denkmale - Eine Sammlung aller Urteile, Beschreibungen, Notizen über die Kunstschätze Erfurts". Darin Vorsatz und Leitmotiv: „Aller Kunst Anfang liegt in den Beziehungen der Menschheit zur Gottheit und zum Leben nach dem Tode". (zitiert aus: Ernst Försters „Geschichte der deutschen Kunst")
Der Erfurter Todtentanz, 5 Bl., 1845. Kopien (kleinformatige Zeichnungen) der Bilder des „Erfurter Totentanzes",  welche einen Einblick in die sozialen Verhältnisse des 18. Jahrhunderts wiedergeben. Sie wurden in der Ausstellung des Erfurter Malers Jacob Samuel Beck vom 18. Oktober 2015 bis 17. Januar 2016 im Erfurter Angermuseum gezeigt.

Straßenbenennung

Der Kruspeweg führt von der Kranichfelder Straße in Richtung Dornheimer-Straße. Diese Straßenbezeichnung wurde 1947 durch den Rat der Stadt zur Erinnerung eines um Erfurt hochverdienten Mannes festgelegt.

Quellen

Übernahme aus Amtsblatt Erfurt, Berühmte Erfurter Persönlichkeiten (1), 1993
Bodo Fischer, um 1993

Letzte Aktualisierung ( 01. 11. 2016 )
 
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