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21. 11. 2017
Beyer, Constantin – Maler, Zeichner, Karikaturist, Historiker PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Detlef Tonn   
12. 04. 2016
Letzter Erfurter Stadtchronist

* 19. November 1761 in Erfurt
† 16. August 1829 ebenda

In der langen Reihe der Erfurter Chronisten ist Constantin Beyer der letzte und daher wohl auch der bekannteste. Seine „Neue Chronik von Erfurt oder Erzählung alles dessen, was sich von 1736-1815 in Erfurt Denkwürdiges ereignet", 1821 erschienen, ist mit ihrem 1823 herausgegebenen Nachtrag eine unentbehrliche Quelle für jeden, der die Erfurter Begebenheiten jener bedeutsamen acht Jahrzehnte kennenlernen will. Wir wissen, dass er, als er 1819 an die Abfassung der Chronik ging, amtliches Aktenmaterial sowie die Zeitungen ausgiebig und gewissenhaft benutzte. Diesen Quellen entstammen die genauen Nachrichten über Art und Zahl der in den langen Kriegsjahren von 1792 bis 1814 durch Erfurt marschierenden Truppen, deren Verpflegung und Einquartierung, desgleichen die behördlichen Erlasse und Aufrufe, überhaupt alles in weitestem Sinne statistische Material, das die Chronik in so reichem Maße bringt. Seine besten Quellen aber waren seine eigenen, 1786 begonnenen und bis zu seinem Lebensende durchgeführten Tagebücher.

Caspar Constantin Beyer wurde 1761 in dem Hause zum Bürgerstreit auf dem Plänchen, heute Lange Brücke 36, wo sein Vater eine Holzhandlung betrieb, geboren. Er entstammte einer alteingesessenen und angesehenen Erfurter Familie. Nach dem Besuch der Barfüßerschule und des Ratsgymnasiums und studierte er ab 1779 Rechtswissenschaft an der Universität Erfurt. Einen akademischen Grad hat er nicht erworben. Er trat in den städtischen Verwaltungsdienst, d.h. er wurde Mitglied des Rates, 1788 als Vormundschaftsbeamter, 1797 als Stadtvogt, ein Titel, mit dem er fortan behördlich geführt wurde. Obwohl ihn diese Verwaltungstätigkeit nicht voll befriedigte, hat er es tief bedauert, dass man ihn, nachdem Erfurt preußisch geworden war, 1803 mit einer kärglichen Pension aus dem städtischen Dienst entließ. Schon 1796 hatte er zusammen mit dem Buchhändler Maring eine Buchhandlung angekauft und durch eine Leihbibliothek erweitert. In den schweren Zeiten der Franzosenherrschaft (1806-1814) und den nicht minder schweren Jahren nach Erfurts Wiedervereinigung mit Preußen hat Beyer seelisch und wirtschaftlich stark gelitten, wirtschaftlich, weil das Geschäft nicht mehr viel einbrachte, seelisch, weil er die Franzosen hasste, das preußische Wesen aber ihm zuwider war und die Behandlung seiner Vaterstadt durch die Preußen ihn empörte. Wirklich Not hat er zwar nicht kennengelernt, aber er war fast immer in Geldschwierigkeiten. Wenn er sich nicht Nebeneinnahmen verschafft hätte, hätte er manchmal gedarbt, obgleich ihm seine seit 1815 von den Franzosen vorenthaltene Pension wieder ausgezahlt wurde. Im Jahre 1816 verzichtete er auf seinen Anteil an der Buchhandlung und übernahm allein die Leihbibliothek, obwohl sie kaum noch etwas einbrachte.

Ein starkes Interesse besaß Beyer zeitlebens an Geschichte und Sprachen. Neben seiner Chronik veröffentlichte er zahlreiche Aufsätze über Erfurter Geschichte, die meist in der "Thüringer Vaterlandskunde" erschienen. Weniger bekannt als Beyers chronistische Arbeit ist sein malerisches und zeichnerisches Schaffen. Seine stärkste Begabung lag auf dem Gebiet der bildenden Kunst. Sie befähigte ihn auch, der Karikaturenzeichner zu werden, als der er in Erfurt und weit darüber hinaus einen Namen hatte. Seine Blätter waren sehr begehrt.

Mit der Zeit war er eine stadtbekannte, äußerst beliebte Persönlichkeit geworden. Im April 1829 begann er zu kränkeln, am 1. August machte er seine letzte Tagebucheintragung, am 16. August ist er gestorben.

Werke / Veröffentlichungen / Verbleib

Neue Chronik von Erfurt oder Erzählung alles dessen, was sich von 1736-1815 in Erfurt Denkwürdiges ereignet. 1821, Nachtrag 1823
Aufsätze über Erfurter Geschichte in: "Thüringer Vaterlandskunde" u.a.
Zahlreiche Zeichnungen in den Sondersammlungen der Wissenschaftlichen Allgemeinbibliothek Erfurts
Bilder des Malers im Bestand des Stadtmuseums, vorrangig Ereignisdarstellungen
Dazu 1993 zwei Ankäufe und eine Schenkung des Vereins "Förderer des Stadtgeschichtsmuseums" - eine lavierte Tuschezeichnung mit französischem Textfragment, wahrscheinlich ein Briefausschnitt, aus der Feder Constantin Beyers.

Straßenbenennung

In seiner Sitzung vom 21. Mai 1993 hat der Rat der Stadt für den Verbindungsweg zwischen Sonnenweg und Brühler Hohlweg den Namen Constantin-Beyer-Weg festgelegt.

Quelle

Übernahme aus Amtsblatt Erfurt, (R.B.) Berühmte Erfurter Persönlichkeiten (8), 1993

Letzte Aktualisierung ( 27. 10. 2016 )
 
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