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18. 12. 2017
Schaedel, Albin - Kunstglasbläser, Glaskünstler PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Detlef Tonn   
14. 04. 2016
Der Nestor der Thüringer Glaskunst war ein „Zauberer des Glases“

* 14. September 1905 in Neuhaus am Rennweg (Igelshieb, 1923 eingemeindet)
† 18. November 1999 ebenda

Albin Schaedel hat nicht nur die Qualitäten des Thüringer Glases entscheidend geprägt, sondern mit seinen einzigartigen Mosaik-, Band- und Fadengläsern den Ruhm Thüringer Glaskunst in die Welt getragen. Er war ein überaus experimentierfreudiger, innovativer Glaskünstler von internationalem Rang.
Viele jüngere Glasgestalter haben in der von ihm entwickelten Art zu arbeiten begonnen und sind dann eigene Wege gegangen. Die "erstarrte Flüssigkeit" Glas ist ein faszinierender Werkstoff künstlerischer Gestaltung, voller Zauber und Poesie, Schönheit und Transparenz, dem immer wieder neue, ungeahnte Ausdrucks- und Wirkungsmöglichkeiten abzuringen sind. "Glas birgt noch viele Geheimnisse, die der Erschließung harren und jeder Glasgestaltergeneration ihre Aufgaben stellen werden", hat Albin Schaedel einmal gesagt, und dieses Wort kann man wohl als sein Vermächtnis ansehen.

Albin Schaedel, aus der Glasbläsertradition des Lauscha-Steinacher Gebietes kommend, erlernte in seinem Geburtsort Neuhaus das Kunstglasbläserhandwerk und war seit 1934  als selbständiger Kunstglasbläser tätig. In den 1950er Jahren gab er die glasplastische Tiergestaltung ganz auf und wandte sich der Gefäßgestaltung im lampengeblasenen Glas zu. Am Anfang stehen einfarbige bzw. rauchfarbene Gläser fast ohne Dekore, material- und funktionsgerecht, von klassischer Strenge und zarter Durchsichtigkeit: Vasen mit Tellerfuß, Henkelvasen, Krüglein, Kännchen und Schälchen, die das schlichte und volkstümliche Gebrauchsgut früherer Jahrhunderte aufnehmen.

Die Auseinandersetzung mit dem venezianischen Glas brachte dem Künstler neue Anregungen und Erkenntnisse. D i e  Erfindung der venezianischen Glasbläser des 16. Jahrhunderts war zweifellos die des Fadenglases gewesen. Nichts sollte den Blick von dem rhythmischen Spiel der weißen Fäden ablenken. Albin Schaedel legte bald gleichfarbige Glasfäden vertikal auf die Wandung und verschmolz sie, indem er gleichzeitig die Fäden zu einer Spirale verdrehte, zu reliefartigen Oberflächen. Die Laufrichtung der Fäden vermochte er bald in beliebiger Weise zu lenken. So gelang ihm eine eigenständige Weiterentwicklung der altvenezianischen Netz- und Fadenglastechnik.

Zu Beginn der 1960er Jahre stellte er die ersten Gläser mit mosaikartig zusammengesetzten, farbigen Einschlüssen in farblosen oder einfarbigen Glaskörpern her. Empfindlich wirkt die Farbe auf die ModelIierung der Form ein, verlangt das sensible Feingefühl für den rechten Einsatz seiner sichtbaren Funktion. Ist das ästhetisch Angemessene gefunden, vermag das Glas als Farb- und Dekorträger des Raumes, als Gefäß für den Trank oder Behältnis für Pflanzen, als repräsentatives Zierglas überhaupt in seiner farbigen Glut und starken Leuchtkraft ein geistig-emotionales Erlebnis festzuhalten.

Mit Hilfe komplizierter Verfahren und durch die innigste Einfühlung in den Charakter des hauchdünnen Glases wandte sich der Künstler vom reinen und elementaren Ausdruck  des Stoffes der differenzierteren Form, dem wechselnden Spiel der Oberflächen und der Belebung des Materials zu. Tansparente Farbüberfänge, Mosaiktechniken, Oberflächenstrukturen geben neue Reize und markieren das Streben, dem Kunstglas den unserer Zeit gemäßen Reichtum zu geben.

Rauchfarbenes Glas mit Manganmaserung finden wir zwar auch noch in den 70er-Jahren, aber dazu tritt in fantasievoller Dekorfreudigkeit und Freude am Spiel der Farben: grünes Glas mit Kupferreduktion, weißes Anlaufglas mit manganfarbener Äderung, Glas mit Bänderung, grünes, rotes oder gelbes Glas mit Dekorzone, blaues mit Kaulquappendekor, schwarzes mit mehrfarbigen Einschlüssen, grünes mit schwarzen Fadeneinlagen, Mosaikglas mit farbigen Flächen, Medaillonglas und weißes Fadenglas in vielfältigen Variationen.

Auch wenn wir als Betrachter des gelungenen Werkstückes kaum die direkte formende Auseinandersetzung mit den Materialien und Techniken zu erfassen vermögen, die Bewegtheit der Formfindung und des Gestaltwerdens ist in dem Glaskörper eingefangen. Die herkömmlichen Faden- und Bänderdekore wurden so differenziert, variiert und verfeinert, dass dem Glas immer neue, überraschende Möglichkeiten abgewonnen wurden.

Die weich fließenden Umrisslinien bilden bei den farbigen Schaedel-Gläsern einen spannungsreichen Zusammenklang mit den leuchtend gegeneinander gesetzten Farbnuancen. Stimmungsmotive, musikalische wie malerische, ergeben sich und regen die Fantasie an. Wir vermögen den aufschließenden Strahl einer Fontäne in der kryolithfarbenen Maserung des einfarbigen Glases, den Sonnenaufgang am Meer durch in blaues Glas eingeschmolzene gelbe und rote Bänder oder jugendstilhaft fließend bewegte Motive durch auseinander gesetzte Dekorzonen auf gelbem oder rotem Glas zu erkennen.

1980 musste Schaedel aus gesundheitlichen Gründen die Arbeit vor der Glasflamme aufgeben. Er war zweimal verheiratet, verlor frühzeitig beide Ehefrauen.
In Neuhaus am Rennweg, dort wo alles begann, schloss sich auch sein schaffensreich erfüllter Lebenskreis. Der „Zauberer des Glases“ verstarb im Alter von 94 Jahren bei seinem Sohn am Rennsteig. Und dort befindet sich auch sein Grab.
Klaus Hammer

Werke / Verbleib

Seine Arbeiten befinden sich in den großen Museen des In- und Auslandes.
Das Angermuseum in Erfurt besitzt mit 106 Stücken (2010) die größte Sammlung seiner Glasgefäße.
Museum Geisslerhaus in Neuhaus am Rennweg
→ http://www.foerderverein-geisslerhaus.de/kuenstler.aspx
→ Neuhaus am Rennweg, Museum Geißlerhaus

Ehrungen

Er wurde vielfach gewürdigt, u.a.:
Ehrenbürger von Arnstadt 1993, seit 1954 seine Wahlheimat
Ehrenbürger von Neuhaus am Rennweg 1994

Quelle

Übernahme aus TA v. 20. November 1999, Nachruf (leicht verändert)

Letzte Aktualisierung ( 01. 11. 2016 )
 
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