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29. 03. 2017
Baum, Paul - Zeichner, Landschaftsmaler und Grafiker PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Detlef Tonn   
19. 04. 2016
Vom „grauen Baum“ zum deutschen Impressionisten

* 22. September 1859 in Meißen
† 15. Mai 1932 San Gimignano, Italien

Paul Baum
Hermann Kätelhön: Paul Baum, Radierung© wikiwand.com

Vertreter der „Weimarer Malerschule“ (1860-1900)
Lehrer: Hagen (1878-87)

„Er war der Sohn eines Elbschiffers. Nach dem frühen Tod des Vaters hatte er sein Zeichentalent sogleich benutzen müssen, um in der Meißner Porzellanmanufaktur seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Als er danach in der Lage war, die Dresdner Akademie zu besuchen, fand er dort, wo alternde Professoren nach alten Rezepten Landschaftsmalerei lehrten, keine Befriedigung. Er hörte von Weimar und wurde nachdrücklich auf Theodor Hagen (1842-1919) als den besten Lehrer für Landschaft hingewiesen. Auch das wohlfeile Leben in Weimar und an der Kunstschule dürfte erwähnt worden sein, es war für Paul Baum wichtig.

Er ging 1878 nach Weimar zu Hagen und fand mit seiner präzisen Zeichenkunst, seinem Fleiß bald die Anerkennung und die Förderung, die die Kunstschule bieten konnte. Er erhielt eine Freistelle, später ein freies eigenes Atelier und gelegentlich auch kleine Geldprämien. Baum war ein schlichter Mensch; er fand sich schnell in der Weimarer Landschaft und unter den bescheideneren Künstlern zurecht, die nicht im Künstlerverein zu Hause waren und nicht gesellschaftliche Veranstaltungen bei Anwesenheit des großherzoglichen Hofes besuchen konnten. Franz Bunke, Paul Riess, Richard Lorenz, Paul Tübbecke, Jacob Eichhorn waren Baums Kameraden. Fast zu jeder Jahreszeit, bei Wind und Wetter war er zeichnend im Freien und erarbeitete sich die Landschaft um Weimar, die naheliegenden Dörfer ebenso wie die dörflichen Stadtränder. Erstmals stellte er im April 1880 Landschaften aus.
Seine Frühwerke aus dieser Zeit gehören heute neben Gemälden von Rohlfs und Buchholz zu den schönsten Leistungen der Weimarer Malerschule des Vorimpressionismus.

Paul Baum: Am Asbach vor Weimar
Paul Baum: Am Asbach vor Weimar, Öl 1885© reproarte.com

Auch mit dem Pinsel blieb Paul Baum immer ein Zeichner. Kleine Bildchen mit niedrigem Horizont und viel Himmel entstanden, in denen eine Stimmung gesucht wurde, die dem vorwiegend graphischen Empfinden entsprach: Vorfrühlingsbilder, in denen die Vegetation noch ruht, Wintermotive mit einer starken Schwarz-Weiß-Wirkung. Obwohl dem Gegenstand nach manchmal Ähnlichkeiten mit Arbeiten von Buchholz bestehen, trug Baum jedoch nicht eigene Gemütsstimmungen in seine Bilder hinein. Seine Gemälde haben Naturstimmung. Aus vielen Dutzend von Naturstudien, die er etwa für ein Frühlingsbild bei Wind und Wetter, oft von der Kälte zum Aufhören gezwungen, in den Feldern um Weimar zusammentrug, erarbeitete er im Atelier danach ein Bild, dem nicht mehr viel von den Studien anzumerken war. Gesamtmotiv, Staffage, jahreszeitliche und atmosphärische Stimmung sind zu einer künstlerischen Einheit geworden, wobei der Atelierton eine gewisse Begründung durch Jahreszeit und Witterung findet.

Sein Lehrer Theodor Hagen und Weimarer Kollegen haben Paul Baum in jener Zeit den 'deutschen Daubigny' genannt. Mit den bescheidenen Prämien, die die Kunstschule zu vergeben hatte, fand Baum Unterstützung. 1880 erhielt er einen Preis von 300 Mark, ebenso 1884. Die gleiche Summe brachte ihm 1882 der Auftrag, für den Weimarer Großherzog eine Ansicht der Wartburg zu malen. Auch sonst fehlte es nicht an Käufern, weil Paul Baum sich nicht scheute, Rahmenmacher und Vergolder in Weimar billig mit kleinen Gemälden zu beliefern, die dann gerahmt ihren Weg als Weimar-Andenken nahmen. Selbst an Schuster und Schneider gingen seine Bildchen als Bezahlung für deren Arbeiten und fanden so Eingang in die Handwerkerhäuser der Stadt.

Paul Baum: Weg nach Niedergrunstedt bei Weimar
Paul Baum: Weg nach Niedergrunstedt bei Weimar, Öl 1886© reproarte.com

Mitte der 1880er Jahre scheint Baum jedoch mit seinem bisherigen Schaffen unzufrieden geworden zu sein. Möglicherweise war es die Anschauung der ersten Landschaftsbilder von Christian Rohlfs, vielleicht auch der Eindruck der freien und starken Pinselarbeit in den Gemälden des neuen Professors der Kunstschule, Leopold Graf von Kalckreuth, die Paul Baum seiner farbarmen und jahreszeitlich einseitigen Motive überdrüssig werden ließen. Es drängte ihn zur Primamalerei statt des mühseligen Lasierens und Schleifens im Atelier; es drängte ihn, auch dem vollen Frühling, dem Sommer selbst mit seiner Landschaftskunst gerecht werden zu können. Versuche, die er nach Rohlf's Vorbild mit freien Pinselzügen und Spachtelauftrag der Farben anstellte, blieben unbefriedigend. Und auf die wichtigste Frage, die der impressionistischen Farbbehandlung in der Freiluftmalerei, konnte Baum auch in Weimar keine Antwort erhalten, weil hier ebenso wie in den anderen Akademiestädten Deutschlands Arbeiten französischer Impressionisten im Original nicht bekannt waren. Nach schönen Leistungen, doch unbefriedigt, verließ Paul Baum 1887, nach neun Jahren Weimar, um anderswo zu versuchen, den 'deutschen Daubigny' und den 'grauen Baum' abzustreifen.

Bereits im Dezember 1891 und im Juni 1892 sandte Baum seine ersten gemalten impressionistischen Gemälde von seiner Arbeit im Sommerlager der belgischen Impressionisten und Pointillisten, Knocke zur mer an der belgischen Meeresküste zur Ausstellung nach Weimar, was ihm den Ruf, als der erste „deutsche Impressionist“ zu gelten, eintrug. Für die gesamte kleine Weimarer Künstlergemeinschaft, Rohlfs inbegriffen, werden die Gemälde eine große Überraschung gewesen sein.  Mit Titeln wie Kornernte Nachmittagssonne, Dünenweg  Nachmittagssonne sagten die Arbeiten aus, dass es sich um ausgesprochene Impressionen einer genau bestimmten atmosphärischen Situation handelte, in der ein Kornfeld oder ein Dünenweg erschienen war. Seine Weimarer Lehrer und die älteren Studierenden oder Meisterschüler hatten Paul Baums Arbeiten aus seinen Weimarer Jahren 1880 bis 1887 in guter Erinnerung. Auch waren in den musealen Räumen der 'Permanenten' noch Gemälde von ihm ausgestellt, so der Weg nach Niedergrunstedt aus jener Zeit, als man ihn in Weimar den 'deutschen Daubigny' genannt hatte. Mit unendlichem Bemühen hatte Baum damals seine feinformigen Spätherbst-, Winter- und Märzlandschaften wie gesagt im Atelier mit Lasieren und Schleifen aufgebaut nach Studien, die er vor der Natur in Kälte und Regen gewonnen hatte. Und nun stand der gleiche Künstler nach nur vier Jahren der Abwesenheit mit Gemälden vor Augen, die Hochsommer an der See und gleißende Nordseedünen zum Thema hatten, gemalt in den Farben der Impressionisten und mit spontaner Pinselführung.

Immerhin war Paul Baum von Weimar her durch die undogmatische Lehre Hagens und der Kunstschule für eine solche Wandlung vorbereitet gewesen. Er selbst hatte bei seiner Malweise als 'deutscher Daubigny' für die Dauer keine Befriedigung gefunden. Vielleicht hatte er auch Hagens Benennung als 'der graue Baum' mit Recht für eine sanfte Mahnung gehalten. Nach Rohlfs' Vorbild hatte er sich um 1885 in einer lebhafteren Spachtelmalerei mit Farbrelief versucht. Er war jedoch auch mit dem Pinsel viel zu sehr Zeichner, als dass er auf diesem Wege zu einem befriedigenden Ergebnis gekommen wäre. Unruhig verließ er im Herbst 1887 Weimar, ging in seine Meißener Heimat zurück und leistete danach, nachdem er noch völlig verfehlt bei Preller dem Jüngeren an der Dresdner Akademie gearbeitet hatte, den Schwur, nur noch vor der Natur malen zu wollen. Dieses Gelöbnis löste er im Frühjahr und Sommer 1889 in München und mehr noch in Dachau ein. Er gewann lichtere Farben und verlor die Scheu vor dem sommerlichen Motiv. Hatte man zuvor an Daubigny gedacht, so wären nun die Spätwerke von Corot vor Baums Landschaften in Erinnerung gekommen. Doch auch mit dieser Arbeit war Baum nicht zufrieden, er suchte weiter. 1890 ging er mit Max Stremel (1859-1928) nach Paris und wahrscheinlich weiter nach Brüssel, wo damals die belgische Künstlervereinigung 'Vingt' in gewissem Sinne die früheren Pariser Ausstellungen der Impressionisten fortsetzte. Danach arbeitete Paul Baum mit Max Stremel im Sommer 1890 oder 1891 in dem belgischen Fischerdorf Knocke sur mer. Im dortigen Sommerlager der französischen und belgischen Künstler hatte Max Stremel schon zuvor geweilt, als er noch in Paris lebte. Was Paul Baum in den Ausstellungen und danach im Kreise der impressionistisch oder pointillistisch arbeitenden Belgier und Franzosen sah, bestärkte seinen Entschluß, nur noch vor der Natur zu malen, und gab ihm, was wichtiger war, mit dem neuen Sehen der Farben und mit der Palette aus Spektralfarben endlich auch die Möglichkeit, sein Wollen in Werke umzusetzen. Von dieser Arbeit in Knocke zur mer zeugten in ihrer neuen Anschauung und Technik die Gemälde, die er 1891/92 nach Weimar und München sandte. In München wurde er bei der Ausstellung im Glaspalast mit seinen 'hell und farbfrisch' gemalten Sommenlandschaften durchaus noch zu Weimar gerechnet.“ (Scheidig)

Werke / Verbleib
  • Erfurt, Angermuseum:
    1 Bild wird in der Gemäldegalerie in der 1. Etage präsentiert (Stand 2017).
    (D = In der Dauerausstellung der Gemäldegalerie des Angermuseums zu sehen. Zur Orientierung: Der Galeriesaal wird durch Wandelemente gegliedert in einen mittleren Bereich – Mittelgang zwischen den sich automatisch öffnenden Türen und zwei seitlichen Bereichen mit verdunkelten Fenstern, nach N – Angerseite sowie nach S – Hofseite.)
    Niedergrundstedt bei Weimar, 1888, erworben 1920 (D, Hofseite, neben Werken von Karl Buchholz und Christian Rohlfs).
  • Weimar, Klassik Stiftung, Schlossmuseum im Stadtschloss:
    Ebene 2, Landschaftsmalerei der Weimarer Malerschule
    Weg nach Niedergrunstedt, 1886
  • Vorfrühling - Am Lottenbach vor Weimar, 1885, Sammlung Sander
    (waren beide in der Ausstellung „Hinaus in die Natur ...“)
Ehrungen / Preise

1880, 1882, 1884 Preise der Weimarer Kunstschule von jeweils 300 Mark

Ausstellungen
  • Weimar 1880-87, 1891/92: „Permanente Kunstausstellung“ 
  • Weimar Dezember 1885: Jubiläumsausstellung der Kunstschule: 2x Landschaft
  • Berlin 1891, Internationale Kunst-Ausstellung veranstaltet vom Verein Berliner Künstler anlässlich seines fünfzigjährigen Bestehens, 1841-1891. Paul Baum mit den drei Bildern vertreten: Frühlingslandschaft, Letzter Schnee, Vorfrühling. Katalog zur Ausstellung im Verlag des Vereins Berliner Künstler, Berlin 1891
  • Berlin 14.September bis 31.Oktober 1957, Nationalgalerie Berlin: Ausstellung Deutsche Landschaftsmalerei 1800-1914.
  • Weimar 2010, Neues Museum Weimar: Hinaus in die Natur! Barbizon, die Weimarer Malerschule und der Aufbruch zum Impressionismus. Weimar, 14. März bis 30. Mai 2010. Katalog zur Ausstellung im Kerber Verlag
Quelle

Übernahme aus: Scheidig, Walther: Die Weimarer Malerschule 1860 - 1900, Leipzig 1991.

Literatur

Hitzeroth, Karl: Paul Baum, Dresden 1937

Letzte Aktualisierung ( 09. 02. 2017 )
 
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