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23. 04. 2017
Domblick vom Erfurter Steigerwald wieder frei PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Detlef Tonn   
10. 05. 2016
phot. D.Tonn
Historischer Aussichtspunkt erneuert
Rastplatz Domblick
Rastplatz Domblick oberhalb Silberhütte

Auf einer Tour an einem der sonnigen Maitage 2016 durch den Erfurter Steigerwald führte eine Schleife vom Stern aus nicht über die Sternstraße sondern in einem Bogen westlich von dieser in nördliche Richtung - an der Revierförsterei vorbei, nach links in den Hedemannsweg eingebogen und weiter den Nordhang des Steigers hinunter Richtung Silberhütte. Sie ist vielleicht den älteren Erfurtern oder den an früherer Gastronomie Interessierten noch ein Begriff, galt sie doch als sehr beliebtes Ausflugsziel für den gepflegten Sonntagsspaziergang mit Kaffeepause.

Für die etwas anspruchsvollere Betätigung war der nahegelegene Domblick angelegt. Nach einem kurzen Anstieg folgte für die investierte Anstrengung die Belohnung durch einen idyllisch von Baumkronen umrahmten Stadtblick auf das Erfurter Wahrzeichen. Der Blick schließt neben der Domkirche, wie allgemein bekannt, auch die Severikirche mit ein.
Es gibt gewiss nicht nur diesen einen Domblick vom Nordhang des Steigers. Er bietet sich z.B. auch östlich auf der Sängerwiese. Aber als Domblick ist derjenige oberhalb der Silberhütte auf vielen Kartenplänen auch heute noch so bezeichnet und er ist historisch begründet.
Vor mehr als 100 Jahren, als das „Fernsehen“ zu hause noch in ferner Zukunft lag, waren die gerahmten Bellevue-Sichten in der freien Natur allerorten äußerst beliebt.
In Zinnowitz auf der Ostseeinsel Usedom verkaufte man z.B. in jener Zeit frühe Ansichtskarten an die Urlauber, die den Blick auf die vor der Küste liegende Insel Oie darstellten.

So war es über eine lange Zeit auch beim Domblick, bis die Natur das Sichtfenster zuwachsen ließ. Das war auch in den letzten Jahren der Fall und die Verheißung die man an dem Hinweisschild Domblick noch empfing, mündete regelmäßig in eine Enttäuschung ob des fehlenden Ausblicks. Dennoch die Hoffnung blieb und bei der hier vorgestellten Tour sollte wieder einmal ein Test gemacht werden.

Domblick vergrössert
Vergrößerter Blick auf Dom (re.) und Severikirche

Die Überraschung war entsprechend groß, denn der Domblick zeigte sich wie versprochen, in seiner ganzen romantischen Schönheit, nur durch wenige Zweige etwas eingeschränkt.

Pflegemaßnahmen im vergangenen Jahr 2015 hatten es wohl möglich gemacht, der Domblick war wieder frei. Auch der Aussichtspunkt konnte angemessen etwas hergerichtet werden als Rastplatz mit Bank und Tisch, unterhalb der durch wenige Stufen eingefassten früheren Bellevue-Terasse. Der wohlgeformte Tisch enthält eine Überraschung. Er birgt in der Schublade, geschützt in einem Sanitätskasten, das Domblick-Buch. Es handelt sich wie mitgeteilt wird, bereits um das 4. Buch. Die begrüßende Einleitung schließt das Steigerwald-Gedicht von Max Timpel ein. Davon inspiriert finden sich im Buch individuelle prosaische und zeichnerische Versuche. Nach den Einträgen wird der Aussichtspunkt zu allen Zeiten aufgesucht, selbst am Heiligabend! Unter den Autoren ist sogar die Revierförsterin Uta Krispin - ihr Forsthaus liegt gleich um die Ecke - die sich durch einen Eintrag Ende November 2015 direkt an die Waldbesucher wendet, um Verständnis für die anstehende Walderneuerung (Durchforstung) bittet und eine schnellstmögliche Erledigung der Arbeiten verspricht. Es empfiehlt sich also durchaus, in dem Buch zu blättern, auch wenn einige Seiten dies nicht unbedingt als lohnend erscheinen lassen. Die Verszeile im Buch, wo der hörbare Glockenklang beschrieben wird, konnte beim eigenen Besuch nachempfunden werden.
Sogar für etwas zusätzliche Lektüre ist gesorgt. Zwischen zwei Bäumen ist ein Bücherboard eingefügt, darauf sind einige bekannte Titel Belletristik aufgereiht – allerdings in Massiv-Holz ausgeführt. Etwas Spaß muss auch sein!

Eichhörnchen am Domblick
Eichhörnchen am Domblick

Den kleinen Waldbewohner, das Eichhörnchen, aus unmittelbarer Nachbarschaft, interessierte dies derweil reichlich wenig. Es hat halt ständig mit Nahrungsbeschaffung und -aufnahme zu tun und ist darin teils so vertieft, das er selbst den Menschen in seiner Nähe nicht gleich mit Flucht quittiert. Die Ruhestörung hielt sich aber in Grenzen und die schöne Rundtour konnte fortgesetzt werden. Der Wanderer befand sich dann bald auf dem Holzweg (!), zurück zum Stern.

Hinweise:

Die Silberhütte kann als Anfangs- und Endpunkt einer Rundwanderung durch den Steiger gewählt werden, Besuch des Domblicks inclusive. Ein kleiner Parkplatz, der sich direkt am Wegweiser Silberhütte befindet, ist von der Parkstraße aus zu erreichen, nach der ehemaligen Steigerbrauerei (heute Innenministerium) erster Abzweig rechts, An der Silberhütte.

Ein weiterer Domblick eröffnet sich vom Weg am Steiger-Nordrand über der Bahntrasse zwischen Silberhütte und Schneekopfblick (NW-Eckpunkt Steiger über der Gera; dort ohne Domblick), möglich geworden durch das Entfernen einer Gebüschzeile am Bahnhang. Etwas beeinträchtigt wird das Blickfeld allerdings durch Leitungen und Masten.

Domblick vom Steiger-NordrandDomblick vom Steiger-Nordrand, vergrößert

Weitere "Domblicke"
  • Tannenwäldchen, n bzw. unterhalb der ehemaligen Steiger-Kaserne, heute Büropark, u.a. mit Hauptzollamt  :

Domblick vom TannenwäldchenDomblick vom Tannenwäldchen, vergrößert

  • Waldcasino, genauer n bzw. unterhalb davon, N-Rand des Parkplatzes:

Domblick vom WaldcasinoDomblick vom Waldcasino, vergrößert

Letzte Aktualisierung ( 23. 06. 2016 )
 
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