www.mamboteam.com
Startseite arrow Persönlichkeiten arrow Lucas, Eduard – Pomologe, zu seinem 200. Geburtstag
26. 05. 2017
Lucas, Eduard – Pomologe, zu seinem 200. Geburtstag PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Detlef Tonn   
11. 10. 2016
Begründer des 1. Pomologischen Instituts in Reutlingen und damit der ersten höheren Fachschule für Obst- und Gartenbau in Deutschland

* 19. Juli 1816 in Erfurt
† 24. Juli 1882 in Reutlingen

Portraet E.Lucas
Porträt Eduard Lucas

Vor 200 Jahren wurde Eduard Lucas als Sohn einer Erfurter Arztfamilie geboren.
Bereits mit 10 Jahren zum Vollwaisen geworden, nahm ihn sein Onkel, der Apotheker Christian Lucas, Inhaber der Erfurter Mohrenapotheke, bei sich auf. Eduard zeigte bereits in seiner Jugend seine Leidenschaft für Botanik, Garten- und Obstbau. Regelmäßig besuchte er die Erfurter Gärtnerei von Friedrich Adolph Haage jun.

Zielstrebig wandte sich Eduard bald vollständig der Gärtnerei zu. Seine ersten Schritte dabei ebneten und begleiteten Erfurter Verbindungen. Eine Lehre in Dessau vermittelte ihm Friedrich Haage und an seiner zweiten Arbeitsstelle, dem Botanischen Garten der Universität Greifswald, stand mit Prof. Dr. Christian Friedrich Hornschuch, ein Freund seines Onkels als Direktor vor. Hier nahm er auch an botanischen Vorlesungen und Exkursionen teil.

1835 in seine Heimatstadt Erfurt zurückgekehrt, arbeitete er als Gärtnereigehilfe in der berühmten Handelsgärtnerei Friedrich Adolph Haage jun. (Kakteenhaage). Im Jahr darauf schickte Haage ihn in die Salzburger Alpen, um dort Pflanzen und Samen für einen in der Gärtnerei angelegten Felsengarten zu sammeln. Auf der Reise durch Süddeutschland lernte er verschiedene Gärtnereien, Gartenanlagen sowie die Botanischen Gärten in Erlangen, Regensburg und München kennen. Die dortigen Begegnungen sollten die Weichen für seinen weiteren Werdegang stellen.

Er blieb zunächst in München, wo in einer Gehilfenstelle am Botanischen Garten seine erworbenen Kenntnisse zu Kakteen und Gemüse anbringen konnte. Das durch seine Arbeit erworbenene Vertrauen ermöglichten ihm die Teilnahme an botanischen Vorlesungen und Exkursionen an der Universität München. Lucas unternahm gärtnerische Kulturversuche, bei denen er der Pflanzerde Kohlenstaub zusetzte.
Eine weitere Zwischenstation führte ihn ab 1841 als Leiter des botanischen Gartens nach  Regensburg, wo er sich grundlegende Kenntnisse über Obstbau und Pomologie aneignen konnte.
Hier heiratete er auch mit 25. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor, der erstgeborene einzige Sohn Friedrich sollte später die vom Vater gegründete Lehranstalt in Reutlingen weiterführen.

1843 wurde Lucas als Institutsgärtner an die Gartenbauschule Hohenheim berufen. Neben der Betreuung der Obstbaumschule und der Entwicklung der Obstkulturen, gehörten breitgefächerte Vorlesungen von Botanik bis Gemüse- und Obstbau zu seinen Aufgaben.

1860 gründete er in Reutlingen eine private Lehranstalt für Gartenbau, Obstkultur und Pomologie – kurz das Pomologische Institut, womit sich Lucas endgültig einen bleibenden Ruf in der Fachwelt des Obstbaus erwarb. Denn die Gründung hatte Vorbildwirkung für Deutschland mit etwa 50 nachfolgenden Obstbau-Ausbildungsstätten und darüber hinaus. Bis zur Schließung 1922 wurden in Reutlingen 3500 Schüler ausgebildet, von denen etwa ein Fünftel aus dem Ausland kam. Als bekanntester Schüler gilt der norwegische Fotograf und Pomologe Knud Knudsen.

Lucas entwickelte neue Veredelungsarten, Verbesserungen in der Baumpflege und in der Erziehung junger Obstbäume; leistete einen wesentlichen Beitrag zu Kategorisierung und Bestimmung von Obstsorten und trug maßgeblich zur Verbesserung und Erweiterung der damals vorhandenen Obstsortenklassifizierung nach Adrian Diel (1756 – 1839) bei.
Er war zudem einer der Initiatoren bei der Gründung des Deutschen Pomologen-Vereins 1860 und dessen erster Geschäftsführer. Der Vereinssitz war daher zunächst Reutlingen. Der Verein bestand bis 1919, 1991 gründete sich der Pomologen Verein e.V. neu mit Landesgruppen in allen Bundesländern sowie Luxemburg.

Fünf Tage nach seinem 66. Geburtstag verstarb der bedeutende Pomologe Eduard Lucas. Seine Grabstätte mit Obelisk befindet sich auf dem Friedhof „Unter den Linden“ in Reutlingen.

Werke 

48 Bücher. Sein Standardwerk „Die Lehre von der Obstbaumzucht“ wird bis heute aufgelegt (33. Auflage!).

Einrichtungen
  • Reutlingen, Friedrich-Ebert-Straße 2: Denkmalgeschütztes Wohnhaus von Eduard Lucas.
    Um das historische Erbe von Eduard Lucas, als einer bedeutenden Persönlichkeit der Stadt Reutlingen zu bewahren, soll hier auf Initiative des Kreisobstbauverbandes Reutlingen ein Streuobst-Informationszentrum als Teil des vor einigen Jahren gegründeten „Schwäbischen Streuobstpardieses“ entstehen. Damit soll auf die Bedeutung und den Wert von Streuobstwiesen und alten Obstsorten hingewiesen wird.
Ehrungen
Gedenkstein für E.Lucas
Gedenkstein für Eduard Lucas, Reutlingen, im Park Pomologie. Das Geburtsdatum ist statt 19.7.,
wie in den Quellen gleichlautend, hier einen Tag früher (18.7.) angegeben (?)Foto: Sammlung P. Weckherlin
  • Reutlingen, Friedrich-Ebert-Straße 2: Gedenktafel für Eduard Lucas an seinem Wohnhaus
  • Reutlingen, Parkanlage Pomologie: Gedenkstein für Eduard Lucas
  • Klassifizierungssystem Diel-Lucas für Obstsorten
  • Eduard-Lucas-Medaille
    Sie wird seit 2005 jährlich vom „Verein zur Erhaltung und Förderung alter Obstsorten e.V“ an eine Person verliehen, die sich um die Erhaltung von Streuobstwiesen und alte Obstsorten, verdient gemacht hat.
Benennungen
  • Reutlingen, Eduard-Lucas-Weg, direkt am ehem. Lucas' Wohnhaus, quert die Friedrich-Ebert-Straße
  • Essen, Eduard-Lucas-Straße (1937)
  • Eduard Lucas Weg, Mähringen (Friedhof), Ortsteil von Kusterdingen
    Der Weg führt vorbei am Ehrenbach, dem Naturdenkmal „ Linde“ beim Friedhof sowie den Streuobstwiesen des Schammberges und wird von einigen Info-Tafeln gesäumt.
Würdigung seines 200.Geburtstages
  • Sonderausstellung des Deutschen Landwirtschaftsmuseums der Universität Hohenheim  20.7. bis 16.10.2016:
    Leben und Wirken des Obstkundlers Eduard Lucas (1816–1882)
    Gewürdigt werden die Leistungen und Verdienste des Obstbau-Reformers. Der Gründer der hiesigen Gartenbauschule gehört zu den bedeutendsten Hohenheimer Persönlichkeiten des 19. Jhs.
Quellen
Letzte Aktualisierung ( 28. 10. 2016 )
 
< zurück   weiter >
Nach oben
Nach oben