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25. 06. 2017
Langethal, Christian Eduard - Botaniker, Agrarwissenschaftler / -historiker PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Detlef Tonn   
18. 10. 2016
Verfasser einer Reihe von Standardwerken zu Pflanzenkunde und Agrargeschichte

* 6. Januar 1806 in Erfurt
† 28. Juli 1878 in Jena

Christian Eduard Langethal wurde als Nachkömmling des aus Kranichfeld gebürtigen Schuhmachermeisters Christoph Heinrich Langethal im Haus Zur kleinen güldenen Glocke (Nr. 5) in der Langen Brücke in Erfurt geboren. Eine Gedenktafel an seinem Geburtshaus erinnert noch heute daran. Bereits im zarten Alter von drei Jahren verlor er die Mutter.

Nach dem Besuch der Predigerschule in Erfurt vermittelte ihm sein über 13 Jahre älterer Bruder Heinrich (1792-1879) der eng mit dem berühmten Pädagogen Friedrich Fröbel (1782-1852) befreundet war und später als Pädagoge mit diesem zusammenarbeitete, 1817 einen Platz als Zögling an Fröbels Erziehungsanstalt in Griesheim bei Stadtilm, die im gleichen Jahr nach Keilhau bei Rudolstadt verlegt wurde. Er war der erste Zögling der Einrichtung überhaupt, in der er über etwas mehr als 10 Jahre eine umfassende Ausbildung erhielt.

Ein positives Abgangszeugnis ermöglichte ihm von 1827 an ein Studium der Kameral- und Naturwissenschaften sowie der Botanik an der erst im Jahr zuvor gegründeten Landwirtschaftlichen Lehranstalt von Prof. Friedrich Gottlob Schulze (1795 bis 1860) in Jena. Zu Schulze entwickelte sich schnell eine freundschaftliches Verhältnis, er wurde in dessen Wohnhaus aufgenommen und erster Dozent an seinem Kameralistischen Institut. Dort war er zwischen 1832 und 1834 als Lehrer für Botanik und Feldmesskunst tätig. Im Januar 1834  promovierte er an der philosophischen Fakultät der Uni unter Prof. Karl Wilhelm Göttling (1793-1869) mit dem Thema Versuch einer Vereinigung des linnéeschen und justinusschen System durch Beobachtung der Zahlengesetze zum Dr. phil.

Bereits seit seinem ersten Studienjahr als Burschenschaftler aktiv, geriet Eduard aufgrund seiner Gesinnung in schweren Konflikt mit der preußischen Obrigkeit. Dies führte zu einer langjährigen Haftstrafe, die aber bereits nach einem Jahr in einen in Greifswald (Vorpommern) abzuleistenden Arrest umgewandelt wurde. Es ergab sich günstig, dass Langethal an die nahe gelegene Landwirtschaftliche Akademie in Eldena bei Greifswald gehen konnte, die sein Mentor Schulze kurz zuvor gegründet hatte. Dort hielt er für einige Wochen Vorlesungen zu Naturgeschichte.

Nach gemeinsamer Rückkehr mit Schulze 1839 an die Universität Jena, folgte seine Berufung zum außerordentlichen Professor für Landwirtschaftswissenschaften und Botanik. Er lehrte u.a. Botanik, Pflanzenphysiologie, speziellen Pflanzenbau, Mineralogie, Bodenkunde und Meteorologie! Seine öffentlich angelegten und seit 1845 regelmäßig stattfindenden Vorlesungen sowie die botanischen Exkursionen erfreuten sich reger Teilnahme. Dort brachte er den interessierten Jenaer Bürgern die reichhaltige Flora der Umgebung näher.

Geburtshaus von Eduard Langethal
Geburtshaus von Eduard Langethal - Haus
Zur kleinen güldenen Glocke (Nr. 5) in der
Langen Brücke in Erfurt
Erinnerungstafel am Geburtshaus von Eduard Langethal
Erinnerungstafel am Geburtshaus von Eduard Langethal, gestiftet von der Gesellschaft für
Geschichte und Literatur der Landwirtschaft, Weimar.Fotos: D.Tonn, 16.10.2016

Die gleichzeitige wissenschaftliche Arbeit im landwirtschaft-botanischen Versuchsgarten im Lehrgut Zwätzen bei Jena gab der Landwirtschaft landesweite Impulse.
Nach dem Tod Schulzes erlaubte Langethals zunehmende Altersschwerhörigkeit ihm zwar nur eine Interimsleitung der Landwirtschaftlichen Lehranstalt für gut ein Semester, an seinen Vorlesungen als Honorarprofessor, zu dem er 1861 berufen wurde, hielt er aber dennoch bis 1873 fest. Er bereicherte und betreute das Herbarium und andere Sammlungen im Landwirtschaftlichen Institut der Universität Jena, von den allerdings nichts erhalten blieb.

Neben seiner Lehrerschaft, einbezogen die populäre Wissensvermittlung, gewann Langethal mit seinem publizistischen Schaffen besonders zur landwirtschaftlichen Botanik und Agrargeschichte nachhaltigen weitreichenden Einfluss. Er war als Mitherausgeber und -autor an wichtigen floristischen und pomologischen Gesamtwerken beteiligt, wobei in den Florenwerken besonders die um Jena vorkommenden Arten hervorgehoben wurden. Langethal war Herausgeber einer verbesserten Ausgabe des Deutschen Obstcabinetts, die zwischen 1853 und 1864 in 65 Lieferungen erschien. Jede Lieferung umfasste die Beschreibung von 10 Obstsorten, die durch aufwendig colorierte Abbildungen ergänzt wurden.

Sein Lehrbuch der landwirthschaftlichen Pflanzenkunde galt mit der fundierten Beschreibung der wichtigsten landwirtschaftlichen Feldfrüchte, der Gemüse- und Arzneipflanzen, Obst- und Waldbäume jahrzehntelang als ein Standardwerk für Agrarwissenschaftler, Botaniker und Landwirte. Er zählt zu den ersten Botanikern Thüringens, die den spezifischen Zusammenhang zwischen Pflanzenwachstum und Witterung erkannten. Sein vorrangiges Interesse galt dem Gebrauchsnutzen eines Gewächses. Dass bis heute unter seinem Namen Veröffentlichungen erscheinen (s. unter Werke) legt beredtes Zeugnis ab von seinem bleibendem Schaffen.

Langethal war seit 1841 mit der Tochter des Jenaer Historikers Heinrich Luden (1778-1847) verheiratet. Er starb 72jährig, ein Jahr vor seinem älteren Bruder Heinrich, in Jena und wurde auf dem dortigen Johannisfriedhof beigesetzt.

Werke / Veröffentlichungen
Lehrbuch der landwirthschaftlichen Pflanzenkunde
Lehrbuch der landwirthschaftlichen
Pflanzenkunde, Jena 1847
Geschichte der deutschen Landwirthschaft
Geschichte d. teutschen Landwirthschaft,
Jena 1847Digitalisiert von Google
Deutsches Obstcabinet
Deutsches Obstcabinet, Jena 1853Digitalisiert von Humboldt-Universität zu Berlin
  • Flora von Thüringen und den angrenzenden Provinzen. 1-12 (Zenker, J. K., D. F. L. v. Schlechtendal & C. E. Langethal [ab Heft 39 im Bd. 4]). Jena 1836–1855
  • Flora von Deutschland. 1-30 (Schlechtendal, D. F. L. v. & L.[richtig: C.!] E. Langethal). Jena 1840-1873, 1888 (5. Aufl. bearb. von E. Hallier)
  • Lehrbuch der landwirthschaftlichen Pflanzenkunde für praktische Landwirthe und Freunde des Pflanzenreichs. 4 Theile. Jena 1841-1874 (jeweils mehrere Auflagen)
    Digitalisat: https://books.google.de/books?id=nz87AAAAcAAJ&printsec=frontcover&hl=de&source=gbs_ge_summary_r&cad=0#v=onepage&q&f=false
  • Die Gewächse des nördlichen Deutschlands nach ihren natürlichen Familien, Standörtern und Stoffen. Mit einem nach neuen Grundsätzen bearbeiteten Blüthen-Kalender. Jena 1843
  • Terminologie der beschreibenden Botanik. Nebst einem lateinisch-deutschen und deutsch-lateinischen Wörterbuche. Jena 1845, 2. Ausg. 1846)
  • Geschichte der teutschen Landwirthschaft. 4 Bände, Jena 1847-1856
    Digitalisat: https://books.google.de/books?id=en81AAAAMAAJ&printsec=frontcover&dq=eduard+langethal&hl=de&sa=X&redir_esc=y#v=onepage&q=eduard%20langethal&f=false
  • Langethal, L.[richtig: C.!] E. (Hrsg.): Deutsches Obstcabinet in naturgetreuen fein colorirten Abbildungen und Fruchtdurchschnitten zu Dittrich's systematischem Handbuche der Obstkunde und zu jedem pomologischen Werke nebst einer kurzen Beschreibung und Diagnose der Obstart. Neue [völlig überarbeitete und erheblich verbesserte] Auflage. 1853-64.
    I. Section, 1.-24. Lieferung: Äpfel, ab 1853; II. Section, 1.-12. Lieferung: Birnen; ab 1855; III. Section, 1.-8. Lieferung: Kirschen, 1855; IV. Section, 1.-9. Lieferung: Pflaumen, 1856; V. Section, 1.-4. Lieferung: Nüsse, ab 1857; VI. Section, 1.-3. Lieferung: Beeren, ab 1856; VII. Section, 1.-5. Lieferung: Pfirsiche, ab 1858.
    Digitalisate (über Links „Sect. 1-7“): http://gartentexte-digital.ub.tu-berlin.de/pomologie/Deutsches_Obstcabinet/deutsches_obstcabinet.html
  • Beschreibung der Gewächse Deutschlands, nach ihrer natürlichen Familien und ihrer Bedeutung für die Landwirtschaft. Jena 1858, 2. Aufl. 1868
  • Lehrbuch der landwirtschaftlichen Pflanzenkunde für praktische Landwirte (Teil 1-3). Die Süßgräser - Die Klee- und Wickpflanzen - Die Hackfrüchte und Küchenkräuter. Dresden 2014, 624 S.
Ehrungen
Jena, Stadtwald: Langethal-Denkmal
Jena, Stadtwald: Langethal-Denkmal, Obelisk mit InfotafelFoto: geocaching.com/Weltraumbaer
  • Erfurt, Lange Brücke 5: Erinnerungstafel am Geburtshaus, gestiftet von Gesellschaft für Geschichte und Literatur der Landwirtschaft, Weimar.
  • Jena, Löbdergraben 15a: Gedenktafel an dem Gebäude, in dem 1826 die erste landwirtschaftliche Schule unter Schulze eingerichtet wurde.
  • Jena, Stadtwald, Nähe Forsthaus: Langethal-Denkmal (Obelisk mit Porträtrelief, Inschrift „CH.E.LANGETHAL“), dazu Infotafel und Sitzgruppe; am Waldpfad Schlauer UX, siehe auch Karte zu einem Wandertag
Quellen
Anhang

Schulze, Friedrich G.: Das landwirthschaftliche Institut zu Jena. In: Deutsche Blätter für Landwirthschaft und Nationalökonomie. Heft I, Jena 1843, S. 59f unter §. 13. C. Verzeichnis der Vorträge, welche im landwirthschaftlichen Institute die verschiedenen Lehrer halten. …
IV. Herr Professor Langethal:

  1. Ökonomische Pflanzenkunde. In diesem Collegium wird die Botanik mit der Anatomie und Physiologie der Pflanzen, mit steter Beziehung auf Nützlichkeit und Schädlichkeit, auf Boden und Clima, vorgetragen und dabei vorzüglich das Linnésche System berücksichtigt.
  2. Das natürliche System der Pflanzen ist Gegenstand eines besondern Vortrags, der im Winter gehalten wird, da jenem Collegium der Sommer zugewiesen ist.
  3. Bonitirung der Felder, Wiesen und Weiden nach den wildwachsenden Pflanzen. Diese dritte, der Pflanzenkunde gewidmete Beschäftigung wird in jedem Sommer auf Wanderungen durch die Fluren des Kammerguts Zwätzen und anderer Güter mit denjenigen Herren vorgenommen, welche bereits jene zwei Vorlesungen gehört haben. Sie soll das Studium der Pflanzen- und Bodenkunde zugleich fördern.
  4. Ökonomische Mineralogie und Geognosie mit Benutzung der Mineraliensammlung des Instituts und des Großherzogl. mineralogischen Museums.
  5. Ökonomische Entomologie (Insectenkunde), besonders von den schädlichen Insecten.
  6. Witterungskunde (Climatologie und Meteorologie).
  7. Naturhistorische Vaterlandskunde.
    In diesem Vortrage werden die Verhältnisse Deutschlands in Bezug auf Gebirgs- und Bodenarten, Pflanzen- und Thierleben so beschrieben, daß derselbe an die Vorlesung des Directors über ökonomische Vaterlandskunde sich anschließt.
Letzte Aktualisierung ( 13. 01. 2017 )
 
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