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26. 03. 2017
Tiemeroth der Jüngere, Johann Heinrich – Botaniker, Pflanzenmaler PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Detlef Tonn   
29. 11. 2016
Erste naturgetreue Pflanzendarstellungen für Thüringen - er malte ein umfangreiches Herbarium zur Flora von Thüringen

In ihren Werken untrennbar miteinander verbunden: die wegbereitenden Floristen des 18. Jahrhunderts in Thüringen H.B. Rupp (→ Beitrag ) & J.H. Tiemeroth d.J. Tiemeroth ergänzte basierend auf Rupps Flora Jenensis (2. Aufl. 1726) diese durch seine bis dahin genauesten farblichen Darstellungen von selbst aufgefundenen Pflanzen der heimischen Flora.

* 20. April 1699 Erfurt
† 13. Januar 1768 Arnstadt

Über ihn war bis in unsere Zeit kaum etwas bekannt – ein fast vergessener Vertreter des 18. Jahrhunderts. Und das völlig zu Unrecht, denn sein erhalten gebliebenes Werk macht uns heute staunen. Immerhin ist er bereits im Universal-Lexikon von 1745 zu seiner und  des Vaters (!) Lebzeit, nach dem Vater und mit dessen identischen Namen aufgeführt:

„Tiemeroth oder Tiemroth, (Johann Heinrich) der Artzeneykunst Doctor, gebohren zu Erfurt den 20 April 1699. Sein Herr Vater war [richtig: 'ist, denn zum Druckzeitpunkt 1745 lebte der Vater noch] der vorstehende Johann Heinrich Tiemeroth, Assessor und Professor der Philosophischen Facultät und des Gymnasiums daselbst Rector, wie auch Pastor zu St. Michael. Er hat auf verschiedenen Academien studiret, und hat die Würde eines Doctors der Artzeneykunst auf seiner väterlichen Academie im Jahr 1723 erhalten. Blühendes Jena 1733, p.45“
(Zedler 1745)

 

J.H. Tiemeroth: Campanula Pyramidata (Pyramiden-Glockenblume)
J.H. Tiemeroth d.J.: Campanula Pyramidata ([C. pyramidalis]
Pyramiden-Glockenblume), Aquarell, Arnstadt 1738© Bibliothek des Naturhistorischen Museums
im Schloss Heidecksburg Rudolstadt, Sammlung Kaltschmied

Die heute verwendeten Namensanhänge „der Ältere (d.Ä.)“ resp. „der Jüngere (d.J.)“ zur Unterscheidung von namensgleichem Vater und Sohn waren zu ihrer Zeit noch nicht gebräuchlich. Auf der Suche nach Druckwerken finden sich dann zu „J.H.Tiemeroth“ auch einige Titel, wobei als einzigster unter ihnen die knappe Dissertationsschrift mit lediglich 16 Seiten von 1723 dem Jüngeren zuordnen lässt. Alle sonstigen Veröffentlichungen sind Poetik- oder geistliche Traktate des Vaters, die über dessen Lebenszeit verteilt bis in die   1750er Jahre erschienen.

Aufschluss über das Werk von J.H. Tiemeroth d.J. konnten in erster Linie zwei glücklicherweise in großen Sammlungen und gutem Zustand erhalten gebliebenen Konvolute von Blättern in Folioformat sowie einige Manuskripte geben, die in die Obhut zweier Museen gelangt sind. Es handelt sich dabei um die umfänglichen und weitgehend vollständig gebliebenen Privatsammlungen zwei Jenaer Professoren und Zeitgenossen Tiemeroths, die Sammlung Hamberger, nach 1945 bis heute aufbewahrt in der Graphischen Sammlung des Mainfränkischen Museums Würzburg, sowie die Sammlung Kaltschmied, die in Thüringen verblieben ist und sich seit den 1950er Jahren in der Bibliothek des Naturhistorischen Museums im Schloss Heidecksburg Rudolstadt befindet. Aber auch die öffentliche Verwahrung bedeutender Werkbestandteile seit Mitte des 20. Jahrhunderts führte lange nicht zu einer Popularisierung ihres Schöpfers Tiemeroth. Dies änderte sich erst nach der Jahrtausendwende wesentlich.

Der Zoologe Dr. Eberhard Mey, seit 1983 Kustos des Naturhistorischen Museums auf der Heidecksburg, entdeckte kurz nach Amtsantritt die Sammlung mit Tiemeroths Pflanzenbildern und war beeindruckt. Das Fehlen einer Gesamtdarstellung zu Tiemeroth sollte ein Ende haben. Nach schwieriger Spurensuche und vielen neuen (noch) unbeantwortet gebliebenen Fragen konnte Dr. Mey 2011 die erste grundlegende Abhandlung über Leben und Werk J.H. Tiemeroths d.J. vorlegen, die mit 37 eindrucksvollen Pflanzenbildern aus der Kaltschmied-Sammlung, prachtvoll ausgestattet ist (s. Quellen). Im selben Jahr konnte die Heidecksburg Rudolstadt mit der ersten großen Personalausstellung „Herbaria picta - Pflanzenaquarelle von Johann Heinrich Tiemeroth d.J. (1699-1768)“ aufwarten. In einer zweiteiligen Gemeinschaftsschau konnten jeweils 80 Pflanzenaquarelle aus den Sammlungen in Würzburg und in Rudolstadt präsentiert werden. Auch wenn man damit nicht gleich einen großen Bekanntheitssprung von Tiemeroth d.J. erwarten sollte; eine Initialwirkung nach über 200 Jahren des Vergessens war dem Doppelereignis 2011 schon beizumessen. Sein Name ist die Entdeckung zu den namhaften Floristen Thüringens der letzten Jahre.

Als Erstgeborener in einer angesehenen kirchlich-akademischen Erfurter Familie erhielt er den vollständigen Namen des Vaters. Dieser war Professor für Poesie, Geographie und Geometrie am Evangelischen Ratsgymnasium, daneben Diakon an der Michaeliskirche, von deren Gemeinde er 1706 einmütig zum Pfarrer gewählt wurde. Ab 1713 kam eine Professur der Mathematik und Philosophie an der Universität Erfurt hinzu. Also ein Mann von hoher universeller Bildung, Einfluß und Sendungsbewusstsein. Sohn Joh. Heinrich sollte dann dem Vater im wissenschaftlichen Streben nachfolgen und so stellte er von Anbeginn höchsten Ansprüche an die Unterrichtung und Förderung seines Knaben. Das blieb bis zum Abschluss der umfangreichen Hochschulausbildung des Filius so, jeder neue Abschnitt im Studium wurde vom Vater nach dessen Vorstellungen gelenkt, dem Studiosus den höchsten nur erdenkliche Wissensvermittlung der Zeit angedeihen zu lassen. Dieser besuchte zunächst die Michealisschule und das Evangelische Ratsgymnasium, beide im unmittelbaren Einflußbereich des Vaters befindlich, und erhielt Privatunterricht bei ausgewählten Lehrern.

J.H. Tiemeroth: Dissertation über die Ananas und ihren medizinischen Nutzen. Erfurt 24. Mai 1723
J.H. Tiemeroth d.J.: Dissertation über die Ananas und ihren medizinischen
Nutzen. Erfurt 24. Mai 1723, TitelseiteDigitalisat von BSB/MDZ

Von 1717 an studierte er in Jena, Helmstedt, Halle und Leipzig Medizin als Hauptfach und daneben Grundlagen in Philosophie, Theologie, Altsprachen, Mathematik und Botanik. 1717 hörte er in Jena Botanik bei Prof. Johann Adam Slevogt (1653-1726). Gleiches gilt auch für Heinrich Bernhard Rupp (1688-1719), der von Slevogt unterstützt wurde; und in jenem Jahr das Manuskript für seine Flora Jenensis aus Not an einen Mitstudenten verkaufen musste. Dieses Werk sollte später das Wirken Tiemeroths maßgeblich bestimmen, der seinerseits das Werk Rupps vervollständigte. Denn das, voran es Rupp fehlte, an einem Herbarium, lieferte Tiemeroth über mehr als drei Jahrzehnte mit seinem gemalten Herbarium nach. Die zweite verbesserte Auflage der Flora Jenensis von 1726 diente ihm dabei als Bestimmungsgrundlage. Leider fanden diese beiden bedeutenden Werke nie in einer gemeinsamen Herausgabe zusammen. Es wäre wünschenswert, wenn dies von kompetenter Seite in einer auf der Höhe heutiger drucktechnischer Möglichkeiten der farblichen Wiedergabe der Pflanzenaquarelle in einer bibliophilen Faksimile-Ausgabe nachgeholt werden könnte. Das setzte allerdings eine umfangreiche Erforschung des überlieferten Tiemerothschen Werkes und seiner Verbindungen zur Flora Rupps voraus.
Ob über die anzunehmenden Kontakte zwischen Rupp und Tiemeroth während der Zeiten  gemeinsamer Anwesenheit in Jena näheres bekannt wurde, muss hier offen bleiben. Rupp war ruhe- und rastlos und nach dem Verkauf seiner Flora und finanzieller Erholung zur Fortsetzung der botanischen Exkursion und Erforschung bereit. Vielleicht konnte ihn Tiemeroth gelegentlich begleiten, der aber ansonsten zu den Vorlesungen in Jena anwesend zu sein hatte.

Bei seinen vom Vater initiierten Studien in Niedersachsen, der Medizin wegen, lernte Heinrich in Helmstedt Brandan Meibom (1678-1740), seit 1717 Prof. für Botanik und Direktor des Botanischen Gartens kennen, und er war im berühmten Garten von Schloss Schwöbber mit der seinerzeit größten Pflanzensammlung Europas und der Orangerie mit ihrer Ananaskultur von der Artenvielfalt der dort zu sehenden exotischen Ananas fasziniert. Hier fand er die Anregung für sein späteres Dissertationsthema.
Zum Abschluss der sechsjährigen Studienzeit führte Tiemeroth die Arbeiten zu seiner Dissertation im heimatlichen Erfurt aus und promovierte 1723 über die Ananas und die Möglichkeiten ihres medizinischen Gebrauchs zum Dr. med. Die auf 16 Seiten kurz zusammengestellte Promotionsschrift blieb sein einzigstes Druckwerk (s. unter Werke).

Von seinem Vater beharrlich auf seinem akademischen Ausbildungsweg geführt und sicherlich entsprechend finanziert, versuchte sich Dr. Tiemeroth in Jena einige Zeit als Privatdozent für Medizin / Botanik, um letztlich doch für sich zu konstatieren, dass der Lehrbetrieb an der Universität nicht seinen Vorstellungen entsprach. Er verließ 1735 Jena, kehrte aber nicht nach Erfurt zurück, sondern wandte sich nach Arnstadt, wo er bis zu seinem Tod lebte. Wir können hier nur vermuten, was ihn dazu bewog: Unabhängig vom Vater zu sein, auch oder gerade wegen des Verzichts auf dessen vielfältige Beziehungen und finanziellen Rückhalt.

J.H. Tiemeroth: Cypripedium Calceolus (Frauenschuh)
J.H. Tiemeroth d.J.: Cypripedium Calceolus (Frauenschuh), Aquarell,
aufgeschlagene Seite in gebundenem Sammelband
© Bibliothek des Naturhistorischen Museums
im Schloss Heidecksburg Rudolstadt, Sammlung Kaltschmied

In Arnstadt war Tiemeroth als praktischer Arzt tätig. Daneben verfolgte er – man kann es Leidenschaft nennen – das Botanisieren und Malen von Pflanzen und ihren Teilen. Es handelt sich dabei um eine wissenschaftlich fundierte weitgehend in Größe, Form und Farbigkeit naturgetreue Wiedergabe „ad vivum exactem“ der aufgefundenen bzw. gesammelten Pflanzen. Bereits in Erfurt und Jena hat er sich mit der Pflanzenmalerei beschäftigt und darin sein besonderes Talent entdeckt. Sein Lebenswerk soll über 5.000 Pflanzenaquarelle umfassen, wovon etwa die Hälfte in zwei großen Sammlungen erhalten blieben, während der Verbleib einer großen dritten Sammlung unbekannt ist.

In der Öffentlichkeit trat Tiemeroth mit seinem umfangreichen Werk kaum in Erscheinung. Die Blätter waren Auftragswerke meist innerhalb von sich ablösenden Abonnements von Professoren, die er während seiner Studienzeit persönlich kennengelernt hatte. Die begehrten floristischen Darstellungen verschwanden in deren Privatsammlungen, wobei auch eine Verwendung als Anschauungsmaterial im Unterricht in Betracht zu ziehen ist. Eine Ausnahme bildete der Bankier Daum in Potsdam, der zu seinen treuesten Kunden zählte. Tiemeroth hatte ein weitgespanntes Netzwerk mit Verbindungen zu zahlreichen Wissenschaftlern aufgebaut, zu denen noch die des Vaters in Erfurt kamen. Diese Beziehungen nutzte er auch, jedoch allein für den Vertrieb seiner Blätter. Von dem Ziel einer einkommenssichernden Lebensstellung an einer Universität oder ähnlichen Einrichtung hatte er sich bereits verabschiedet. Er sah die Erfüllung seines Lebens im Botanisieren und der darstellenden Wiedergabe der dabei gewonnenen Erkenntnisse. Ihm wird die Bedeutung einer breiten Öffentlichswirksamkeit nicht bewusst gewesen sein, ansonsten hätte er auch darin seine Beziehungen stärker spielen lassen. Der Gedanke an damit verschenkten späteren Ruhm, wie ihn heute sein Werkverbundener Rupp bezieht, wird ihm nicht gekommen sein.

J.H. Tiemeroth: Cypripedium Calceolus (Frauenschuh), Aquarell, Ausschnitt
J.H. Tiemeroth d.J.: Cypripedium Calceolus (Frauenschuh), Aquarell, Ausschnitt aus ob. Blatt© Bibliothek des Naturhistorischen Museums
im Schloss Heidecksburg Rudolstadt, Sammlung Kaltschmied

Das Botanisieren und besonders die Anfertigung der Pflanzenaquarelle, die über bis zu mehrere Tage beanspruchte, waren besonders zeitaufwendig. So konnten ein stattlicher Preis pro Blatt bis 1 Taler auch nicht verwundern. Das Abo-System brachte zudem den Vorteil, einer dauerhaft fließenden Geldquelle, jedenfalls theoretisch. Bei dem sich ergebenden Pensum, kann man davon ausgehen, dass die Zeit zum Praktizieren als Arzt hinter jener für seine Lieblingsbeschäftigung zurückstehen musste.
Über drei Jahrzehnte malte Tiemeroth Pflanzen, durch datierte Blätter von 1726 bis 1758 belegt. Seine Arbeiten gehören zum Besten auf dem Gebiet der Herbarmalerei im europäischen Kontext, die malerische Qualität weist ihn als Meister aus, technisch brillant und innovativ. Wie hat er es bis auf dieses Niveau geschafft, stellt sich eine weitere Frage? Nur aus einer besonderen Gabe heraus lässt sich das kaum erreichen. Mit seinem Talent wird er bereits während der Schulzeit in Erfurt hervorgetreten sein und später dort (nach 1723?) eine eingehendere malerische Unterweisung erfahren haben (?).

Der Wert aus botanischer Sicht ist bei jenen Blättern besonders groß, wo er Zeitpunkt und Ort des Fundes angegeben hat, und das tat er in den meisten Fällen. Damit haben wir dann Angaben eines wirklichen frühen Inventars. Das von Tiemeroth gemalte umfassende  Herbarium des 18. Jahrhunderts stellt in diesem Sinne die erste Sammlung von weitgehend naturgetreu wiedergegeben und verorteten Pflanzen für Thüringen dar. Seine Bedeutung ist epoche- und maßstabbildend und bis heute noch nicht wirklich erfaßt.
Wie groß die Beobachtungsradien um seine drei Thüringer Aufenthaltsorte Erfurt, Jena und Arnstadt auf den Exkursionen jeweils waren, kann hier nicht mitgeteilt werden. Dazu sind die Ortsangaben auf den Blättern nicht bekannt. Den Radius seines „Vorbildes“ Rupp wird er sicherlich nicht erreicht haben. Arnstadt und seine nähere Umgebung boten ihm bereits genügend Pflanzenvielfalt zu entdecken, es sei denn, dass er die von Rupp angegebenen entfernteren Fundorte selbst überprüfen wollte.

Gewöhnlich hat Tiemeroth auf der Rückseite eines Blattes unten einen Block mit Angaben zur dargestellten Pflanze beigefügt; wie gesagt, oft mit Fundort und -zeit. Wenn auch sein Signum angegeben ist mit Datum und Ort der Bildanfertigung, dann enthält sie meist auch seine Profession „Med. et Pr.“, also praktischer Arzt, gefolgt vom Entstehungsort, entweder Erfurt (1729-33), Jena (1733-35), Potsdam (1737) oder Arnstadt (1735-61) (Mey 2011). Vereinzelt gibt es seinen Namen verkürzt mit „Timroth“ an.

J.H. Tiemeroth: Digitalis Purpurea (Roter Fingerhut)
J.H. Tiemeroth d.J.: Digitalis Purpurea (Roter Fingerhut), Aquarell, aufgeschlagene Seite in gebundenem Sammelband
© Bibliothek des Naturhistorischen Museums
im Schloss Heidecksburg Rudolstadt, Sammlung Kaltschmied

Das Privatleben Tiemeroths d.J. bleibt bis heute gleichwohl rätselhaft. In der Ehe mit der 13 Jahre älteren aus Salza (Bad Langensalza) gebürtigen Anna Caterina, geb. Stollberg, haben wir ein für die damalige Zeit noch ungewöhlicheres Altersverhältnis zwischen Mann und Frau vor uns, als es uns heute erscheint. Es lässt eher an eine haushälterische Bestimmung denken oder an das Eingehen eines von der öffentlichen Meinung erwarteten Standes für einen Arzt und der damit vermiedener Nachrede. Die Ehe blieb kinderlos, was auf die Arnstädter Zeit bezogen auch nicht anders hätte sein können, denn als Tiemeroth dort hin ging, war seine Frau bereits 50!
Besonders zu denken gibt jedoch, dass Tiemeroth 1768 „in größter Armut“ starb (Mey 2011). Erst sechs Jahre zuvor erhielt er das Bürgerrecht, was allerorts mit dem Vorliegen eines gewissen Vermögens beim Antragsteller verbunden war. Bei der Produktivität in der Pflanzenmalerei und dessen Erlös sowie seinen Arzthonoraren lässt sich dies kaum erklären. Auch wenn er aus Alters- oder Gesundheitsgründen einige Jahre vor seinem Tode nicht mehr praktizieren oder malen konnte, bleibt ein derart dramatischer sozialer Absturz unfassbar.

Es bleiben die gründliche Erforschung des umfangreichen Nachlasses Tiemeroths in den musealen Sammlungsbeständen in Würzburg und Rudolstadt, verbunden mit der Hoffnung, dass die verschollene dritte große Sammlung doch noch auftritt bzw. weitere Blätter zu Tage treten, sowie dass weitere archivalische Funde gemacht werden können.

Werke / Veröffentlichungen / Verbleib
  • Joh. Henricus Tiemeroth, Thuringo-Erfurtensis (Autor et Respondens): Dissertatio inauguralis Botanico-medica sistens Plantam ac fructum Ananas, hujusque usum medicum, ad diem 24. Maji 1723. Erfordiæ
    Digitalisat: BSB/MDZ
  • Sammlung Georg Erhard Hamberger (1697-1755), Prof. für Medizin und Physik in Jena, aufgebaut 1728-54, über 2.000 Bl. Nach 1945 kamen 11 Mappen nach Würzburg, in das Mainfränkische Museum, Graphische Sammlung.
  • Sammlung Karl Friedrich Kaltschmied (1706-69), Prof. der Anatomie Chirurgie und Botanik  in Jena, aufgebaut 1749-58, nahezu 1.000 Bl. u. einige Manuskripte. Seit 1772 in Rudolstadt, zunächst im Fürstl. Naturalienkabinett von Schloss Ludwigsburg, seit den 1950er Jahren in der Bibliothek des Naturhistorischen Museums im Schloss Heidecksburg, weitgehend vollständig.
  • Sammlung Gottfried Adolph Daum (1679-1743), Bankier in Potsdam, 15 Bde., gilt als verschollen.
Ausstellungen
  • Arnstadt, Schlossmuseum, im Dachgeschoss (neben der Dauerausstellung zu Joh.Seb. Bach)
    Aktuelle Sonderausstellung  12.11.2016 – 23.04.2017
    erfunden. erforscht. gebaut. - Forscher- & Erfindergeist(er) gestern und heute.
    Gemeinschaftsausstellung. J.H. Tiemeroth wird näher vorgestellt, Gezeigt werden vier Original-Folioblätter mit Pflanzendarstellungen (u.a. Orchidee Frauenschuh), Leihgabe des Naturhistorischen Museums Residenzschloss Heidecksburg Rudolstadt. 2 Tafeln mit Erläuterungen und Abb. der AHO Thüringen, Regionalsektion Arnstadt.
  • Thüringer Landesmuseum Heidecksburg, Graphisches Kabinett
    15. Mai - 14. August 2011  Herbaria picta - Pflanzenaquarelle von Johann Heinrich Tiemeroth d.J. (1699-1768)
    Erste große Personalausstellung überhaupt. Aus der Bibliothek des Naturhistorischen Museums werden sieben unveröffentlichte Sammelbände mit Manuskripten des Arnstädter Arztes Dr. J. H. Tiemeroth dem Jüngeren vorgestellt. Sie umfassen etwa 1000 Blätter mit Aquarellen (Deckfarbenmalerei) von Blütenpflanzen und einigen Pilzen, die Tiemeroth zwischen 1725 und 1764 geschaffen hat. Mit dem Ankauf des Naturalienkabinetts von Prof. Kaltschmied (Universität Jena) gelangten sie 1772 nach Rudolstadt in fürstlichen Besitz.
    17. Mai bis 2. August 2015  Botanisches Interesse am Hofe zu Rudolstadt: Baumgarten, Herbarien und Pflanzenillustrationen
    Das 1757 in Rudolstadt gegründete Fürstliche Naturalienkabinett, das heutige Naturhistorische Museum im Schloss Heidecksburg, war und ist ein Hort für Pflanzenliebhaber und Botaniker. Seine Sammlungen von Herbarbelegen (seit dem 17. Jahrhundert) und reich illustrierten botanischen Werken (u.a. J. W. Weinmanns Phytanthozoa Iconographia von 1739 oder J. H. Tiemeroths Aquarelle von 1726 bis 1758) bezeugen dieses Interesse. Es fand mit einer neuen Anlage von Baumgarten und Botanischen Garten gegen Ende des 18. Jahrhunderts auch in der Gartenkunst der Residenzstadt an der Saale einen besonderen Ausdruck.
    13. bis 16. Mai 2016  zu den Thüringer Schlössertagen  Botanisches Interesse am Hofe zu Rudolstadt: Baumgarten, Herbarien und Pflanzenillustrationen (s.2015)
  • Schlossmuseum Sondershausen, Rosa Salon
    Vortrag in der Reihe "Treff für Neugierige"  25. April 2012 mit Dr. Eberhard Mey, Rudolstadt:
    Johann Heinrich Tiemeroth der Jüngere (1699 - 1768): ein thüringischer Botaniker, Arzt und hervorragender Pflanzenmaler ...  Über Leben und Werk.
    Etwa 5000 in den Museen von Rudolstadt und Würzburg vorhandene großformatige Aquarelle von in- und ausländischen Pflanzenarten waren Anlass, sich mit Leben und Werk des fast vergessenen Künstlers und Naturforschers intensiv zu beschäftigen. J.H. Tiemeroth d. J. ist in Erfurt geboren und lebte zuletzt als praktischer Arzt in Arnstadt. Sein Vater, u.a. Theologieprofessor an der Erfurter Universität, stammt aus Nordhausen.
    Seine hochwertigen, zwischen 1726 und 1758 entstandenen Pflanzenporträts sind einzigartig für Thüringen und herausragend für seine Zeit. Tiemeroth d. J. gehört zu den frühen Floristen Thüringens. Die einzige von ihm bekannte Veröffentlichung (Doktorarbeit von 1723) handelt von Ananas. Von ihm erhalten gebliebene Manuskripte sind botanisch-medizinischen Inhalts. Das bisher über Tiemeroth Bekannte ist 2011 von Dr. Eberhard Mey, Rudolstadt, in einem Supplementband der "Rudolstädter naturhistorischen Schriften" zusammengestellt und veröffentlicht worden.
Quellen / Literatur

Mey, Eberhard: Johann Heinrich Tiemeroth der Jüngere (1699-1768): ein thüringischer Botaniker-Arzt und hervorragender Pflanzenmaler. Rudolstädter naturhistorische Schriften Bd. 8, Supplement 9, 2011
Mey, Eberhard / Marwinski, Felicitas: Tiemeroth der Jüngere, Johann Heinrich. In: Marwinski, Felicitas [Hg.]: Lebenswege in Thüringen. Fünfte Sammlung, Jena 2015, [Nr.] 489, S.  .
Wetzel, Holger: Rätselhafter Blumenmaler aus Thüringen war lange vergessen. In: TA 04.03.12
Zedler, Johann Heinrich (Hg.): Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschaften und Künste, Welche bishero durch menschlichen Verstand und Witz erfunden und verbessert worden. Band 44 Ti – Trao. Leipzig und Halle 1745, Sp.74. J.H.Tiemeroth d.J. wird als Arzt und Dr. genannt, nach seinem Vater.

Letzte Aktualisierung ( 13. 01. 2017 )
 
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