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22. 08. 2017
Rühle von Lilienstern, Hugo - Paläontologe, Paläozoologe PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Detlef Tonn   
10. 01. 2017
International anerkannter Fossilienforscher und aufopferungsvoller Arzt

* 09. August 1882 Bedheim
† 08. [Wikipedia 18.] Juli 1946 Tscherepovez (RU, n Moskau)

Wenn ich mein Leben nochmals anfinge, würde ich es der Entwicklungsgeschichte widmen.
Hugo Rühle von Lilienstern

 

Hugo Rühle von Lilienstern, Postumes Porträt 1955
Hans Hattop: Hugo Rühle von Lilienstern betrachtet ein Ceratites Fossil aus dem Trias/
Oberer Muschelkalk. Postumes Porträt, Öl, Meiningen 1955.Humboldt-Universität zu Berlin, Museum für Naturkunde, Institut für Paläontologie
Foto: ResearchGate

Er wurde im Schloß von Bedheim, seit 1778 im Besitz der Familie und in Nachbarschaft der barocken Kirche, geboren. Als Jugendlicher begann Hugo Rühle von Lilienstern mit Leidenschaft Zeugnisse der Millionen Jahre alten Pflanzen- und Tierwelt Südthüringens zu sammeln und sich für Paläontologie zu interessieren.
Nach dem in Hildburghausen abgelegten Abitur studierte er in Berlin Militärmedizin. 1909 promovierte er „Über Bauchkontusionen in der Armee“ zum Dr. med., wirkte als Militärarzt in Göttingen und Fritzlar. Im 1. Weltkrieg war er als Stabsarzt eingesetzt, wurde mehrfach verwundet. 1920 eröffnete er eine Landarztpraxis in seinem Geburtsort. Er erwarb sich in den umliegenden Gemeinden schnell einen guten Ruf als Arzt, der in selbstloser Weise immer für seine Patienten da war.

Ruehle gelang der Nachweis von Jurafossilien auf dem Großen Gleichberg und dem Straufhain. Zunehmend trat die Paläozoologie in den Mittelpunkt seiner Forschungen, insbesondere die Saurierforschung, der er sich bis zu seinem Tode intensiv widmen sollte. 1932 wurde durch den Fund zweier Saurierskelette auf dem Großen Gleichberg gekrönt, von denen eines nach dem Finder benannt wurde. Im August des gleichen Jahres entdeckte Rühle v. Lilienstern mit Hugo Wildfeuer beim Schwimmbadbau in Hildburghausen im Chirotheriumsandstein eine 14 m² große Fährtenplatte (Proterosaurier, Cotylosaurier, Chirotherium barthii u. a.) von internationaler Bedeutung. Die Platte enthält 150 Einzelfährten, dabei sind mindestens 10 von bis dahin unbekannten Reptiliengattungen.

Im früheren Pächterhaus des Schlosses Bedheim eröffnete Rühle 1934 ein Paläontologisches Heimatmuseum, das mit seinen am Großen Gleichberg gefundenen zwei Dinosaurierskeletten seine Attraktion und Berühmtheit erhielt. Dorthin kommt auch die Fährtenplatte von 1932, die gemeinsam mit dem Bedheimer Ernst Frischmann präpariert wurde. Nach Expertenmeinung des Paläontologen Friedrich von Huene (1875-1969) war es zu seiner Zeit „die größte und schönste Privatsammlung fossiler Wirbeltiere in Deutschland“.
1939 konnte der inzwischen zu einiger wissenschaftlicher Reputation gelangte Forscher in die Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt aufgenommen werden.

Zu Beginn des 2. Weltkrieges wurde Rühle von Lilienstern erneut eingezogen, war zunächst Musterungsarzt in Hildburghausen, dann Leiter von Lazaretten in Erfurt und Bad Liebenstein. Ein Auslandseinsatz führte ihn als ärztlichen Betreuer von 1941-43 nach Frankreich, wo er 1942 zum Oberstabsarzt befördert wurde. Selbst dort konnte er seine paläontologischen Forschungen im Austausch mit französichen Fachkollegen fortsetzen.

1943 in seine thüringische Heimat zurückgekehrt, übernahm er die Leitung eines Lazaretts in Friedrichroda wurde aber bereits kurz darauf aus Gesundheitsgründen aus der Wehrmacht entlassen.
Rühle nahm seine Bedheimer Praxis wieder auf. Nur ein Vierteljahr nach Kriegsende mit dem beginnenden Keimen einer Hoffnung auf ein friedliches Leben, wurde Rühle von Lilienstern durch Ereignisse unvorstellbar großer Tragik aus allem herausgerissen. Er wurde am 3. Oktober 1945 auf dem Heimweg von einem Besuch bei seiner hochschwangeren Tochter in Hildburghausen vom sowjetischen Militär verhaftet und nach NW-Russland deportiert. Im Krankenhaus von Tscherepovez half er - selbst erkrankt - noch vielen Insassen, bevor er 1946, einen Monat vor seinem 64. Geburtstag, starb.


Werke / Veröffentlichungen

[postum] Die Saurier Thüringens - nach Erhebungen ihres centr. Betreuers Hugo Rühle von Lilienstern bearb. von Minna Lang u. Friedrich Frhr. von Huene. Jena, Fischer 1952. 4, 42 S., 6 Taf., Tab.

Sammlung

Seit 1969 in Berlin, Museum für Naturkunde Berlin der Humboldt-Universität.

Ehrungen
  • 1943 Ehrenpromotion der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
  • 1992 (zu Rühles 110. Geburtstag) Bedheim, Schloßpark: Gedenkstein.
  • Zahlreiche Funde wurden nach ihm benannt, als der bedeutendste Ehrentaxon Liliensternus (Halticosaurus) liliensterni HUENE
    Aufnahme von Rühles Halticosaurus „Liliensternus liliensterni“ (zusammen mit der einzigartigen „Schwalbennestorgel“ der St. Kilians-Kirche) in das Ortswappen von Bedheim
Straßenbenennung

Bedheim: Dr.-Rühle-von-Lilienstern-Straße

Quellen / Literatur

Freundeskreis Bedheim; Gemeinde d. Steinsburgfreunde; Thüringischer Geolog. Verein; Hennebergisch-Fränkischer Geschichtsverein (Hg.): Hugo Rühle von Lilienstern 1882 - 1946  in Memoriam. Einf. u. Red.: Ralf Werneburg. Schleusingen [1996, 2005], 36 S.
Lang, Minna: Leben und Werk des großen südthüringischen Heimatforschers Dr. med. Dr. rer. nat. h.c. Hugo Rühle von Lilienstern (1882-1946). In: In Memoriam Hugo Rühle von Lilienstern [1996], S. 16-34.
Lang, M./Huene, F. von: Hugo Rühle von Lilienstern (1882-1946). In: Paläontologische Zeitschrift 30 (1956), S. 215-17.
Mohr, Barbara et al.: Hugo Rühle von Lilienstern and His Palaeobotanical Collection: An East–West German Story.
Reuß, Roland; Staengle, Peter; Müller, Adam; Ruehle von Lilienstern; Perthes, Justus; Buchholz, Friedrich: Bisher Unveröffentlichtes aus Adam Müllers Korrespondenz mit Rühle von Lilienstern. Anhang: Briefe von Justus Perthes und Friedrich Buchholz sowie ein Schreiben Rühles an Hartmann v. Schlotheim. In: [Sämtliche Werke] (2007), S. 129-167.
Rühle v. Lilienstern, Hans: Erinnerungen an meinen Vater Dr. med. Dr. rer. nat. h.c. Hugo Rühle v. Lilienstern. In: In Memoriam Hugo Rühle von Lilienstern [1996], S. 5-10.
Schmidt, Dietmar: Lebensstationen von Hugo Rühle von Lilienstern (09.08.1882-08.07.1946). In: In Memoriam Hugo Rühle von Lilienstern [1996], S. 11-15.

Letzte Aktualisierung ( 10. 01. 2017 )
 
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