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25. 06. 2017
Heim der Ältere, Johann Ludwig - Historiker, Chronist PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Detlef Tonn   
11. 01. 2017
Historiograph des Henneberger Landes im 18. Jahrhundert

* 1704 Solz
† 1785 ebd.

Johann Ludwig Heim der Ältere wirkte als Pfarrer und Magister in dem kleinen Solz (Herzogtum Sachsen-Meiningen). Er war gelehrt und hochgebildet. Sein besonderes Interesse aber galt vornehmlich der Geschichte seines Henneberger Landes, zu der er mehrere Abhandlungen verfasste und veröffentlichte, durch die er auch größere Bekanntheit erlangte. Er setzte 1767/76 die Hennebergische Chronik mit dem 2. und 3. Teil fort, seinem Hauptwerk.

Die Vorliebe und das Interesse an Naturwissenschaften gab Ludwig Heim d.Ä. auch an seine Kinder weiter. Er gab ihnen selbst, und dies war nicht unüblich, den ersten Unterricht. Damit hatte er einen so großen Erfolg, dass seine sechs Söhne die  Leidenschaft und den Forschergeist des Vater übernahmen und durch ihre Leistungen in verschiedenen Disziplinen hohe Anerkennung erhielten und den Vater an Berühmtheit teils sogar noch übertrafen. Der Familie Heim dürfte damit im 18./19. Jahrhundert in Thüringen einen Spitzenrang einnehmen unter den Pfarrersfamilien, die in den Naturwissenschaften einige bedeutende Vertreter unter ihren Söhnen hervorgebracht haben, denen darin nur noch die Müllers in Windischholzhausen (Erfurt) und Mühlberg mit drei berühmeten Wissenschaftlern gleichkamen. Einige der Heim-Brüder traten dem väterlichen Vorbild folgend auch publizistisch mit naturwissenschaftlichen Schriften etwa zur Botanik ober zum Obstbau hervor:

Johann Ludwig der Jüngere (Solz 1741-1819 Meiningen), der erstgeborene, der die Vornamen des Vaters erhielt, wurde ein berühmter Geologe und verfasste die erste geologische Beschreibung des Thüringer Waldes (3 Bde. 1796-1812).

Georg Christoph (1743-1807), Pfarrer und Botaniker/Geologe in Gumpelstadt, schrieb die „Flora germanica“ (1799–1800) und begleitete seinen Bruder Ludwig bei geologischen Exkursionen.

Von den Söhnen gewöhnlich an erster Stelle genannt wird, weil zweifellos der berühmteste unter ihnen, der Berliner Arzt und Ehrenbürger Ernst Ludwig  (1747-1834).

Friedrich Timotheus (1751-1820), Pfarrer und Pomologe in Effelder bei Sonneberg, stellte die „Systematische Classifizierung der Kirschensorten“ (1819) auf und überlieferte das älteste Rezept für die vielgepriesenen Thüringer Klöße (Wikipedia).

Anton Christoph war Hofrat und -advokat in Meiningen.

Joh. Ehr. wurde der Nachfolger des Vaters im Pfarramt zu Solz, so wie noch ein weiterer Heim in dritter Generation an gleicher Stelle folgte.

„Johann Ludwig Heim starb in Solz 1785 im 82. Jahre als emeritirter Pfarrer, nachdem er bereits am 12. Trinitatis-Sonntage des vorhergehenden Jahres sein funfzigjähriges Amtsjubiläum in der Kirche daselbst, umgeben von fünf ehrenwerten Söhnen, einer Tochter und mehren Enkeln, gefeiert hatte. Nur Ernst, der dritte von den sechs Brüdern, fehlte bei jenem Feste.“ (Kessler 1846, S. 1)

Werke / Schriften
  • Kurzgefaßte Geschichte vom Dreißigjährigen Kriege und darauf erfolgten Westphälischen Frieden. Meiningen 1748.
  • Kurzgefaßte Geschichte von dem Religions- oder Schmalkaldischen Kriege, sammt darauf erfolgtem Passauischen Vertrage und Augsburgischen Religionsfrieden. Meiningen 1755.
    „Beide [zuvor gen.] Schriften wurden durch die, in den Jahren 1748 und 1755 eintretenden Jubelfeste des Westphälischen Friedens und des Religionsfriedens veranlaßt, bezogen sich hauptsächlich auf die Hennebergischen Gegenden, wurden auf Kosten des Verfassers gedruckt und unentgeltlich von ihm unter seine Zuhörer vertheilt.“ (Kessler 1846, Anmerkung des Herausgebers S. 3)
  • Beschreibung | derer zwey uhralten | Fränkischen Bergschlösser | Dißburg und Hutsberg, | jetzt in der | Fürstl. Grafschaft Henneberg | gelegen, | samt einiger Nachricht | von der | Hennebergischen Burggrafschaft | zu Würzburg, | aufrichtig abgefasset | von | M[agister] Johann Ludwig Heim, | Pfarrer zu Soltza und Mehmels. | Frankfurt und Leipzig, | bey Johann August Raspe. 1761. [10] Bl., 208 S., [2] Bl. Digitalisat: BSB MDZ
  • [Hauptwerk] „Hennebergische Chronik“ Teile 2 und 3
    Hennebergische Chronika, | darinnen von den uralten | löblichen Grafen und Fürsten zu Henneberg, | Wasunger Linie, | und derer | davon abstammenden Grafen und Herren | von Frankenstein, Stein und Crainberg, | wie auch | von Dero Leben, Thaten und Landen gehandelt | und als ein | Zweyter Theil | der Spangenberg-Hennebergischen Chronik | aus | glaubwürdigen Documenten und Nachrichten | zusammengetragen und ordentlich verfasset | von | M. Johann Ludwig Heim, | Pfarrern zu Solz und Mehmels. | Meiningen, | Scheidemantel. 1767. Digitalisat: BSB MDZ
  • Hennebergische Chronika, | darinnen von den uralten | löblichen Grafen und Fürsten zu Henneberg, | Wasunger Linie, | und derer | davon abstammenden Grafen und Herren | von Frankenstein, Stein und Crainberg, | wie auch | von Dero Leben, Thaten und Landen gehandelt | und als ein | Dritter Theil | der Spangenberg-Hennebergischen Chronik | aus | glaubwürdigen Documenten und Nachrichten | zusammengetragen und ordentlich verfasset | von | M. Johann Ludwig Heim, | Pfarrern zu Solz und Mehmels. | Meiningen, | verlegts Friedemann Christoph Hartmann, Herzogl. S. Hofbuchdrucker. 1776. Digitalisat: BSB MDZ
  • [Hg.] Nathanaelis Caroli, | weil. Pfarrers zu Sülzfeld und Henneberg, | Anmerkungen | über | Spangenbergs Hennebergische Genealogien, | mit | einer Vorrede und einigen Anmerkungen | zum Druck befördert, | von | M[agister] Johann Ludwig Heimen, | Pfarrern der beiden Pfarreien Solz und Mehmels. | Meiningen, | gedruckt bey Friedem. Christ. Hartmann, Herzogl. Sächs. Hofbuchdrucker, | 1773. 96 S., [1] gef. Bl., S. [297] - 404 S., [11] Bl., [1] gef. Bl. Digitalisat: ULBSA DS
  • Zwey kurze Abhandlungen. | I. | Von | derienigen Schlacht | bey Fladenheim, | welche | Kaiser Heinrich IV. | an denen Gränzen des Amtes Fischberg gehalten. | II. | Von denen uhrältesten | Besitzern und Herren | des Amtes Fischberg, | und der | Hennebergischen Erb-Gerechtigkeit, | benebst | demienigen Receß, | welcher deßfalls zwischen dem | Herzogl. Weimar- und Eisenachischen Hause | an einem, und dem | Fürstl. Stift Fulda | am andern Theil, | unterm 24. May 1764. errichtet worden ist. | Abgefasset von | Johann Ludwig Heim, Pfarrern zu Solz und Mehmels. | Nebst einer in Kupfer gestochenen Abbildung der Gegend, wo höchstgedachter Kaiser | denen Sachsen ein Treffen geliefert. | Meiningen, | verlegts Fried. Chr. Hartmann, F. S. Hofbuchdrucker, 1766. Digitalisat: BSB MDZ
Ehrungen

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Quellen

Kurze Lebensbeschreibung von J.L. Heim d.Ä. in: Nova acta historico-ecclesiastica oder Sammlung zu den neuesten Kirchengeschichten, Jg. 1786, Weimar
Kessler, G.W. (Hg.): Der alte Heim. Leben und Wirken Ernst Ludwig Heim's, ... Aus hinterlassenen Briefen und Tagebüchern herausgegeben von G. W. Kessler. Zweite mit Zusätzen vermehrte Auflage. Leipzig 1846.

Letzte Aktualisierung ( 18. 01. 2017 )
 
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