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22. 08. 2017
Huth, Robert - Heimatforscher, Bauwerke-Modellbauer PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Detlef Tonn   
06. 04. 2017
Schöpfer des Großen Stadtmodells von Erfurt um 1870
Wahrlich eine bewundernswerte Leistung, die allein schon genügte, um seinen Namen für Erfurt unsterblich zu machen!
Biereye 1932 zu Huths Großem Stadtmodell von Erfurt

* 9. Oktober 1872 Niederzimmern, Großherzogtum Weimar
† 31. August 1932 Erfurt

Robert Huth, Cyriaksburg Erfurt
Robert Huth, Cyriaksburg Erfurt - Bombenkanonenhof, Führung
des Erfurter Geschichtsvereins am 12. Mai 1920. © Stadtarchiv Erfurt

Robert Theodor Bernhard Huth wurde am 9. Oktober 1872 in dem w von Weimar gelegenen Dorf Niederzimmern, wo bereits die Wiege des bedeutenden mittelalterlichen Chronisten Erfurts Konrad Stolle (1436-1501) gestanden hat, als Sohn des Landwirts Albert Huth und dessen Frau Maria Luisa, geb. Schiller geboren.

Nach Besuch des Erfurter Seminars und einer ersten Stelle als Lehrer in Kaulsdorf (Kreis Ziegenrück, heute Landkreis Saalfeld-Rudolstadt), kehrte er 1900 nach Erfurt zurück und blieb der Blumenstadt ein Leben lang treu. Huth wohnte in der Nordhäuser Straße 95. Er unterrichtete hier über drei Jahrzehnte an Bürger- und Volksschule (Johannesschule) und forschte unermütlich zur reichen Geschichte von Stadt und Land. Robert Huth erhielt am 30.08.1893 sein Zeugnis zur Befähigung als Volksschullehrer zur provisorischen Anstellung, bestand am 25.11.1896 seine Zweite Volksschullehrerprüfung. und wurde am 01.04.1928 endgültig zum Volksschullehrer ernannt. Huth bat 1909 offenbar erfolglos um Versetzung an die neu gegründete Gutenbergschule, denn vier Jahre später wurde er am 18.02.1913 von der Volksschule II an die evangelische Bürgerschule I sowie schließlich am 07.04.1925 an die Volksschule I versetzt.

Huth ließ frühzeitig neben seinem Forscherdrang auch sein Talent zur Vermittlung und künstlerischen Darstellung jeglicher historischer Themen erkennen. Schon in Kaulsdorf hatte er sich eingehend mit der dortigen Burg (das jetzige Schloss wurde 1678 auf den Grundmauern der Burg aufgebaut) sowie dem Schloss von Kühndorf am Dolmar beschäftigt und dazu heimatkundliche Aufsätze verfasst, denen er eigene Zeichnungen beifügte. In Erfurt wandte er sich dann dem Modellbau von Bauwerken zu. Von seinen darin erreichten Fertigkeiten können sich die Besucher im Stadtmuseum Erfurt überzeugen. Seit März 2017 wird hier neben einem kleineren Modell sein Hauptwerk, das Große Stadtmodell, gezeigt, mit dem er sein Gesamtschaffen krönte.

Den Mittelpunkt seiner Forschungen bildeten die Befestigungsanlagen, die er für eine der bemerkenswertesten historischen Leistungen Erfurts hielt. Es entstanden eine beachtliche Reihe von Monographien über Einzelbauwerke sowie Gesamtdarstellungen. Zunächst schrieb er zwei grundlegende Arbeiten über die beiden Citadellen der Stadt, "Die Cyriaksburg" (1907) und "Der Petersberg" (1908). Es folgten Abhandlungen über Burgen und Schlösser, Warttürme und Dorfbefestigungen des Landes Erfurt (siehe unter Werke).  Weiterhin interessierte sich Huth für Adam Ries und dessen Aufenthalt in Erfurt („Die Beziehungen des Rechenmeisters Adam Riese zu Erfurt“, 1917, im Druck 1927). Die zeitgleiche Benennung einer Straße nach Adam Ries im Borntal geht vermutlich auf Robert Huth zurück. Gleichen Ursprungs soll die in Erfurt und in den Dörfern um Erfurt herum bekannte sprichwörtliche Redensart „Geh' zu Adam Ries in die Drachengasse“ sein.

Huth gehörte den meisten heimatkundlichen Vereinen der Region als aktives Mitglied an, wo er sich durch Veröffentlichungen, lebendige Vorträge und Führungen hohe Anerkennung erwarb. Dem Geschichtsverein Erfurt trat er bereits 1902 bei, in dessen Vorstand wurde er 1919 als Beisitzer gewählt. Ebenso gehörte er dem Vorstand des Vereins für Heimatkunde im Amtsbezirk Vieselbach sowie fast zwei Jahrzehnte dem Thüringerwald-Verein an. Die "Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt" nahm ihn 1928 auf.

In den verschiedenen Vereinen hielt Robert Huth eine Reihe von Vorträge zu den von ihm publizierten Aufsätzen zur Befestigungsgeschichte aber auch angrenzenden historischen Themen, wie z. B. "Über das Land Erfurt im 30jährigen Kriege" und leitete Führungen zu den beschriebenen Burgen und Warten. Auf den Mitgliederversammlungen des Geschichtsvereins sprach Huth am 5. Februar 1909 unter Vorführung zweier eigener Modelle über die Citadelle Petersberg sowie 1920 über die dort gemachten Funde, am 25. Januar 1921 über die Festung Erfurt sowie einen Monat später über die Bienstedter Warte, am 31. März 1922 über die Wasserburg in Ollendorf, am 10. April 1926 vom festen Schloss der Erfurter zu Vippach und seiner reichen Geschichte, am 31. Januar 1929 über Das Schwedische Heerwesen im Dreißigjährigen Kriege. Zu Führungen des gleichen Vereins lud er ein am 18. Oktober 1919 auf den Petersberg, am 12. Mai 1920 auf eine Besichtigung des Sybillentürmchens und der Cyriaksburg, am 2. Juli 1922 auf die Wasserburg Ollendorf sowie um 1922 auf die Kapellenburg.

Und immer gelang es ihm, selbst wenn der Stoff noch so spröde zu sein schien, diese Vorträge doch anziehend zu gestalten, indem er sie mit wunderbarem Humor würzte und sein tiefes Gemütsleben mitsprechen ließ.
Biereye 1932

Im August 1930 erkrankte Robert Huth an akutem Herzleiden, musste über längere Zeiten vom Schuldienst beurlaubt werden, war körperlich stark eingeschränkt und konnte keine Treppen mehr steigen. Obwohl ihm „akute Herzstörung“ diagnostiziert war, teilte Huth  noch am 01. 08.1932 in einem Brief an den Rektor mit, dass er „aber bestimmt hoffe, in 14 Tagen wieder Dienst tun“ zu können. Wie sich auf tragische Weise sehr bald zeigen sollte, eine totale Fehleinschätzung. Ein ärztliches Attest bestätigte nochmals am 26.08.1932 „akutes Herzleiden“ und schrieb Huth für weitere vier Wochen dienstunfähig. Nur fünf Tage später, am 31. August 1932 verstarb er wenige Wochen vor Vollendung seines 60. Lebensjahres. Er hinterließ seine Frau Theresa Berta geb. Kurth, mit der er über 20 Jahre verheiratet war, und eine Tochter. Seinen lang gehegten Plan, die Erfurter Universitätsgeschichte zu erforschen, konnte er nicht mehr verwirklichen.

Werke / Veröffentlichungen

Heimatkundliche Schriften

  • Die Cyriaksburg | bei | Erfurt. | Geschichtliche Darstellung und Beschreibung | nebst 5 Abbildungen | von | Robert Huth. | Erfurt | Verlag des Thüringerwald-Vereins | 1907. | Hofbuchdruckerei Eisenach H. Kahle. 100 S.
  • Die Citadelle Petersberg zu Erfurt. In: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte und Altertumskunde von Erfurt (MVGAE) , H. 29, Erfurt Stenger 1908, 43 S.: Ill., 2 Pläne. S. 11-54
  • Warttürme und Dorfbefestigungen der Umgegend von Erfurt. In: Thüringen Monatsblätter, 16 Jg., Eisenach 1908/9, [60 S.: in getr. Zählung]
  • Die geschichtliche Entwicklung des Amtsbezirkes Vieselbach. 1909, 29 S.
  • Die Bienstedter- oder Offhäuser Warte | Rezepte und Anweisungen. Sonderabdr. aus d. Jahrbuch des Vereins für Heimatkunde im Amtsbezirk Vieselbach. [um 1910], 4 S.
  • Abriss einer Geschichte der Erfurter Volksschulen. Sonderdruck aus d. Festschrift zur Feier der 50jährigen Bestehens des Erfurter Lehrervereins. Erfurt 1911, S. 58-82
  • Die Geschichte der ehemaligen Kohlenbergwerke zu Hopfgarten. Weimar, Borkmann [1912], 15 S.
  • Über den Hochheimer Wartturm. Die Beziehungen des Rechenmeisters Adam Riese zu Erfurt (Im Auszug). In:  Mitteilungen des Vereins für die Geschichte und Altertumskunde von Erfurt. Erfurt 1917 (A. Stenger). S. 95 - 98
  • Die Bienstedter oder Offhäuser Warte, 1924.
  • Burg Hopfgarten. 1925.
  • Die Wasserburg zu Ollendorf. Erfurt, 1925, 14 S.
  • Das feste Schloß der Erfurter zu Vippach. 1926. 
  • Die Beziehungen des Rechenmeisters Adam Riese zu Erfurt. In: Pflüger, Jg. 4, 1927, 576 S., S. 57-65.
  • [Mit (Hg./Bearb.) Kolle, Dietmar] Die Ruine Brandenburg, eine ehemalige Erfurter Veste. Sonderdruck aus: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte und Altertumskunde von Erfurt  H. 46. Erfurt 1930, S. 85-86.
  • Die Mühlburg | bekannt durch Gustav Freytags Roman "Das Nest der Zaunkönige" | Geschichtliche Darstellung. Erfurt | König 1932. 100 S., 5 Abb., 1 Kt. 
  • [Abschrift von R. Huth] Meister W.A.O.: Unmaßgeblicher Vorschlag | zum Besten des Armuths | wie dem gegenwärtigen Brotmangel | in hiesiger Stadt abzuhelfen sei | aus Menschenliebe eröffnet | von | Meister W.A.O. | Zinngießer allhier | Gedruckt 1771. [es folgt eine Zusammenfassung des Inhalts]. Darauf erschienen nun Schmähschriften | und Widerlegungen. | Insbesondere: Adam Riese d.J.: Widerlegung | des Zinngießerischen Vorschlages | wie dem Brotmangel in | hiesiger Stadt | abzuhelfen sei | verfertigt und ans Licht gestellt | von | Adam Riesen jun. | Schulkollegen, wie auch | Schreib- und Rechenmeister allhier | gedruckt 1771. [es folgt eine Zusammenfassung des Inhalts]. Abschrift aus der Universitäts- | bibliothek zu Halle. | Abteilung Ponikausche Bibliothek | August 1917. | R. Huth. Stadtarchiv Erfurt 5/110-H1/Bd. 2
  • Reprint-Gesamtausgabe in 5 Büchern aus dem Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza:
    Die Cyriaksburg bei Erfurt | geschichtliche Darstellung und Beschreibung nebst 5 Abbildungen. 2008, 112 S.
    Die Citadelle Petersberg zu Erfurt. 2009, 52 S.
    Die Mühlburg | bekannt durch Gustav Freytags Roman "Das Nest des Zaunkönigs" | geschichtliche Darstellung mit 5 Abbildungen. 2009, 60 S.
    Burgen und Schlösser um Erfurt | mit Amtsbezirk Vieselbach, Kohlebergwerke zu Hopfgarten. 2015, 111 S.
    Warttürme um Erfurt | mit Dorfbefestigungen. 2015, 56 S.
    Darin: Nachruf von Biereye und Übersicht der Neuausgabe (s. Quellen). Digitalisat: Google

Modellbau von Bauwerken

  • Großes Stadtmodell von Erfurt zur Zeit unmittelbar vor der Entfestigung um 1870. Anfertigung: 1920er Jahre, Maße: 265 x 265 cm².
  • Modelle der Zitadellen Cyriaksburg, Petersberg u.w.
Quellen / Literatur

Biereye, Johannes: Robert Huth [Nachruf], mit Porträt-Foto. In: MVGAE  Achtundvierzigstes Heft, Erfurt 1932, S. 105 – 108.
Museen in Thüringen: Modell der Stadt Erfurt um 1870
Huth, R. [Versetzungsgesuch]: Betrifft: Ganz gehor- | samste Bitte des | Lehrers R. Huth | um Versetzung | an die Gutenberg- | Schule zu Ostern 1909. Erfurt, den 27. X. 08. Stadtarchiv Erfurt, Schulakte  Bl. 53
ds. [Versetzungsgesuch]: Betrifft: Versetzung des | Lehrers Rob. Huth | an die II. Evangel. | Bürgerschule. Erfurt, den 23. I. 13. Stadtarchiv Erfurt, Schulakte Bl. 57/58
ds. [Mitteilung an den Rektor zum Dienstausfall wegen seiner wiederholten Herzkranheit]. Erfurt, d. 1.8.32. Stadtarchiv Erfurt 1-2/206-18474, Bl. 107
Anmerkung: Zu einem darin versicherten Wiederantritt des Dienstes kam es nicht mehr. Robert Huth verstarb bereits einen Monat später, am 31. August 1932.
Königl. evangel. Volksschullehrer-Seminar: Zeugnis | der | Befähigung als Volksschullehrer zur | provisorischen Anstellung | für | Bernhard Theodor Robert Huth … Erfurt, den 30. Aug 1893 [Abschrift] Stadtarchiv Erfurt, Schulakte Bl. 5/6.
Königliches evangelisches Schullehrer-Seminar | zu Erfurt: Zeugnis | über die bestandene | zweite Volksschullehrer-Prüfung | für den provisorisch angestellten Lehrer Robert Huth ... Erfurt, den 25ten November 1896 [Abschrift] Stadtarchiv Erfurt, Schulakte Bl. 7/8.
Mvgae: 24. H. 1903, 30. H. 1909, 40. & 41. H. 1921, 42. H. 1924, 44. H. 1927, 47. H. 1931, 48. H. 1932.
Rassloff, Steffen: „Ad maiorem Erfordiae gloriam“ | 150 Jahre Verein für die Geschichte und Altertumskunde von Erfurt 1863–1945 und 1990–2013, S. 12, unten:
„Große Verdienste um die Festungsforschung hat sich Robert Huth (1872–1932) erworben, dem das Stadtmuseum mehrere Modelle verdankt, darunter der Zitadellen Petersberg und Cyriaksburg sowie das große Stadtmodell vor der Entfestigung 1873.“
Sparkassenstiftungen: Geförderte Projekte der Sparkassenstiftung Erfurt im Jahr 2016:
Förderverein "Stadtmuseum Erfurt" e.V. Neupräsentation des großen Stadtmodells von Robert Huth im "Haus zum Stockfisch"
5.000,00 €. Online  
Stadtarchiv Erfurt / Tektonik: Karten/Pläne / Bestand: Stadtpläne / Systematik: 7/21 Topographische und geometrische Teilpläne von Erfurt / Systematik: 7/215 Spezialpläne / Systematik: 7/215-2 Befestigungspläne - Sammlung Huth/Corsep.
Die umfangreiche Sammlung enthält Zeichnungen von Corsep; Karten, Pläne, Kopien von Robert Huth.
Weidauer, Manfred (Erfurt/Sömmerda): Adam Ries und Erfurt. In: Wussing, Hans: Adam Ries. 183 S. S. 139. Digitalisat: Google  

Letzte Aktualisierung ( 18. 05. 2017 )
 
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