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18. 10. 2018
Erfurt, Angermuseum: Ausstellung "Natur als Kunst" PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Detlef Tonn   
13. 09. 2018
Erfurt, Angermuseum - Kunstmuseum der Landeshauptstadt

Sonderausstellung 2. OG   05. August - 28. Oktober 2018
Natur als Kunst
Europäische Landschaftsmalerei und -fotografie des 19. Jhs. aus den Sammlungen der Christoph Heilmann Stiftung am Lenbachhaus München und des Münchner Stadtmuseums.

In der Ausstellung im Erfurter Angermuseum können die Wechselbeziehungen zwischen der Malerei und Fotografie des 19. Jhs. aufgespürt werden. Zu sehen sind im 2. OG im großen Saal 77 Landschaftsgemälde, Skizzen, Studien sowie eine kleine Auswahl von Bronzeplastiken der gleichen Zeit aus der Sammlung der Christoph Heilmann Stiftung und in den Seitenkabinetten sowie dazwischen 60 Landschaftsfotografien, aus der bedeutenden Fotografiesammlung im Münchner Stadtmuseum, ergänzt mit einigen grafischen Blättern.

In der ersten Hälfte des 19. Jhs. beginnen sich die Landschaftsmaler vom bislang allein beherrschten Akademiebetrieb in den Ateliers zu lösen und bei der Motivsuche in die nahe oder auch ferne Natur, meist in südliche Richtung - des Lichts wegen, zu begeben.
Wegweisend für diesen grundlegenden Wandel in der Malerei wird die Schule von Barbizon, benannt nach dem Dorf am Wald von Fontainebleau südlich von Paris.
Neben der Münchner Schule umfasst die Ausstellung Beispiele der Dresdner Romantik sowie der Berliner und Düsseldorfer Schule. Sie bieten die seltene Gelegenheit, mit dem durch die Werke von Nerly begründeten Sammlungsschwerpunkt der romantischen Landschaftsmalerei am Angermuseum in eine vergleichende Betrachtung zu treten.

Etwa zur gleichen Zeit, Ende der 1830er Jahre, verbreitet sich als gänzlich neues Bildmedium die Fotografie relativ schnell. Auch hier zieht es die jungen Protagonisten, trotz des Anfangs aufwendigen technischen Apparates bald ins Freie. Ihre fotografischen Streifzüge ähneln denen von Expeditionen. Die  Dunkelkammer, die gleich einer Sänfte von zwei Trägern mitgeführt werden muss, macht das nur zu deutlich. Zu sehen sind diese Umstände auf einer eindrucksvollen Fotografie unterhalb von Schloss Hohenschwangau im Allgäu. Ein Gehilfe entnimmt klares Wasser aus dem Alpsee für das Entwicklungsbad.

Zwischen der sich emanzipierenden Landschaftsmalerei und der sich entwickelnden Fotografie stellen sich erwartungsgemäß schnell vergleichbare Grundsätze bei der Motivwahl und Bildkomposition ein. Vielfach ist eine Einzelperson, entfernt, klein und oft erst bei näherer Betrachtung erkennbar, in den dominierenden Landschaftsausschnitt eingefügt. Etwas Neues zeigen die Fotografien, wenn flüchtige spektakuläre Naturphänomene festgehalten werden.
Von botanischem Interesse sind Pflanzen- und Biotopstudien. Eine Fotografie zeigt eine blühende Pflanze Lilium gigantum in freier Natur bei Pirna, daneben eine Betrachterin, die neben der über 3 m hochgewachsenen Lilie klein erscheint!

Für die Freiluftmalerei erweist sich die Fotografie zudem als eine ständig verfügbare Vorlage, mit deren Hilfe die Ausführung im Atelier begleitet oder ergänzt werden kann.
Fotografen sind ebenso wie Maler dabei, wenn neue, bisher wenig bekannte Regionen entdeckt werden. Als ein europäisches Beispiel können hier die „Entdeckung“ der Alpen und der Alpinismus genannt werden.

Während einige Fotografien als sehr gute Faksimiles unter dem Ausstellungslicht ungeschützt zu sehen sind, macht sich bei empfindlicheren Originalen ein Lichtschutz mittels Vorhangtuch erforderlich, so auch bei dem oben genannten.
Mit der Korrespondenzschau erfährt die Fotografie eine gegenüber der Malerei hierzulande sonst eher seltene Würdigung, die ihr Zustandekommen für die Besucher damit besonders wertvoll macht. Man kann ihr bestimmt das Attribut von Einmaligkeit geben.

Kurator: Thomas von Taschitzki
Begleitprogramm mit Kuratorenführungen und Vorträgen:

  • 2. Oktober 2018, 18.30 Uhr
    Dr. Andreas Strobl, Oberkonservator der Staatlichen Graphischen Sammlung München für die Kunst des 19. Jhs.:
    Romantik und Realismus – Zwei Epochen der Landschaftsmalerei an Beispielen der Christoph Heilmann Stiftung
  • 16. Oktober 2018, 18.30 Uhr
    Dr. Claudia Denk, Kuratorin und Geschäftsführerin der Christoph Heilmann Stiftung, Lenbachhaus München:
    Naturgefühl und Wanderlust – Wie viel Emotion steckt in einem Landschaftsbild?

Zu beiden Ausstellungsteilen sind separate Kataloge erschienen.
https://kunstmuseen.erfurt.de/km/de/service/aktuelles/ausstellungen/2018/129805.html#slot_100_0
Erfurt, Angermuseum - Kunstmuseum der Landeshauptstadt

Letzte Aktualisierung ( 14. 09. 2018 )
 
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