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18. 12. 2017
Hohlwege - Spuren der Vergangenheit – Nische für Fauna und Flora PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Alexandra Zicke   
31. 07. 2006

Inhaltsverzeichnis

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1. Entstehung

Hohlwege sind alte Verbindungsstrassen, die sich durch eine jahrhundertelange Nutzung mit Fuhrwerken in die Geländeoberfläche eingeschnitten haben. Viele Hohlwege stammen noch aus der Römerzeit. Sie waren recht vielseitigen Zwecken dienlich. So waren sie in ältester Zeit zunächst die einzige Verbindung von einem Hof oder Ansiedlung zum/zur anderen. Durch ihre Ausprägung ersetzten sie dem Wanderer die Karte und den Kompass, denn auf diesen Wegen konnte er sein Ziel nicht verfehlen. Durch regelmäßige Überschwemmungen aufgrund von Niederschlägen im Herbst und im Frühjahr, stellten sich keine großen Hindernisse in den Weg, da diese regelmäßig weggeschwemmt wurden. Desweiteren wurde die Erosion aufgrund von abfließendem Niederschlagswasser weiter gefördert. Häufig finden sich Hohlwege in Lößlandschaften. Hohlwege, die dort vorkommen, haben häufig besonders steile und tiefe Wände. Doch auch in Gebieten mit starker Waldnutzung und weichen Böden, wie im Buntsandsteingebieten sind Hohlwege zu finden.

Diese natürlichen Verkehrsverbindungen dienten je nach Region auch als Handelswege, Treib- und Hudewege, auf denen die Rinder- und Schweineherden in die Wälder getrieben wurden. Im Herbst wurden sie zudem noch zum Abtransport des gefällten Bau- und Brandholzes benutzt. Aufgrund der Nutzungen, verbunden mit der natürlichen Erosion, entstanden an ihren Rändern Böschungen. Sie erreichten abhängig von der Bodenbeschaffenheit unterschiedliche Tiefen. Genutzt wurden die Fahrspuren solange, bis sie wegen ihrer Tiefe nicht mehr passierbar waren. Im Laufe der Zeit entstanden häufig ganze Fächer von bis zu 15 Hohlwegen nebeneinander.

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2. Ökologie - „Lebensraum aus zweiter Hand“

Diese mehrere hundert Jahre alten Hohlwege haben sich durch die Forstwirtschaft teilweise bis zu 4 - 5 m tief in die Geländeoberfläche eingearbeitet. Daher werden diese durch die Nutzung des Menschen entstandenen Wege auch als „Lebensräume aus zweiter Hand“ bezeichnet.

Als sogenannte Ersatzlebensräume oder Rückzugsbiotope gewinnen diese Wege für Fauna und Flora immer mehr an Bedeutung, da sie vielfältige ökologische Funktionen besitzen. Es findet sich kaum ein Biotoptyp, der für Tiere und Pflanzen so ein Vielzahl an Nischen für die ganz unterschiedlichen Ansprüche bietet. Auf diese Weise entsteht ein artenreiches und verzahntes Gefüge diverser ökologischer Nischen. Besonders die intensiv der Sonne ausgesetzten Bereiche erlangen für den Tierschutz eine wesentliche Aufgabe.

Die jungen Hohlwege werden an den sonnenexponierten Flanken überwiegend von Pionierarten besiedelt, die nährstoffarme Standorte bevorzugen. Im Laufe der Zeit entwickeln sich die Hohlwegböschungen aufgrund des zunehmenden Pflanzenwuchses und der daraus resultierenden Nährstoffproduktion zu artenreichen Halbtrockenrasen. Neue, auch offene Besiedelungsflächen werden immer wieder durch nachrutschende Böschungen geschaffen.

Die alten Hohlwege hingegen sind eutrophiert. Das bedeutet, sie sehr stark mit Nährstoffen angereichert. Dieses wird hervorgerufen durch den zusätzlichen Nährstoffeintrag vom oberen Rand der Hohlwege aufgrund von angrenzenden Gärten oder Ackerflächen. Sie sind meist schattig, dicht bewachsen und relativ artenarm.

Gegenüber ihrer Umgebung zeichnen sich Hohlwege durch erhöhte Luftfeuchtigkeit aus. So ist für diese Wege ein angenehmes, wechselsonniges Kleinklima typisch, das im Vergleich zur Umgebung im Sommer Feuchtigkeit und Kühle und im Winter Schutz vor Wind und Kälte bietet. Besonders die intensiv besonnten Bereiche erlangen für den Tierschutz eine überragende Bedeutung.

Hohlwege besitzen einen äußerst vielfältigen Bewuchs, der von dem Untergrund, der Neigung der Wände und der Ausrichtung im Gelände (Exposition) abhängt. Die Vegetationsdecke der Hohlwege kann sehr variabel und vielfältig sein. Es finden sich hier insbesondere wärmeliebende Gras- und Staudenfluren, Moos- und Flechten-Gesellschaften, Trittrasen, Halbtrockenrasen, Feldgehölze und Gebüsche. Stauden und Gehölze siedeln sich besonders an den Flanken der Wege an. Hier dienen sie zahlreichen Kleintieren als Lebensraum. Daher sind Hohlwege für Wälder und landwirtschaftliche Gebiete eine ökologische Bereicherung. Für Tierarten, die Abbruchkanten und Erdaufschlüsse benötigen, um Nester anzulegen, sind die Lehmböschungen entlang der Hohlwege besonders wichtig. Häufig finden sich entlang der Böschungen zahlreiche kleine Löcher, die von hier lebenden Hautflüglern zeugen wie zum Beispiel Bienen, Hummeln und Wespen. Da die Ansprüche der einzelnen Arten an ihre Nistplätze sehr unterschiedlich sein können, finden sich oft eine Vielzahl unterschiedlicher Bienenarten ein.

Fledermäuse nutzen Hohlwege nachts als Jagdtrevier, da sie hier ein reichhaltiges Nahrungsangebot vorfinden. Der Igel nutzt auf seinen nächtlichen Streifzügen das große Angebot an Kerbtieren.

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3.  Beispiele für Tierarten

 

 

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4. Beispiele für Pflanzenarten

4.1. Auf jungen Hohlwegen

 

 

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4.2. Auf älteren Hohlwegen

 

 

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4.3. Auf alten, eutrophierten Hohlwegen

 

 

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5.  Besonders geschützte Biotope - §18 Thüringer Naturschutzgesetz

Alle Hohlwege, die mindestens 1 m tief eingeschnitten sind und deren Böschungsneigung an der steilsten Stellen mehr als 30° beträgt sind nach dem Thüringer Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege (Thüringer Naturschutzgesetz – ThürNatG – §18 Besonders geschützte Biotope, Absatz 6. alte Lesesteinwälle, Hohlwege, Erdfälle und Murgänge) geschützt. Die nicht genutzten Streifen entlang der Böschungsoberkante sowie die Steilböschungen sind unabhängig von ihrer Vegetation in den Schutz mit eingeschlossen.

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6. Hohlwege in heutiger Zeit

Hohlwege sind bedrohte Lebensräume, denn mittlerweile stellt sich das Problem, daß die durch menschliche Nutzung entstandenen Wege heute durch den Menschen in Gefahr geraten. Daher sind in unserer Landschaft die Hohlwege sehr selten geworden. Neben der Bodenerosion stellt die Vermüllung mit Gartenabfällen und Bauschutt ein großes Problem dar. Denn dadurch sind die Wege nicht mehr länger benutzbar, sie verwuchern und rutschen zu und damit ist ein Rückgang der Strukturvielfalt verbunden. Auch kommt es vor, daß diese Wege befestigt werden, um eine bessere Wegbarkeit möglich zu machen. Durch diese Maßnahmen verlieren sie ihren ursprünglichen Charakter und sind häufig nicht mehr als Hohlwege zu erkennen. Desweiteren sind viele Wege aufgrund von Flurbereinigungen vom Wegenetz abgeschnitten oder verfüllt worden.

Hohlwege sind Teil eines historisch gewachsen Wegesystems, das in unserer Landschaft den Naturgegebenheiten angepasst wurde. Häufig lassen sich diese Wege bis in ihre frühgeschichtliche Entsstehung zurück verfolgen. Desweiteren sind sie ein bereichernder Bestandteil unserer heutigen Landschaft.

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7. Schutz und Erhalt für die Zukunft

Nicht nur für den Naturschutz ist der Erhalt dieser Biotope von Bedeutung, sondern auch unter kulturhistorischen Aspekten sind sie aufgrund ihres hohen Alters erhaltenswert und von archäologischer Bedeutung für die Frühgeschichte einer Landschaft. Eine Vielzahl der Hohlwege sind wie oben bereits erwähnt bis auf die Zeit der Römer zurückzuführen.

Die Hohlwege sind aus kulturhistorischer Sicht ein wichtiger Beleg für historische Wegeverbindungen und bedürfen somit der Beachtung und des Schutzes. Daher ist der Erhalt der verbliebenen Wegereste und die Rekultivierung inzwischen verfüllter Wege eine Kulturdenkmalerhaltung in der freien Landschaft und eine Biotoppflege besonderer Art. Denn in der Vergangenheit sind viele solcher bedeutenden Zeitzeugen zerstört worden.

Daher ist es wichtig, daß Behörden, Gemeinden und Bürgern zusammenarbeiten, um dadurch die Hohlwege als Bodendenkmale für die Zukunft zu erhalten. In der Vergangenheit wurde regional bereits begonnen diese Wege wieder auszugraben und zu restaurieren.

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8. Legenden

Durch diese hohle Gasse muss er kommen...“

Friedrich Schiller



 

 

Dieses Schiller-Zitat aus dem Stück „Wilhelm Tell“ kennt eigentlich fast jeder. Verbunden wird damit eine leicht unheimliche Vorstellung oder eine kleine schaurige Geschichte. Demnach soll der Schweizer Wilhelm Tell im November 1307 den Landvogt Gessler zu Altdorf aus einem Versteck an einem Hohlweg bei Küssnacht am Rigi (Zitat:“Durch diese hohle Gasse muss er kommen...“) erschossen haben.

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9. Quellen

 
Letzte Aktualisierung ( 12. 06. 2014 )
 
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