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26. 06. 2017
Die Wartburg und ihre Geschichte PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Matthias Stier   
24. 01. 2007

Die Wartburg in der bildenden Kunst (1. Hälfte des 17. Jahrhunderts bis Gegenwart)

Inhalt

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Geschichtlicher Überblick 

Zu den bekanntesten und bedeutungsvollsten Denkmälern deutscher Geschichte und Kultur gehört die inmitten der Wälder des westlichen Thüringer Waldes über Eisenach gelegene Wartburg.

Die wichtigsten Ereignisse ihrer über neunhundertjährigen Vergangenheit standen in engen Beziehungen zu solchen Epochen der deutschen Geschichte, die wesentliche Etappen des Kampfes um historischen Fortschritt markieren.

Ursprünglich war sie eine Wehr- und Verteidigungsanlage wie jede andere Burg auch. Ihre Gründung, der Sage nach im Jahre 1067 durch den fränkischen Grafen Ludwig den Springer und ihre erste schriftliche Erwähnung für das Jahr 1080, fallen in jene für die weitere Entwicklung Deutschlands wichtigen Jahrzehnte, in denen sich der deutsche König Heinrich IV. sowohl der Machtansprüche des Papstes als auch der partikularistischen Bestrebungen der Fürstenopposition erwehren mußte. Unter Ausnutzung dieser Situation setzte sich Ludwig widerrechtlich in den Besitz des strategisch günstig gelegenen Wartberges, von wo aus er und seine Nachfolger durch zielstrebig betriebenen Landesausbau, eine geschickte Heiratspolitik und politisches Lavieren Besitz und Macht ständig vergrößern konnten.

Der Wartburg als westlichem Eckpfeiler ihrer Besitzungen entsprach im Osten die Neuenburg bei Freyburg. In der Verleihung der Landgrafenwürde an Ludwig I.

1131 fand die Machtstellung der Ludowinger schließlich ihre Bestätigung. Als Ludwig III. die thüringischen und hessischen Besitzungen sowie die Pfalzgrafschaft Sachsen in einer Hand vereinigen konnte, befanden sie sich auf dem Höhepunkt ihrer Machtentfaltung.

Etwa zu diesem Zeitpunkt setzen die zahlreichen Zeugnisse ein, die den Thüringer Landgrafenhof und damit die Wartburg als einen der glänzendsten Mittelpunkte der hochfeudalen, staufisch-ritterlichen Kultur hervorheben. Mit dieser Blüte der thüringischen Kultur im hohen Mittelalter sind vor allem die Namen der Landgrafen Ludwig III. (1172 - 1190) und Hermann I. (1190 - 1217) verbunden.

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F. H. : Die Wartburg von Nordwesten, 1823

F. H. : Die Wartburg von Nordwesten, 1823

Nicht nur in den zahlreichen von ihnen geförderten frühstädtischen Siedlungen lässt sich ihr Einfluß als Bauherren auf die Baukunst ihrer Zeit verfolgen (auch wenn nur wenige von den zahlreichen Kirchen, Klöstern und Profanbauten erhalten sind), sondern vor allem in der architektonischen Vollendung ihrer Burgen. Deren prächtigstes Zeugnis ist das Landgrafenhaus der Wartburg, das in den Jahrzehnten nach 1170 von Bauleuten aus dem Niederrheingebiet errichtet wurde, deren Tätigkeit sich auch an der Eisenacher Nicolaikirche nachweisen lässt. Dank seiner künstlerischen Vollendung im architektonischen Ganzen wie im bauplastischen Detail stellt sich dieses festliche und repräsentative Bauwerk den berühmten Kaiserpfalzen würdig an die Seite.

Eine ebenso großzügige Förderung erfuhr die Dichtkunst am Thüringer Landgrafenhof, insbesondere die Gattung des Epos, des höfisch-ritterlichen Versromans. Sein eigentlicher Schöpfer, Heinrich von Veldeke, vollendete unter der Schirmherrschaft der Landgrafen in Thüringen seinen Epos "Eneit". Wolfram von Eschenbach, der nach 1200 mit dem grossen Lyriker Walther von der Vogelweide am Landgrafenhof zusammentraf, schuf hier Teile seines "Parzival" und erhielt von Hermann die Vorlage zu seinem unvollendeten Epos "Willehalm". Ebenfalls nach einem französischen Vorbild schuf der hessische Dichter Herbort von Fritzlar einen Roman über den Trojanischen Krieg, inhaltlich also die Vorgeschichte zu Veldekes „Eneit", und Albrecht von Halberstadt, Chorherr im Kloster Jechaburg, musste die „Metamorphosen" des römischen Dichters Ovid übertragen. Von Wolfram und Walther sind uns ausserdem einige Gedichte überliefert, in denen sie die Gastfreundschaft und Freigebigkeit des Landgrafen rühmen, zu dem lauten Treiben am Hof, sich dem ständigen Kommen und Gehen fahrender Sänger und Spielleute aber sehr kritisch äußern. In zwei Dichtungen, die später "Fürstenlob" und "Rätselspiel" genannt wurden, und der mit ihnen verwandten populären Sage vom Sängerkrieg auf der Wartburg hat dieses Leben und Treiben seinen Niederschlag gefunden.

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C. W. von Todenwarth: Die Wartburg von Norden, um 1800

C. W. von Todenwarth: Die Wartburg von Norden, um 1800

Nur wenige Jahrzehnte währte diese kulturelle Blüte. Im frühen 13. Jahrhundert wurde die Wartburg vorübergehend die Wirkungsstätte der Landgräfin Elisabeth (1207 - 1231). Hinter ihrer christlichen Demut und Mildtätigkeit, ihrem aufopferungsvollen Wirken im Dienste der Besitz- und Rechtlosen verbargen sich neue soziale Spannungen. Mit ihrer und ihres Vorbildes Franz von Assisi Heiligsprechung, mit der Gründung der Bettelorden, wurde dieser individuelle Protest von der Kurie in offizielle Bahnen gelenkt. In den vielen Sagen und Legenden um Elisabeth aber lebte ihre große Verehrung durch das Volk, seine Sehnsucht nach einem glücklichen Leben fort.

Auch für den letzten Ludowinger, den Landgrafen und "Pfaffenkönig" Heinrich Raspe (1227 - 1247) und die folgenden Landgrafen aus dem Hause Wettin blieb die Wartburg bis ins 14. Jahrhundert bevorzugter Aufenthaltsort. Ihre Bauten wurden neuen Bedürfnissen angepaßt.

So ließ Friedrich der Freidige um 1320 anstelle eines vermutlich abgebrannten Vorgängerbaues zwischen Bergfried und Palas sein sogenanntes hohes oder hölzernes Haus errichten, also ein Gebäude aus massiven Unter- und Fachwerkobergeschossen. Er war es wahrscheinlich auch, der die offenen Arkaden des Palas zumauern ließ; in diesem Zustand einschließlich weiterer baulicher Veränderungen des 16. und 17. Jahrhunderts verblieb das Gebäude bis zu seiner Rekonstruktion im 19. Jahrhundert, und so wurde es auch bildlich überliefert.

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Eisenach und die Wartburg von Osten. Porzellanmalerei (Ausschnitt), nach 1800

Eisenach und die Wartburg von Osten. Porzellanmalerei (Ausschnitt), nach 1800

Historisch bedeutsam wurde die Burg erst wieder in der Zeit der frühbürgerlichen Revolution. Für ein knappes Jahr, vom Mai 1521 bis zum März 1522, wurde sie der Zufluchtsort des vom Papst mit dem Bann belegten Reformators Martin Luther, der seine Lehre und Schriften vor dem Wormser Reichstag standhaft verteidigt hatte und dem nun auch die Reichsacht drohte. Hier, in der Stille und Abgeschiedenheit der kurfürstlich-sächsischen Burg, setzte er nicht nur die Reihe seiner kirchlich-reformatorischen Schriften fort, sondern er krönte sein gesamtes theologisches Werk mit der Übersetzung des Neuen Testamentes. Ausgehend von der sächsischen Kanzleisprache, übersetzte er es in die lebendige Sprache des Volkes, so dass es jedermann lesen und verstehen konnte. Abgesehen von der großen Bedeutung dieser Leistung für die Entwicklung der einheitlichen deutschen Schriftsprache und damit für die nationale Entwicklung, gab Luther mit seiner Bibel-Übersetzung „der plebejischen Bewegung ein mächtiges Werkzeug in die Hand" (Fr. Engels). Damit förderte er, wenn auch unbeabsichtigt, das Hinüberwachsen der kirchlich-reformatorischen in die revolutionäre Bewegung der Bauern und Plebejer, von der er sich aber schon am Ende seiner Wartburgzeit zu distanzieren begann.

Jahre später kam ein anderer Gefangener auf die Burg: der Bauer Fritz Erbe aus Herda bei Eisenach. Erbe war aktiver Anhänger der Täuferbewegung, in der revolutionäres Gedankengut aus der Zeit des Bauernkrieges noch lange nach dessen Niederschlagung weiterlebte. Fritz Erbe, dessen Haft in Eisenach (seit 1533) wiederholt Anlaß zu Sympathiekundgebungen gegeben hatte, wurde deshalb 1540 in das Verlies des Südturmes der Wartburg gebracht. Erst 1548 setzte der Tod seiner unmenschlichen Kerkerhaft ein Ende.

Indessen hatte die Burg sowohl als Verteidigungsanlage wie auch als fürstlicher Wohnsitz an Bedeutung eingebüßt. Dauernde Reparaturen konnten den baulichen Verfall nicht aufhalten, und Pläne des kurfürstlichen Baumeisters Nickel Gromann für ihren Ausbau zu einer Befestigung, die den neuen kriegstechnischen Anforderungen entsprochen hätte, blieben im wesentlichen unausgeführt. Erst zu Beginn des 17. Jahrhunderts, als Eisenach selbständiges Fürstentum war, ließ Herzog Johann Ernst umfangreichere Bauarbeiten ausführen und residierte gelegentlich auch hier. Aus jener Zeit ist die erste Darstellung der Wartburg erhalten.

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Michael Spindler: Die Wartburg von Nordosten, um 1630

Michael Spindler: Die Wartburg von Nordosten, um 1630

Diese wie auch der Meriansche Stich und die Zeichnung Wilhelm Richters und die ebenfalls im 17. Jahrhundert verstärkt einsetzenden Beschreibungen der Wartburg beweisen, dass ihre geschichtliche Bedeutung langsam ins Bewußtsein der Offentlichkeit drang, ist es doch auch überliefert, daß schon seit dem Ende des 16. Jahrhunderts die ersten Besucher hierher, zur Wirkungsstätte Martin Luthers, kamen.

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Wilhelm Richter: Die Wartburg von Osten, gestochen 1690

Wilhelm Richter: Die Wartburg von Osten, gestochen 1690

Diese Tendenz verstärkte sich im Verlaufe und gegen Ende des 18. Jahrhunderts. 1756 wird die Wartburg zum ersten Male als "Denkmal des Altertums“ bezeichnet. In das Jahr 1777 fällt der erste Wartburgaufenthalt Johann Wolfgang von Goethes. Als geschichtliches Denkmal interessierte ihn die Wartburg damals noch nicht; ihn beeindruckte vielmehr der Reiz der herrlichen Natur, und in der freien, hohen Lage der Burg fühlte er sich "aus Schmerzen und Enge wieder in Höhe und Herrlichkeit gebracht". In Tagebuchaufzeichnungen, Briefen, besonders an Charlotte von Stein, und vielen Zeichnungen hat Goethes Wartburg-Erlebnis spürbar tiefen Niederschlag gefunden. Seinen Zeichnungen verdanken wir daneben auch die Kenntnis von einzelnen, genau wiedergegebenen Bauteilen, die wenige Jahre später abgerissen wurden, z. B. des alten Bollwerks vor der Zugbrücke und des schon erwähnten Fachwerkhauses Friedrich des Freidigen. Die Rückbesinnung auf die "Reste der alten deutschen Kunst" (Goethe), auf die nationale Geschichte und Kultur verstärkte sich in engem Zusammenhang mit der bürgerlich-patriotischen Bewegung des frühen 19. Jahrhunderts. Als steinerner Zeuge ruhmreicher nationaler "Vorzeit" und Teil einer erhabenen, ewig sich erneuernden Natur verkörperte die Wartburg für die bürgerlichen, vor allem die intellektuellen Zeitgenossen einen denkmalhaft-symbolischen Wert und bestärkte sie im Bewußtsein ihrer patriotischen Verantwortung. Daher kommt es auch, dass um 1800 fast schlagartig eine Menge künstlerischer Darstellungen der Wartburg entstanden. Sie wurde zum beliebten Motiv bedeutender, insbesondere Weimarer Künstler. (u.a. Kraus, Horny, Todenwarth). Sie sind die eigentlichen Entdecker der stimmungsvoll-romantischen, malerischen Wartburg-Landschaft, in die die Burg als sehnsuchtsvolles und doch greifbares Fernziel eingebunden ist. In diesen reizvollen Darstellungen spricht sich ein ebenso emotionales wie realistisches Verhältnis des Menschen zu seiner natürlichen und historisch gewachsenen Umwelt aus. Die Auffassung der Künstler um 1800 hat noch lange nachgewirkt; sie setzt sich fort in den sachlicheren biedermeierlichen Wartburg-Ansichten des Monogrammisten F. H. bis hin zu Ludwig Rohbock und klingt selbst in der romantisch-heroischen Interpretation durch Friedrich Preller d. Ä. noch an. In den Kreis der etwas kleinteiligen Abbildungen gehört auch die Darstellung der "Burschenfahrt auf die Wartburg", die einzige zeitgenössische Wiedergabe jenes wichtigen Ereignisses, das in der bürgerlich-nationalen Bewegung des frühen 19. Jahrhunderts einen Höhepunkt bezeichnete. Zur Erinnerung an die Völkerschlacht bei Leipzig 1813 und unter Berufung auf die Lutherisch-reformatorische Bedeutung der Burg versammelten sich hier am 18./19. Oktober 1817 Hunderte fortschrittlicher deutscher Studenten und Professoren. Von dieser nationalen Stätte aus gaben sie ihrer Enttäuschung über die Ergebnisse des Wiener Kongresses Ausdruck und erhoben in flammender Begeisterung ihre Forderungen nach Abschaffung der feudalen Kleinstaaterei und nach demokratischen Rechten und Freiheiten. Durch die metternichsche Reaktion konnte diese Bewegung zwar unterdrückt, aber nicht erstickt werden.

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Georg Melchior Kraus: Die Wartburg von Südwesten, 1799

Georg Melchior Kraus: Die Wartburg von Südwesten, 1799

Aus den Befreiungskriegen gegen die napoleonische Fremdherrschaft waren die Fürsten politisch gestärkt hervorgegangen. In den meisten Staaten wurden daher zunächst noch sie - und nicht das wirtschaftlich und politisch noch zu schwache Bürgertum - die Initiatoren aufwendiger Kulturbauten.

So wurde die Wiederherstellung der Wartburg (1838 - 1890) ein Werk des Großherzogs Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach und des Gießener Architekten Hugo von Ritgen. Ihr Ziel bestand nicht lediglich in der baulichen Instandsetzung der Burg; es sollte vielmehr ihre "historisch- und politischfaktische Bedeutung, ihre Bedeutung für die Entfaltung des Geistes und namentlich der Poesie, ihre Bedeutung für die Reformation und ihre katholischreligiöse Bedeutung", wie es Carl Alexander formulierte, sichtbar gemacht werden. Darüber hinaus verband er damit die Absicht, die Burg "zu einem Museum für die Geschichte unseres Hauses, unseres Landes, ja von ganz Deutschland" zu gestalten, d. h., dass ihre Wiederherstellung auch der Glorifizierung des Fürstenhauses und der Legitimierung seines Anspruches, Hüter und Bewahrer nationaler Traditionen zu sein, dienen sollte.

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H. L. von Gleichen-Rußwurm, Vorderer Burghof, 1833

H. L. von Gleichen-Rußwurm, Vorderer Burghof, 1833

Von diesen Grundsätzen ausgehend, entstanden auf alten Fundamenten einige Gebäude im neuromanischen bzw. neugotischen Stil, so der Bergfried und die Neue Kemenate (1853 - 1859), die Dirnitz (1866/67), das Gadem (1874 - 1877), das Ritterbad (1889 bis 1891). Auch die Innenräume erhielten eine zum Teil überladene romantisierende Dekoration.

Zu den großen künstlerischen Schöpfungen dieser Zeit für die Wartburg und darüber hinaus der spätromantisch - volkstümlichen Kunst überhaupt gehören die Fresken Moritz von Schwinds im Palas (1854/55). In diesen Bildern, deren Stoffe den Sagen und Legenden um die Thüringer Landgrafen entnommen sind, finden alltägliche menschliche Erfahrungen und Sehnsüchte poetische Verallgemeinerung. Auch das Schaffen von Dichtern und Komponisten hat das glanzvoll erstandene Denkmal Wartbung beeinflußt und angeregt; das bekannteste derartiger Werke wurde Richard Wagners Oper "Tannhäuser und der Sängerkrieg auf der Wartburg.

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Carl Friedrich Patzschke, Burghof nach Norden, nach 1840

Carl Friedrich Patzschke, Burghof nach Norden, nach 1840

Die Jahrzehnte der Restaurierung förderten auch das Interesse der Zeichner und Maler an der Burg, deren Aufmerksamkeit sich nun wieder mehr auf die Erfassung des baulichen Zustandes richtete (Patzschke, Gropius, Kuchenbuch, Bauer). Sind ihre Darstellungen meist mehr von bauhistorischem als künstlerischem Interesse, so gewinnt später Gleichen-Rußwurm dem stillen lichtdurchfluteten Burghof neuen farbig-malerischen Reiz ab.

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Otto Paetz, Vorderer Burghof im Winter, 1965

Otto Paetz, Vorderer Burghof im Winter, 1965

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Quellen

Auszug aus dem Buch „Die Burg und die Stadt-Die Wartburg und Eisenach in graphischen Darstellungen“
Herausgeber: Wartburg-Stiftung Eisenach, Thüringer Museum Eisenach

 

Weiteres unter:

http://www.wartburg-eisenach.de/frame_wn.htm

http://www.deutsche-museen.de/unesco.php?uid=26

 

 

Letzte Aktualisierung ( 29. 10. 2009 )
 
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