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24. 06. 2017
Denkmale Erfurts PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Matthias Stier   
27. 02. 2007
Beitragsinhalt
Überblick
Vor 1400
1401 - 1500
1501 - 1600
1601 - 1806
1806 - 1814
1814 - 1870
1870 - 1900
1901 - 1919
1919 - 1933
1933 - 1945
1945 - 1949
1949 - 1990
1990 - heute
Legende-Literatur

Fotos: Klaus Fischer
erweitert, dazu auch phot., zusammengestellt: Detlef Tonn


Zeitzeugnisse aus acht Jahrhunderten Stadtgeschichte (14.-21. Jh.)

Überblick


Auswahlverzeichnis Denkmale (alphabetisch)
Legende-Literatur/Quellen

Einleitung

Viele dieser öffentlichen Monumente spiegeln den Zeitgeist ihrer Entstehungsepoche und Stifter wider. Oft sind sie bewusst als politische oder kulturelle Symbolstätten errichtet worden, vor deren Kulisse Rituale und Festlichkeiten stattfanden. Sammelten sich unsere national und preußisch-monarchisch gesinnten Vorfahren einst vor Kaiser-Wilhelm-Denkmal, Bismarckturm oder Kriegerdenkmalen, sind vielen heutigen Erfurtern noch die realsozialistischen Appelle, Fackelzüge oder Kranzniederlegungen an entsprechenden Gedenkorten in Erinnerung. Gerade die Einweihung solcher Denkmale geriet oft zum pompösen Symbolakt, wie etwa die Enthüllung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals am 25. August 1900 in Anwesenheit Kaiser Wilhelms II. Deshalb wurden bei Systemwechseln immer wieder ideologisch unliebsam gewordene Erinnerungsstätten zerstört, dem Verfall überlassen oder umgewidmet.

Nach dem sagenumwobenen Sibyllentürmchen das älteste der beschriebenen Denkmale ist der "Römer" auf dem Fischmarkt (1591), der als Symbol für die mittelalterliche Handels- und Kulturmetropole steht. Vom 13. bis 17. Jahrhundert genoss die Stadt weitgehende Autonomie von ihrem kurmainzischen Landesherrn. Gewerbe und Handel, vor allem mit dem Blaufärbemittel Waid, blühten und machten das "Land Erfurt" reich. Das Lutherdenkmal (1883) auf dem Anger verweist auf die wichtige historische Rolle als Lutherstadt, aber auch auf die florierende alte Erfurter Universität (1392-1816).
Das Wissenschafts- und Druckereizentrum zog bedeutende Gelehrte nach Erfurt, darunter den sprichwörtlichen Rechenmeister Adam Ries, an den man im einstigen "lateinischen Viertel" erinnert. Auf den Mystiker Meister Eckhart (um 1260-1328) macht das kunstvoll gestaltete Portal an der Predigerkirche aufmerksam.
Die sogenannte Reduktion von 1664 band Erfurt wieder fest an Mainz. Zuvor waren die von Schwedenkönig Gustav II. Adolf - vor der Predigerkirche in Denkmalform verewigt - unterstützten Bestrebungen nach Reichsunmittelbarkeit gescheitert. Mit dem Obelisken auf dem Domplatz wurde dem letzten kurmainzischen Landesherrn, Erzbischof Friedrich Carl Joseph von Erthal, 1777 eine bleibende Erinnerung gesetzt. Stehen das späte 17. und das 18. Jahrhundert eher für Stagnation, erinnern die beiden Denkmale für Christian Reichart (Reichart-Denkmal I, Reichart-Denkmal II) an die Anfänge des Erfurter Gartenbaus, der es im 19. Jahrhundert zu Weltgeltung bringen sollte.
Eine tiefe Zäsur in der Stadtgeschichte erfolgte 1802/15, als Erfurt unter die Herrschaft der preußischen Krone gelangte. Große Teile des Bürgertums entwickelten ein fest verwurzeltes preußisches Landesbewusstsein, nachdem die Stadt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wirtschaftlich einen bedeutenden Aufschwung nahm. Mit der Gründung des Deutschen Kaiserreiches 1871 fand die nationale Bewegung ihren Ausdruck in zahlreichen öffentlichen Monumenten.
Das Kriegerdenkmal auf dem Hirschgarten, der Bismarckturm im Steiger und das Kaiser-Wilhelm-Denkmal am heutigen Karl-Marx-Platz sind hierbei nur die wichtigsten. Hinzu kamen Denkmale für verdiente Bürger (Breslau-Denkmal, Herrmanns-Brunnen) oder die Bürgerschaft wie im Alten Angerbrunnen (Monumentalbrunnen). Aber auch an die sozialdemokratische Gegenkultur des Arbeitermilieus wird etwa durch das Reißhaus-Grabdenkmal erinnert.
Ein wichtiger Anlass für die Errichtung öffentlicher Denkmale waren und sind die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts. Die meisten Krieger- und Regimentsdenkmale für den Ersten Weltkrieg 1914 bis 1918 sind, wie das Reiter-Denkmal in der Bahnhofstraße, mittlerweile aus dem Stadtbild verschwunden. Überwiegend aus der DDR-Zeit stammende Opfer des Faschismus- (OdF-) Denkmale erinnern an die Opfer der NS-Diktatur und des Zweiten Weltkrieges 1933 bis 1945. Der jüngste diesem Zweck gewidmete Erinnerungsort, das 1995 am Fuße des Petersberges eingeweihte Unbekannter Wehrmachtsdeserteur-Denkmal, hat als Denkmal im besten Wortsinne intensive Diskussionen angeregt.

Auch die DDR ist im öffentlichen Erinnerungsraum noch immer präsent: Aufbauhelfer-Denkmal, (Neuer) Angerbrunnen, Völkerfreundschaft-Wandbild, Luxemburg- und Gagarin-Denkmal, um nur einige zu nennen. Die vielen Denkmale und Gedenksteine für namensgebende Persönlichkeiten von Schulen oder Betrieben sind dagegen weitgehend beseitigt. Als eines der wenigen erhaltenen wurde das Denkmal für Theodor Neubauer auf dem Gelände der einstigen Pädagogischen Hochschule, der heutigen Universität Erfurt, mit aufgenommen. Nach 1989/90 galt es schließlich, auch der Opfer der SED-Diktatur zu gedenken. Dies geschieht u.a. durch die Gedenktafel am ehemaligen "Stasi"-Gefängnis in der Andreasstraße. Das umstrittenste Projekt galt dem Erfurter Gipfeltreffen 1970, das im Rahmen der Sanierung des "Erfurter Hofes" und des heutigen Willy-Brandt-Platzes 2007 verwirklicht wurde.

Es wird auch künftig neue Denkmale geben, so wie uns die Zukunft weitere denkwürdige Ereignisse und Persönlichkeiten bringen wird. Aber vielleicht erinnert man sich an längst Vergangenes, das unter einer veränderten Sichtweise nun denkmalswert erscheint, wie etwa den Erfurter Fürstenkongress 1808 oder die Erfurter Union 1850. Ebenso werden sich gegensätzliche Meinungen über die Berechtigung eines Denkmals kaum verhindern lassen.

Autorenkürzel: RM = Prof. Dr. Ruth Menzel, SR = Dr. Steffen Raßloff, DT = Detlef Tonn



Letzte Aktualisierung ( 19. 06. 2017 )
 
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