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29. 03. 2017
Denkmale Erfurts PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Matthias Stier   
27. 02. 2007
Beitragsinhalt
Überblick
Vor 1400
1401 - 1500
1501 - 1600
1601 - 1806
1806 - 1814
1814 - 1870
1870 - 1900
1901 - 1919
1919 - 1933
1933 - 1945
1945 - 1949
1949 - 1990
1990 - heute
Legende-Literatur

1601 - 1806

 
Pestkreuz von Schmidtstedt, KD, nicht erhalten

Standort: ca. 150 m s  Weimarische Straße
Einweihung: vermutlich 18. Jh.

Bis kurz nach 1965 stand etwa 150 m südlich der Weimarischen Straße in Erfurt ein Holzkreuz, dessen verwitterter Sandsteinsockel noch heute umgestürzt vorhanden ist. Es war als "Schmidtstedter Pestkreuz" bekannt, stand es doch als traditionsreiches Mahnmal für zwei der großen Massensterben in der älteren Erfurter Stadtgeschichte. Jahrelange Missernten, hervorgerufen durch lange harte Winter und verregnete Sommer, sowie eine politisch begründete Blockade durch Landgraf Friedrich hatten zu einer schweren Hungersnot geführt, die 1315/16 in Erfurt ihren Höhepunkt erreichte. Das zeitgenössische, lateinische Chronicon Sampretinum aus dem Peterskloster berichtet, dass 1316 fast 8000 Opfer in fünf großen Gruben "vor der Stadt ... in Schmidtstedt" bestattet wurden, "weil es so außergewöhnlich viele Verstorbene waren" und die städtischen Friedhöfe nicht mehr ausreichten. Als Fürbitte zur Erlangung des ewigen Seelenheils dieser „während der großen Hungersnot verstorbenen und auf dem Kirchhofe des Dorfes Schmidtstedt bei Erfurt begrabenen Bürger" und die künftige Bewahrung der Stadt vor Hunger, Pest und Not gelobten 1341 Rat und Bürgerschaft zu Erfurt die jährliche Ausrichtung einer Prozession zum Schmidtstedter Kirchhof. Die Stiftungsurkunde mit zehn Siegeln und einer bemerkenswerten Miniatur (Beweinung des gekreuzigten Heilands) ist noch erhalten.

Als 1346-50 die Pest ein neuerliches Massensterben verursachte, begrub man Tausende Tote auf dem Kirchhof zu Neuses am Roten Berg und stiftete gleichfalls eine jährliche Prozession dorthin. Beide Prozessionen (die nach Schmidtstedt und die nach Neuses) gingen aber in den Reformationsjahren um 1520 ein. Erst am 28.4.1581 wurde die Schmidtstedter durch Weihbischof Nikolaus Elgard wieder neu belebt; die Neuseser ging dabei in ihr auf. Die feierlichen Umzüge mit Gebet und Gesang fanden nun bis 1922 jeweils zwischen Ostern und Pfingsten (ursprünglich in der Pfingstwoche) statt, unterbrochen noch einmal durch die schwedische Besetzung seit 1631. Zu jener Zeit bestand das Dorf Schmidtstedt schon längst nicht mehr; es wird angenommen, dass es sich bereits zu Ende des 14. Jh. in einem früheren Prozess der Wüstwerdung befand. Lediglich die Dorfkirche war noch vorhanden und wird auch auf einem Plan des Schmidtstedterfeldes 1638 bildIich dargestellt. Noch 1619 war sie neu instandgesetzt worden, soll aber dann von den Schweden geschliffen worden sein und wird 1650 in einem kaiserlichen Rezess als „ruiniert" bezeichnet. Zu dem im Hinblick auf die Prozessionen von Mainz geforderten Wiederaufbau kam es indes nicht mehr, und an ihrer Stelle bzw. an der Stelle ihres Altars wurde auf Veranlassung des Marienstiftes ein hölzernes Kruzifix aufgerichtet. Es sollte als Zielpunkt der 1651 wieder aufgenommenen Prozessionen dienen. Gedachte man vorher der Opfer der Hungersnot von 1315/16 und der Pesttoten von 1346/50, kam im 18. Jh. eine weitere Intention hinzu: die Bitte um den Segen der Feldfrüchte. Am Treffpunkt der Prozessionsteilnehmer, wozu auch alle
Schulkinder der Stadt gehörten, war vor dem Schmidtstedter Tor 1753 ein weiteres Holzkreuz errichtet worden. Später wurde es durch ein gußeisernes ersetzt, das bis 1939 am Spielbergtor stand und von dem es leider keine Abbildung zu geben scheint. Ein bis 1890 mehrfach aufgelegtes „Prozessionsbüchlein" beschreibt genau den Ablauf der Prozession: Über den Schmidtstedter Kirchhof, wo gebetet wurde und den der Priester dreimal umschritt und mit Weihwasser besprengte, führte der feierliche Umzug in die Dittelstedter Kirche zu einer Predigt und von dort aus durch das Löbertor in die Neuwerkskirche, wo der Abschluss erfolgte. Dem Umzug wurden Kreuz und Fahnen vorangetragen.

So kennzeichnete das Schmidtstedter Pestkreuz (Foto 1919) bis in unsere Tage hinein den Ort der Massengräber von 1315/16. Die Pestgräber am Roten Berg, wo in einer über 2,50 m tiefen Skelettschicht unzählige Tote wirr durcheinanderlagen, konnten 1926 archäologisch untersucht und dabei der Beweis erbracht werden, dass die Bestattungen tatsächlich auf dem Kirchhof des (noch existierenden) Ortes und neben den „geordneten Grabreihen der Dorfbewohner" erfolgt waren. Ein schon von dem Chronisten Hogel erwähnter Inschriftstein des 15. Jh., der über der Schmidtstedter Kirchtür eingemauert war und an das große Sterben von 1316 erinnert, wurde 1957 in einem unterirdischen Gang in der Johannesstraße wiederentdeckt und ist heute in der Vorhalle des Angermuseums zu besichtigen. Dagegen hat ein irrig mit" Schmidtstedter Pestkreuz" beschriftetes Steinkreuz im Volkskundemuseum nichts mit den Massengräbern zu tun. Frank Störzner (DT)

 

Erthal-Obelisk

Wanderslebener Sandstein / Stufen Granit
Standort: Domplatz, Mitte
Einweihung: um 1777

Erthal-ObeliskUm 1777 errichtete die Stadt für den damals 58-jährigen Kurfürsten und Erzbischof von Mainz, Friedrich Carl Joseph von Erthal (1719-1802), anlässlich seines ersten Besuches in Erfurt einen ehrenden Obelisken.
Auf einen quadratischen Sockel mit lorbeerumkränztem Bildnis, Namenszug, Wappen und Initialen, Orden und Ehrenzeichen setzte ein unbekannt gebliebener Meister einen spitz zulaufenden, 18 Meter hohen Pfeiler. Eine Widmung im Sockel verweist darauf, dass die "treuen Unterthanen hiesiger Stadt dem besten Vater des Landes" dieses Denkmal "zu ewigem Gedächtnis" erbaut haben. Es kostete 1.120 Taler, wovon eine Kollekte 858 Taler eingebracht hatte.
Erthal war der letzte der Mainzer Landesherren, der über Erfurt herrschte. Seine Regierungszeit währte von 1774 bis 1802, als den 83-Jährigen der Tod ereilte. Schon zu Lebzeiten war Erthal umstritten. Von einigen als einer der aufgeklärtesten Fürsten Deutschlands gelobt und als wohlwollend, diplomatisch, mildtätig und tolerant bezeichnet, wurde er von anderen als strenger Zensor aller freiheitlichen Regungen im Lande und als reaktionär getadelt. Seinem Erfurt-Besuch von 1777 folgten weitere in den Jahren 1793, 1795, 1800 und 1801.
Mehrfach forderten schädigende Umwelteinflüsse, wie Frost und Blitzschlag, die Restaurierung der maroden Steine. 1989 veranlassten private Spender eine Teilsanierung und im Jahre 2005 erfolgte die Ausbesserung der granitenen Basis. (RM)

mehr:
In: Stadt und Geschichte - Zeitschrift für Erfurt (Heftnummer):
Menzel, Prof. Dr. Ruth: Denkmale in Erfurt - Denk mal darüber nach: Der Erthal-Obelisk (20)

 

Minerva-Brunnen, Brunnendenkmal, mehrfach - zuletzt 1976 - versetzt

Seeberger Sandstein
Standort: Domplatz, SW-Rand
Einweihung: 1784

Minerva-BrunnenNur wenige Jahre nach der Errichtung des Erthal-Denkmals entstand 1784 in seiner Nähe ein Laufbrunnen mit der Statue einer Minerva. In der antiken Sagenwelt galt Athena, die Lieblingstochter des Zeus, als Beschützerin der Stadt Athen, als Stifterin der Weisheit und Kriegskunst, Schirmherrin der Künstler, Handwerker, Lehrer und Ärzte. Die Römer nannten sie Minerva und vergötterten sie als Schutzherrin ihrer Hauptstadt, der Kunst und Wissenschaft, als Beistand in Belangen der Rechtspflege und Staatsordnung.
Die Erfurter Minerva wurde 1784 zu Zeiten des Mainzer Statthalters Karl Theodor Freiherr von Dalberg (1744-1817) geschaffen und aufgestellt. Dalberg förderte Kunst und Wissenschaft, die unter seiner Regierung zu einer großen Blüte gelangte. So gilt die schöne, mit Helm, Lanze, Brustpanzer und Schild gerüstete Minerva wahrscheinlich als Symbol des aufklärerischen Strebens Erfurter Bürger.
Nach mehreren Standortwechseln seit 1976 auf dem heutigen Fleck, gehört das Nutz- und Kunstobjekt zu Erfurts seltenen Schätzen: Es ist der älteste noch im Freiraum erhaltene Brunnen, erinnert als letzter an die einst 55 öffentlichen Laufbrunnen der städtischen Wasserversorgung und zeigt eine der wenigen in Erfurt bewahrten barocken Plastiken, die einen Bezug zur antiken Mythologie besitzen. Zum 1250. Stadtjubiläum 1992 inspirierte die Aktion "Denkmale suchen Sponsoren" den Verein Heimattreue Erfurter, 33.000 Mark für die Restaurierung zu spenden. (RM)

mehr:
In: Stadt und Geschichte - Zeitschrift für Erfurt (Heftnummer):
Menzel, Prof. Dr. Ruth: Denkmale in Erfurt - Denk mal darüber nach: Der Minervabrunnen (22)



Letzte Aktualisierung ( 02. 12. 2016 )
 
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