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26. 03. 2017
Brehm, Alfred Edmund - Zoologe PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Martin Schoder   
07. 03. 2007
Brehms Tierleben - ein Begriff  in der populärwissenschaftlichen zoologischen Literatur

* 2. Februar 1829 Renthendorf bei Neustadt an der Orla
† 11. November 1884 ebd.

Porträt Alfred  Edmund Brehm
Quelle: Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus,
Mannheim

Am 02.02.1829 wurde der Zoologe in Unterrenthendorf (heute Renthendorf) bei Neustadt/Orla geboren.

Der Sohn des "Vogelpastors" Christian Ludwig Brehm und dessen zweiter Ehefrau Bertha wurde als zweites von sieben Kindern geboren. Pastor Brehm war ein guter Familienvater und beliebter Seelsorger. Aber Christian Ludwig Brehm machte sich auch als Ornithologe mit Veröffentlichungen und einer umfangreichen Sammlung ausgestopfter Vögel in der Fachwelt einen Namen. Über 9000 tote Vögel boten im Pfarrhaus einen Einblick in die europäische Vogelwelt. Schon früh zeigte er seinem Sohn die Schönheiten der heimischen Vogelwelt und öffnete ihm die Augen für die Faszination der gefiederten Tiere. Er nahm Alfred mit auf die Jagd und zeigte ihm, wie man die geschossenen Vögel abbalgen und präparieren muss.

Im Frühjahr 1844 kam Alfred Brehm zu einem Baumeister in Altenburg in die Lehre. Er erlernte bis September 1846 das Maurerhandwerk und absolvierte die Altenburger Kunst- und Handwerksschule. 1846 ging er nach Dresden, um Architektur zu studieren und der Sohn des Pastors wäre mit Sicherheit ein guter Architekt geworden, wenn nicht 1847, von dem schwäbischen Vogelkundler Baron Johann Wilhelm von Müller, einem Freund des Vaters, das verlockende Angebot gekommen wäre, Alfred zu einer Forschungsexpedition nach Afrika mitzunehmen. Kurzerhand brach er das eben in Dresden begonnene Architekturstudium ab.
Anfangs schlossen sich Brehm und der Baron katholischen Missionaren an, später erkundeten sie Nordafrika auf eigene Faust. Die Reise führte nach Ägypten, in den Sudan und auf die Sinaihalbinsel. Mit der Zeit fand Alfred Brehm die Jagd und das Sammeln von Präparaten nicht mehr ausreichend, um das Leben der Tiere zu verstehen. Er beschloss, verschiedene Tiere selbst zu halten. Er interessierte sich nicht nur für die Tierwelt, sondern hatte auch einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit und war empört über die Sklaverei und die willkürlichen Misshandlungen der Schwarzen durch ihre Herren. Inzwischen kam es immer zu Differenzen zwischen dem jungen Brehm und dem Baron über die Verteilung der Arbeit. Als auch noch finanzielle Probleme auftraten, trennte man sich.

Im Frühjahr 1851 kehrte Alfred Brehm nach Mitteldeutschland zurück. Die wissenschaftliche Ausbeute der Reise war so bedeutsam, dass er im Alter von nur 20 Jahren mit der Mitgliedschaft der Akademie der Naturforscher (Leopoldina) ausgezeichnet wurde.

Nach seiner Rückkehr begann er 1853 mit dem Studium der Naturwissenschaften an der Universität in Jena. Wie sein Bruder Reinhold Brehm wurde er bei dem Corps Saxonia Jena, einer Studentenverbindung, aktiv. Wegen seiner Forschungsreisen durch Nordafrika erhielt er von seinen Corpsbrüdern den respektvollen Spitznamen "Pharao". Nach nur vier Semestern schloss er sein Studium am 01.05.1855 mit der Promotion ab. Mit seinem Bruder Reinhold begab er sich 1856 auf eine zweijährige Spanienreise.

1858 zog er nach Leipzig. Hier wollte er sich als freier Schriftsteller versuchen. Er publizierte in einigen Zeitschriften, unter anderem in "Die Natur" und in der Wochenzeitschrift "Aus der Heimat". Die "Gartenlaube" entwickelte sich unter seiner Mitarbeit zum führenden deutschen Familienblatt.

1860 unternahm er eine Expedition nach Norwegen und Lappland.

Da Brehm daran dachte, eine Familie zu gründen, nahm er eine Stelle als Geographie- und Naturkundelehrer an der Höheren-Töchterschule in Leipzig an. Die Hochzeit am 14. Mai 1861 mit seiner elf Jahre jüngeren Cousine Mathilde Reiz brachte eine warmherzige junge Frau in sein Leben, mit ihr zeugte er fünf Kinder.

Da ihn die Lehrtätigkeit nicht auszufüllen vermochte, kam ihm 1862 das Angebot, Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg-Gotha wie gerufen, diesen auf eine Jagdexpedition nach Ägypten und dem und dem Bogosgebiet zu begleiten. Doch schon Mitte des Jahres musste er mit seiner Frau nach Deutschland zurückkehren, denn beide litten an heftigen Fieberanfällen.

Dennoch hielt ihn seine Reiselust nicht lange zu Hause. Es zog ihn noch mehrfach nach Afrika, Sibirien und Skandinavien.

Seine Aufsätze und Reiseberichte aus der Tierwelt waren so erfolgreich, das der Verleger Herrmann Julius Meyer ein vierbändiges Werk, das "Brehms Tierleben" herausbrachte. Dieses Nachschlagewerk machte ihn weltweit bekannt und ist auch heute noch ein Begriff.

Kurz darauf bekam Brehm den Direktorposten des Zoologischen Gartens in Hamburg angeboten. Voll Tatendrang und mit innovativen Ideen ging der junge Direktor an eine Umgestaltung des Tierparks. Dazu gehörte die Erhöhung der Besucherzahlen durch besondere Attraktionen ebenso, wie die artgerechte Unterbringung der Tiere und die Jungtierzucht. Allerdings machte er sich damit nicht nur Freunde. Der Verwaltungsrat des Zoos kündigte ihm schließlich.
Schon bald darauf bekam Brehm die Leitung des geplanten Berliner Aquariums angeboten, welches am 11. Mai 1869 eröffnet werden konnte. Fünf Jahre hatte Brehm die Leitung inne. Als er dann schwer krank wurde, er war körperlich und psychisch vollkommen erschöpft, legte Brehm sein Amt nieder. Den Unterhalt für seine Familie wollte er in Zukunft mit Vortragsreisen und als freier Schriftsteller bestreiten.

Kaum hatte er sich wieder erholt, startete er mit seinem Freund Otto Finsch 1876 zu einer Expedition durch Westsibirien. Zwei Reisen mit dem österreichischen Kronprinzen Rudolf in das Donaudelta und nach Spanien schlossen sich in den folgenden Jahren an.

Die Vielzahl seiner Erlebnisse verarbeitete Brehm in zahlreichen Aufsätzen. Nicht zuletzt in seinem größten und bekanntesten Werk"Brehms Tierleben". Darin vermittelte er dem Leser die von ihm empfundene starke Freude an der Natur und Liebe zu den Tieren. Alfred Brehm war ein Mann der Praxis, kein trockener Theoretiker. Er wollte sein Buch für ein breites Publikum schreiben, ohne überflüssigen wissenschaftlichen Ballast und so anschaulich wie möglich. So war "Brehms Tierleben" der erste Versuch, naturwissenschaftliche Kenntnisse aus dem Elfenbeinturm herauszuholen und einem breiten Publikum zugänglich zu machen.

Die letzten Jahre waren für Brehm von Schicksalsschlägen geprägt. 1878 starb seine Frau Mathilde. Im Winter 1883/1884 unternahm er eine Vortragsreise in die USA. Kurz vor seiner Abfahrt erkrankten seine vier bei ihm wohnenden Kinder an Diphterie. Er entschloss sich trotzdem zur Reise, da er das Geld für die sonst fällige Vertragsstrafe nicht aufbringen konnte. Ende Januar erreichte ihn dann die Nachricht vom Tod seines jüngsten Sohns. Nachdem er schon seit Jahren an verschleppten Tropenkrankheiten litt, erkrankte er am Mississippi an Malaria.

Seine Gesundheit verschlechterte sich zusehends. Vom Schicksal und harter Arbeit gezeichnet, kehrte Alfred Brehm von seiner Reise nach Deutschland zurück und erlag nur wenige Monate später einem Schlaganfall.

Straßenbenennung

Erfurt, Windischholzhausen: Alfred-Brehm-Straße

Quellen / Literatur
www.erfurt-web.de

 

Letzte Aktualisierung ( 14. 03. 2017 )
 
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