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16. 07. 2019
Tiere im Erfurter Steigerwald PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Detlef Tonn   
28. 01. 2008
Beitragsinhalt
Vorwort
Amphibien
Echsen
Insekten
Säugetiere
Vögel

Insekten

Bockkäfer - harmlose Pollenfresser

Die blühenden Stauden der Doldenblütengewächse kennzeichnen im August weite Teile der Feldschicht im Steigerwald. Je feuchter der Standort ist, desto dichter steht die beinahe mannshohe Wald-Engelwurz. Bisweilen - wie am Erlensumpfweg - kann diese Umbellifere aspektbildend unter dem Laubdach der Eschen und Erlen auftreten.

Aus der Nähe betrachtet, erweisen sich die blühenden Pflanzen als "Versammlungsort" gefährlich aussehender, aber völlig harmloser Schwebfliegen, Wanzen und Käfer. Zu Dutzenden naschen diese Insekten gemeinsam süßliche Flüssigkeit, die die Blütchen absondern, bzw. sie fressen den gelblichen Pollenstaub. Körperlich ziemlich auffällig sind darunter die schwarzgelb gemusterten Körper der Schmalböcke - der wohl häufigsten Vertreter der Bockkäfer im Steiger. Daneben treten vor allem Streifenwanzen, Soldatenkäfer (eine Weichkäfer-Art) und die obligaten Marienkäfer in Erscheinung.

Die Bockkäfer fallen durch meistens lange, gebogene Fühler am Kopf auf, die jedoch nicht zum "Fühlen" konstruiert sind, sondern zum Riechen. Es sind die Träger des Geruchssinns. Mit diesen Antennen werden chemische Signale aus der Umwelt eingefangen: Duftstoffe, die Artgenossen und Geschlechtspartner, Freßfeinde und Nahrungsquellen absondern. Die meisten "Böcke" sind Pollenfresser und Baumsaft-Nascher. Ein paar nehmen in ihrer nur kurzen Lebenszeit als Imago gar keine Nahrung mehr zu sich, sie haben in ihrer Larvenzeit ausreichend Nährstoffe im Körper angespeichert.

Die harmlosen, wespenförmig schwarzgelb gezeichneten Schmalböcke (mehrere Arten, z. B. Strangelia quadrifasciata) sind die häufigeren. Sehr ähnlich ist der Eichenwidderbock auf den Flügeln gemustert. Die abgebildete Art Sperda scalaris wurde auf Rohrkolbenblättern im Naturdenkmal "Teufelssumpf" nah des Hubertus beobachtet. Es ist ein kleiner, nur 17-18 mm langer paläarktisch verbreiterter Bockkäfer. Er ist in Europa ziemlich selten und trägt wohl deshalb keinen deutschen Namen. Seine Larven entwickeln sich in vertrockneten Zweigen von Eichen, Hain- und Rotbuchen sowie in Salweiden. Diese Gehölze sind im südlichen Steiger ("Martinsbusch") reichlich vorhanden. Die erwachsenen Käfer können bisweilen schon im April, an warmen Tagen, gesichtet werden. Das abgebildete Exemplar nahm hingegen im Juli ein Sonnenbad auf dem Pflanzenhalm.

http://www.natur-lexikon.com/Ausgabe/Ausgabe2.php?Text=Cerambycidae&Text3=Bockk%C3%A4fer-Monographien%20im%20Natur-Lexikon

 

Fliegender Brauner Bär - "Haarpelz" schützt zur Winterszeit

Wenn die Entomologen von den Bären sprechen, meinen sie nicht die riesigen Säugetiere, sondern die bunten (besonders geschützten) Schmetterlinge der Familie Arctiinae. Dabei handelt es sich um unterschiedlich große Falter mit lebhafter Färbung und Zeichnung auf den Flügeldecken. Und zieht man ein Bestimmungsbuch zu Rate, kann man alle 22 Spezies auseinanderhalten zumindest theoretisch.

Da gibt es Spanische Fliegen, Hofdamen, Englische, Blut-, Schön-, Purpur-, Augsburger, Zimt- und Grasbären, um nur ein paar Vertreter zu nennen. Erwähnenswert, weil in thüringischen Gefilden zu Hause, ist der Braune Bär (Arctia caja). Auch im Erfurter Raum kann er hin und wieder beobachtet werden. Seine Flügelspanne erreicht etwa sieben Zentimeter.

Die Flugzeit des Schmetterlings reicht von Juli bis August, das Fluggebiet umfaßt Waldränder, Bachtäler, Parks oder buschige Hänge. Die Raupen sind - wie bei allen Bärenspinnerraupen - sehr dicht behaart, daher der Name Bären. Diese fressen am Kraut der Heidelbeere, Besenheide, Himbeere, Schlehe und Schneebeere, wenn sie im September aus den Eiern geschlüpft sind. Die Raupen überwintern. dabei werden sie durch das pelzige Haarkleid vortrefflich gegen Witterungsunbilden geschützt. Die Entwicklung setzt sich im Frühjahr fort.

Erst im Juni verpuppen sich die Raupen in einem weichen, haarigen Gespinst von grauweißer Färbung am Erdboden. An einem warmen Tag im Juni/Juli sprengt dann der inzwischen fertige Falter seinen Puppenkörper auf und setzt zum Jungfernflug an.

Da der braune Bär in der Wahl seiner Nahrung ziemlich variabel ist, droht ihm vom Angebot an Futterpflanzen für die Raupen keine Gefährdung. Wohl aber bestehen große Gefahren durch den Einsatz bestimmter Pflanzenschutzmittel. die in unseren Forsten und landwirtschaftlichen Kulturen nach wie vor eingesetzt werden.

Übrigens fliegt dieser hübsche Schmetterling zu nächtlicher Zeit viel häufiger als tagsüber. Das dürfte auch der Grund sein, weshalb man die Bären tags nicht zu Gesicht bekommt, es sei denn, man hat den Ruheplatz eines Tieres zufällig aufgestöbert. Im Ruhezustand bedecken die vorderen Flügel die hinteren. Bei vermeintlicher Gefahr öffnen sich die Flügel und das bizarre Bild der hinteren soll Feinde abwehren. So äußerten sich seinerzeits die Begründer der "Warntracht-Hypothese".

http://de.wikipedia.org/wiki/Brauner_B%C3%A4r_(Schmetterling)
http://www.insektenbox.de/schmet/brauba.htm

 

Erdlaufkäfer - Räuberische Gesellen mit FlügeIn

Die Erdlaufkäfer der Gattung Carabus (Großlaufkäfer ) sind fast ausnahmslos räuberische Arten. Täglich vertilgen sie eine Nahrungsmasse, die beinahe das Zweieinhalbfache ihres eigenen Körpergewichts ausmacht. Zum Nahrungsspektrum zählen Larven von Fliegen, Blattwespen und Schmetterlinge, auch Schnecken und Würmer. Mithin befinden sich zahlreiche Kulturschädlinge in Forst, Garten und Feld in dieser Nahrung. Über den wirtschaftlichen Nutzen der Erdlaufkäfer berichteten die Entomologen bereits im vorigen Jahrhundert.

Mit bis 42 mm Körperlänge, mit teilweise metallisch glänzender Färbung und dekorativer Ketten- und Punktstreifung der Flügeldecken fallen die recht großen Käfer selbst Laien auf. Da Carabus-Arten kaum noch fliegen können - sie bewegen sich flink laufend vorwärts - ist ihr Aktionsradius auf wenige Dutzend bis wenige hundert Meter beschränkt. Sie zeigen eine starke Bindung an den jeweiligen Standort und spezielle ökologische Ansprüche an ihre kleine Umwelt.

Neunzehn Arten heimischer Carabiden gibt es, davon sind mindestens drei Viertel gefährdet. Ursachen der Ausrottung (fälschlich "Aussterben" genannt) sind u.a. die Zerstörung der Lebensräume durch rücksichtslose Landnutzungsverfahren, die toxische Belastung der Nahrungsketten (Umweltgifte).

Die Unterscheidung der Laufkäfer ist leicht anhand der Flügeldeckenstruktur möglich. So zeigt nur Carabus glabratus eine völlig glatte Flügeldecke (Glatter Laufkäfer). Der Lederlaufkäfer zeigt eine Runzelung der Decken, feine Längsstreifen besitzen Kurzgewölbter Laufkäfer und die hübsche "Goldleiste". Jeweils drei Rippen zeigen Heidelaufkäfer und Goldglänzender Laufkäfer. Längsrillen und sehr regelmäßig angeordnete Punktstreifen weisen solche Arten auf, wie Garten-, Ufer-, Waldlaufkäfer, Berg- und Hainlaufkäfer.

Bevorzugter Lebensraum fast aller Carabiden sind Wälder, Forsten und Gebüsche verschiedener Prägung. Der Erfurter Steiger enthält mehrere Arten. Sehr auffällig ist der "Goldschmied" oder die "Goldhenne" mit den grüngoldenen Flügeldecken. Letztere ist tagaktiv, andere sind meist nächtlich aktiv.

Die meisten Erdlaufkäfer pflanzen sich im Frühjahr fort. Die Eiablage erfolgt im Mai, das Larvenstadium dauert bis August und bei günstiger Witterung verlassen die Jungkäfer bereits im September die Puppenwiegen.

http://www.natur-lexikon.com/Texte/HWG/001/00037/HWG00037.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Echte_Laufk%C3%A4fer

 

Gallen - Larvenkammern von Insekten

Der Erfurter Steiger ist die Heimstatt einer riesigen Zahl von Insektenarten. Sie überdauerten hier die Jahrtausende der Nacheiszeit oder fanden hier infolge forstlicher Kultivierung des Waldes zusagende Lebensbedingungen. Eine kleine Gruppe jener Tiere mit sehr unscheinbarer Lebensweise und ganz erstaunlicher Spezialisierung kündet ihre Existenz immer wieder durch auffällige Formen an Bäumen und Sträuchern an. Es sind Gallen an Blättern, Knospen, Zweigen und Wurzeln. Solche "Mißbildungen" werden von Läusen, Gallmücken, Gallmilben und Gallwespen erzeugt.

Riesig muten die "Eichäpfel" an den Zweigen der Stiel- und Traubeneichen an (siehe nebenstehendes Foto). Kirschgroße Blattgallen findet man auf Lindenblättern und Buchenlaub. Sehr bekannt sind die behaarten Gallen der Gemeinen Rosengallwespe, im Volksmund als "Rosenapfel" bezeichnet. Diese Galle ist mit langen, verzweigten und rötlichen Haaren bedeckt. Sie entwickelt sich bis zur Faustgröße auf Heckenrosensträuchern. Die "Rosenäpfel" wurden wegen Form und Struktur im früheren Aberglauben als "Schlafäpfel" verwendet, denn sie sollten - unter ein Kopfkissen gelegt - "Dauerschlaf" bewirken können.

Vom Lichte des Wunderglaubens befreit, schneidet man ganz einfach die "Schlafäpfel" durch. Man findet eine, öfter auch mehrere Larvenkammern vor, die kleine weißliche Lärvchen von Diplolepis rosae (Gemeine Rosengallwespe ) enthält. Diese Larven ernähren sich von den Zellabsonderungen der Kammerwanderung, die Eiweiße und Fette enthält. Solche Nährstoffe baut erst die Wirtspflanze auf, nachdem das Insektenweibchen im Frühjahr seine Eier an die Blattknospen gelegt hatte. Die geschlüpften Larven zwangen die Pflanze zu Umbildungen der Blattanlagen, so daß die eigentümliche "Apfelform" entstand.

Die Larven wachsen im Sommer heran und mit der anbrechenden Vegetationsruhe im Herbst verpuppen sie sich. Die unscheinbaren, grünlich-metallisch glänzenden und nur vier mm großen Insekten schlüpfen im Frühjahr. Bemerkenswert ist, daß es meistens nur Weibchen sind. Auf mehrere hundert weibliche Tiere kommt nur ein Männchen der Rosengallwespe. Und noch viel interessanter ist die Tatsache, daß die "Rosenäpfel" von Dutzenden Arten Gallwespen-Parsiten bewohnt sind, die sich allein auf diesen einen Gallapfel-Typ spezialisiert haben.

Eichäpfel und Rosenäpfel, Buchengallen und andere "Mißbildungen" - sie sind das Ergebnis der ökologischen Anpassung von Lebewesen, sie bezeugen die Einmischung im evolutionären Prozeß.

http://www.baumportal.de/bp_gallen.htm

 

Heuschrecken - Naturmusik im Spätsommer

Von den bisher in Thüringen nachgewiesenen 49 Arten Heuschrecken sind derzeit 30 im Bestand gefährdet oder sogar schon ausgestorben. Dabei gehören die Zirpkonzerte der Heuschrecken in Erfurts Umgebung zur jahrhundertealten "Naturmusik" des Spätsommers bis Frühherbstes. Die Verursacher der Geräuschkulisse gehören zur umfangreichen Insektenordnung Saltatoria, wie man die Heuschrecken wissenschaftlich nennt. Hinter dem Begriff "Heuschrecken" stehen die "Langfühlerschrecken" (z. B. das Große Heupferd), die "Grillen" (z. B. Feldgrille) und die "Kurzfühlerschrecken" (z. B. der Gemeine Grashüpfer).

Der biologisch-ökologische Sinn der lautstarken Äußerungen der Heuschrecken besteht vor allem in der akustischen Verständigung männlicher und weiblicher Tiere. Rhythmus, Dauer und Frequenz des Zirpens sind artspezifisch und meist der Fortpflanzung geschuldet. Manche akustischen Signale dienen der Abwehr von Feinden und Rivalen. Die Entomologen fanden verschiedene Such- und Lockgesänge, Werbe- und Rivalengesänge bei derselben Art heraus.

Lauterzeugung und Hörorgan sind gleichermaßen beachtenswert. So reiben sich die Laubheuschrecken die Flügel aneinander, die Feldheuschrecken lassen Laute an der Schrilleiste an der Innenseite der Hinterschenkel entstehen. Die Knarrschrecken erzeugen Laute mit den Mundwerkzeugen. Das Zwitscher-Heupferd des Steigers und das Große Heupferd bringen recht reine und längere Zirplaute zwischen 5000 und 70 000 Hertz hervor. Die Waldgrille äußert sich bei etwa 5000 Hertz, die Wiesen-Grashüpfer und Dornschrecken sind relativ leise. Die "Ohren" sitzen an verschiedenen Körperteilen: Am vorderen Hinterleibssegment und an den Vorderbeinen. Das Große Grüne Heupferd hört über winzige Hörschlitze an den Vorderbeinen, wo sich unterhalb des Kniegelenkes winzige Öffnungen befinden.

Im Steigerwald und Umgebung kann man die Gemeine Eichenschrecke, Brauner und Gemeiner Grashüpfer, Gewöhnliche Strauchschrecken, Plumpschrecke, Gemeine Sichelschrecke beobachten. In den Neubaugebieten ist die Hausgrille recht verbreitet.

http://www.natur-lexikon.com/Texte/MZ/001/00076-Heupferd/MZ00076-heupferd.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Feldgrille

http://www.insektenbox.de/heusch/gegras.htm

 

Hummeln - Winterruhe für Königinnen

Mit Anbruch der kalten Jahreszeit endet im Steiger jährlich das Leben vieler Tierarten. Bei zahlreichen Insekten überwintern Eier, Larven oder Puppen. Vertreter anderer Arten suchen frostfreie Verstecke zum Überdauern auf.

Auch Hummeln überwintern, allerdings nur die weiblichen Tiere: die Jungköniginnen. Im Oktober sterben die Hummelvölker ab, es bleiben die begatteten Weibchen übrig. Den Königinnen obliegt es, im nächsten Frühjahr neue Staaten zu gründen. Und bis dahin verbergen sie sich in Mauerspalten und Erdlöchern, hinter dicker Baumrinde, unter Falllaub, in Holzstößen und Steinhaufen.

Schon im zeitigen Frühjahr, sobald die ersten Frühjahrsblüher sich entfalten, tauchen die Königinnen nahrungssuchend auf, bauen ein Nest, legen Eier ab und heimsen Nektar und Pollen ein. In dem Nest befinden sich anfangs wenige Wachszellen, aus ihnen schlüpfen erste Arbeiterinnen. Sie widmen sich der Fürsorge ihrer Geschwister im Larvenstadium. Je mehr Arbeiterinnen erscheinen, desto größer und kräftiger werden die jeweils jüngeren Geschwister dank des Futterdargebots. Erst im August zeigen sich männliche Tiere. Sie sind körperlich viel kleiner und wehrlos und verfügen über keinen Stachel. Etwa zeitgleich schlüpfen auch geschlechtsfähige Weibchen. Der Hochzeitsflug vereint Männchen und Weibchen, die jungen Königinnen überdauern, siehe oben.

Hummeln wollen in Ruhe gelassen werden. Nester im menschlichen Wohnbereich bilden keine Gefahr. Der Naturschutzstatus verbietet das Verfolgen und Töten dieser wertvollen Insekten. In Gärten kann man durch Anlage von "Steingärtchen"-Abschnitten und durch alte Blumentöpfe, die mit dem Abzugsloch nach oben in den Boden eingegraben werden, ideale Nistplätze schaffen. Zum Schutz vor Mäusen müssen diese mit stabilen Bodenplatten versehen werden. Feldmäuse zerstören alljährlich mehr als die Hälfte aller Hummelnester.

http://www.natur-lexikon.com/Texte/HWG/003/00204-Hummelschwebfliege/HWG00204-Hummelschwebfliege.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Hummeln

 

 

Kürbis-Kreuzspinne - Nützliche Vertilger von Schadinsekten

Eine der häufigsten Spinnenarten im Steiger und in der Erfurter Gegend ist die Kürbis-Kreuzspinne. Ihr dicklicher, kürbisgelber Leib führte zum Namen. Sie gehört nicht zu den nach Gesetz besonders geschützten Spinnen (Bundesartenschutzverordnung von 1989), was man jedoch nicht mit der Erlaubnis zur unnötigen Netzzerstörung und Tötung der Tiere gleichsetzen darf. Und zweifellos ist auch die abgebildete, mit ihr verwandte Art Araneus quadratus derzeit in keiner "Roten Liste" der Wirbellosen enthalten.

Die verbreitete Abneigung vieler Menschen, aber nicht nur der Frauen, gegenüber Spinnen im Allgemeinen und den vielen Arten Kreuzspinnen im Besonderen ist psychologisch schwer erklärbar. Folgende Kurzbeschreibung über das Jahresleben der geschmähten Tiere, hier der Kürbis-Kreuzspinne, soll ein wenig helfen, die Vorurteile abzubauen.

Die räuberische Lebensweise der bis 7 mm großen Kürbis-Kreuzspinne bringt eher Nutzen als Schaden, betrachtet man das Beutespektrum näher: vornehmlich geflügelte Blattläuse und kleine Fliegen verfangen sich in den handtellergroßen Radnetzen, die im Gebüsch und an jungen Bäumen bis in drei Meter Höhe über dem Boden gesponnen werden. Auch in Gärten an Obstgehölzen ist gerade diese Art ziemlich häufig. Die Kürbis-Kreuzspinne fertigt im Sommer nahe des Netzes einen Kokon mit etwa 150 Eiern.

Die noch im Juli/August schlüpfenden Jungspinnen wachsen bis zum Herbst heran und bauen bereits im September bis November Netze zum Beutefang. Erst nach der Überwinterung unter Steinen, hinter Baumrinde oder im Laub werden die Tiere geschlechtsreif und pflanzen sich im Mai/Juni fort.

Jahrein und jahraus vertilgen Kreuzspinnen zahllose Schadinsekten des Waldes, weil diese überwiegen. Aber auch "nützliche" bzw. indifferente Beutetiere fangen sich in den Netzen. Spinnen kennen jene anthropozentrische Einteilung der Tier- und Pflanzenwelt in "schädlich" und "nützlich" nicht. Berechnungen zufolge leben auf einem Quadratmeter naturnaher Wiese rund 130 Spinnen aus den verschiedensten Gruppen, auf einem Hektar also theoretisch 1,3 Millionen. Das sind rein rechnerisch 2,6 Mio Giftklauen, die ständig auf lebendige Beute warten, dabei sind Fangnetze verschiedenster Konstruktion nur ein seit Jahrmillionen erprobtes Hilfsmittel.

Nicht nur im naturnahen Garten leben Spinnen, auch im Wirtschaftsgarten üblicher Prägung kommen zahlreiche Arten vor. Hier wie dort gilt: rissige, blätternde Rinde bei Baumpflege nicht entfernen, hier liegen bevorzugte Winterquartiere der bizarren Spinnen.

http://www.natur-lexikon.com/Texte/MZ/001/00029/MZ00029.html
http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%BCrbisspinne

 

Faszinierende Flechtwerke der Kreuzspinne - Ein ganzes Leben am seidenen Faden

Die Kreuz- bzw. Radnetzspinnen sind allgemein bekannte Tiere, denen aus Unverstand so wenig Sympathie entgegengebracht wird. Wer aber einmal die Entstehung eines dieser kunstvollen Fangnetze mit sehenden Augen verfolgt, ist fasziniert über die Geometrie und präzise Konstruktion solcher, nur von erwachsenen Weibchen erbauten Flechtwerke. In den vergangenen Herbsttagen sind im Erfurter Steigerforst und anderswo zahlreiche Netze gespannt. Die Ablagerung des morgendlichen Taus macht die Flechtwerke noch plastischer.

Die Spinnenfäden sind schnell härtende, komplizierte Eiweißverbindungen, die aus den Spinnwarzen herausgepreßt werden. Solch ein Spinnenfaden besteht aus vielen Einzelfäden. So ermittelte man, daß der Sicherheitsfaden der Garten-Kreuzspinne aus zweihundert einzelnen Fädchen besteht und daß das Radnetz Fäden unterschiedlicher Form und Qualität enthält. Besagte Kreuzspinne spannt erst vier kräftige Rahmenfäden, die an Zweigen, Stengeln, Zaunlatten usw. befestigt sind. Danach wird ein Durchmesserfaden zwischen zwei Rahmenfäden gezogen. Von dessen Mitte werden nacheinander strahlenförmig nach außen verlaufende Speichenfäden gesponnen. Das Netzzentrum bildet die Nabe mit unregelmäßig versponnen Fäden. Nun zieht die Spinne über die Radspeichen von innen nach außen eine Hilfsspirale aus einem trockenen Faden. Erst danach werden die eigentlichen klebrigen Fangfäden angeordnet und von außen nach innen über die Hilfsspirale eingefädelt. Später wird die Hilfsspirale wieder eingeholt.

Solch eine Bauweise ist angeboren. Bei Bau der Speichen wird instinktiv die Netzspannung berücksichtigt. Wenn die Spinne nicht in der Netzmitte auf Beute lauert, sondern sich in einem Schlupfwinkel außerhalb des Netztes verborgen hält, wird zwischen Netzmitte und Schlupfwinkel ein frei hängender Signalfaden gespannt. Er leitet jede typische Netzerschütterung zur Spinne weiter. Die listige Spinne kann wohl zwischen Beute und unnatürlicher Erschütterung unterscheiden. Man muß außerdem wissen, daß Spinnenfäden zu Seide versponnen ein besseres Gewebe ergibt als die herkömmliche Seidenraupen-Seide. Nur ist die Zucht von Spinnen zur "wirtschaftlichen Nutzung" ungleich schwieriger, denn Spinnen müssen einzeln gehalten werden, sonst fressen sie sich gegenseitig auf, und benötigen ständig lebende Nahrung. Indes gab es bereits Versuche, Spinnweb als wertvolle Seide zu verarbeiten.

Die besonders geschütze Wasser- oder Silberspinne baut sogar Gespinstglocken unter Wasser, wohin sie vermittels spezieller Technik Sauerstoff hineintransportiert. Diese interessante Art ist in Erfurts Umgebung zu Hause.

http://www.ausgabe.natur-lexikon.com/Radnetzspinnen.php

 

Raupen - unter Naturschutz

An Hochsommertagen lassen sich an verschiedenen Stellen auffällig farbenprächtige und relativ große Raupen beobachten. Die Raupen des Wolfsmilchschwärmers, einer nach Gesetz besonders geschützten Art, sind fressenderweise an den vergilbenden Stauden von Zypressenwolfsmilch zu bewundern. Heuer zeigen sich sehr viele Exemplare. Mancherorts auf den schütteren Trockenrasen der Steiger-Südostflanke, oberhalb des Wiesenhügels, im Rasen des Tannenwäldchens (unter Kiefern!) usw. sind vier bis fünf fingerdicke und -lange Raupen pro Quadratmeter zu zählen. In anderen Jahren, wenn Wetter und natürliche Feinde selektieren, gibt es weit weniger Raupen - und später entsprechend weniger Schmetterlinge. Übrigens: Alle europäischen Arten der Schwärmer (Hyles spp.) sind besonders geschützt! Der Status betrifft nicht nur die erwachsenen Tiere (Imagos), sondern auch die Raupen- und Puppenstadien, womit auf direktes Nachstellen durch Menschenhand gezielt wird. Da Artenschutz ohne Biotopschutz nicht machbar ist, kommt es darauf an, die Trocken- und Kalkmagerrasen des Steigerrandes und anderswo zu bewahren - für diesen bizarren Schmetterling und andere, mit ihm vergesellschaftete Lebewesen.

Die Raupe des Wolfsmilchschwärmers, eines vorwiegend nachtaktiven, pfeilschnellen Schmetterlings, ist schwarzgrün und weißpunktiert. Gelbe Seitenflecken, roter Rückenstreifen und gebogenes, rot-schwarzes Afterhorn sind kennzeichnend. Die Verpuppung geschieht im Erdboden. Die Puppe überwintert, liegt manchmal zwei bis drei Jahre in der Erde, bevor der recht unscheinbare Falter schlüpft. Das Vollinsekt fliegt von Mitte Mai bis Anfang August (nachts) über warmen, trockenen Grasländereien naturnaher Zusammensetzung.

http://www.insektenbox.de/schmet/schmla.htm

 

Riesenholzwespe - Die Wespenfärbung flößt Respekt ein

Die Riesenholzwespe ist eine der größten Hautflügler-Arten Thüringens. Das abgebildete Weibchen brachte es immerhin auf vier Zentimeter Körperlänge, als es auf einem frisch gefällten Fichtenstamm beim Eierlegen fotografiert wurde.

Die schwarzgelbe Färbung ist "wespenartig" und der lange, stacheIförmige Fortsatz am Körperende flößt Ahnungslosen zutiefst Respekt ein. Der energische Brummton des sehr schnell fliegenden Insekts ist "überzeugend". Ergo: Man geht dem "Ungetüm" lieber aus dem Weg. In Wahrheit ist es jedoch ein völlig harmloses, weil wehrloses Geschöpf: kein Stachel zur Verteidigung, weder Beißwerkzeug noch Gift. Der gewaltige stachelförmige Anhang am goldgelben Hinterleib ist nur ein zweiteiliges Behältnis zur Aufnahme des Legebohrers. Dieses Bohrgerät erweist sich als zentimeterlanger, stahlblauer, hohler Stift, mit dem das Weibchen 5 bis 10 mm tief ins Holz sticht, um 4 bis 5 Eier pro Gelege abzusetzen. Die Gelegezahl schwankt zwischen zehn und fünfzig. Nach vier Wochen schlüpfen die Anfangs winzigen Larven. Sie fressen sich zunächst in der oberen Stammschicht hindurch, später dringen sie in tiefere Stammbereiche vor und zum Schluß des larvalen Daseins kehren die inzwischen fetten, weißlichen Larven in die Nähe der Oberfläche zurück. Hier erfolgt die Verpuppung. Das geschlüpfte Vollinsekt nagt sich anschließend einen kreisrunden Gang ins Freie. Zwei bis drei Jahre dauert diese Entwicklung und die runden Löcher an den Stämmen der Fichten kennzeichnen die Existenz der Riesenholzwespe. Der verursachte Schaden am Stammholz ist meist gering, auch wenn der Fraßgang 30 bis 40 cm lang wird. Zur Eiablage werden frisch gefällte, nicht entrindete, aber auch kranke, noch lebende Nadelbäume benutzt. Im Erfurter Steiger kommt die Art selten vor, jahrweise häufig ist das Vollinsekt dagegen an sonnigen Stellen in den Fichtenforsten um Tannroda-Kranichfeld und Blankenhain. Ökologisch bedeutsam ist die Tatsache, daß die weißlichen Larven von den Larven der großen Schlupfwespe parasitiert werden.

Übrigens: Die Männchen der Riesenholzwespe sind viel unscheinbarer, ihnen fehlt der Legebohrer. Der von den Biologen beschriebene Sexualdimorphismus "bevorteilt" bei dieser Insektenart die Weibchen im phantastischen Aussehen. Bei anderen Arten, z. B. bei den Nashorn- oder Hirschkäfern ist es genau umgekehrt.

http://www.insektenbox.de/hautfl/riehol.htm

 

Weinbergschnecke - Häuschen mit Deckeln verschlossen

Die nach Gesetz besonders geschützte Weinberg-Schnecke, die in der Erfurter Gegend an kalkreichen Stellen manchmal reichlich anzutreffen ist, ging längst zur Winterruhe über. Das Fehlen der Tiere an jenen Orten, wo sie sommers herumkriechen, ist ein deutlicher Hinweis auf das zurückgezogene Dasein. Sie verbargen sich in selbstgegrabenen Erdhöhlen im feuchten Lehm der Wegränder, im humosen, krümeligen Waldboden unter der Fallaubschicht, im locker-frischen Substrat von Mähwiesen und Weiden sowie unter dem Gebüsch naturnaher Gärten und Erfurter Parks. Auf den Internsiv-Äckern der Agrarsteppe können keine Weinbergschnecken leben.

Hin und wieder wird eine ruhende Weinbergschnecke unfreiwillig zur winterlich-kalten Erdoberfläche befördert. Sei es durch menschliche Grabungsarbeiten beim Anlegen von Leitungstrassen, Baugruben usw., oder sei es durch die Wühltätigkeit von Tieren, wie die der Wildschweine, die am Boden nach Nahrung suchend Schollen umlegen.

Im Winterschlaf befindliche Weinbergschnecken erkennt man sofor am Verschluß der Schale: ein weißlicher, fester und luftdurchlässiger Kalkdeckel dichtet das Gehäuse vollständig ab. Im April/Mai des folgenden Jahres wird der Deckel von innen heraus abgesprengt. In schneckenreichen Gegenden sind diese ziemlich dauerhaften Deckel vielfach zu finden, sie lösen sich allerdings etwas schneller auf als die leeren Gehäuse längst verstorbener Exemplare.

Übrigens: die Windungen der Schneckenhäuser laufen in der Regel nach rechts, linksgewindete Gehäuse sind selten. Es soll Sammler geben, die suchen schon jahrelang nach "linken Häusern". Die größten Gehäuse werden fünf Zentimeter breit und ebenso hoch.

"Roman snail" sagen die Engländer zur Weinbergschnecke. Das ist ein sprachlicher Beweis für die kulturgeschichtliche Nutzung dieses Weichtieres.

Allerdings wurden auch 1992 in Thüringen keine Genehmigungen zum gewerblichen Sammeln dieser "Delikatesse" erteilt. Die zuständige Oberste Naturschutzbehörde macht die ungeklärte Populationsdynamik von Helix pomatia dafür geltend und den Umstand, daß diese geschützten Tiere in Gegenden auftreten, die den Flächenschutzstatus tragen.

 

Weinbergschnecke - Es ist für sie die Zeit des Eierlegens

Hier ist nicht die Rede von den Vögeln des stadtnahen Forstes und Landschaftschutzgebietes. hier soll auf die Existenz und Fortpflanzungsbiologie der besonders geschützten Weinbergschnecke aufmerksam gemacht werden. Helix pomatia - die Weinbergschnecke - ist an geeigneten Plätzen rings um die Landesmetropole zu Hause: auf Halbtrockenrasen, im lichten Gebüsch und selbst im Wald. Ob ihre Vorkommen auf mittelalterliche Züchtungen zurückgehen oder ob die Tiere ganz spontan hier vorkommen, bleibt Spekulation. Indes: die Weinbergschnecke, als größte heimische landbewohnende Schnecke, ist eine typisch thüringische. Denn ihr Verbreitungsareal fällt mit der Verbreitung des Muschelkalks - einer geologischen Schichtfolge - ziemlich signifikant zusammen. Und Kalkgesteine bilden allemal den Untergrund des Steigerwaldes.

Weinbergschnecken legen ihre Eier in kleine Erdhöhlen ab. Diese zentimetertiefen Höhlungen graben sich die Schnecken selbst. Jedes erwachsene Tier legt jetzt im Juni bis Juli 40 - 60 weiß Eierchen, die rund 4 - 5 mm groß sind. Es gibt aber weder männliche noch weibliche Tiere, es sind Zwitterwesen. Bei der bereits im Mai erfolgten Paarung vereinigten sich die Tiere längs ihrer Kriechensohlen und stießen sich wechselseitig Kalkpfeile in den Körper. Nach der Eiablage gibt es keinerlei Brutfürsorge, die Jungschnecken schlüpfen etwa 25 Tage nach dem Eierlegen. Ihre winzigen Gehäuse sind dann schon vier Millimeter groß. Allerdings überleben aus den Gelegen höchstens fünf Prozent der Tiere. Alljährlich kommt die halbe Population ums Leben. Sie wird von Vögeln, Spitzmäusen, Igeln usw. gefressen bzw. von Insekten parasitiert. Nur unter günstigen Bedingungen erreichen Weinbergschnecken ein sechsjähriges Höchstalter.

Als klösterliche Fastenspeise wurden diese Schnecken vor tausend Jahren gezüchtet, nachdem sie bereits im antiken Rom als beliebte Leckerbissen galten. Der heutige Naturschutzstatus der Weinbergschnecke wurde nötig, um die Art nicht durch allzu heftiges Sammeln zu gefährden. Aus dem Thüringer Umweltministerium war jüngst zu erfahren, daß für 1991 keine Sammelerlaubnis für thüringische Weinbergschnecken erteilt wurden. Dafür gab es gewichtige Gründe: fehlende wissenschaftliche Daten zur Populationsdynamik der Art, wesentliche Beschränkung dieser Tiere auf die 20 c-Biotope usw. Zwecks Vermarktung wird man in den nächsten Jahren vermutlich wieder auf "Schnecken-Farmen" zurückkommen müssen ...

http://www.natur-lexikon.com/Texte/HWG/001/00063/HWG00063.html



Letzte Aktualisierung ( 02. 10. 2014 )
 
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