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16. 07. 2019
Tiere im Erfurter Steigerwald PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Detlef Tonn   
28. 01. 2008
Beitragsinhalt
Vorwort
Amphibien
Echsen
Insekten
Säugetiere
Vögel

Säugetiere

Eichhörnchen - besonders geschützt

Es ist reichlich dreihundert Jahre her, da wurden die Eichhörnchen des Steigerwaldes als Delikatesse auf dem Erfurter Markt verkauft. Die damalige Marktordnung forderte, daß das "kleine Wildbret, wie Rebhühner, Hasen, Eichhörnchen usw., aus hygienischen Gründen nur einen Tag feilgeboten werden durfte". Eine sittenstrenge Polizei hackte Ständer und Läufe der Tiere ab, damit diese "Frischhalte-Ordnung" kontrollfähig blieb. Einbeinige Rebhühner, beinlose Hasen und Eichhörnchen lagen dann gesondert zum Verkauf, wenn sie "einen zweiten oder dritten Tage gegen das Stadtgesetz zum Markt gebracht wurden", so schrieb Timpel1906 in seiner "Festschrift über den Steigerwald". In der früheren DDR unterlagen diese Tiere den Bestimmungen des Jagdgesetzes. Ihre Zuordnung zu den jagdbaren Tieren sollte Massenvermehrungen vorbeugen. Durch die Bundesartenschutzverordnung hat sich dieser Rahmen völlig verändert: das Eichhörnchen avancierte zu einer besonders geschützten Tierart.

Der Steiger und die Parks in Erfurt sind die Heimstatt der Eichhörnchen geblieben. Hier kommen diese Nagetiere aus der zoologischen Familie der Hörnchenartigen sowohl in der fuchsroten wie in der schwärzlichbraunen Farbvariante vor. Eichhörnchen streifen weit umher. 30 bis 50 Hektar kann das Revier eines Tieres umfassen. Sie fressen Eicheln und Bucheckern, Nadelbaumsamen und Haselnüsse, Kastanien, Beeren, Knospen und Rinde von Bäumen, Vogeleier, Jungvögel, Schnecken, Käfer und Obst - und nicht zu vergessen: auch Freßbares aus diversen Abfallkörben an den Wanderwegen.

Der tägliche Nahrungsbedarf von rund 80 Gramm ist leicht zu erreichen. Trotzdem erstaunt es, daß Eichhörnchen riesige Mengen Futtervorräte im weichen Waldboden verscharren. Der Diebstahl zahlreicher Vogelgelege Ist die andere Seite. Natürliche Feinde des Eichhörnchens sind Baummarder und Habicht. Beide Beutegreifer kommen im Steiger vor. Achtung! Auch Eichhörnchen sind Überträger der Tollwut.

http://www.natur-lexikon.com/Texte/MW/001/00003/MW00003.html

 

Fledermäuse - Braune Langohren schlafen auch hinter den Fensterläden

Fledermäuse kommen auch im stadtnahen Wald vor. Trotz interessanter Erkenntnisse über ihr Leben sind Vorurteile und selbst abergläubische Vorstellung immer noch verbreitet. Zu Unrecht werden den dämmerungs- und nachtaktiven Flugsäugern allerlei Märchen angedichtet. Die üble Nachrede reicht vom "in die Haare der Frauen fliegend" bis zu "blutrünstigen Monstern",

Aufgeklärte Naturfreunde wissen indes, daß Fledermäuse erstens in Deutschland schon viele Jahre gesetzlichen Schutz genießen, daß es zweitens reine Insektenvertilger und daß es drittens echte Winterschläfer sind.

Leider sind die heimischen Fledermausvölkchen stark abnehmend. Offenbar reicht der gesetzlich verbriefte Schutz keineswegs aus. Vielmehr muß sich der Naturschutz um Fortpflanzungsstätten, Nahrungsfragen usw. kümmern, denn Artenschutz ist ohne Biotopschutz nicht realistisch.

Wer sommers in der Abenddämmerung durch den Steiger wandert, kann gelegentlich einzelne Fledermäuse jagen sehen. Völlig geräuschlos und auf verschlungenen Flugbahnen eilen die Tierchen schemenhaft längs der Waldwege, zwischen den Bäumen und auf Lichtungen umher. Ihr Zickzackflug führt sie einmal in die höchsten Baumkronen, ein anderes Mal jagen sie dicht über den Waldboden.

Folgende Arten sind im Steiger sicher nachgewiesen: Braunes und Graues Langohr, Mopsfledermaus, Großer Abendsegler und Zwergfledermaus. Exakte Untersuchungen über Aufenthaltsplätze der Fledertiere stehen im Erfurter Raum noch aus. Hohle Bäume als Tagesverstecke und - ersatzweise - die Fledermaus-Schlafkästen werden genutzt.

Gewiß sind die ehemaligen "Felsenkeller" - wichtige unterirdische Lagerräume aus dem vorigen Jahrhundert sehr bedeutungsvolle Winterwohnungen. Und ziemlich gewiß ist außerdem, daß manche Dachräume der älteren Häuser am Steigerrande als Sommerwochenstuben von den weiblichen Tieren genutzt werden. Hinter Fensterläden, in Jalousiekästen, hölzernen Wandverkleidungen usw. wurden mehrfach Fledermäuse schlafend festgestellt. Ein Tor ist, wer sie von dort vertreibt!

http://www.ausgabe.natur-lexikon.com/Fledermaeuse.php

 

Igel - Das IgelkIeid hat 16tausend Stacheln

Igel werden bereits mit Stacheln geboren. Das unterscheidet sie deutlich von anderen Insektenfressern, denn diese kommen nackt zur Welt. Allerdings sind die Stacheln bei der Geburt noch nicht ausgehärtet. Erst mit rund 50 Tagen Alter, wenn die Jungigel selbständig geworden sind, die Mutter verlassen haben, ist das Schutzkleid vollends entwickelt. Kurz nach der Geburt sind die Stacheln weich und sehr hell und sie stehen auch noch nicht so dicht (unser nebenstehendes Foto zeigt einen wenige Tage alten Jungigel). Später, so versichern Experten, umfaßt der stachlige Rock rund 16tausend Stacheln, die zeitlebens nicht mehr gewechselt werden müssen.

Bei Gefahr wird die stachlige Haut mittels eines darunter liegenden Muskels kugelförmig zusammengezogen. Diesem Muskelpaket obliegt die eigentliche Schutzfunktion. Dabei richten sich oberseits die Stacheln einzeln auf, wenn sich das Tier sehr schnell zur Fast-Kugel gerollt hat. Gar manche Hundeschnauze stieß sich daran schon blutig.

Es gibt jedoch natürliche Feinde, denen macht solch eine Verteidigungsstellung des Igels gar nichts aus. So durchschlagen die langen und dolchspitzen Krallen des dämmerungsaktiven Uhus mühelos die stachlige Abwehr. Igel gehören zur bevorzugten Beute dieser geschützten Großeule. Und Sus scrofa – das Wildschwein – frißt einen Igel mit zwei, drei Bissen samt und sonders. Aber letzteres geschieht wohl nur rein zufällig.

Im Erfurter Steiger haben die Igel praktisch keine natürlichen Feinde mehr. Fuchs, Dachs und Iltis gibt es zwar noch, doch fallen diese nicht oder kaum ins Gewicht. Dafür ist der Gabentisch für den Igel reichlich gedeckt, speziell in den Steiger-Randbereichen, wo sich auch Gärten befinden. Hier besteht die "Nützlichkeit" eben darin, daß er Bodeninsekten und junge Mäuse, Schnecken und Drahtwürmer frißt. Allerdings vertilgt er auch Gelege von brütenden Vögeln.

Im Erfurter Raum dürfte der Igelbestand - zwar jahreweise schwankend - recht stabil sein. Die verkehrstoten Igel an den Straßenrändern sind allerdings ein traurig stimmender Anblick. Indes gibt es derzeit keine praktikablen Möglichkeiten, solche Opfer zu vermeiden. Höchstens: Langsamer fahren. Und da sind schon fünfzig zugelassene Stundenkilometer innerhalb der Ortschaften zu schnell.

In diesen Tagen kommt der zweite Jahreswurf zur Welt. Er wird nur von der Mutter betreut. Der Igelvater ist Einzelgänger, ihn kümmert das Los der Familie gar nicht.

 

Igel - Stacheltiere sind nach wie vor aktiv

Obwohl der Igel biologisch zu den Winterschläfern gehört, bedeutet dies nicht, daß er an einem bestimmten festen Termin des Herbstes ein frostfreies Versteck aufsucht. Vielmehr wird seine biologische Aktivität vom langfristigen Wetterablauf gesteuert. Geringer Nachtfrost reicht da keineswegs zum Schlafengehen aus. So kann man noch im November und Dezember - meist in den frühen Abenstunden - einzelne nahrungssuchende Stacheltiere antreffen. Und im übrigen kann ein bereits begonnener Winterschlaf unterbrochen werden.

Daß der strukturell abwechslungsreiche Steigerforst zum Lebensraum des mitteleuropäischen Braunbrust-Igels gehört, ist seit langem bekannt. Hat ein Igel ein zusagendes Revier eingenommen, verhält er sich ziemlich standorttreu. Und das sogar über mehrere jahre bzw. ein Igelleben lang. (Das Igelleben dauert im Durchschnitt 3 - 5 jahre.) Aber jeder Igel ist ein völliger Einzelgänger, er lebt nur für sich allein. Eine "Igelfamilie" existiert nur kurzzeitig und besteht lediglich aus der Igelmutter mit den Nachkommen. Die 3 - 6 Jungigel werden sehr bald "verstoßen" bzw. "fortgebissen" und müssen spätestens acht Wochen nach der Geburt eigene Wege gehen. Je nach Raumstruktur und Nahrungsangebot durchstreift ein Igel in jeder Nacht zwei- bis fünftausend Quadratmeter Fläche, Seine Aktivitätsphase dauert indes nur zwei bis drei Stunden, die längste Zeit des Tages und auch der Nacht wird ganz einfach verschlafen, Soll ein Igel seiner "nützlichen" Tätigkeit nachkommen, müssen die Zäune zwischen den Gärten für ihn durchlässig sein. Hier hat sich eine Gehölzhecke oder ein Jägerzaun als günstig erwiesen.

Schlafende Igel unter Bretterstapeln, Komposthaufen, Laub-, Reisig-, Stroh- und Astwerkhaufen verraten ihre Anwesenheit durch schniefende, schnarchende und hustende Geräusche.

Der Befall mit Lungenwürmern und andere Parasiten veranlaßt die Igel zu solchen Lautäußerungen selbst während des Schlafens.

Daß die aus falsch verstandener Tierliebe leider immer wieder publizierte und praktizierte Igelüberwinterung in menschlicher Obhut gesetzwidrig und ökologisch unsinnig ist, muß nicht dauernd wiederholt werden. Ein zufällig entdecktes Schlafnest ist sofort wieder mit Folie, Dachpappe, alten Decken und Laubstreu zu verschließen. Komposthaufen bedürfen der besonderen Aufmerksamkeit: die innere Gärungswärme zieht einen Igel wie magisch zwecks Überwinterung an.

http://www.natur-lexikon.com/Texte/HWG/001/00081-Igel/HWG00081-Igel.html

 

Spitzmäuse - Winzlinge mit Raubtiergebiß

Die zoologische Familie der Spitzmäuse gehört in der Klasse Säugetiere zur Ordnung Insektenfresser. Mit dem Nagetier Maus haben sie fälschlicherweise den deutschen Namen gemeinsam.

Spitzmäuse sind keine Mäuse und sie sind alle besonders geschützt, wie es in der Bundesartenschutzverordnung heißt.

In Thüringen wurden mehrere Arten Spitzmäuse nachgewiesen, auch im Erfurter Steiger: Feld-, Haus- und Gartenspitzmaus aus der Gattung Crocidura (Wimperspitzmäuse) tummeln sich hier. Wasserspitzmäuse gibt es in den Gräben bei Gebesee (Gattung Sorex, Rotzahnspitzmäuse ).

Den niedlichen Spitzmäusen gemeinsam ist die langgestreckte, schmale Kopfform mit der rüsselförmigen Nase und der verlängerten Oberlippe. Ihr Fell ist sehr kurz, dicht und glänzend. Kleine spitze Zähne deuten das Raubtier an. Käfer und andere Insekten, Insektenlarven und -puppen, Schnecken und sogar kleine Wirbeltiere stellen die vorwiegend tierische Kost dar. Spitzmäuse sind ständig auf Nahrungssuche, sie sind sowohl tag- als auch nachtaktiv.

Die Gefräßigkeit trug einst zur Eingruppierung bei den "nützlichen Tieren" bei, eine nicht mehr zeitgemäße Einteilung der Tierwelt.

Die heimischen Spitzmäuse halten keinen Winterschlaf. Neben dem Wiesel sind Eulen und Greife die wichtigsten natürlichen Feinde der Spitzmäuse.

In der Umgebung Erfurts ist die Feldspitzmaus (Crocidura leucodon) relativ häufig anzutreffen. Waldränder, Gärten, Steinhaufen, Flurgehölze bilden ihren Lebensraum. Ihr Körper mißt maximal neun Zentimeter Länge, der Schwanz erreicht nur drei bis vier Zentimeter.

Dadurch wirken die ansonsten niedlichen Tiere recht plump. Bisweilen dringen Feldspitzmäuse auch in menschliche Behausungen ein, besonders winters. Sie richten aber keinen Schaden an den Nahrungsvorräten an. Die "Spitzmaus-Karawane", wo sich Jungtiere an der Schwanzwurzel hintereinander festbeißend der Mutter folgen, ist eine höchstinteressante Erscheinung.

http://de.wikipedia.org/wiki/Spitzm%C3%A4use



Letzte Aktualisierung ( 02. 10. 2014 )
 
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