www.mamboteam.com
Startseite arrow Fauna arrow Allgemein arrow Tiere im Erfurter Steigerwald
23. 05. 2019
Tiere im Erfurter Steigerwald PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Detlef Tonn   
28. 01. 2008
Beitragsinhalt
Vorwort
Amphibien
Echsen
Insekten
Säugetiere
Vögel

Vögel

Mäusebussard - Im Gleitflug über das Revier

Am Himmel der Erfurter Gegend ist der Mäusebussard (Buteo buteo) eine gewohnte Erscheinung. Seine ökologische Bedeutung für den Haushalt der Kulturlandschaft ist groß. Warum wohl werden sonst Standkrücken als Jagdhilfen auf die Stoppelfelder gestellt, um seine "Anstandsjagd" auf Schadnager zu erleichtern?

Buteo buteo ist größer als eine Krähe. Die Färbung des Gefieders wechselt, ist im allgemeinen oberseits dunkel- bis hellbraun, die Unterseite kann heller sein. Sehr helle, beinahe weiße Exemplare sind nicht selten. Die Zeichnung aus Flecken, Bändern und Schecken ist individuell verschieden. Der Greif ist ein Jahresvogel, d.h. er verbleibt auch winters weitgehend im Brutgebiet. Nur einzelne Tiere ziehen im Spätherbst weiter west- bis südwestwärts. Dafür kommen Mäusebussarde aus weiter östlich bis nördlich gelegenen Gegenden nach Thüringen herein.

Die Anstandsjagd von Randbäumen der Straßen und von Verkehrsschildern aus ist ein gewohnter Anblick. Solch Bild kündet vom Mangel an geeigneten Jagd-Anständen. Die Konzentration der "grauen Ritter" an Straßen, wo sie auch Aas aufnehmen, vermittelt Laien ein falsches Bild der Häufigkeit. Gewiß ist der Vogel derzeit ungefährdet, in Thüringen dürften mehrere hundert Brutpaare zu Hause sein. Brutplätze befinden sich am Steigerrand auf hohen Bäumen, der Hort ist in unbelaubten Bäumen gut zu sehen.

Übrigens: In der früheren DDR stand der Mäusebussard nicht unter Naturschutz, jetzt ist er geschützt.

Typisch ist der ausgedehnte gleitende, beinahe schwerfällige Flug der Vögel in Kreisform. Zur Balzzeit im nächsten Frühjahr kann man attraktive Flugspiele der Ruder- und Sturzflüge beobachten.

http://www.natur-lexikon.com/Texte/HWG/001/00032/HWG00032.html

 

Spechte - eifrige Quartiermeister

Was wäre der Erfurter Steigerwald ohne seine vielen tausend Vögel? Zur umfangreichen Vogelschar zählen weit verbreitete Kleinvogelarten: Kohl-, Blau- und Sumpfmeise, Kernbeißer, Zilpzalp, Gimpel, Zaunkönig, Mistel- und Wacholderdrossel, Rotkehlchen, Kleiber, Trauerfliegenschnäpper und viele andere. Sie alle gehören zum lebendigen Inventar des stadtnahen Waldes und erst ihre Vielartigkeit ist ein Gradmesser für den Gesundheitszustand des naturnahen Forstes.

Mehrere Arten werden wegen des Nistplatzes als Höhlen- oder Halbhöhlenbrüter bezeichnet, wie Kohlmeise oder Kleiber oder Hohltaube. Woher kommen diese Höhlungen? In einem naturnahen Wald Mitteleuropas besteht ein ständiges Wohnungsangebot, wie ausgefaulte Astlöcher, hohle Baumstämme, WindbruchsteIlen. Den Spechthöhlen kommt eine zentrale Bedeutung zu, denn das Volk der Spechte zimmert alljährlich Tausende Höhlen ins Stammholz bestimmter Bäume. In Baumplantagen und akuraten Kunstforsten fehlen in der Regel ausreichend Nistplätze für Höhlenbrüter, weil die gleichaltrigen und meist gleichartigen Baumbestände oft schon lange vor eventuellen altersbedingten Höhlenbildungen gefällt werden bzw. weil alte und kranke Bäume nicht in jedem Fall geduldet werden können. Erst als Ausweg aus dem erkannten fehlenden Bruthöhlenangebot wurde vor reichlich hundert Jahren der künstliche Vogelnistkasten erfunden und je nachdem für Höhlen- oder für Halbhöhlenbrüter konstruiert. Sie sollten die Wohnungsnotstände lindern, die durch forstliche Kultivierung und stark verkürzte Umtriebszeiten der Nutzbaumarten bedingt waren.

Im Steiger stehen neben den Horstbäumen für Greife und Eulen, wo sich winters in den kahlen Kronen ein mehr oder weniger großer Nestbau zeigt, ganz besonders die Höhlenbäume im Mittelpunkt von Naturschutzbemühungen. Meistens befinden sich solche Höhlungen im oberen Stammbereich der Altbäume, nahe des Kronenansatzes, seltener weiter unten in Mannshöhe. Die Höhlenbäume sind aber nicht nur als Vogelbrutplätze von erheblicher Bedeutung. Schon lange kennt man die Funktion der Höhlen als Überwinterungs- oder Übersommerungsquartiere, als Tagesverstecke oder Nachtschlafplätze. Staatenbildende Insekten, Fledermäuse, Schläfer sind hier zu Hause, von den geschmähten Hornissen bis zu den niedlichen Siebenschläfern reicht das Spektrum. Als "Quartiermeister" fungieren Großer Buntspecht, Mittel- und Kleinspecht. Sie zimmern fast jedes Jahr eine eigene neue Bruthöhle, die sie nach dem Verlassen anderen Nutzern kostenlos zur Verfügung stellen.

http://www.ausgabe.natur-lexikon.com/Specht.php

 

Waldohreulen - Lebendige "Aststümpfe " im Tannenwäldchen des Steigers

Alle Winter wieder verursacht die Kälte Veränderungen in der heimischen Tierwelt. Betroffen sind vor allem die Vögel. Der regelmäßige Notstand in der Nahrungsversorgung gipfelt im bekannten Vogelzug. Aber selbst im tiefsten Winter spielen sich noch Wanderungen scheinbar einheimischer Gefiederter ab.

Für den Laien unbemerkt haben sich seit einigen Wochen die Waldohreulen des Nordens und Ostens in thüringische Gefilde begeben. Sie suchen die "Überwinterungsbäume" auf. Hier versammeln sie sich in größerer Zahl, manchmal tage- und wochenlang reglos im Gezweig hockend.

Bemerkenswerterweise suchen diese Eulen alle Jahre wieder dieselben Plätze auf, manchmal lassen sich in einer Baumkrone bis zu zehn Tiere zählen.

Die Waldohreule ist in der Gegend Erfurts zu Hause. Sie hat zahlreiche Brutplätze in Feldgehölzen, Parks und auf Friedhöfen. In den Mischwäldern des Fahner Gewölbes, des Steigers, der Kranichfelder Umgebung sind solche Eulen als Nachnutzer von Krähennestern festzustellen. Die nachtaktive Lebensweise macht ein ständiges Beobachten schwierig. Nur zur Balzzeit im Frühjahr macht sie durch kreischende und pfeifende Laute auf sich aufmerksam, da sie nur in der Dämmerung fliegt, sind anwesende Tiere schwer zu beobachten. Tagsüber ruhen sie im dichten Gezweig aus, von Ferne einem Aststumpf ähnelnd.

Da Mäuse die wesentliche Nahrung der Waldohreulen sind, dürfte der natürliche Mäusereichtum der Erfurter Gegend die Ursache des Versammelns auch jetzt im tiefsten Winter sein. Wenn sich allerdings die kleinen Schadnager unter der dichten Schneedecke bewegen, bleiben sie den ansonsten scharfen Ohren der Beutegreife verborgen. Waldohreulen können wochenlang ohne Nahrung auskommen, ihre Sterberate steigt aber mit der Dauer der Kälteperioden an. Der nächste mäusereiche Sommer gleicht die Verluste naturgegeben wieder aus, weil eine reichliche Nachkommenschaft aufgezogen werden kann.

Aktuelle Beispiele für "Überwinterungsbäume" sind die hohen Kiefern im sogenannten "Tannenwäldchen" unterhalb der Steigerkaserne und die Friedhofsbäume in Stotternheim. Auch in einzeln stehenden hohen Fichten in Erfurt-Süd sind bisweilen überwinternde Waldohreulen zu beobachten. Hinweise für erkannte Ansammlungen solcher Tiere nimmt die Redaktion gern entgegen.

http://www.natur-lexikon.com/Texte/HWG/001/00011/HWG00011.html



Letzte Aktualisierung ( 02. 10. 2014 )
 
< zurück   weiter >
Nach oben
Nach oben