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18. 01. 2020
Bastionskronenpfad im GLB „Petersberg“ Erfurt wird nicht gebaut! PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Detlef Tonn   
22. 12. 2019
phot. D. Tonn 21.12.2019
 
Überraschende Wende im Konflikt beim städtischen Naturschutzrecht

Es ist zwar noch nicht offiziell, aber die Zeichen stehen eindeutig auf Stop des, man kann es nicht anders bezeichnen, „Irrsinnsprojektes“ Bastionskronenpfad. Vernunft und Einsicht beginnen sich durchzusetzen.

Dem erwartungsfrohen Besucher bliebe die penetrante Dauerdröhnung aus dem Umspannwerk, der aufsteigende Autosmog von der Lauentorstraße und damit eine herbe Enttäuschung erspart, weil es hier auch keine weitere Attraktion zu bestaunen gibt, die er an anderer Stelle auf dem Petersberg nicht ohnehin schon bekäme. Und die veranschlagten 6 Mio. Euro würden nicht als Millionengrab und Verschwendung von Steuergeldern enden, sondern könnten wirklich nachhaltig eingesetzt werden. In eine dauerhafte Entwicklung des GLB auch über das Ende der Buga hinaus, oder anderer Vorschlag, in die Sanierung der seit über drei Jahre baupolizeilich geschlossenen Neuen Mühle, für die der bankrotten Stadt 2,5 Mio. Euro fehlen. Das wäre sinnvoll und werthaltig.
Der ohnehin schon große Image-Schaden für die Stadt würde nicht noch größer werden. Wo es doch bei vernünftiger Überlegung mit der Goldgrube und Scheinattraktion Bastionskronenpfad nichts werden kann.

Noch in unserem Beitrag vom 20.12.2019 auf dieser Seite wurde die wiederholte Forderung nach einer notwendigen Beschilderung des GLB erhoben, die es bisher auch nach 22 Jahren nicht gegeben hatte. So war auch die Situation bei der Begehung am 15.12.2019. Bei einem weiteren Besuch des GLB am 21.12.2019 konnte jedoch festgestellt werden, dass inzwischen in der vergangenen Woche, nun doch etwas überraschend, unsere Forderung bereits umgesetzt war, jedenfalls teilweise. An drei Eintrittspunkten von illegalen Pfaden am Gehölzbestand Süd oberhalb der Lauentorstraße, wurden GLB-Hinweisschilder aufgestellt, an der Straße Petersberg, beim Parkplatz Gehölz-Ostrand sowie an der Südwest-Gehölzecke beim Umspannwerk. Letzteres wurde auch mit einer Sperre aus Knüppelholz versehen. Ebenso wurden am Gehölzbestand Ost oberhalb der Andreasstraße zwei GLB-Schilder aufgestellt. Damit wurde der erste richtige Schritt heraus aus dem Konflikt, hin zu einer naturschutzrechtlichen akzeptablen Lösung getan.

Auf den Schildern hat nun jedermann einige der geltenden Verbote des GLB zur Kenntnis zu nehmen, u.a. zu baulichen Eingriffen und zum Verlassen von Wegen.
Der erste Hinweis, der auf die grundlegende Sicherung der Unversehrtheit des Schutzgebietes vor unnötigen Baumaßnahmen, abzielt, bedeutet die Verheißung, dass es auch nicht zu einem Bauvorhaben Bastionskronenpfad kommen wird. Diese Erwartung wird wohl jeder Besucher haben. Und das nun, wie es nicht anders sein kann, gleiches Recht für alle gilt, für den Bürger wie für die Stadt, die 1997 die Bestimmungen des GLB verordnet hatte, aber mit dem Buga-Projekt Sonderrecht für sich geltend machen wollte. Damit ist es nun vorbei. Ansonsten würden die Stadtverantwortlichen weiter an Glaubwürdigkeit verlieren.

Was das Verbot zum Verlassen der Wege betrifft, so genügt die jetzige Beschilderung dem noch nicht. Zwar ist mit der einzigen Sperre am Umspannwerk der verbotene Zutritt deutlich angezeigt, an den anderen Eintrittspunkten könnte der Besucher aber meinen, die illegalen Pfade seien öffentliche Wege, die er betreten könne. Über dieses mögliche Missverständnis ist er aufzuklären, in der Form, dass das Betreten des GLB dort grundsätzlich verboten ist.

Aus der erneuten Begutachtung des Gehölzbestandes hat sich weiter ergeben, das keine Fällungen zur Straße Petersberg sowie zum Umspannwerk notwendig sind, nur weil hier einige Exemplare etwas zu schief stehen. Wir haben es hier nicht mit einem beliebigen Gehölz, sondern mit einem GLB zu tun, bei dem nicht sofort gefällt werden darf. Wollte man den Maßstab, der hier für das GLB gelten soll, auf den gesamten Gehölzbestand im Stadtgebiet übertragen, dann müssten etliche 100 Bäume gefällt werden, entgegen einem vernünftigen Verständnis zur Klimaerwärmung in der Großstadt. Am Nord- bzw. Südrand des GLB dürften Schnittmaßnahmen genügen. Die vorgesehenen Fällungen sind, wie bereits am 20.12.2019 gefordert, insgesamt neu zu prüfen. Intakte Bäume müssen erhalten, kranke sowie Totholz mit Habitatnutzung (Bruthöhlen) eher belassen bleiben, mit Rußrindenkrankheit befallene jedoch umgehend entnommen werden.

GLB Petersberg
Baum (Bildmitte), Lauentorstraße sollte mit zuerst fallen, angeblich
aus Verkehrssicherungspflicht, tatsächlich projektbedingt (Brücke)
GLB Petersberg
Baum würde der Brücke im Wege stehen
GLB Petersberg
Baum mit der Plakette "31" muß erhalten bleiben!
GLB Petersberg
GLB-Schild in der Woche zwischen 16. u. 20.12.2019 aufgestellt,
erstmals nach über 22 Jahren!
GLB Petersberg
GLB-Beschilderung an der Südwest-Ecke des GLB, oberhalb des
Umspannwerkes mit Passiersperre aus Knüppelholz
GLB Petersberg
GLB-Beschilderung am Eintrittspunkt illegaler Pfad an der Straße
Petersberg
GLB Petersberg
Eintrittspunkt illegaler Pfad an Südost-Ecke des GLB (Eingangs-
bereich Unterirdische Gänge). Hier fehlt (noch) GLB-Beschilderung
GLB Petersberg
Totholz mit Baumhöhlen soll gefällt werden, müsste erhalten bleiben
GLB Petersberg
Nordrand des GLB, Straße Petersberg, Fällungen sind hier nicht
nötig, lediglich Schnittmaßnahmen
GLB Petersberg
Ebenso am Südrand, oberhalb des Umspannwerkes, hier ist bereits
ein Sicherheitskorridor angelegt.
GLB Petersberg
Hier sollte der Bastionskronenpfad von der Martinsbastion über die zweite Brücke kommend, oberhalb des Umspannwerkes
mit seiner penetranten Dauerdröhnung entlangführen - eine Zumutung! 
GLB Petersberg
Ignoranz, Duldung, fehlende Schutzdurchsetzung führten zu diesem Zustand: illegale Pfade und Mountainbike-Parkour.
Vollständiger Flächenschutz mit kontrolliertem Zutrittsverbot und Renaturierung können hier wieder einen naturnahen Zustand schaffen
Letzte Aktualisierung ( 22. 12. 2019 )
 
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