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18. 09. 2021
Pflanzen im und am Erfurter Steigerwald PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Detlef Tonn   
24. 01. 2008
Beitragsinhalt
Einleitung
Balsaminengewächse
Dickblattgewächse
Doldenblütler
Enziangewächse
Farne
Glockenblumengewächse
Hahnenfußgewächse
Hülsenfrüchtler
Korbblütler
Kreuzblütler
Liliengewächse
Lippenblütengewächse
Malvengewächse
Mohngewächse
Nachtkerzengewächse
Narzissengewächse
Nelkengewächse
Orchideen
Pilze
Primelgewächse
Raublattgewächse
Rosengewächse
Sommerwurzgewächse
Spargelgewächse
Storchschnabelgewächse
Veilchengewächse
Wegerichgewächse
Windengewächse
Wolfsmilchgewächse
Sonstige
Quellen

Liliengewächse (Liliaceae)

 

Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) - herbstliche Schönheit in Violettrosa

Colchicum: Gattung der Liliaceae; nach Colchis, dem antiken Namen des Küstenlandes an der Ostküste des Schwarzen Meeres, das bereits in der griech. Mythologie (Medea) als Heimat der Gifte und Giftmischerinnen erscheint. Die Landschaft ist reich an Liliengewächsen - Zeitlose. autumnale: Herbst-, herbstlich.

  • Fotos vom 10.09.2016 aus Steigerwald, am Kiesweg:

Der Herbst taucht den Steigerwald in bunte Farben. Die Gräser und Kräuter vergilben, eine letzte Blütenpflanze ziert die grasigen Standorte: Die Herbstzeitlose. Früher war die Art auf wechselfeuchten Streuwiesen rings um Erfurt weit verbreitet, heute ist sie im landwirtschaftlich intensiv genutzten Grasland leider verschollen.

Biotop mit Herbstzeitlose
Biotop mit Herbstzeitlose
Habitus
Habitus
Pflanzenpaar, ein Ex. umgeknickt
Pflanzenpaar, ein Ex. umgeknickt

Ursache des Rückgangs ist zweifellos die energische Bekämpfung der Pflanze, denn sie vergiftet das Heu. Obwohl erfahrene ältere Weidetiere die Pflanze meiden, kommt es bei unerfahrenen Jungtieren besonders beim ersten Weideauftrieb zu Vergiftungserscheinungen. Schafe können sich an den Giftstoff Colchizin gewöhnen, aber die Milch wird vergiftet.

Durch die Bekämpfung der Herbstzeitlosen im genutzten Grünland blieben ihr nur Refugien an Waldrändern, in lichten Laubwäldern und Gebüschen erhalten. Der Randbereich des Steigers nach Rhoda und BischIeben zu besitzt noch örtlich massierte Vorkommen dieser sehr attraktiven Pflanze.

Das Liliengewächs blüht meist violettrosa. Erste Blüten sind ab August, letzte noch im November zu beobachten. Sie entwickeln sich aus unterirdischen Sproßknollen. Nach den Blättern sucht man zur Blütezeit im Herbst vergebens, diese zeigen sich in breit-Ianzettlicher Form erst im nächsten Mai. Erst dann reifen die Samen in den bauchigen Fruchtkapseln aus.

Weit geöffnete Blüte
Weit geöffnete Blüte

Jetzt im Herbst findet also nur die erste Hälfte des Vermehrungszyklus statt. Man kann nur die oben trichterförmigen Blüten sehen. Sie bestehen aus sechs Blütenblättern, die nach unten zu einer röhrigen Form verwachsen sind. Da bei Anbruch frostiger Nächte nur noch wenige Insekten fliegen, kommt ihnen keine Bestäubungsfunktion zu. Vielmehr sind es kleine Nachtschnecken, die im Blütenkelch weiden und dabei die Pollen auf die Narbe übertragen. Der Fruchtknoten selbst liegt tief im Erdboden.

Pflanzenpaar
Pflanzenpaar
Einzelblüte
Einzelblüte
Nach dem Austrieb
Nach dem Austrieb
Habitus mit geöffneter Blüte
Habitus mit geöffneter Blüte
Önende Blüe
Sich öffnende Blüe

Die eigenartige Lebensweise dieser hübschen Steigerpflanze führte früher zu abergläubischen Vorstellungen. Auch die Giftwirkung gab lange Zeit Rätsel auf. Als Heilmittel gegen die Gicht spielte die Pflanze eine Rolle. Weitaus bedeutungsvoller ist das Colchizin heutzutage in der Mutationsforschung. Somit hat die häufig stark verschmähte, gebietsweise ausgerottete Pflanze neben der ästhetischen Wirkung als zierendes Gewächs auch eine unmittelbare wissenschaftlich-praktische Nutzung aufzuweisen.

Blüte weit geöffnet
Blüte weit geöffnet
Einzelblüte
Einzelblüte
Pflanzenpaar
Pflanzenpaar
Pflanzenpaar
Pflanzenpaar
Geöffnete Blüte
Geöffnete Blüte
Umgeknickte Pflanzengruppe
Umgeknickte Pflanzengruppe
Niederliegende Pflanzengruppe
Niederliegende Pflanzengruppe
Weit offene Blüte mit sechs Blütenblättern
Weit offene Blüte mit sechs Blütenblättern

Der Steigerwald kann ihr weiterhin als Refugium dienen. Periodische Auslichtungen im Rahmen der Forstnutzung geben der Pflanze eine gute Überlebenschance.

https://de.wikipedia.org/wiki/Herbstzeitlose
http://www.natur-lexikon.com/Texte/GJ/001/00021/GJ00021.html

 

Türkenbundlilie, auch Türkenbund (Lilium martagon) - Hitzestreß läßt nur äußerst wenige "Turbane" erblühen

Lilium: Gattung der Liliaceae; lat. = Lilie. martagon: Goldzwiebel.

Zu den attraktivsten Sommerblühern des stadtnahen Waldes gehört ohne Zweifel die Türkenbundlilie, die gemäß Bundesartenschutzverordnung zu den besonders geschützten Pflanzen zählt. Die ansehnlichen Blüten entfalten sich Ende Juni bis Ende Juli, in manchem Sommer, wie diesem 2010 mit dauerhaft tropischen Temperaturen von bis über 30, sogar 35 °C, vertrockneten viele Knospen infolge des sommerlichen Hitzestresses.

Türkenbund, BlühbeginnDie turbangleichen Blüten sind an der oberen Stengelhälfte konzentriert, meist stehen mehrere Pflanzen zu einer lockeren Traube vereint. In der Regel sind die Blüten purpurrot und zeigen eine dunkle Fleckung. Seltener fallen Blüten ohne Flecken auf, und hin und wieder findet man unter reichlichen Beständen sogar einmal einen Weißling. Für die Bestäubung zeichnen langrüsselige Insekten verantwortlich, vornehmlich sind es Nachtschmetterlinge. Diese langrüsseligen Falter werden vom Duft der Blüten angelockt, der sich zum Abend hin noch verstärkt. Im Schwirrflug gelangen die Tierchen mittels des gebogenen Saugrüssels an den Nektar tief im Blüteninneren. Dabei reißt der Luftstrom des Flügelschlages die gereiften Staubblätter auf, so dass der feine Pollenstaub durch den wechselnden Blütenbesuch übertragen wird. Die später reifenden Früchte sind dreikantige Kapseln, deren Inhalt vom Wind verweht wird. Die vegetative Vermehrung findet über Tochterzwiebeln statt.

Türkenbund, Blühende, Blütenblätter turbanähnlich aufgerollt Türkenbund, Einzelblüten

In den Waldungen nahe der Stadt sind stellenweise Türkenbundlilien zu beobachten. Reiche Vorkommen im Willrodaer Forst und in der Fahnerschen Höhe sind auf tiefgründige, lockere, humus- und nährstoffreiche Standorte beschränkt. In der Regel sind die Wuchsorte halbschattig.

Abgesehen von menschlicher Habgier droht der prächtigen Pflanze Gefahr durch den Verbiß des Rehwildes. An Standorten, die gegen Rehwild gesichert sind, können beachtenswert große Einzelpflanzen von über 1,50 Meter Wuchshöhe auftreten. In solchen gegatterten Schonungen überragen viele Türkenbundpflanzen mehrere Jahre die jungen, in Reih und Glied stehenden Bäumchen, solange den Rehböcken der Zutritt in die Gatterung verwehrt wird.

Betrachtet man die zahlreichen Austriebe des Türkenbundes im zeitigen Frühjahr, beispielsweise im südlichen Steiger, und sucht im Sommer nach dem Blütenschmuck, ist man oftmals enttäuscht: Die Mehrzahl der Pflanzen ist vom Wild zerbissen worden. Ein anderer Feind der Blüten ist das Lilien-Hähnchen, das als Larve die Blütenknospen von innen her verspeist.

"Goldwurzel" nannten die mittelalterlichen Alchimisten die Pflanze, die in Wäldern und Forsten Thüringens durchaus weit verbreitet ist.

Fotos vom 27.06.2010
https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%BCrkenbund
http://www.natur-lexikon.com/Texte/MZ/003/00250-Tuerkenbundlilie/MZ00250-Tuerkenbund-Lilie.html



Letzte Aktualisierung ( 18. 12. 2019 )
 
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