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18. 09. 2021
Pflanzen im und am Erfurter Steigerwald PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Detlef Tonn   
24. 01. 2008
Beitragsinhalt
Einleitung
Balsaminengewächse
Dickblattgewächse
Doldenblütler
Enziangewächse
Farne
Glockenblumengewächse
Hahnenfußgewächse
Hülsenfrüchtler
Korbblütler
Kreuzblütler
Liliengewächse
Lippenblütengewächse
Malvengewächse
Mohngewächse
Nachtkerzengewächse
Narzissengewächse
Nelkengewächse
Orchideen
Pilze
Primelgewächse
Raublattgewächse
Rosengewächse
Sommerwurzgewächse
Spargelgewächse
Storchschnabelgewächse
Veilchengewächse
Wegerichgewächse
Windengewächse
Wolfsmilchgewächse
Sonstige
Quellen

Narzissengewächse (Amaryllidaceae)

Sternkugel-Lauch (Allium cristophii), auch Gartenkugel-Lauch

Allium: Gattung der Amaryllidaceae; röm. Pflanzenname für den Knoblauch, auch alium geschrieben. cristophii:

  • Fotos vom 22.05.2016, nw Randbereich des Steigerwaldes, Geraaue:
Biotop mit Sternkugel-Lauch
Biotop mit Sternkugel-Lauch, Habitus
Blütenkugel
Blütenkugel

https://de.wikipedia.org/wiki/Sternkugel-Lauch

 

Märzenbecher (Leucojum vernum), auch [Frühlings-]Knotenblume - wächst gesellig

Leucojum: Gattung der Amaryllidaceae; griech. leukos = weiß; ion = Veilchen. Der Name wurde bereits im Mittelalter auf unsere Art übertragen. vernum: lat. ver. veris = Frühling - Frühlings-.

Märzenbecher ist als gesellig wachsende Zwiebelpflanze aus der botanischen Familie Narzissen- oder Amaryllisgewächse an mehreren Stellen des Erfurter Steigerwaldes zu Hause. Die Fundorte am Erlensumpfweg südlich des "Stern", am "Quellteich" und im Bachgrund unweit des Forsthauses am Eichenberg werden seit über hundert Jahren beobachtet. Die langfristig abnehmende Bestandsdichte ist wohl vor allem der Nähe der Stadt geschuldet, indes ist der hübsche Frühblüher als Art nur schwach gefährdet. Der Status "Besonders geschütze Art" bleibt selbstverständlich auch bei Massenvorkommen bestehen.

Märzenbecher, Blüten Märzenbecher, gesellig

Eine Märzenbecherblüte ist gestielt und wächst aus der Achsel der Deckblätter heraus. Typisch sind die grünen bis gelblichen Tupfen an den Zipfeln der äußeren weißen Blütenblätter. Sie gelten als Saftmale der nektarlosen Blüte und sollen Bestäubern Honigtropfen als Lockmittel vortäuschen. Unter den Glöckchen hängen pralle Staubbeutel. Sie reißen an den Spitzen auf und überschütten Insekten mit Pollenstaub. Andererseits weiden manche Insekten den Blütenboden regelrecht ab, sie fressen sogar das nährstoffreiche Gewebe, so dass nach einiger Zeit nur noch halbe Blüten zu sehen sind. Märzenbecherblüten verströmen einen zarten angenehmen Duft. Obwohl der Märzenbecher in seiner typischen Gestalt nicht variiert und deshalb unverwechselbar ist, gibt es doch eine Erscheinung, die selbst Professor Schwarz veranlaßte, eine Unterart auszugliedern: die zweiblütige Form "Leucojum vernum L. subsp. carpaticum (Spring) O. Schwarz". Ihre Besonderheit besteht in der Zweiblütigkeit, wobei es sogar möglich ist, dass ein- und zweiblütige StengeI aus nur einer Zwiebel wachsen.

Märzenbecher, Blick in den Blütenkelch Märzenbecher über Hungerbach im Martinsbusch

Auch im Steiger finden sich solche "abnormen" Exemplare. Die Anzahl der zweiblütigen Märzenbächer hängt ganz offensichtlich von der Bestandsgröße der Art am Fundort ab. Indes sind sie zum Beispiel im Bereich des südlichen Martinsbusches so selten gar nicht mehr.
Diese Aussage ließ sich auch noch beim Besuch im April 2015 (s. Fotos) bestätigen, wo zum Ende der Blütezeit, vom Pfad entlang des Hungerbaches aus, gleich mehrere zweiblütige Pflanzen zu sehen waren.

Zweiblütiger Märzenbecher im Biotop
Zweiblütiger Märzenbecher im Biotop, 12.04.2015
Zweiblütiger Märzenbecher, Blütenpaar
Zweiblütiger Märzenbecher, Blütenpaar, 12.04.2015

Märzenbecher ist als Zierpflanze nachweislich seit 1420 gezüchtet worden. Um den gesetzlichen Schutz wildwachsender Bestände zu gewährleisten, ist der Handel verpflichtet, die gärtnerische Herkunft eindeutig zu belegen. Entsprechende Kontrollen führen die zuständige Naturschutzbehörden durch.

Fotos vom 26.03.2010
http://www.natur-lexikon.com/Texte/GJ/001/00004/GJ00004.html

 

Schneeglöckchen (Galanthus nivalis) - ein Kulturrelikt aus früherer Zeit

Galanthus: Gattung der Amaryllidaceae; griech. gala = Milch; anthos = Blüte, Blume). nivalis: lat. nix, nivis = Schnee.

Die erste phänologische Jahreszeit ist der Vorfrühling. Sie ist durch das erste Blühen des Garten-Schneeglöckchens charakterisiert. Wobei "erstes Blühen" heißt, dass sich die Blüten vollständig geöffnet haben und die Staubgefäße platzen. Der letzte Sonntag zeigte gerade die ersten Spitzen der weißen Knospen. Tatsächlich blühen in Erfurt die ersten Garten-Schneeglöckchen langfristigen Beobachtungen zufolge um den 10. bis 20. Februar.

Das Garten-Schneeglöckchen ist im Erfurter Raum nicht ursprünglich heimisch. Galanthus nivalis ist im südlichen Europa, Kleinasien, auf der Krim und im Kaukasus zu Hause. Seine Einbürgerung in der Erfurter Gegend dürfte schon auf die frühmittelalterlichen Klostergärten zurückgehen. Im Steigerwald sind wildwachsende Exemplare als sogenannte "Gartenflüchtlinge" zu deuten. Fundorte wurden zum Beispiel im Hopfengrund und am nördlichen Steigerrand oberhalb der Tennis-Anlage vermerkt. Künstliche Anpflanzungen des Garten-Schneeglöckchens aus dem 19. Jahrhundert an den ehemaligen "Promenaden" des Steigers haben vereinzelt bis heute überdauert.

Die Pflanze bildet bereits im Herbst aus der sich alljährlich erneuernden Zwiebel einen oberirdischen Sproß. Sie vertragen selbst starke Fröste. Die Blüten sind reinweiß und duftend. Die Blüten öffnen sich nur an sonnigen Tagen, an kalten Tagen und nachts bleiben sie geschlossen. Bei voller Öffnung sind die grünen Flecke an der Spitze der inneren Blütenblätter zu sehen. Unser Foto zeigt die Schlafstellung der Garten-Schneeglöckchen.

Übrigens: gemäß Bundesartenschutzverordnung sind wildwachsende Garten-Schneeglöckchen geschützt. Der Gesetzgeber spricht von "wildlebenden Populationen" und meint vor allem Bestände im süddeutschen Raum. Hiesige verwilderte Vorkommen bedürfen der gleichen Beachtung, sind es doch Kulturrelikte früherer Zeiten.

http://www.natur-lexikon.com/Texte/GJ/001/00005/GJ00005.html



Letzte Aktualisierung ( 18. 12. 2019 )
 
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