Stadtgebiet von Erfurt
Geschrieben von Detlef Tonn   
20. 08. 2007
Nach Eingemeindungen durch die Gebietsreform 1994
Inhalt
Administrativ

Es ist genau die Fläche in den Grenzen, die im Ergebnis der Gebietsreform im Jahre 1994 gebildet wurden, mit einer Fläche von 26.911 ha ≈ 270 km². Damit hatte sich das bisherige Territorium von 106 km² deutlich auf das etwa 2,5 fache ausgedehnt.

Die neue, vergrößerte Stadtfläche bildet stark vereinfacht ein Quadrat mit der Kantenlänge von ≈ 17 km, leicht gegen den Uhrzeigersinn gedreht. Während die westliche Stadtgrenze eine größere „Einbuchtung“ um Ingersleben (und eine kleinere um Zimmernsupra, beide Kreis Gotha) aufweist, ist es auf der gegenüberliegenden Seite ein größere „Ausbuchtung“ um Vieselbach.

Nach Neugliederungen der Stadtteile 2000/2004 besteht die Stadt Erfurt aus 53 Stadtteilen.

Im Einzelnen lässt sich der Verlauf der Stadtgrenze (unter Berücksichtigung besonderer natürlicher Gegebenheiten) wie folgt beschreiben:

  • Im Norden (Kreis Sömmerda)
    Töttelstädt (SO-Ausläufer Fahner Höhe mit Waldflächen ö von Bienstädt, n von Töttelstädt; Schaderoder Grund) – Tiefthal („Kippelhorn“ [Gipskeuperhügel], „Hühnerbiel“ [2 Gipskeuperhänge], Schwellenburg) – Kühnhausen (Kiessee, Südrand „Großes Ried“) - Stotternheim (Schmale Gera, Louisenhall, Salzwiese, Großer Ringsee, NW-Rand Forst Schwansee)
  • Im Osten (Kreise Sömmerda, Weimar-Land)
    Feuchtwiese Schwansee am SW-Rand (Bogen) des Schwansee-Forstes) – Schwerborn (Deponie, Galgenhügel) – Töttleben (Kleiner Katzenberg) – Wallichen (Gramme [Fluß]) – Vieselbach – Hochstedt (Brunnenquellberg, Talsperre Vieselbach, GVZ) – Büssleben – Rohda (Wechselholz, Strohberg [Wald], Feuchtwiesen am Strohbergtümpel) – Haarberg (Büssleber Holz bis S-Rand, ö Dorfstattwiese an der A4)
  • Im Süden (Ilm Kreis), entlang der A4
    S-Rand Büssleber Holz – Haarberg (Fuchshügel, Kloster-/Peterholz) – Windischholzhausen (Hopfenberg, Straße nach Schellroda) – Egstedt (Willroder Forst mit Forsthaus Willrode, Aspenbusch (NSG, beidseits A4) – Waltersleben (Mittelberg) – Molsdorf (Autobahn-Kreuz Erfurt A4/A71)
  • Im Westen (Kreis Gotha)
    Großer Holzberg – Bischleben-Stedten ( Strienberg, Kalkhügel) – Freinstedt (Schmiraer Höhe, „Am Rettbachgraben“ [Gehölz], „Im großen Kuhrieth [Erlenwald]) – Ermstedt (Nesse, Ermstedter Holz, Molbach) – Töttelstedt (Erfurter Feld, Weißbach).

Entwicklung des Erfurter Stadtgebietes

Naturräumlich
aus [Riese 1987]

Erfurt liegt im mittleren südlichen Teil des Thüringer Beckens – zugleich Mittelgebirgsvorland zum Thüringer Wald – auf einer Höhe von 158 m (Geraaue bei Kühnhausen) bis 430 m (Haarbergmassiv bei Klettbach).

Die zentrale Erfurter Mulde, ein Niederungsgebiet der Gera, weitet sich nach N hin auf und ist an allen Seiten von hügeligen Erhebungen umgeben, was ihr einen kesselartigen Charakter verleiht. Aufgebaut sind die Erfurter Mulde und ihre Randhöhen aus Gesteinen des Mesozoikums (Erdmittelalter), bei denen Muschelkalk und Keuper dominieren.

Hauptfluss und -gestalter des Gebietes ist die Gera, die im Schneekopfgebiet entspringend, Erfurt s der Ortschaft Molsdorf, zugleich südwestlichster Stadtteil, erreicht. Nachdem sie im Marienthal die Wasser der Apfelstädt und wenig später in Möbisburg die des Wiesenbachs aufgenommen hat, durchfließt die Gera das 4 km lange Durchbruchstal zwischen den ehemals hier über eine Einsattelung verbundenen Steiger und SO-Ausläufer der Fahner Höhe mit relativ harten Gesteinen des Muschelkalks.

Dort wo sich die Gera vom nördlichen Rand des Steigers entfernt, trifft sie auf Gesteine des Keupers, die weniger widerständig sind, als der Muschelkalk. Mit der beginnenden Talaufweitung der Geraniederung und der Verlangsamung der Fließgeschwindigkeit, zweigt sich der Fluss in mehrere Arme auf (Berg-, Walkstrom). Ab Höhe Schlösserbrücke wieder vereint, umfließen sie bogenartig Dom- und Petersberg. Im Venedig, am Nordrand der Altstadt, spaltet sich an der rechten Flussseite die Schmale Gera vom Mutterfluss ab. Beide fließen w am Roten Berg vorbei.
Die Gera verläßt bei Kühnhausen, ihr kleineres Pendant Schmale Gera bei Louisenhall das Stadtgebiet, um schließlich der Unstrut zuzufließen. Den östlichsten Teil des Gebietes durchfließt die Gramme, die kleine Flussläufe aufnimmt, wie Linderbach, Peterbach (Kesselauswaschungen an Fallkanten, im Sommer s von Büssleben meist trocken), um schließlich auch die Schmale Gera zu Unstrut mitzunehmen.

Nahe der B4, bildet nw von Gispersleben, über die Stadtgrenze hinausgehend, eine Hügelkette das Gispersleben-Elxlebener Gipskeuper-Hügelland, aufgebaut aus Gips des Mittleren Keupers. Es sind meist flache, oft kaum 10 m hohe Wölbrücken - Kippelhorn (197 m), Hühnerbiel (190 m), bis auf die weitbekannte Schwellenburg (227,4 m), die ihre Umgebung um 65 m überragt. Die extrem trocken-warmen Hügel sind mit Steppenrasen bedeckt. Die Hügelketten im O mit Ringelberg (226,3 m) und Galgenhügel (221,7 m) sind von der eiszeitlichen Gera aus der Keupertafel herausgeschnittene Flußterassen.
Etwas weiter östlich überragt der Rote Berg (233,8 m) die breite Geraniederung um ca. 50 m. Als Keuperhärtling konnte er der Gera widerstehen. Seine Gestalt als inselbergartiger, weitausladender Tafelberg ist besonders gut von den südlichen Höhen zu erkennen.

Bedeutendes tektonisches Element im Stadtgebiet ist die von SO nach NW, parallel zum Steiger-Fahner-Sattel, verlaufende Erfurter Störungszone. Der Verlauf der mehrfach unterbrochenen, schmalen Kamm-Hügelkette von Aufwölbungen lässt sich namhaft machen an Haarberg (421,8 m), Hahnberg (318,9 m) und Wartberg (306,3 m, beide bei Windischholzhausen), Großer und Kleiner Herrenberg (268 bzw. 248 m), Hirnzigenberg, Stadtparkhöhe, Dom- (220 m) und Petersberg (231,4 m). Nach N setzt sich die Störung, oberflächlich kaum noch wahrnehmbar, über Uni-Campus, Krähenberg (205 m) bis nach Tiefthal fort.
Die trocken-warmen Hügel, natürlicherweise mit Trockenrasengesellschaften bedeckt, sind bereits überwiegend bebaut.

Die Randhöhen im S und SO werden durch eine Hügelkette von Kalksteinplateaus gebildet, mit Höhen von 300 bis um die 400 m. Verschieden ausgeprägte Täler gliedern und zerschneiden den Höhenzug (von W nach O): zwischen Gera, Rhodaer Grund und Rabental in Steiger (LSG seit 1967; am Waldschlösschen 344 m), zwischen Rabental und Schöntal in Drosselberg (361 m) / Geiersberg (no Egstedt; 380,8 m), zwischen Schöntal und dem Quellgebiet des Linderbachs (Suhle Quelle) in Buchenberg (391,4 m) / Zeisigberg (402,0 m). Weiter nach O werden die Talabstände um Hopfen- (347,3 m) und Schweinsberg dichter, bis nach dem Haarbergsgrund die Erfurter Störungszone quert.
Auf den Kalksteinplateaus stockt seit altersher bis auf Lücken naturnaher Laubmischwald. Das größte bildet der Drosselberg, als heute nicht zugänglicher Standortübungsplatz wird er schon lange militärisch genutzt und zeigt sich bis auf Randstreifen waldfrei.
Für den Steiger prägnant sind mehrere Erdfälle (ND) über Mittlerem Muschelkalk.
Die meisten Täler sind Trockentäler. In ihnen fließen nur bei Schneeschmelze und nach Starkregen sog. Hungerbäche, die aber dann ihre große reliefbildende Kraft entfalten und sich immer tiefer in den Untergrund  eingraben, wie am Mäander im Martinsbusch eindrucksvoll demonstriert.
Die Abhänge der Plateaufläche können z.T. großflächig ausgebildet sein. Bedeutend sind dabei die  Trockenrasengesellschaften am Drosselberg und rudimentär am sw Steigerrand.

Vom Fahner Gewölbe tritt dessen so Ausläufer im w Stadtgebiet als plateauartiger Rücken in Erscheinung. Wie bei den anderen Randhöhen auch, basiert es auf Gesteinen des Muschelkalks und Keupers. Zwischen Marbach, Alach und Schmira ist der Muschelkalk vom Unteren Keuper überdeckt.
Es wird eine durchschnittliche Höhe um 300 m erreicht. Das Plateau ist im Gebiet bis auf Randflächen n Töttelstedt / Tiefthal ohne Waldbedeckung und bis auf den östlichen (zwischen Schaderode und Bindersleben) und den südlichen Teil (w Bischleben) von einer mächtigen Lößdecke bedeckt.
Bei der NO-Abdachung des Fahner Gewölbes zum Geratal hin, bestehen einige Analogien zu den Abhängen der s Randhöhen. Der großflächige Hang wird von Trockentälern dominiert mit wenigen Quellen, er ist bis auf den Hangfuß lößfrei.

Gebiete mit Schwarzerdeböden, dabei größtenteils über Löß, sind im Stadtgebiet bis auf Geraaue, Erfurter Störungszone und einzelne Keuperhärtlingsrücken vorherrschend. Zu ihnen gehören u.a.

  • im Osten, auf durchschnittlich 200 m Höhe:
    - die Dittelstedter Lößmulde mit Schmidtstedter Berg (237,3 m) eine Flachmulde (mit Domblick!) no der Herrenberge (Störungszone) mit bis zu 7 m mächtiger Lößdecke (Feldgemüseanbau, Gartenbau),
    - die Melchendorf-Kersplebener Lößplatte mit Schwabenberg (233,9 m) über einem Untergrund aus Gesteinen des  Unteren Keupers und mit z.T. fehlender Lößdecke (Katzenberge);
  • im Westen:
    - das Alach-Gamstädter Lößplateau mit Alacher Höhe (328,8 m) mit überwiegend geschlossener, mächtiger Lößdecke bedeckt,
    - die Gera-Wipfra-Lößplatte mit no Teil, 200-300 m, Mittelberg (300,2 m). Ihr Untergrund wird von Ton- und Sandsteinen des Unteren Keupers gebildet. Sie nimmt die SO-“Spitze“ des Stadtgebietes um Molsdorf (s Möbisburg) ein.

Schwarzerdeböden werden intensiv ackerbaulich genutzt.

TLUG Jena: Naturräumliche Gliederung kreisfreie Stadt Erfurt
TLUG Jena: Landnutzung 2008 kreisfreie Stadt Erfurt
Topografische Karten Maßstab 1:25.000 (TK 25) Erfurt MTB, Ausgabejahr 2018:
Erfurt NW MTB 4931 | → Erfurt N MTB 4932 | → Erfurt W MTB 5031 | → Erfurt MTB 5032

Klimatisch
aus [Riese 1987]

Niederschlagsmenge und -häufigkeit fallen für Erfurt am Südrand des innerthüringer Trockengebietes gering aus. Die wird mit hervorgerufen durch die Oberflächengestalt des westlichen Thüringer Beckenrandes. Winde aus überwiegend westlichen Richtungen – mehr als die Hälfte aller Windrichtungen sind SW, W, NW – bringen die Hauptniederschläge, die jedoch schon zum größten Teil im Thüringer Wald, im Eichsfeld und im Harz fallen (sog. „Regenschatten“). Dadurch liegt das Erfurter Jahresmittel nur bei etwa 510-540 mm. Etwas kompensiert wird diese relative Trockenheit dadurch, dass fast die Hälfte davon in der Vegetationszeit, auch der hier vorkommenden heimischen Orchideen, von Mai bis August fällt.
Das Klima ist überwiegend trocken-warm, die Temperaturen sind mäßig warm, noch gering modifiziert durch die Wärmeabstrahlung des großstädtischen Raumes (z.B. Abmilderung bei Frost).

Das Geratal und die NO-Abhänge des Fahner Gewölbes sind durchschnittlich um 1 bis 1,5 grad „wärmer“ und um 50 mm Niederschlag „trockener“ als die umgebenden randlichen Hochflächen der Kalkplateaus Steiger, Drosselberg, Zeisigberg und der Fahner Höhe. Die Hügelkette aus Keupergips im N sowie die Kamm-Hügelkette der Erfurter Störungszone zeichnen sich durch exponierte Lage und ein besonderes Mikroklima aus. Ihre S- und SW-Hänge sind strahlungsbegünstigt, was die durch Kalk- und Tongestein bereits vorhandene Neigung zu Austrocknung noch verstärkt. Die ursprünglich auftretenden Trockenrasengesellschaften nehmen dann dann Steppencharakter an.

So wie die Fahner Höhe ähnliche klimatische Verhältnisse aufweist wie das Kalksteinplateau Steiger-Drosselberg-Zeisigberg, gelten entsprechende Analogien zwischen Dittelstedter Lößmulde und Geraniederung.

Literatur | Quellen

Riese, Albert: Naturräumliche Gliederung des Gebietes der Stadt Erfurt. In: Veröffentlichungen des Naturkundemuseums Erfurt 1987, Heft 6, S. 38-47

Letzte Aktualisierung ( 17. 09. 2019 )