Biosphärenreservat Rhön
Geschrieben von Klaus Fischer   
15. 08. 2007


( Karl-Friedrich Abe und Karl-Friedrich Grob)

Mit der Anerkennung als Biosphärenreservat durch die UNESCO 1991 gehört die Rhön zum ausgewählten Kreis von derzeit etwa 490 Modellregionen auf der Welt. Dabei ist die Rhön etwas Besonderes unter den deutschen Mittelgebirgen: Dem Wanderer bieten sich von den Berghängen und oft auch von den waldfreien Hochlagen einmalige Fernsichten. Daher bezeichnet man die Rhön auch als "Land der offenen Fernen".

Das Biosphärenreservat Rhön umfasst Teile von Bayern, Hessen und Thüringen und beinhaltet eine Fläche von 185.000 ha. Der thüringische Teil nimmt 48.500 ha ein.

Der einstige Grenzstreifen, der die Rhön früher trennte, verbindet sie heute als "Grünes Band".

Der Struktur- und Artenreichtum dieser Kulturlandschaft und die zielgerechte Pflege spiegeln sich in der Gliederung in verschiedene Schutzzonen wieder.

Die Flächenanteile verdeutlichen auch die Schwerpunkte der Entwicklung. In den Kernzonen (745 ha) findet keine wirtschaftliche Nutzung statt, die Natur kann sich ungestört entwickeln. In den Pflegezonen (4.800 ha) erfolgen die Nutzung des Waldes, der Wiesen, Trockenrasen, Moore und Gewässer nach naturschutzfachlichen Erfordernissen und Zielen.

Die Entwicklungszone umfasst den größten Flächenanteil mit 43.028 ha. Hier leben die Menschen, hier findet die extensive Landbewirtschaftung statt und hier liegen die Schwerpunkte der Infrastruktur.

Kalkmagerrasen

 

Die Region umfasst ein vielfältiges Mosaik aus Wäldern, Wiesen, Äckern, Gewässern und Siedlungen. In den Laubwäldern, wo sich neben seltenen Pflanzen auch scheue Tierarten heimisch fühlen, finden sich wuchtige Basaltblockhalden sowie Hangquellmoore mit zahlreichen gefährdeten Moosen, Flechten und Pilzen. Lesesteinwälle, Hecken und Gehälzstreifen bringen Abwechslung in die Landschaft.

Die gut erhaltenen Ortskerne und die Grüngürtel aus Streuobstwiesen um sie herum zeugen vom traditionsbewussten Leben der Menschen. In den Wäldern verstecken sich Hügelgräber, keltische Wallanlagen und Burgruinen aus alter Zeit.

Eine Besonderheit der thüringischen Rhön sind die großflächigen Kalkmagerrasen. In ihrer Qualität und Vernetzung und wegen ihrer reichen Artenausstattung haben sie bundesweite Bedeutung. Die wertvollen Flächen wurden durch ständige Beweidung mit Schafen und Ziegen offen gehalten und beherbergen eine wertvolle Flora. Deshalb haben sich Naturschützer und Landwirte im Landschaftspflegeverband Biosphärenreservat Rhön e. V. zusammengetan, um sie zu pflegen und zu erhalten. Gemeinsam sorgen sie dafür, dass Schafherden weiter, wie seit Jahrhunderten, durch die Rhön ziehen können.

Nebel

 

Was haben wir in unserer Modellregion bisher erreicht?

Im Mittelpunkt steht die Zusammenarbeit mit den regionalen Akteuren. Die Mitarbeiter der Biosphärenreservatsverwaltung sind regionale Ansprechpartner rund um das Thema Naturschutz und Berater, um die wirtschaftliche Nutzung des Biosphärenreservates in Einklang mit der Natur zu bringen. Fachliche Grundlagen für das Handeln der Verwaltung sind ein Rahmenkonzept zu Schutz, Pflege und Entwicklung der Region.

Als Anerkennung für die gelungene Verbindung von Naturschutz und Regionalentwicklung wurde das Biosphärenreservat Rhön im Jahr 2000 in einem Bundeswettbewerb als "Region der Zukunft" ausgezeichnet. Hieraus entstand nachfolgend die Arbeitsgemeinschaft "ARGE Rhön", in der viele lokale Akteure gemeinsame Projekte umsetzen. Gegenwärtig wird, um die touristische Attraktivität zu erhöhen, der zentrale Wanderweg "Der Hochrhöner" konzipiert. Das Geografische Informationssystem GIS der thüringischen Verwaltungsstelle leistet hierbei wertvolle Dienste.

Zurzeit wird länderübergreifend an einem Integrierten Umweltbericht gearbeitet, der den Ist-Zustand des Biosphärenreservats Rhön beschreibt. Veränderungen der Umwelt werden dokumentiert und interpretiert sowie Maßnahmen für die Erhaltung oder Verbesserung vorgeschlagen.

Weitere Projekte, die auf Initiative bzw. unter Mitarbeit der Biosphärenreservatsverwaltung realisiert werden, sind zum Beispiel das Naturschutzgroßprojekt des Bundes "Thüringer Rhönhutungen", oder das "Grünlandprojekt".

 

Fliegenpilz

 

Im Jahre 2003 erfolgte eine turnusmäßige Überprüfung des Biosphärenreservats Rhön durch die UNESCO. Der Bewertungsbericht des Gremiums hob insbesondere die vorbildliche Erfüllung der Entwicklungsfunktion heraus und bescheinigte dem Biosphärenreservat Rhön ebenso bemerkenswerte Erfolge bei der Erfüllung der Schutzfunktion.

 

Biosphärenreservat Rhön Verwaltung Thüringen

Mittelsdorfer Straße 23

98634 Kaltensundheim

Tel.: 03 69 46/382-0

Fax: 03 69 46/382-22

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www.biosphaerenreservat-rhoen.de

Der Thüringer Naturbrief bedankt sich für die freundliche Unterstützung durch Frau Dr. Stremke und der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie Jena

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www.tlug-jena.de 

Beiträge wurden dem Sonderheft "Landschaftspflege und Naturschutz in Thüringen", Nr.2/2006 entnommen und geringfügig redaktionell bearbeitet. Die Redaktion dankt den AutorInnen und Fotografen.

Text /Fotos Klaus Fischer

Letzte Aktualisierung ( 18. 09. 2008 )