Tiere im Erfurter Steigerwald
Geschrieben von Detlef Tonn   
28. 01. 2008
Texte: Reinhard KRAUSE, ca. Anfang 90er Jahre

 

Vorwort

Von der Tierwelt bemerkt der Waldbesucher zuerst die Vögel und Säugetiere. Der Laubwald bietet Reh, Fuchs, Dachs, Hase, Eichhörnchen, Baummarder, Gelbhals- und Rötelmaus und Abendsegler Lebensraum. Ebenso bevölkern die Vögel alle Schichten des Waldes vom Waldboden bis zum Kronendach: Blau-, Kohl-, Sumpf-, Weiden-, Schwanzmeise, Kleiber, Wald- und Gartenbaumläufer, Buchfink, Grünfink, Kernbeißer, Star, Singdrossel, Amsel, Waldkauz, Waldohreule und alle einheimischen Spechtarten sind hier heimisch, Roter Milan und Mäusebussard ebenso wie Pirol, Kuckuck, Rotkehlchen, Zaunkönig, Grasmücken und Laubsänger.

Manche Vogelarten sind ganz unmittelbar an das Vorkommen sehr alter Bäume gebunden, z. B. der sehr seltene Mittelspecht. Im Steiger ist er häufiger als in den meisten Gegenden Thüringens. Schon das allein verpflichtet uns zu besondere Schutzmaßnahmen. (H. Pontius)

Amphibien

Teichmolche - auf dem Rückweg

Die wenigen Feuchtgebiete des Steigers - zumeist natürlich entstandene Erdfall-Tümpel - sind als Laichplätze nicht nur die Lebensvoraussetzung für Grasfrösche und Erdkröten. Sie sind auch für die heimischen Schwanzlurche - die Molche - unverzichtbar. Die durchgeführte Sanierung einiger Objekte hilft auch den Berg- und Teichmolchen beim Überleben.

Der Teichmolch (Triturus vulgaris) ist die häufigste Art im Steigerwald. Kleinste Tümpel und Wasserbecken werden besiedelt, wasserführende Gräben, Feuerlöschteiche, selbst Pfützen in tiefen Fahrspuren, dienen als temporäre Lebensstätten. Zumindest zur Fortpflanzungszeit von März bis Juli wird das nasse Element benötigt. In milden Wintern suchen die erwachsenen Tiere schon im Februar sonnige Laichplätze auf (auch deshalb wurden beschattende Bäume an den Steiger-Tümpeln entfernt!). Sie verlassen frostfreie und geschützt liegende Quartiere unter Wurzeln, Laubstreu und Gesteinsplatten, wo sie die kalte Jahreszeit in Kältestarre verbrachten. Nach der Hochzeit im Frühjahr hatten die weiblichen Tiere jeweils 100 bis 200 Eier einzeln an Wasserpflanzen abgelegt. Die winzigen Larven waren nach vier Wochen geschlüpft, hatten äußere Kiemen gezeigt, die wie Federbüschel vom Kopf abstanden. Jetzt, ein Vierteljahr später, hat sich das Äußere völlig verwandelt. Die Jungmolche verlassen das Wasser. Sie sind allerdings erst im dritten Frühjahr nach der Geburt fortpflanzungsfähig.Und bis dahin führen sie im tiefsten Waldesschatten ein reines Landleben.

Auch die Kleingärtner bzw. Grundstücksbesitzer können praktischen Amphibienschutz betreiben. Dabei sei vor allem auf das Anlegen flacher Gartenteiche hingewiesen. Nur müssen sie fischfrei sein, weil eingesetzte Fische den Laich fressen. Ebenso wichtig sind Stein-, Reisig- und Komposthaufen. Holzbrettchen unter Gebüsch sind vorzügliche Tagesverstecke. Wenn sich der Gartentümpel eignet, stellen sich die Molche ganz von selbst ein. Deshalb: Keinen Lurch der freien Natur entnehmen!

http://www.natur-lexikon.com/Texte/HWG/001/00028/HWG00028.html

 

 

Echsen

Blindschleichen - Ungesellige "Blender" sind geräuschlos und nachtaktiv, aber auch kein "Ekeltier"

Nur Unwissende halten Blindschleichen für kleine Schlangen. Dabei ist die besonders geschützte Blindschleiche des Steigers weder blind noch schleicht sie wie eine Katze. Der Name enstand vielmehr aus der früher geläufigen Bezeichnung "Blend" -Schleiche, weil die glatten Schuppen auf den Hautknochen im Sonnenlicht metallisch glänzen.

Der typische Eidechsenkopf, die beweglichen Augenlider und die zweilappige Zunge sind Merkmale der Echsen. Die Rückenfärbung ist blaugrau, messinggelb oder rötlichbraun, die Bauchseite hingegen blauschwarz. Der Körper einer erwachsenen Blindschleiche wirkt mit 50 cm unförmig gedrungen. Im Gegensatz zu den Schlangen verfügen Blindschleichen über ein sensibles Gehör, ebenso ist der Gesichtssinn relativ gut entwickelt.

Blindschleichen sind ungesellig lebende Einzelgänger. Im Steiger und Umgebung leben sie auf Wiesen, an Waldrändern, in Gärten und im feuchten Gebüschsaum. Die alten vernarbten Steinbrüche nahe Hochheims und Möbisburgs, am Bachstelzenweg und im Rhodaer Grund bieten günstige Bedingungen. Vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv suchen sie geräuschlos nach Nahrung und erbeuten die viel langsameren Nacktschnecken auch Regenwürmer. Blindschleichen paaren sich im Mai. Eier werden nicht gelegt. Im Juli und August werden die Jungtiere lebend geboren.

Nach wie vor belegen aktuelle Totfunde eine gewisse "Schlangenhysterie". Das Totschlagen ist ebenso sinnlos wie strafbar. Und ohne Blindschleichen würden im Steigerwald interessante Tiere fehlen.

 

http://www.natur-lexikon.com/Texte/zs/001/00002-blindschleiche/zs00002-blindschleiche.html

 

Eidechsen - Nicht sehr scheue Reptilien

Das strukturreiche Landschaftsschutzgebiet "Steigerwald" beherbergt eine große Zahl Lebewesen, darunter auch etliche besonders geschützte. Die Bundesartenschutzverordnung von 1989 stellte alle in deutschen Landen wildlebende Reptilien unter strengen Naturschutz und damit auch die beiden in Thüringen vorkommenden Eidechsen. Im stadtnahen Wald und in seiner Umgebung (Geratalhänge bei Bischleben, Wiesengrund bei Waltersleben, Truppenübungsplatz Drosselberg bei Egstedt usw.) sind die beiden einheimischen Eidechsenarten zu Hause: die kleinere Berg- oder Waldeidechse und die größere, plump wirkende Zauneidechse. Eigentlich gehört noch die Blindschleiche als "fußlose Eidechse" zu dieser Reptiliengruppe.

Die Zauneidechse besitzt im Erfurter Raum eine ganze Reihe von Rückzugsstandorten (Refugien): sonnige Böschungen entlang des Flutgrabens mitten in der Stadt, die Eisenbahndämme der Nordhäuser und Sangerhäuser Strecke, trockene, gebüschreiche Hügel südlich Melchendorfs und nicht zuletzt das Gelände des Roten Berges im städtischen Norden. Zu den Lebensräumen besagter Art zählen die sonnigen Hänge des Steiger-Abfalls zum Hochheimer und Bischlebener Geratal und dort ganz besonders die zahlreichen vernarbten Steinbrüche im Muschelkalk.

Für gewöhnlich sind Zauneidechsen nicht sehr scheue Tiere, aber sie fliehen vor vermeintlichen Angreifern. An warmen Tagen bekommt man sie kaum zu Gesicht, denn dann entspricht die Körpertemperatur der höheren Außentemperatur und sie sind besonders bewegungsflink. Dabei ist die Zauneidechse (Lacerta agilis) durchaus ein tagaktives Tier und späht - in der Sonne liegend - nach Beute: Spinnen, Schnecken, Würmer, Asseln und Insekten aller Art. Die lebendige Beute wird oft im Sprung gepackt, mit kräftigen Kiefern zerquetscht und im Ganzen verschluckt. Im Hochsommer sind Männchen und Weibchen farblich nicht mehr zu unterscheiden, die Geschlechter sind bräunlich bis grau, Von April bis Juni jedoch zeigen sich die männlichen Tiere in typisch grüner bis blaugrüner Hochzeitstracht.

Eine Zauneidechse in die Halld zu nehmen kann schlecht ausgehen, Entweder sie beißt zu (Foto!), was schmerzhaft sein kann, aber ungefährlich ist. Oder man hat plötzlich nur noch das Schwanzende in der Hand, weil das Tier - um sich vor Freßfeinden zu retten - in der Lage ist, den hinteren Teil abzuwerfen. Deshalb ist es besser, man beobachtet mit gebotener Rücksicht die sich auf Holzstapeln oder Steinen sonnenden Tiere, ohne sie in die Hand nehmen zu wollen oder gar in die Enge zu treiben .

 

http://www.natur-lexikon.com/Texte/zs/001/00001-waldeidechse/zs00001-waldeidechse.html
http://www.natur-lexikon.com/Texte/zs/001/00004-zauneidechse/zs00004-zauneidechse.html

Insekten

Bockkäfer - harmlose Pollenfresser

Die blühenden Stauden der Doldenblütengewächse kennzeichnen im August weite Teile der Feldschicht im Steigerwald. Je feuchter der Standort ist, desto dichter steht die beinahe mannshohe Wald-Engelwurz. Bisweilen - wie am Erlensumpfweg - kann diese Umbellifere aspektbildend unter dem Laubdach der Eschen und Erlen auftreten.

Aus der Nähe betrachtet, erweisen sich die blühenden Pflanzen als "Versammlungsort" gefährlich aussehender, aber völlig harmloser Schwebfliegen, Wanzen und Käfer. Zu Dutzenden naschen diese Insekten gemeinsam süßliche Flüssigkeit, die die Blütchen absondern, bzw. sie fressen den gelblichen Pollenstaub. Körperlich ziemlich auffällig sind darunter die schwarzgelb gemusterten Körper der Schmalböcke - der wohl häufigsten Vertreter der Bockkäfer im Steiger. Daneben treten vor allem Streifenwanzen, Soldatenkäfer (eine Weichkäfer-Art) und die obligaten Marienkäfer in Erscheinung.

Die Bockkäfer fallen durch meistens lange, gebogene Fühler am Kopf auf, die jedoch nicht zum "Fühlen" konstruiert sind, sondern zum Riechen. Es sind die Träger des Geruchssinns. Mit diesen Antennen werden chemische Signale aus der Umwelt eingefangen: Duftstoffe, die Artgenossen und Geschlechtspartner, Freßfeinde und Nahrungsquellen absondern. Die meisten "Böcke" sind Pollenfresser und Baumsaft-Nascher. Ein paar nehmen in ihrer nur kurzen Lebenszeit als Imago gar keine Nahrung mehr zu sich, sie haben in ihrer Larvenzeit ausreichend Nährstoffe im Körper angespeichert.

Die harmlosen, wespenförmig schwarzgelb gezeichneten Schmalböcke (mehrere Arten, z. B. Strangelia quadrifasciata) sind die häufigeren. Sehr ähnlich ist der Eichenwidderbock auf den Flügeln gemustert. Die abgebildete Art Sperda scalaris wurde auf Rohrkolbenblättern im Naturdenkmal "Teufelssumpf" nah des Hubertus beobachtet. Es ist ein kleiner, nur 17-18 mm langer paläarktisch verbreiterter Bockkäfer. Er ist in Europa ziemlich selten und trägt wohl deshalb keinen deutschen Namen. Seine Larven entwickeln sich in vertrockneten Zweigen von Eichen, Hain- und Rotbuchen sowie in Salweiden. Diese Gehölze sind im südlichen Steiger ("Martinsbusch") reichlich vorhanden. Die erwachsenen Käfer können bisweilen schon im April, an warmen Tagen, gesichtet werden. Das abgebildete Exemplar nahm hingegen im Juli ein Sonnenbad auf dem Pflanzenhalm.

http://www.natur-lexikon.com/Ausgabe/Ausgabe2.php?Text=Cerambycidae&Text3=Bockk%C3%A4fer-Monographien%20im%20Natur-Lexikon

 

Fliegender Brauner Bär - "Haarpelz" schützt zur Winterszeit

Wenn die Entomologen von den Bären sprechen, meinen sie nicht die riesigen Säugetiere, sondern die bunten (besonders geschützten) Schmetterlinge der Familie Arctiinae. Dabei handelt es sich um unterschiedlich große Falter mit lebhafter Färbung und Zeichnung auf den Flügeldecken. Und zieht man ein Bestimmungsbuch zu Rate, kann man alle 22 Spezies auseinanderhalten zumindest theoretisch.

Da gibt es Spanische Fliegen, Hofdamen, Englische, Blut-, Schön-, Purpur-, Augsburger, Zimt- und Grasbären, um nur ein paar Vertreter zu nennen. Erwähnenswert, weil in thüringischen Gefilden zu Hause, ist der Braune Bär (Arctia caja). Auch im Erfurter Raum kann er hin und wieder beobachtet werden. Seine Flügelspanne erreicht etwa sieben Zentimeter.

Die Flugzeit des Schmetterlings reicht von Juli bis August, das Fluggebiet umfaßt Waldränder, Bachtäler, Parks oder buschige Hänge. Die Raupen sind - wie bei allen Bärenspinnerraupen - sehr dicht behaart, daher der Name Bären. Diese fressen am Kraut der Heidelbeere, Besenheide, Himbeere, Schlehe und Schneebeere, wenn sie im September aus den Eiern geschlüpft sind. Die Raupen überwintern. dabei werden sie durch das pelzige Haarkleid vortrefflich gegen Witterungsunbilden geschützt. Die Entwicklung setzt sich im Frühjahr fort.

Erst im Juni verpuppen sich die Raupen in einem weichen, haarigen Gespinst von grauweißer Färbung am Erdboden. An einem warmen Tag im Juni/Juli sprengt dann der inzwischen fertige Falter seinen Puppenkörper auf und setzt zum Jungfernflug an.

Da der braune Bär in der Wahl seiner Nahrung ziemlich variabel ist, droht ihm vom Angebot an Futterpflanzen für die Raupen keine Gefährdung. Wohl aber bestehen große Gefahren durch den Einsatz bestimmter Pflanzenschutzmittel. die in unseren Forsten und landwirtschaftlichen Kulturen nach wie vor eingesetzt werden.

Übrigens fliegt dieser hübsche Schmetterling zu nächtlicher Zeit viel häufiger als tagsüber. Das dürfte auch der Grund sein, weshalb man die Bären tags nicht zu Gesicht bekommt, es sei denn, man hat den Ruheplatz eines Tieres zufällig aufgestöbert. Im Ruhezustand bedecken die vorderen Flügel die hinteren. Bei vermeintlicher Gefahr öffnen sich die Flügel und das bizarre Bild der hinteren soll Feinde abwehren. So äußerten sich seinerzeits die Begründer der "Warntracht-Hypothese".

http://de.wikipedia.org/wiki/Brauner_B%C3%A4r_(Schmetterling)
http://www.insektenbox.de/schmet/brauba.htm

 

Erdlaufkäfer - Räuberische Gesellen mit FlügeIn

Die Erdlaufkäfer der Gattung Carabus (Großlaufkäfer ) sind fast ausnahmslos räuberische Arten. Täglich vertilgen sie eine Nahrungsmasse, die beinahe das Zweieinhalbfache ihres eigenen Körpergewichts ausmacht. Zum Nahrungsspektrum zählen Larven von Fliegen, Blattwespen und Schmetterlinge, auch Schnecken und Würmer. Mithin befinden sich zahlreiche Kulturschädlinge in Forst, Garten und Feld in dieser Nahrung. Über den wirtschaftlichen Nutzen der Erdlaufkäfer berichteten die Entomologen bereits im vorigen Jahrhundert.

Mit bis 42 mm Körperlänge, mit teilweise metallisch glänzender Färbung und dekorativer Ketten- und Punktstreifung der Flügeldecken fallen die recht großen Käfer selbst Laien auf. Da Carabus-Arten kaum noch fliegen können - sie bewegen sich flink laufend vorwärts - ist ihr Aktionsradius auf wenige Dutzend bis wenige hundert Meter beschränkt. Sie zeigen eine starke Bindung an den jeweiligen Standort und spezielle ökologische Ansprüche an ihre kleine Umwelt.

Neunzehn Arten heimischer Carabiden gibt es, davon sind mindestens drei Viertel gefährdet. Ursachen der Ausrottung (fälschlich "Aussterben" genannt) sind u.a. die Zerstörung der Lebensräume durch rücksichtslose Landnutzungsverfahren, die toxische Belastung der Nahrungsketten (Umweltgifte).

Die Unterscheidung der Laufkäfer ist leicht anhand der Flügeldeckenstruktur möglich. So zeigt nur Carabus glabratus eine völlig glatte Flügeldecke (Glatter Laufkäfer). Der Lederlaufkäfer zeigt eine Runzelung der Decken, feine Längsstreifen besitzen Kurzgewölbter Laufkäfer und die hübsche "Goldleiste". Jeweils drei Rippen zeigen Heidelaufkäfer und Goldglänzender Laufkäfer. Längsrillen und sehr regelmäßig angeordnete Punktstreifen weisen solche Arten auf, wie Garten-, Ufer-, Waldlaufkäfer, Berg- und Hainlaufkäfer.

Bevorzugter Lebensraum fast aller Carabiden sind Wälder, Forsten und Gebüsche verschiedener Prägung. Der Erfurter Steiger enthält mehrere Arten. Sehr auffällig ist der "Goldschmied" oder die "Goldhenne" mit den grüngoldenen Flügeldecken. Letztere ist tagaktiv, andere sind meist nächtlich aktiv.

Die meisten Erdlaufkäfer pflanzen sich im Frühjahr fort. Die Eiablage erfolgt im Mai, das Larvenstadium dauert bis August und bei günstiger Witterung verlassen die Jungkäfer bereits im September die Puppenwiegen.

http://www.natur-lexikon.com/Texte/HWG/001/00037/HWG00037.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Echte_Laufk%C3%A4fer

 

Gallen - Larvenkammern von Insekten

Der Erfurter Steiger ist die Heimstatt einer riesigen Zahl von Insektenarten. Sie überdauerten hier die Jahrtausende der Nacheiszeit oder fanden hier infolge forstlicher Kultivierung des Waldes zusagende Lebensbedingungen. Eine kleine Gruppe jener Tiere mit sehr unscheinbarer Lebensweise und ganz erstaunlicher Spezialisierung kündet ihre Existenz immer wieder durch auffällige Formen an Bäumen und Sträuchern an. Es sind Gallen an Blättern, Knospen, Zweigen und Wurzeln. Solche "Mißbildungen" werden von Läusen, Gallmücken, Gallmilben und Gallwespen erzeugt.

Riesig muten die "Eichäpfel" an den Zweigen der Stiel- und Traubeneichen an (siehe nebenstehendes Foto). Kirschgroße Blattgallen findet man auf Lindenblättern und Buchenlaub. Sehr bekannt sind die behaarten Gallen der Gemeinen Rosengallwespe, im Volksmund als "Rosenapfel" bezeichnet. Diese Galle ist mit langen, verzweigten und rötlichen Haaren bedeckt. Sie entwickelt sich bis zur Faustgröße auf Heckenrosensträuchern. Die "Rosenäpfel" wurden wegen Form und Struktur im früheren Aberglauben als "Schlafäpfel" verwendet, denn sie sollten - unter ein Kopfkissen gelegt - "Dauerschlaf" bewirken können.

Vom Lichte des Wunderglaubens befreit, schneidet man ganz einfach die "Schlafäpfel" durch. Man findet eine, öfter auch mehrere Larvenkammern vor, die kleine weißliche Lärvchen von Diplolepis rosae (Gemeine Rosengallwespe ) enthält. Diese Larven ernähren sich von den Zellabsonderungen der Kammerwanderung, die Eiweiße und Fette enthält. Solche Nährstoffe baut erst die Wirtspflanze auf, nachdem das Insektenweibchen im Frühjahr seine Eier an die Blattknospen gelegt hatte. Die geschlüpften Larven zwangen die Pflanze zu Umbildungen der Blattanlagen, so daß die eigentümliche "Apfelform" entstand.

Die Larven wachsen im Sommer heran und mit der anbrechenden Vegetationsruhe im Herbst verpuppen sie sich. Die unscheinbaren, grünlich-metallisch glänzenden und nur vier mm großen Insekten schlüpfen im Frühjahr. Bemerkenswert ist, daß es meistens nur Weibchen sind. Auf mehrere hundert weibliche Tiere kommt nur ein Männchen der Rosengallwespe. Und noch viel interessanter ist die Tatsache, daß die "Rosenäpfel" von Dutzenden Arten Gallwespen-Parsiten bewohnt sind, die sich allein auf diesen einen Gallapfel-Typ spezialisiert haben.

Eichäpfel und Rosenäpfel, Buchengallen und andere "Mißbildungen" - sie sind das Ergebnis der ökologischen Anpassung von Lebewesen, sie bezeugen die Einmischung im evolutionären Prozeß.

http://www.baumportal.de/bp_gallen.htm

 

Heuschrecken - Naturmusik im Spätsommer

Von den bisher in Thüringen nachgewiesenen 49 Arten Heuschrecken sind derzeit 30 im Bestand gefährdet oder sogar schon ausgestorben. Dabei gehören die Zirpkonzerte der Heuschrecken in Erfurts Umgebung zur jahrhundertealten "Naturmusik" des Spätsommers bis Frühherbstes. Die Verursacher der Geräuschkulisse gehören zur umfangreichen Insektenordnung Saltatoria, wie man die Heuschrecken wissenschaftlich nennt. Hinter dem Begriff "Heuschrecken" stehen die "Langfühlerschrecken" (z. B. das Große Heupferd), die "Grillen" (z. B. Feldgrille) und die "Kurzfühlerschrecken" (z. B. der Gemeine Grashüpfer).

Der biologisch-ökologische Sinn der lautstarken Äußerungen der Heuschrecken besteht vor allem in der akustischen Verständigung männlicher und weiblicher Tiere. Rhythmus, Dauer und Frequenz des Zirpens sind artspezifisch und meist der Fortpflanzung geschuldet. Manche akustischen Signale dienen der Abwehr von Feinden und Rivalen. Die Entomologen fanden verschiedene Such- und Lockgesänge, Werbe- und Rivalengesänge bei derselben Art heraus.

Lauterzeugung und Hörorgan sind gleichermaßen beachtenswert. So reiben sich die Laubheuschrecken die Flügel aneinander, die Feldheuschrecken lassen Laute an der Schrilleiste an der Innenseite der Hinterschenkel entstehen. Die Knarrschrecken erzeugen Laute mit den Mundwerkzeugen. Das Zwitscher-Heupferd des Steigers und das Große Heupferd bringen recht reine und längere Zirplaute zwischen 5000 und 70 000 Hertz hervor. Die Waldgrille äußert sich bei etwa 5000 Hertz, die Wiesen-Grashüpfer und Dornschrecken sind relativ leise. Die "Ohren" sitzen an verschiedenen Körperteilen: Am vorderen Hinterleibssegment und an den Vorderbeinen. Das Große Grüne Heupferd hört über winzige Hörschlitze an den Vorderbeinen, wo sich unterhalb des Kniegelenkes winzige Öffnungen befinden.

Im Steigerwald und Umgebung kann man die Gemeine Eichenschrecke, Brauner und Gemeiner Grashüpfer, Gewöhnliche Strauchschrecken, Plumpschrecke, Gemeine Sichelschrecke beobachten. In den Neubaugebieten ist die Hausgrille recht verbreitet.

http://www.natur-lexikon.com/Texte/MZ/001/00076-Heupferd/MZ00076-heupferd.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Feldgrille

http://www.insektenbox.de/heusch/gegras.htm

 

Hummeln - Winterruhe für Königinnen

Mit Anbruch der kalten Jahreszeit endet im Steiger jährlich das Leben vieler Tierarten. Bei zahlreichen Insekten überwintern Eier, Larven oder Puppen. Vertreter anderer Arten suchen frostfreie Verstecke zum Überdauern auf.

Auch Hummeln überwintern, allerdings nur die weiblichen Tiere: die Jungköniginnen. Im Oktober sterben die Hummelvölker ab, es bleiben die begatteten Weibchen übrig. Den Königinnen obliegt es, im nächsten Frühjahr neue Staaten zu gründen. Und bis dahin verbergen sie sich in Mauerspalten und Erdlöchern, hinter dicker Baumrinde, unter Falllaub, in Holzstößen und Steinhaufen.

Schon im zeitigen Frühjahr, sobald die ersten Frühjahrsblüher sich entfalten, tauchen die Königinnen nahrungssuchend auf, bauen ein Nest, legen Eier ab und heimsen Nektar und Pollen ein. In dem Nest befinden sich anfangs wenige Wachszellen, aus ihnen schlüpfen erste Arbeiterinnen. Sie widmen sich der Fürsorge ihrer Geschwister im Larvenstadium. Je mehr Arbeiterinnen erscheinen, desto größer und kräftiger werden die jeweils jüngeren Geschwister dank des Futterdargebots. Erst im August zeigen sich männliche Tiere. Sie sind körperlich viel kleiner und wehrlos und verfügen über keinen Stachel. Etwa zeitgleich schlüpfen auch geschlechtsfähige Weibchen. Der Hochzeitsflug vereint Männchen und Weibchen, die jungen Königinnen überdauern, siehe oben.

Hummeln wollen in Ruhe gelassen werden. Nester im menschlichen Wohnbereich bilden keine Gefahr. Der Naturschutzstatus verbietet das Verfolgen und Töten dieser wertvollen Insekten. In Gärten kann man durch Anlage von "Steingärtchen"-Abschnitten und durch alte Blumentöpfe, die mit dem Abzugsloch nach oben in den Boden eingegraben werden, ideale Nistplätze schaffen. Zum Schutz vor Mäusen müssen diese mit stabilen Bodenplatten versehen werden. Feldmäuse zerstören alljährlich mehr als die Hälfte aller Hummelnester.

http://www.natur-lexikon.com/Texte/HWG/003/00204-Hummelschwebfliege/HWG00204-Hummelschwebfliege.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Hummeln

 

 

Kürbis-Kreuzspinne - Nützliche Vertilger von Schadinsekten

Eine der häufigsten Spinnenarten im Steiger und in der Erfurter Gegend ist die Kürbis-Kreuzspinne. Ihr dicklicher, kürbisgelber Leib führte zum Namen. Sie gehört nicht zu den nach Gesetz besonders geschützten Spinnen (Bundesartenschutzverordnung von 1989), was man jedoch nicht mit der Erlaubnis zur unnötigen Netzzerstörung und Tötung der Tiere gleichsetzen darf. Und zweifellos ist auch die abgebildete, mit ihr verwandte Art Araneus quadratus derzeit in keiner "Roten Liste" der Wirbellosen enthalten.

Die verbreitete Abneigung vieler Menschen, aber nicht nur der Frauen, gegenüber Spinnen im Allgemeinen und den vielen Arten Kreuzspinnen im Besonderen ist psychologisch schwer erklärbar. Folgende Kurzbeschreibung über das Jahresleben der geschmähten Tiere, hier der Kürbis-Kreuzspinne, soll ein wenig helfen, die Vorurteile abzubauen.

Die räuberische Lebensweise der bis 7 mm großen Kürbis-Kreuzspinne bringt eher Nutzen als Schaden, betrachtet man das Beutespektrum näher: vornehmlich geflügelte Blattläuse und kleine Fliegen verfangen sich in den handtellergroßen Radnetzen, die im Gebüsch und an jungen Bäumen bis in drei Meter Höhe über dem Boden gesponnen werden. Auch in Gärten an Obstgehölzen ist gerade diese Art ziemlich häufig. Die Kürbis-Kreuzspinne fertigt im Sommer nahe des Netzes einen Kokon mit etwa 150 Eiern.

Die noch im Juli/August schlüpfenden Jungspinnen wachsen bis zum Herbst heran und bauen bereits im September bis November Netze zum Beutefang. Erst nach der Überwinterung unter Steinen, hinter Baumrinde oder im Laub werden die Tiere geschlechtsreif und pflanzen sich im Mai/Juni fort.

Jahrein und jahraus vertilgen Kreuzspinnen zahllose Schadinsekten des Waldes, weil diese überwiegen. Aber auch "nützliche" bzw. indifferente Beutetiere fangen sich in den Netzen. Spinnen kennen jene anthropozentrische Einteilung der Tier- und Pflanzenwelt in "schädlich" und "nützlich" nicht. Berechnungen zufolge leben auf einem Quadratmeter naturnaher Wiese rund 130 Spinnen aus den verschiedensten Gruppen, auf einem Hektar also theoretisch 1,3 Millionen. Das sind rein rechnerisch 2,6 Mio Giftklauen, die ständig auf lebendige Beute warten, dabei sind Fangnetze verschiedenster Konstruktion nur ein seit Jahrmillionen erprobtes Hilfsmittel.

Nicht nur im naturnahen Garten leben Spinnen, auch im Wirtschaftsgarten üblicher Prägung kommen zahlreiche Arten vor. Hier wie dort gilt: rissige, blätternde Rinde bei Baumpflege nicht entfernen, hier liegen bevorzugte Winterquartiere der bizarren Spinnen.

http://www.natur-lexikon.com/Texte/MZ/001/00029/MZ00029.html
http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%BCrbisspinne

 

Faszinierende Flechtwerke der Kreuzspinne - Ein ganzes Leben am seidenen Faden

Die Kreuz- bzw. Radnetzspinnen sind allgemein bekannte Tiere, denen aus Unverstand so wenig Sympathie entgegengebracht wird. Wer aber einmal die Entstehung eines dieser kunstvollen Fangnetze mit sehenden Augen verfolgt, ist fasziniert über die Geometrie und präzise Konstruktion solcher, nur von erwachsenen Weibchen erbauten Flechtwerke. In den vergangenen Herbsttagen sind im Erfurter Steigerforst und anderswo zahlreiche Netze gespannt. Die Ablagerung des morgendlichen Taus macht die Flechtwerke noch plastischer.

Die Spinnenfäden sind schnell härtende, komplizierte Eiweißverbindungen, die aus den Spinnwarzen herausgepreßt werden. Solch ein Spinnenfaden besteht aus vielen Einzelfäden. So ermittelte man, daß der Sicherheitsfaden der Garten-Kreuzspinne aus zweihundert einzelnen Fädchen besteht und daß das Radnetz Fäden unterschiedlicher Form und Qualität enthält. Besagte Kreuzspinne spannt erst vier kräftige Rahmenfäden, die an Zweigen, Stengeln, Zaunlatten usw. befestigt sind. Danach wird ein Durchmesserfaden zwischen zwei Rahmenfäden gezogen. Von dessen Mitte werden nacheinander strahlenförmig nach außen verlaufende Speichenfäden gesponnen. Das Netzzentrum bildet die Nabe mit unregelmäßig versponnen Fäden. Nun zieht die Spinne über die Radspeichen von innen nach außen eine Hilfsspirale aus einem trockenen Faden. Erst danach werden die eigentlichen klebrigen Fangfäden angeordnet und von außen nach innen über die Hilfsspirale eingefädelt. Später wird die Hilfsspirale wieder eingeholt.

Solch eine Bauweise ist angeboren. Bei Bau der Speichen wird instinktiv die Netzspannung berücksichtigt. Wenn die Spinne nicht in der Netzmitte auf Beute lauert, sondern sich in einem Schlupfwinkel außerhalb des Netztes verborgen hält, wird zwischen Netzmitte und Schlupfwinkel ein frei hängender Signalfaden gespannt. Er leitet jede typische Netzerschütterung zur Spinne weiter. Die listige Spinne kann wohl zwischen Beute und unnatürlicher Erschütterung unterscheiden. Man muß außerdem wissen, daß Spinnenfäden zu Seide versponnen ein besseres Gewebe ergibt als die herkömmliche Seidenraupen-Seide. Nur ist die Zucht von Spinnen zur "wirtschaftlichen Nutzung" ungleich schwieriger, denn Spinnen müssen einzeln gehalten werden, sonst fressen sie sich gegenseitig auf, und benötigen ständig lebende Nahrung. Indes gab es bereits Versuche, Spinnweb als wertvolle Seide zu verarbeiten.

Die besonders geschütze Wasser- oder Silberspinne baut sogar Gespinstglocken unter Wasser, wohin sie vermittels spezieller Technik Sauerstoff hineintransportiert. Diese interessante Art ist in Erfurts Umgebung zu Hause.

http://www.ausgabe.natur-lexikon.com/Radnetzspinnen.php

 

Raupen - unter Naturschutz

An Hochsommertagen lassen sich an verschiedenen Stellen auffällig farbenprächtige und relativ große Raupen beobachten. Die Raupen des Wolfsmilchschwärmers, einer nach Gesetz besonders geschützten Art, sind fressenderweise an den vergilbenden Stauden von Zypressenwolfsmilch zu bewundern. Heuer zeigen sich sehr viele Exemplare. Mancherorts auf den schütteren Trockenrasen der Steiger-Südostflanke, oberhalb des Wiesenhügels, im Rasen des Tannenwäldchens (unter Kiefern!) usw. sind vier bis fünf fingerdicke und -lange Raupen pro Quadratmeter zu zählen. In anderen Jahren, wenn Wetter und natürliche Feinde selektieren, gibt es weit weniger Raupen - und später entsprechend weniger Schmetterlinge. Übrigens: Alle europäischen Arten der Schwärmer (Hyles spp.) sind besonders geschützt! Der Status betrifft nicht nur die erwachsenen Tiere (Imagos), sondern auch die Raupen- und Puppenstadien, womit auf direktes Nachstellen durch Menschenhand gezielt wird. Da Artenschutz ohne Biotopschutz nicht machbar ist, kommt es darauf an, die Trocken- und Kalkmagerrasen des Steigerrandes und anderswo zu bewahren - für diesen bizarren Schmetterling und andere, mit ihm vergesellschaftete Lebewesen.

Die Raupe des Wolfsmilchschwärmers, eines vorwiegend nachtaktiven, pfeilschnellen Schmetterlings, ist schwarzgrün und weißpunktiert. Gelbe Seitenflecken, roter Rückenstreifen und gebogenes, rot-schwarzes Afterhorn sind kennzeichnend. Die Verpuppung geschieht im Erdboden. Die Puppe überwintert, liegt manchmal zwei bis drei Jahre in der Erde, bevor der recht unscheinbare Falter schlüpft. Das Vollinsekt fliegt von Mitte Mai bis Anfang August (nachts) über warmen, trockenen Grasländereien naturnaher Zusammensetzung.

http://www.insektenbox.de/schmet/schmla.htm

 

Riesenholzwespe - Die Wespenfärbung flößt Respekt ein

Die Riesenholzwespe ist eine der größten Hautflügler-Arten Thüringens. Das abgebildete Weibchen brachte es immerhin auf vier Zentimeter Körperlänge, als es auf einem frisch gefällten Fichtenstamm beim Eierlegen fotografiert wurde.

Die schwarzgelbe Färbung ist "wespenartig" und der lange, stacheIförmige Fortsatz am Körperende flößt Ahnungslosen zutiefst Respekt ein. Der energische Brummton des sehr schnell fliegenden Insekts ist "überzeugend". Ergo: Man geht dem "Ungetüm" lieber aus dem Weg. In Wahrheit ist es jedoch ein völlig harmloses, weil wehrloses Geschöpf: kein Stachel zur Verteidigung, weder Beißwerkzeug noch Gift. Der gewaltige stachelförmige Anhang am goldgelben Hinterleib ist nur ein zweiteiliges Behältnis zur Aufnahme des Legebohrers. Dieses Bohrgerät erweist sich als zentimeterlanger, stahlblauer, hohler Stift, mit dem das Weibchen 5 bis 10 mm tief ins Holz sticht, um 4 bis 5 Eier pro Gelege abzusetzen. Die Gelegezahl schwankt zwischen zehn und fünfzig. Nach vier Wochen schlüpfen die Anfangs winzigen Larven. Sie fressen sich zunächst in der oberen Stammschicht hindurch, später dringen sie in tiefere Stammbereiche vor und zum Schluß des larvalen Daseins kehren die inzwischen fetten, weißlichen Larven in die Nähe der Oberfläche zurück. Hier erfolgt die Verpuppung. Das geschlüpfte Vollinsekt nagt sich anschließend einen kreisrunden Gang ins Freie. Zwei bis drei Jahre dauert diese Entwicklung und die runden Löcher an den Stämmen der Fichten kennzeichnen die Existenz der Riesenholzwespe. Der verursachte Schaden am Stammholz ist meist gering, auch wenn der Fraßgang 30 bis 40 cm lang wird. Zur Eiablage werden frisch gefällte, nicht entrindete, aber auch kranke, noch lebende Nadelbäume benutzt. Im Erfurter Steiger kommt die Art selten vor, jahrweise häufig ist das Vollinsekt dagegen an sonnigen Stellen in den Fichtenforsten um Tannroda-Kranichfeld und Blankenhain. Ökologisch bedeutsam ist die Tatsache, daß die weißlichen Larven von den Larven der großen Schlupfwespe parasitiert werden.

Übrigens: Die Männchen der Riesenholzwespe sind viel unscheinbarer, ihnen fehlt der Legebohrer. Der von den Biologen beschriebene Sexualdimorphismus "bevorteilt" bei dieser Insektenart die Weibchen im phantastischen Aussehen. Bei anderen Arten, z. B. bei den Nashorn- oder Hirschkäfern ist es genau umgekehrt.

http://www.insektenbox.de/hautfl/riehol.htm

 

Weinbergschnecke - Häuschen mit Deckeln verschlossen

Die nach Gesetz besonders geschützte Weinberg-Schnecke, die in der Erfurter Gegend an kalkreichen Stellen manchmal reichlich anzutreffen ist, ging längst zur Winterruhe über. Das Fehlen der Tiere an jenen Orten, wo sie sommers herumkriechen, ist ein deutlicher Hinweis auf das zurückgezogene Dasein. Sie verbargen sich in selbstgegrabenen Erdhöhlen im feuchten Lehm der Wegränder, im humosen, krümeligen Waldboden unter der Fallaubschicht, im locker-frischen Substrat von Mähwiesen und Weiden sowie unter dem Gebüsch naturnaher Gärten und Erfurter Parks. Auf den Internsiv-Äckern der Agrarsteppe können keine Weinbergschnecken leben.

Hin und wieder wird eine ruhende Weinbergschnecke unfreiwillig zur winterlich-kalten Erdoberfläche befördert. Sei es durch menschliche Grabungsarbeiten beim Anlegen von Leitungstrassen, Baugruben usw., oder sei es durch die Wühltätigkeit von Tieren, wie die der Wildschweine, die am Boden nach Nahrung suchend Schollen umlegen.

Im Winterschlaf befindliche Weinbergschnecken erkennt man sofor am Verschluß der Schale: ein weißlicher, fester und luftdurchlässiger Kalkdeckel dichtet das Gehäuse vollständig ab. Im April/Mai des folgenden Jahres wird der Deckel von innen heraus abgesprengt. In schneckenreichen Gegenden sind diese ziemlich dauerhaften Deckel vielfach zu finden, sie lösen sich allerdings etwas schneller auf als die leeren Gehäuse längst verstorbener Exemplare.

Übrigens: die Windungen der Schneckenhäuser laufen in der Regel nach rechts, linksgewindete Gehäuse sind selten. Es soll Sammler geben, die suchen schon jahrelang nach "linken Häusern". Die größten Gehäuse werden fünf Zentimeter breit und ebenso hoch.

"Roman snail" sagen die Engländer zur Weinbergschnecke. Das ist ein sprachlicher Beweis für die kulturgeschichtliche Nutzung dieses Weichtieres.

Allerdings wurden auch 1992 in Thüringen keine Genehmigungen zum gewerblichen Sammeln dieser "Delikatesse" erteilt. Die zuständige Oberste Naturschutzbehörde macht die ungeklärte Populationsdynamik von Helix pomatia dafür geltend und den Umstand, daß diese geschützten Tiere in Gegenden auftreten, die den Flächenschutzstatus tragen.

 

Weinbergschnecke - Es ist für sie die Zeit des Eierlegens

Hier ist nicht die Rede von den Vögeln des stadtnahen Forstes und Landschaftschutzgebietes. hier soll auf die Existenz und Fortpflanzungsbiologie der besonders geschützten Weinbergschnecke aufmerksam gemacht werden. Helix pomatia - die Weinbergschnecke - ist an geeigneten Plätzen rings um die Landesmetropole zu Hause: auf Halbtrockenrasen, im lichten Gebüsch und selbst im Wald. Ob ihre Vorkommen auf mittelalterliche Züchtungen zurückgehen oder ob die Tiere ganz spontan hier vorkommen, bleibt Spekulation. Indes: die Weinbergschnecke, als größte heimische landbewohnende Schnecke, ist eine typisch thüringische. Denn ihr Verbreitungsareal fällt mit der Verbreitung des Muschelkalks - einer geologischen Schichtfolge - ziemlich signifikant zusammen. Und Kalkgesteine bilden allemal den Untergrund des Steigerwaldes.

Weinbergschnecken legen ihre Eier in kleine Erdhöhlen ab. Diese zentimetertiefen Höhlungen graben sich die Schnecken selbst. Jedes erwachsene Tier legt jetzt im Juni bis Juli 40 - 60 weiß Eierchen, die rund 4 - 5 mm groß sind. Es gibt aber weder männliche noch weibliche Tiere, es sind Zwitterwesen. Bei der bereits im Mai erfolgten Paarung vereinigten sich die Tiere längs ihrer Kriechensohlen und stießen sich wechselseitig Kalkpfeile in den Körper. Nach der Eiablage gibt es keinerlei Brutfürsorge, die Jungschnecken schlüpfen etwa 25 Tage nach dem Eierlegen. Ihre winzigen Gehäuse sind dann schon vier Millimeter groß. Allerdings überleben aus den Gelegen höchstens fünf Prozent der Tiere. Alljährlich kommt die halbe Population ums Leben. Sie wird von Vögeln, Spitzmäusen, Igeln usw. gefressen bzw. von Insekten parasitiert. Nur unter günstigen Bedingungen erreichen Weinbergschnecken ein sechsjähriges Höchstalter.

Als klösterliche Fastenspeise wurden diese Schnecken vor tausend Jahren gezüchtet, nachdem sie bereits im antiken Rom als beliebte Leckerbissen galten. Der heutige Naturschutzstatus der Weinbergschnecke wurde nötig, um die Art nicht durch allzu heftiges Sammeln zu gefährden. Aus dem Thüringer Umweltministerium war jüngst zu erfahren, daß für 1991 keine Sammelerlaubnis für thüringische Weinbergschnecken erteilt wurden. Dafür gab es gewichtige Gründe: fehlende wissenschaftliche Daten zur Populationsdynamik der Art, wesentliche Beschränkung dieser Tiere auf die 20 c-Biotope usw. Zwecks Vermarktung wird man in den nächsten Jahren vermutlich wieder auf "Schnecken-Farmen" zurückkommen müssen ...

http://www.natur-lexikon.com/Texte/HWG/001/00063/HWG00063.html

Säugetiere

Eichhörnchen - besonders geschützt

Es ist reichlich dreihundert Jahre her, da wurden die Eichhörnchen des Steigerwaldes als Delikatesse auf dem Erfurter Markt verkauft. Die damalige Marktordnung forderte, daß das "kleine Wildbret, wie Rebhühner, Hasen, Eichhörnchen usw., aus hygienischen Gründen nur einen Tag feilgeboten werden durfte". Eine sittenstrenge Polizei hackte Ständer und Läufe der Tiere ab, damit diese "Frischhalte-Ordnung" kontrollfähig blieb. Einbeinige Rebhühner, beinlose Hasen und Eichhörnchen lagen dann gesondert zum Verkauf, wenn sie "einen zweiten oder dritten Tage gegen das Stadtgesetz zum Markt gebracht wurden", so schrieb Timpel1906 in seiner "Festschrift über den Steigerwald". In der früheren DDR unterlagen diese Tiere den Bestimmungen des Jagdgesetzes. Ihre Zuordnung zu den jagdbaren Tieren sollte Massenvermehrungen vorbeugen. Durch die Bundesartenschutzverordnung hat sich dieser Rahmen völlig verändert: das Eichhörnchen avancierte zu einer besonders geschützten Tierart.

Der Steiger und die Parks in Erfurt sind die Heimstatt der Eichhörnchen geblieben. Hier kommen diese Nagetiere aus der zoologischen Familie der Hörnchenartigen sowohl in der fuchsroten wie in der schwärzlichbraunen Farbvariante vor. Eichhörnchen streifen weit umher. 30 bis 50 Hektar kann das Revier eines Tieres umfassen. Sie fressen Eicheln und Bucheckern, Nadelbaumsamen und Haselnüsse, Kastanien, Beeren, Knospen und Rinde von Bäumen, Vogeleier, Jungvögel, Schnecken, Käfer und Obst - und nicht zu vergessen: auch Freßbares aus diversen Abfallkörben an den Wanderwegen.

Der tägliche Nahrungsbedarf von rund 80 Gramm ist leicht zu erreichen. Trotzdem erstaunt es, daß Eichhörnchen riesige Mengen Futtervorräte im weichen Waldboden verscharren. Der Diebstahl zahlreicher Vogelgelege Ist die andere Seite. Natürliche Feinde des Eichhörnchens sind Baummarder und Habicht. Beide Beutegreifer kommen im Steiger vor. Achtung! Auch Eichhörnchen sind Überträger der Tollwut.

http://www.natur-lexikon.com/Texte/MW/001/00003/MW00003.html

 

Fledermäuse - Braune Langohren schlafen auch hinter den Fensterläden

Fledermäuse kommen auch im stadtnahen Wald vor. Trotz interessanter Erkenntnisse über ihr Leben sind Vorurteile und selbst abergläubische Vorstellung immer noch verbreitet. Zu Unrecht werden den dämmerungs- und nachtaktiven Flugsäugern allerlei Märchen angedichtet. Die üble Nachrede reicht vom "in die Haare der Frauen fliegend" bis zu "blutrünstigen Monstern",

Aufgeklärte Naturfreunde wissen indes, daß Fledermäuse erstens in Deutschland schon viele Jahre gesetzlichen Schutz genießen, daß es zweitens reine Insektenvertilger und daß es drittens echte Winterschläfer sind.

Leider sind die heimischen Fledermausvölkchen stark abnehmend. Offenbar reicht der gesetzlich verbriefte Schutz keineswegs aus. Vielmehr muß sich der Naturschutz um Fortpflanzungsstätten, Nahrungsfragen usw. kümmern, denn Artenschutz ist ohne Biotopschutz nicht realistisch.

Wer sommers in der Abenddämmerung durch den Steiger wandert, kann gelegentlich einzelne Fledermäuse jagen sehen. Völlig geräuschlos und auf verschlungenen Flugbahnen eilen die Tierchen schemenhaft längs der Waldwege, zwischen den Bäumen und auf Lichtungen umher. Ihr Zickzackflug führt sie einmal in die höchsten Baumkronen, ein anderes Mal jagen sie dicht über den Waldboden.

Folgende Arten sind im Steiger sicher nachgewiesen: Braunes und Graues Langohr, Mopsfledermaus, Großer Abendsegler und Zwergfledermaus. Exakte Untersuchungen über Aufenthaltsplätze der Fledertiere stehen im Erfurter Raum noch aus. Hohle Bäume als Tagesverstecke und - ersatzweise - die Fledermaus-Schlafkästen werden genutzt.

Gewiß sind die ehemaligen "Felsenkeller" - wichtige unterirdische Lagerräume aus dem vorigen Jahrhundert sehr bedeutungsvolle Winterwohnungen. Und ziemlich gewiß ist außerdem, daß manche Dachräume der älteren Häuser am Steigerrande als Sommerwochenstuben von den weiblichen Tieren genutzt werden. Hinter Fensterläden, in Jalousiekästen, hölzernen Wandverkleidungen usw. wurden mehrfach Fledermäuse schlafend festgestellt. Ein Tor ist, wer sie von dort vertreibt!

http://www.ausgabe.natur-lexikon.com/Fledermaeuse.php

 

Igel - Das IgelkIeid hat 16tausend Stacheln

Igel werden bereits mit Stacheln geboren. Das unterscheidet sie deutlich von anderen Insektenfressern, denn diese kommen nackt zur Welt. Allerdings sind die Stacheln bei der Geburt noch nicht ausgehärtet. Erst mit rund 50 Tagen Alter, wenn die Jungigel selbständig geworden sind, die Mutter verlassen haben, ist das Schutzkleid vollends entwickelt. Kurz nach der Geburt sind die Stacheln weich und sehr hell und sie stehen auch noch nicht so dicht (unser nebenstehendes Foto zeigt einen wenige Tage alten Jungigel). Später, so versichern Experten, umfaßt der stachlige Rock rund 16tausend Stacheln, die zeitlebens nicht mehr gewechselt werden müssen.

Bei Gefahr wird die stachlige Haut mittels eines darunter liegenden Muskels kugelförmig zusammengezogen. Diesem Muskelpaket obliegt die eigentliche Schutzfunktion. Dabei richten sich oberseits die Stacheln einzeln auf, wenn sich das Tier sehr schnell zur Fast-Kugel gerollt hat. Gar manche Hundeschnauze stieß sich daran schon blutig.

Es gibt jedoch natürliche Feinde, denen macht solch eine Verteidigungsstellung des Igels gar nichts aus. So durchschlagen die langen und dolchspitzen Krallen des dämmerungsaktiven Uhus mühelos die stachlige Abwehr. Igel gehören zur bevorzugten Beute dieser geschützten Großeule. Und Sus scrofa – das Wildschwein – frißt einen Igel mit zwei, drei Bissen samt und sonders. Aber letzteres geschieht wohl nur rein zufällig.

Im Erfurter Steiger haben die Igel praktisch keine natürlichen Feinde mehr. Fuchs, Dachs und Iltis gibt es zwar noch, doch fallen diese nicht oder kaum ins Gewicht. Dafür ist der Gabentisch für den Igel reichlich gedeckt, speziell in den Steiger-Randbereichen, wo sich auch Gärten befinden. Hier besteht die "Nützlichkeit" eben darin, daß er Bodeninsekten und junge Mäuse, Schnecken und Drahtwürmer frißt. Allerdings vertilgt er auch Gelege von brütenden Vögeln.

Im Erfurter Raum dürfte der Igelbestand - zwar jahreweise schwankend - recht stabil sein. Die verkehrstoten Igel an den Straßenrändern sind allerdings ein traurig stimmender Anblick. Indes gibt es derzeit keine praktikablen Möglichkeiten, solche Opfer zu vermeiden. Höchstens: Langsamer fahren. Und da sind schon fünfzig zugelassene Stundenkilometer innerhalb der Ortschaften zu schnell.

In diesen Tagen kommt der zweite Jahreswurf zur Welt. Er wird nur von der Mutter betreut. Der Igelvater ist Einzelgänger, ihn kümmert das Los der Familie gar nicht.

 

Igel - Stacheltiere sind nach wie vor aktiv

Obwohl der Igel biologisch zu den Winterschläfern gehört, bedeutet dies nicht, daß er an einem bestimmten festen Termin des Herbstes ein frostfreies Versteck aufsucht. Vielmehr wird seine biologische Aktivität vom langfristigen Wetterablauf gesteuert. Geringer Nachtfrost reicht da keineswegs zum Schlafengehen aus. So kann man noch im November und Dezember - meist in den frühen Abenstunden - einzelne nahrungssuchende Stacheltiere antreffen. Und im übrigen kann ein bereits begonnener Winterschlaf unterbrochen werden.

Daß der strukturell abwechslungsreiche Steigerforst zum Lebensraum des mitteleuropäischen Braunbrust-Igels gehört, ist seit langem bekannt. Hat ein Igel ein zusagendes Revier eingenommen, verhält er sich ziemlich standorttreu. Und das sogar über mehrere jahre bzw. ein Igelleben lang. (Das Igelleben dauert im Durchschnitt 3 - 5 jahre.) Aber jeder Igel ist ein völliger Einzelgänger, er lebt nur für sich allein. Eine "Igelfamilie" existiert nur kurzzeitig und besteht lediglich aus der Igelmutter mit den Nachkommen. Die 3 - 6 Jungigel werden sehr bald "verstoßen" bzw. "fortgebissen" und müssen spätestens acht Wochen nach der Geburt eigene Wege gehen. Je nach Raumstruktur und Nahrungsangebot durchstreift ein Igel in jeder Nacht zwei- bis fünftausend Quadratmeter Fläche, Seine Aktivitätsphase dauert indes nur zwei bis drei Stunden, die längste Zeit des Tages und auch der Nacht wird ganz einfach verschlafen, Soll ein Igel seiner "nützlichen" Tätigkeit nachkommen, müssen die Zäune zwischen den Gärten für ihn durchlässig sein. Hier hat sich eine Gehölzhecke oder ein Jägerzaun als günstig erwiesen.

Schlafende Igel unter Bretterstapeln, Komposthaufen, Laub-, Reisig-, Stroh- und Astwerkhaufen verraten ihre Anwesenheit durch schniefende, schnarchende und hustende Geräusche.

Der Befall mit Lungenwürmern und andere Parasiten veranlaßt die Igel zu solchen Lautäußerungen selbst während des Schlafens.

Daß die aus falsch verstandener Tierliebe leider immer wieder publizierte und praktizierte Igelüberwinterung in menschlicher Obhut gesetzwidrig und ökologisch unsinnig ist, muß nicht dauernd wiederholt werden. Ein zufällig entdecktes Schlafnest ist sofort wieder mit Folie, Dachpappe, alten Decken und Laubstreu zu verschließen. Komposthaufen bedürfen der besonderen Aufmerksamkeit: die innere Gärungswärme zieht einen Igel wie magisch zwecks Überwinterung an.

http://www.natur-lexikon.com/Texte/HWG/001/00081-Igel/HWG00081-Igel.html

 

Spitzmäuse - Winzlinge mit Raubtiergebiß

Die zoologische Familie der Spitzmäuse gehört in der Klasse Säugetiere zur Ordnung Insektenfresser. Mit dem Nagetier Maus haben sie fälschlicherweise den deutschen Namen gemeinsam.

Spitzmäuse sind keine Mäuse und sie sind alle besonders geschützt, wie es in der Bundesartenschutzverordnung heißt.

In Thüringen wurden mehrere Arten Spitzmäuse nachgewiesen, auch im Erfurter Steiger: Feld-, Haus- und Gartenspitzmaus aus der Gattung Crocidura (Wimperspitzmäuse) tummeln sich hier. Wasserspitzmäuse gibt es in den Gräben bei Gebesee (Gattung Sorex, Rotzahnspitzmäuse ).

Den niedlichen Spitzmäusen gemeinsam ist die langgestreckte, schmale Kopfform mit der rüsselförmigen Nase und der verlängerten Oberlippe. Ihr Fell ist sehr kurz, dicht und glänzend. Kleine spitze Zähne deuten das Raubtier an. Käfer und andere Insekten, Insektenlarven und -puppen, Schnecken und sogar kleine Wirbeltiere stellen die vorwiegend tierische Kost dar. Spitzmäuse sind ständig auf Nahrungssuche, sie sind sowohl tag- als auch nachtaktiv.

Die Gefräßigkeit trug einst zur Eingruppierung bei den "nützlichen Tieren" bei, eine nicht mehr zeitgemäße Einteilung der Tierwelt.

Die heimischen Spitzmäuse halten keinen Winterschlaf. Neben dem Wiesel sind Eulen und Greife die wichtigsten natürlichen Feinde der Spitzmäuse.

In der Umgebung Erfurts ist die Feldspitzmaus (Crocidura leucodon) relativ häufig anzutreffen. Waldränder, Gärten, Steinhaufen, Flurgehölze bilden ihren Lebensraum. Ihr Körper mißt maximal neun Zentimeter Länge, der Schwanz erreicht nur drei bis vier Zentimeter.

Dadurch wirken die ansonsten niedlichen Tiere recht plump. Bisweilen dringen Feldspitzmäuse auch in menschliche Behausungen ein, besonders winters. Sie richten aber keinen Schaden an den Nahrungsvorräten an. Die "Spitzmaus-Karawane", wo sich Jungtiere an der Schwanzwurzel hintereinander festbeißend der Mutter folgen, ist eine höchstinteressante Erscheinung.

http://de.wikipedia.org/wiki/Spitzm%C3%A4use

Vögel

Mäusebussard - Im Gleitflug über das Revier

Am Himmel der Erfurter Gegend ist der Mäusebussard (Buteo buteo) eine gewohnte Erscheinung. Seine ökologische Bedeutung für den Haushalt der Kulturlandschaft ist groß. Warum wohl werden sonst Standkrücken als Jagdhilfen auf die Stoppelfelder gestellt, um seine "Anstandsjagd" auf Schadnager zu erleichtern?

Buteo buteo ist größer als eine Krähe. Die Färbung des Gefieders wechselt, ist im allgemeinen oberseits dunkel- bis hellbraun, die Unterseite kann heller sein. Sehr helle, beinahe weiße Exemplare sind nicht selten. Die Zeichnung aus Flecken, Bändern und Schecken ist individuell verschieden. Der Greif ist ein Jahresvogel, d.h. er verbleibt auch winters weitgehend im Brutgebiet. Nur einzelne Tiere ziehen im Spätherbst weiter west- bis südwestwärts. Dafür kommen Mäusebussarde aus weiter östlich bis nördlich gelegenen Gegenden nach Thüringen herein.

Die Anstandsjagd von Randbäumen der Straßen und von Verkehrsschildern aus ist ein gewohnter Anblick. Solch Bild kündet vom Mangel an geeigneten Jagd-Anständen. Die Konzentration der "grauen Ritter" an Straßen, wo sie auch Aas aufnehmen, vermittelt Laien ein falsches Bild der Häufigkeit. Gewiß ist der Vogel derzeit ungefährdet, in Thüringen dürften mehrere hundert Brutpaare zu Hause sein. Brutplätze befinden sich am Steigerrand auf hohen Bäumen, der Hort ist in unbelaubten Bäumen gut zu sehen.

Übrigens: In der früheren DDR stand der Mäusebussard nicht unter Naturschutz, jetzt ist er geschützt.

Typisch ist der ausgedehnte gleitende, beinahe schwerfällige Flug der Vögel in Kreisform. Zur Balzzeit im nächsten Frühjahr kann man attraktive Flugspiele der Ruder- und Sturzflüge beobachten.

http://www.natur-lexikon.com/Texte/HWG/001/00032/HWG00032.html

 

Spechte - eifrige Quartiermeister

Was wäre der Erfurter Steigerwald ohne seine vielen tausend Vögel? Zur umfangreichen Vogelschar zählen weit verbreitete Kleinvogelarten: Kohl-, Blau- und Sumpfmeise, Kernbeißer, Zilpzalp, Gimpel, Zaunkönig, Mistel- und Wacholderdrossel, Rotkehlchen, Kleiber, Trauerfliegenschnäpper und viele andere. Sie alle gehören zum lebendigen Inventar des stadtnahen Waldes und erst ihre Vielartigkeit ist ein Gradmesser für den Gesundheitszustand des naturnahen Forstes.

Mehrere Arten werden wegen des Nistplatzes als Höhlen- oder Halbhöhlenbrüter bezeichnet, wie Kohlmeise oder Kleiber oder Hohltaube. Woher kommen diese Höhlungen? In einem naturnahen Wald Mitteleuropas besteht ein ständiges Wohnungsangebot, wie ausgefaulte Astlöcher, hohle Baumstämme, WindbruchsteIlen. Den Spechthöhlen kommt eine zentrale Bedeutung zu, denn das Volk der Spechte zimmert alljährlich Tausende Höhlen ins Stammholz bestimmter Bäume. In Baumplantagen und akuraten Kunstforsten fehlen in der Regel ausreichend Nistplätze für Höhlenbrüter, weil die gleichaltrigen und meist gleichartigen Baumbestände oft schon lange vor eventuellen altersbedingten Höhlenbildungen gefällt werden bzw. weil alte und kranke Bäume nicht in jedem Fall geduldet werden können. Erst als Ausweg aus dem erkannten fehlenden Bruthöhlenangebot wurde vor reichlich hundert Jahren der künstliche Vogelnistkasten erfunden und je nachdem für Höhlen- oder für Halbhöhlenbrüter konstruiert. Sie sollten die Wohnungsnotstände lindern, die durch forstliche Kultivierung und stark verkürzte Umtriebszeiten der Nutzbaumarten bedingt waren.

Im Steiger stehen neben den Horstbäumen für Greife und Eulen, wo sich winters in den kahlen Kronen ein mehr oder weniger großer Nestbau zeigt, ganz besonders die Höhlenbäume im Mittelpunkt von Naturschutzbemühungen. Meistens befinden sich solche Höhlungen im oberen Stammbereich der Altbäume, nahe des Kronenansatzes, seltener weiter unten in Mannshöhe. Die Höhlenbäume sind aber nicht nur als Vogelbrutplätze von erheblicher Bedeutung. Schon lange kennt man die Funktion der Höhlen als Überwinterungs- oder Übersommerungsquartiere, als Tagesverstecke oder Nachtschlafplätze. Staatenbildende Insekten, Fledermäuse, Schläfer sind hier zu Hause, von den geschmähten Hornissen bis zu den niedlichen Siebenschläfern reicht das Spektrum. Als "Quartiermeister" fungieren Großer Buntspecht, Mittel- und Kleinspecht. Sie zimmern fast jedes Jahr eine eigene neue Bruthöhle, die sie nach dem Verlassen anderen Nutzern kostenlos zur Verfügung stellen.

http://www.ausgabe.natur-lexikon.com/Specht.php

 

Waldohreulen - Lebendige "Aststümpfe " im Tannenwäldchen des Steigers

Alle Winter wieder verursacht die Kälte Veränderungen in der heimischen Tierwelt. Betroffen sind vor allem die Vögel. Der regelmäßige Notstand in der Nahrungsversorgung gipfelt im bekannten Vogelzug. Aber selbst im tiefsten Winter spielen sich noch Wanderungen scheinbar einheimischer Gefiederter ab.

Für den Laien unbemerkt haben sich seit einigen Wochen die Waldohreulen des Nordens und Ostens in thüringische Gefilde begeben. Sie suchen die "Überwinterungsbäume" auf. Hier versammeln sie sich in größerer Zahl, manchmal tage- und wochenlang reglos im Gezweig hockend.

Bemerkenswerterweise suchen diese Eulen alle Jahre wieder dieselben Plätze auf, manchmal lassen sich in einer Baumkrone bis zu zehn Tiere zählen.

Die Waldohreule ist in der Gegend Erfurts zu Hause. Sie hat zahlreiche Brutplätze in Feldgehölzen, Parks und auf Friedhöfen. In den Mischwäldern des Fahner Gewölbes, des Steigers, der Kranichfelder Umgebung sind solche Eulen als Nachnutzer von Krähennestern festzustellen. Die nachtaktive Lebensweise macht ein ständiges Beobachten schwierig. Nur zur Balzzeit im Frühjahr macht sie durch kreischende und pfeifende Laute auf sich aufmerksam, da sie nur in der Dämmerung fliegt, sind anwesende Tiere schwer zu beobachten. Tagsüber ruhen sie im dichten Gezweig aus, von Ferne einem Aststumpf ähnelnd.

Da Mäuse die wesentliche Nahrung der Waldohreulen sind, dürfte der natürliche Mäusereichtum der Erfurter Gegend die Ursache des Versammelns auch jetzt im tiefsten Winter sein. Wenn sich allerdings die kleinen Schadnager unter der dichten Schneedecke bewegen, bleiben sie den ansonsten scharfen Ohren der Beutegreife verborgen. Waldohreulen können wochenlang ohne Nahrung auskommen, ihre Sterberate steigt aber mit der Dauer der Kälteperioden an. Der nächste mäusereiche Sommer gleicht die Verluste naturgegeben wieder aus, weil eine reichliche Nachkommenschaft aufgezogen werden kann.

Aktuelle Beispiele für "Überwinterungsbäume" sind die hohen Kiefern im sogenannten "Tannenwäldchen" unterhalb der Steigerkaserne und die Friedhofsbäume in Stotternheim. Auch in einzeln stehenden hohen Fichten in Erfurt-Süd sind bisweilen überwinternde Waldohreulen zu beobachten. Hinweise für erkannte Ansammlungen solcher Tiere nimmt die Redaktion gern entgegen.

http://www.natur-lexikon.com/Texte/HWG/001/00011/HWG00011.html

Letzte Aktualisierung ( 02. 10. 2014 )