Röhrichte
Geschrieben von Alexandra Zicke   
21. 11. 2006

Inhaltsverzeichnis 

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1. Beschreibung / Vorkommen

Der Begriff Röhricht leitet sich aus dem Begriff „Rohrwald“ ab. Dieser Name ist sehr zutreffend, da die aus hauptsächlich kräftigen Gräsern bestehenden Röhrichte regelrechte Halmwälder bilden.

An der Schnittstelle zwischen Land und Wasser, d.h. im flachen Wasser stehender und sehr langsam fließender Gewässer kommen Röhrichtgesellschaften vor. Man bezeichnet sie als sogenannte Verlandungsbiotope. Dabei entstehen im Laufe des Verlandungsprozesses nach und nach verschiedene Biotopstrukturen.

Röhrichte besiedeln vorwiegend die Ufer- und Flachwasserzonen von Fließ- und Stillgewässern. An den Ufern von Seen bilden sie meist breite Schilfgürtel. Schmalere Röhrichtgürtel entwickeln sich entlang von Fliessgewässern oder als Folgegesellschaften nicht mehr genutzter Feuchtwiesen. Auch an anderen feuchten bis morastigen Standorten wie zum Beispiel Auen und Niedermoore oder in nassen Senken sind Röhrichte anzutreffen. Auch siedeln sie sich in Bereichen der Süß- und Brackwasser-Wattflächen an. An Standorten, an denen das Grundwasser hoch ansteht finden sich ebenfalls häufig Röhrichte. Sie sind vielfach ein wesentlicher Bestandteil von Verlandungsbereichen stehender Gewässer, naturnahen Fluss- und Bachabschnitten, Kleingewässern, Wattflächen und Sümpfen.

Sie zeichnen sich durch einen hohen Anteil an Schilf und anderen grasartigen Pflanzen aus. Es gibt Großröhrichte aus Schilf, Rohrkolben u.a. und Kleinröhrichte, das heißt kleinwüchsige Bestände wie Igel-Kolben, Bach-Ehrenpreis u.a.

Hochwüchsige Großröhrichte überwiegen an Flüssen, Teichen, Weihern und Seen. Sie sind von Schilf, Rohrkolben, Wasser-Schwaden, Rohrglanzgras, Teichsimse oder Iglkolben dominiert. Mit Kleinröhrichten aus zum Beispiel Froschlöffel, Tannenwedel, Teich-Schachtelhalm oder Pfeilkraut sind sie häufig vergesellschaftet. Weitere typische, teilweise bestandsbildende Röhrichtarten an stehenden oder langsam fließenden Gewässern sind Kalmus, Sumpf-Schwertlilie, Wasserfenchen, Wasserkresse und Fluss-Ampfer.

Die Wattröhrichte an der Küste und im Bereich der tidebeeinflussten Flussläufe sind besonders durch Strandsimse und Salz-Teichsimse charakterisiert.

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2. Ökologische Bedeutung

Die Röhrichtzonen sind ein bedeutender Lebensraum für eine große Anzahl an Tieren. So leben viele Vogelarten in diesem Habitat. 71% davon stehen bereits auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten. Für ziehende und angrenzend lebende Singvögel stellen die Röhrichte einen wichtigen Rastplatz dar, denn sie finden hier ein reichhaltiges Nahrungsangebot, da hier eine vielfältige Insektenfauna vorhanden ist. Vielen Vögeln werden hier gute Nistmöglichkeiten geboten. So dienen die Halme als Sitzwarte für die Futtersuche, als Nahrungsreservoir oder als Schlafplatz. In der Zeit der Mauser finden die Vögel in diesem Habitat gute Deckungsmöglichkeiten vor Fressfeinden. So brütet zum Beispiel der Teichrohrsänger nur in Schilfgürteln und ist somit sehr stark an das Vorkommen dieser Pflanzen gebunden. Im Winter finden auch Vögel aus anderen Lebensräumen Nahrung (z.B. Samen der Schilfpflanzen oder Insektenbrut). Den Insekten bieten die Halme Schutz vor der Witterung, dienen als Nahrungsquelle, als Brutstätte für ihre Larven und als Überwinterungsquatier für ihre Brut.

Unter Wasser besiedeln Kleintiere und Algen die Stengel. Diese dienen dann Krebsen, Larven, Jungfischen und Schnecken als Nahrung.

Das Mikroklima der Röhrichtflächen verändert sich von den Randbereichen aus nach innen sehr stark. Der Wind zum Beispiel kann in den Randbereichen direkt angreifen, im Inneren eines ausgedehnten Röhrichtes ist er stark abgemildert. Dieses wiederum hat enorme Auswirkungen auf Luftfeuchtigkeit und Temperatur.

Die wasserseitige Röhrichtgrenze unterscheidet sich wesentlich von der landseitigen Röhrichtgrenze. So bieten beide Schnittstellen völlig unterschiedliche Lebensraumbedingungen für die Fauna. Die Lebensräume des Röhrichts lassen sich in den „oberen Rohrwald“ an den Halmspitzen und in den „unteren Rohrwald“ nahe der Wurzeln oder direkt im Boden aufteilen. Doch erst wenn die Röhrichte eine gewisse Größe erreicht haben, können diese differenzierten Lebensräume entstehen. Bei schmalen Streifen kann man kaum zwischen „drinnen“ und „draußen“ unterscheiden.

Desweiteren kann Schilf als natürliche Kläranlage bezeichnet werden, da sie der biologischen Selbstreinigung der Gewässer zuträglich ist. Hierbei übernimmt jedoch nicht die Pflanze selber diese Reinigungsfunktion, sondern Algen und Kleintiere an den Stengeln. Da die Pflanzenstengel innen hohl sind, kann durch sie Luft zirkulieren. Auf diese Weise werden die unterirdischen Pflanzenteile mit Sauerstoff versorgt. An den Wurzeln wird ein Teil des Sauerstoffes an die umgebenden Bodenschichten abgegeben. So können sich an den Wurzeln Mikroorganismen ansiedeln. Diese sind dann in der Lage, organische Stoffe abzubauen und verringern somit den Nähsrstoffeintrag in das Wasser. Damit dieser Abbauprozess stattfinden kann, sind Röhrichtzonen als sauerstofflieferant notwendig.

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3. Beispiele für Tiere der Röhrichte

3.1. Über und im Wasser
3.1.1. Säugetiere

 

 

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3.1.2. Vögel / Avifauna

 

 

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3.1.3. Insekten

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3.2. Unter Wasser

 

 

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4. Beispiele für Pflanzen und Pflanzengesellschaften der Röhrichte

4.1. Typische Pflanzenarten

 

 

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4.2. Typische Pflanzengesellschaften

Auf Grund des Standortes und der dominierenden Grasart unterscheidet man folgende Verbände:

Verband: Glycerio-Sparganion (Fließwasserröhricht)

Gesellschaft:

 

  • Sparganio-Glycerietum fluitantis (Flutschwaden-Röhricht)
  • Glycerietum notatae (Faltschwaden-Röhricht)
  • Nasturtietum officinalis
  • Nasturtietum microphylli (Brunnenkresse-Gesellschaften)
  • Leersietum oryzoides (Reisquecken-Röhricht)


Verband: Phragmition (Stillwasserröhricht) (= Phragmition australis)

 

Gesellschaft:

 

  • Scirpo-Phragmitetum, (Schilf-Röhricht)
  • Dominanzbestand von Schoenoplectus lacustris - Phragmitetalia
  • Dominanzbestand von Typha angustifolia - Phragmitetalia
  • Dominanzbestand von Typha latifolia - Phragmitetalia
  • Glycerietum maximae (Wasserschwaden-Röhricht)
  • Glycerio-Sparganietum neglecti
  • Oenantho-Rorippetum amphibiae (Wasserfenchel-Kressesumpf)
  • Acoretum calami (Kalamus-Röhricht)
  • Butometum umbellati (Schwanenblumen-Röhricht)
  • Hippuridetum vulgaris (Tannenwedel-Gesellschaft)
  • Sagittario-Sparganietum emersi (Pfeilkraut-Gesellschaft)
  • Eleocharis palustris (Sumpfbinsen-Gesellschaft)
  • Equisetum fluviatile (Schlamm-Schachtelhalm- Gesellschaft)

 


Verband: Bolboschoenion maritimi (Brackwasserröhricht)

Gesellschaft:

  • Bolboschoenus compactus (Brackröhricht-Gesellschaft)

 

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5. Besonders geschützte Biotope - §18 Thüringer Naturschutzgesetz

Röhrichte sind nach dem Thüringer Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege (Thüringer Naturschutzgesetz – ThürNatG - §18 Besonders geschützte Biotope, Absatz 1. Quellbereiche, naturnahe Bach- und Flussabschnitte, naturnahe Kleingewässer, Altwasser, Verlandungsbereiche stehender Gewässer, Moore, Sümpfe, Röhrichte, seggen-, binsen- und hochstaudenreiche Nasswiesen, nicht intensiv genutzte Feuchtwiesen, Bergwiesen, Binnensalzstellen) geschützt.

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6. Gefährdung der Röhrichte

In der Roten Liste der gefährdeten Biotoptypen der BRD sind bereits vier der sieben Röhrichtarten aufgeführt. Dieses ist die Folge von gravierenden Eingriffen in diese Biotopstrukturen. So vertragen Röhrichte keinen Schnitt und keine Beweidung. Aufgrund von Beseitigungen im Rahmen wasserbaulicher Maßnahmen (z.B. Flußbegradigungen), Entwässerung, Verfüllung, durch die Anlage von Fischteichen, Nährstoffeinträge/Überdüngung (Eutrophierung) der Gewässer durch Abwässer und intensive Landwirtschaft, Wasser- und Angelsport (Trittschäden) sind Röhrichtvorkommen gefährdet.

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7. Möglichkeiten zum Schutz der Röhrichte

Mittlerweile konnte festgestellt werden, dass aus ökologischer Sicht keine Notwendigkeit besteht, Schilfröhrichte zu pflegen.

Vermeindliche pflegerische Massnahmen wie zum Beispiel eine regelmässige Mahd und Beseitigung der Röhrichtpflanzen bringt in Hinblick auf die Nährstoffaufnahme keinen wesentlchen Erfolg, da die Nährstoffaufnahme in den Wurzeln und nicht in den Blättern und Halmen fixiert werden. Daher ist es den Röhrichten zuträglicher, wenn man es komplett sich selbst überlässt.

Des weiteren hat die Wasserqualität einen erheblichen Einfluss auf den Zustand der Röhrichte. Ein wichtiger Aspekt in Hinblick auf den Erhalt und Schutz der Röhrichte ist in den betroffenen Gewässern die Reduzierung des Nährstoffgehaltes und des Eintrages in das Wasser.

An Uferbereichen, an denen das Schilf völlig verschwunden ist und an denen es zu Erosionsschäden kommt, kann von einer natürlichen Wiederbesiedelung durch Röhrichte nicht ausgegangen werden. Hier kann nur durch wasserbauliche Massnahmen versucht werden, eine Neubegründung der Schilfbestände zu erreichen.

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7.1 Massnahmen

Wichtig für den Erfolg ist das großzügige Anlegen von Schutzgebieten in den betroffenen Bereichen. Auf weitere Verbauungen der Uferbereiche sollte verzichtet werden. In das Schutzkonzept sollten vorgelagerte Flachwasserzonen und landseitige Pufferflächen integriert werden. Positiv auf Röhrichtvorkommen wirkt sich eine Reduzierung der Nährstoffbelastung der Gewässer aus. Sofern es vereinbar ist, sollte auf Angelsport und Jagdt innerhalb von Röhrichtzonen verzichtet werden. In Verbindung mit Schutzkonzepten sollte eine Wiederansiedlung von Röhrichtbeständen erfolgen.

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8. Naturschutzgebiete mit Röhrichtvorkommen in Thüringen

Der Wartburgkreis hat Anteil an 44 Naturschutzgebieten (NSG). Davon liegen 39 NSG vollständig und fünf NSG teilweise im Kreisgebiet.

Auswahl an Naturschutzgebieten mit Röhrichtvorkommen:

Im NSG 208 "Werraaue Treffurt" hat sich nach Aufgabe der Kiesgewinnung an der thüringisch-hessischen Grenze ein naturschutzfachlich wertvoller Bereich entwickelt, der im Kern aus sich naturnah entwickelnden Teichen besteht, die von besonderes schützenswerten, großflächigen Schilfröhrichten, von Großseggenriedern, Ufergehölzen, Verlandungszonen mit Flachwasserbereichen, Wiesenbrachen mit artenreicher Krautschicht, Ruderal- und Hochstaudenfluren umgeben sind.

Das NSG 137 "Forstloch-Riedwiesen" in der Werraaue zwischen Breitungen und Immelborn ist gekennzeichnet durch eine Vielzahl von Lebensräumen wie den Flusslauf der Werra mit seinen Uferbereichen, Gräben, Stillgewässer, Mähweiden, Röhrichte, Seggenrieder und Auwaldrelikte. Das Gebiet stellt einen überregional und stellenweise national bedeutsamen Lebensraum, Brut-, Rast- und Nahrungsplatz für eine Vielzahl von teilweise hochgradig bedrohten Vogelarten dar. Es ist Lebensraum für zahlreiche vom Aussterben bedrohte und gefährdete Tier- und Pflanzenarten und Pflanzengesellschaften, insbesondere die der Gewässer und ihrer Verlandungsbereiche sowie der Frisch- und Feuchtwiesen und anderer Feuchtstandorte.

Im NSG 214 "Alte Werra" bei Neustädt wird ein vielgestaltiger Auenkomplex entlang der Werra unter Schutz gestellt. Morphologische Besonderheiten sind das mäandrierende Flussbett, die Altwasserreste sowie die weite, ebene Oberflächengestalt der Aue. Die Werraaue beinhaltet hier eine Vielzahl gefährdeter und geschützter Pflanzengesellschaften wie Hochstaudenfluren feuchter Standorte, Feuchtwiesen und Feuchtweiden, Flutrasen, Riede, Röhrichte und Ufergehölze. Diese Standorte stellen wichtige Lebensräume für gefährdete und geschützte Tierarten, insbesondere Vögel, Lurche, Fische und Gliedertiere dar.

Quelle: Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG): Umwelt regional - Naturschutz Wartburgkreis

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9. Quellen

 

 

 

Letzte Aktualisierung ( 12. 06. 2014 )